Wie verkaufe ich erfolgreich eine Idee für einen TV-Krimi?

Idee verkaufen TV Film
Ideen zu haben ist himmlich. Sie auszuarbeiten die Hölle. | © Grafik: Filmpuls

Leserfrage an Dr. Film: Ich habe eine geniale Idee für einen TV-Krimi. Doch um ein Drehbuch zu schreiben fehlt mir die Zeit. Wie verkaufe ich meine Idee, ohne dass sie mir gestohlen wird? Und was muss ich tun, damit ich nach dem Verkauf weiterhin mitbestimmen kann?

Ideen sind nicht alles. Aber ohne die richtige Idee läuft im Geschäft mit Entertainment nichts. Das gilt für das Fernsehen ebenso wie für das Kino und für Serien. Kann man mit dem Verkauf von Filmideen Geld verdienen? Und wenn ja, wie stellt man das an?

Das musst du wissen

  • Um eine Filmidee erfolgreich zu verkaufen, musst du zuerst Hausaufgaben erledigen: Herausfinden, wer als TV-Sender oder Produktionsfirma ähnliche Ideen umsetzt.
  • Die TV-Branche arbeitet (nahezu ohne Ausnahme) nur mit erfahrenen Ideenlieferanten. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Eine Idee kannst du nur als Exposé , Treatment oder Drehbuch verkaufen. Weniger wichtig ist, ob du nach dem Exposé auch das Drehbuch schreiben willst. Du wirst aber für eine Filmskizze in Form eines Exposés weit weniger bekommen, als für eine ausgearbeitete Filmhandlung, die als Treatment oder Filmscript vorliegt.
  • Damit deine Idee im Sinne des Gesetzes als schützenswert gilt, muss sie eine gewisse Originalität und Ausführlichkeit aufweisen. Ein Beispiel: die Idee, dass sich ein Mann und eine Frau verlieben, genießt keinen Rechtsschutz. Denn wäre dem so, könnten keine neuen Geschichten erzählt werden. Man kann darum sagen, dass nicht eine Idee an sich, sondern deren Formulierung vom Urheberrecht geschützt ist. Im europäischen Raum ist dies automatisch ab dem Zeitpunkt der Entstehung der Fall. Du musst deine Filmidee darum nicht wie in den USA irgendwo eintragen oder offiziell registrieren.

Wie verkaufe ich eine Idee für einen TV-Krimi?

Das Wort „verkaufen“ sagt es bereits. Du brauchst einen Käufer. Wenn es um TV geht, gibt es dazu drei Möglichkeiten, aber nur zwei Optionen.

Wer als Käufer (theoretisch) infrage kommt

Für eine Idee zu einem TV-Krimi interessieren sich grundsätzlich drei Personen: Drehbuchautoren, TV-Produktionsfirmen und TV-Anstalten.

  1. Nur: Ein Autor wird fast sicher nicht daran interessiert zu sein, für deine Filmskizze etwas zu bezahlen. Das Leben als Screenwriter von Krimis für das Fernsehen ist hart. Meist gibt es nur zwei Wege als Autor in diesem Geschäft. Entweder man schreibt auf eigene Rechnung. Oder man tut das im Auftrag. Wer einen Schreibauftrag hat, braucht keine Ideen. Derjenige, der auf eigenes Risiko schreibt, tut dies auf Basis der eigenen Einfälle und hat selten das Geld dafür, fremde Ideen zu kaufen.
  2. Anders sieht das bei einer Filmfirma aus, die für TV-Sender Stoffe entwickelt. Zwar erfolgt dies immer in enger Abstimmung mit der Redaktion des Senders, aber es ist durchaus nicht unüblich, einem Sender eine Handlungskizze vorzulegen um damit die Finanzierung für die Ausarbeitung einer Idee zu beantragen.
  3. Umgekehrt suchen auch Redaktionen von TV-Anstalten nach Filmstoffen. Diese entwickeln sie dann mit einem freischaffenden Autor ihres Vertrauens oder einer Produktionsfirma weiter.

Naheliegenderweise wirst du vor einer Kontaktaufnahme zuerst deine Hausaufgaben erledigen. Das bedeutet in diesem Fall für dich: Du musst herausfinden, welcher Sender oder welche Produktionsfirma schon Krimis in der Art produziert, wie du es dir vorstellst.

So sieht die Realität aus

Soweit die Theorie, nach der du also einen Sender oder ein spezialisiertes Unternehmen angehen könntest. In der Praxis sieht es leider anders aus.

Erstens gibt es eine Unmenge von Menschen, die der Illusion erliegen, wer ein TV-Krimi ansehen kann, könne auch einen solchen erzählen oder erfinden. Das führt zu einer Flut von E-Mails an Sender und Produzenten, alle mit Ideen, die oftmals weder das Potenzial noch die Grundregeln für ein Sendeformat beachten. Für die Empfänger sind solche Anfragen nicht mehr und nicht weniger als ein unbezahlter Arbeitsaufwand. Um sich diesen zu ersparen, leitet man als Sender darum deine Anfrage gerne an eine Produktionsfirma weiter. Oder man lässt den Absender ebenso freundlich wie elegant mit einer vorformulierten Antwort ins Leere laufen.

Zweitens machen auch Produktionsfirmen konstant die Erfahrung, dass sie von einer Unmenge von Laien kontaktiert werden, die überzeugt sind, den besten Fernsehfilm oder die beste Formatidee aller Zeiten zu haben. In 99 % aller Fälle entpuppen sich solche Anfragen als Müll. Darum arbeitet man lieber mit erfahrenen Drehbuchautoren zusammen. Diese wissen, wovon sie sprechen. So erspart man sich als Produktion viele Missverständnisse und manchmal sogar juristischen Ärger.

Die einzige Ausnahme sind Exposé, Treatment oder Drehbücher. Sie werden gelesen. Für ihre Form und ihren Inhalt gibt es Regeln. Damit lässt sich als TV-Veranstalter oder Produzent sofort abschätzen, ob der Absender kann, was er tut.

Die Lösung heißt Exposé …

Darum empfehlen wir dir, deine Idee für eine TV-Krimi in Form eines Exposés zu formulieren. Versehen mit deinem Namen, einem Arbeitstitel, Kontaktadresse und Datumsangabe ist deine Idee auch rechtlich geschützt.

Als schlaues Köpfchen schießt du dein Exposé nicht wahllos in der Welt herum. Es empfiehlt sich, zuerst mit einem E-Mail oder einem Anruf herauszufinden, ob der Empfänger überhaupt an neuen Ideen und unbekannten Autoren interessiert ist. Erst dann, wenn dies der Fall ist, nur dann, sendest du deine Idee für die Geschichte.

… oder du bist Dagobert Duck

Wenn du einen steinreichen Papa hast, gibt es noch einen weiteren Weg. Du engagierst einen bekannten TV-Autor und lässt ihn auf Basis deines Briefings arbeiten.

Ebenso kannst du dir auch einen Jungautor an einer Filmschule umsehen. Ist dieser nicht im ersten Studienjahr und sucht eine Chance, sich zu profilieren, hast du vielleicht Glück und bekommst von ihm eine perfekt ausgearbeitete Filmskizze. Vergiss aber keinesfalls, die Bedingungen der Zusammenarbeit zu regeln. Sonst ist Ärger programmiert!

Was bekomme ich, wenn ich meine Idee verkaufen kann?

Für ein verkauftes Exposé, also eine professionell ausformulierte und überzeugende Idee, darfst du zwischen 500.- € und 1500.- € erwarten.

Aber freu dich nicht zu früh!

Wie vorab erwähnt: Du bewegst dich hier in direkter Konkurrenz zu langjährigen erfahrenen Branchenprofis. Und du hast es in den meisten Fällen mit einem Bereich zu tun, der für dich Neuland ist. So hat beispielsweise jeder Sendeplatz, aber auch jede Krimireihe am TV ein ganz eigenes Profil für eine durch definierte Zuschauergruppe. Anders gewendet: schreibst du am Sendeplatz und am Zielpublikum vorbei, ist deine Filmidee schneller tot, als das Opfer in deinem Krimi.

Landest du aber entgegen allen Erwartungen einen Volltreffer, kann es möglicherweise sogar ein Vorteil sein, wenn du die weitere Ausarbeitung deiner Idee nicht selbst übernehmen willst. Wenn der Sender oder die Produktionsfirma dich nicht kennt, müssen sie in diesem Fall nämlich nicht befürchten, dass du an den nächsten Arbeitsschritten – deren Schwierigkeitsgrad zunimmt –Scheitern wirst.

Kann ich nach dem Verkauf der Idee weiter mitbestimmen?

Grundsätzlich bist du als Inhaber der Rechte immer in der Lage, zu bestimmen unter welchen Bedingungen du deine Filmskizze oder Serienidee verkaufst. Dasselbe gilt auch für den Preis. Richtig verhandeln ist die halbe Miete.

Die Realität ist eine andere. In den Augen deiner Gegenpartei ist die Bezahlung an dich eine Investition, die nicht ohne Risiko ist. Und wer zahlt, der befiehlt.

Eine Faustregel besagt, dass ein Produzent 100 Filmskizzen benötigt, damit daraus zehn überzeugende Drehbücher entstehen können. Von diesen 10 Scripten wird wiederum genau 1 Idee verfilmt. Vor diesem Hintergrund überlegt sich jeder Filmproduzent sehr genau, wie viel er bezahlt und inwieweit er sich seine Freiheiten bei der weiteren Stoffentwicklung einschränken lässt.

Darum musst du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit froh sein, wenn du für deine Idee überhaupt ein paar 100.- € bekommst. Das wird auch dann nur der Fall sein, wenn du gleichzeitig sämtliche Rechte an den Erwerber deines Filmstoffes überträgst.

In diesen Fällen ist Vorsicht geboten

Dort, wo dir jemand für eine Filmskizze großes Geld verspricht oder dir sofort Mitspracherechte einräumt, solltest du sehr, sehr vorsichtig sein.

Entweder hast du es in diesem Fall mit einem Anfänger oder einem Träumer zu tun. Oder hinter dem Angebot stecken unlautere Geschäfte. Auch mit der Filmproduktion lässt sich Geld aus dubiosen Quellen waschen, auch wenn dazu bisher meist Fälle aus dem Ausland bekannt geworden sind.

Denk daran: Auch Leute wie Harvey Hollywood haben mit wohlklingenden Versprechen gearbeitet.

Wie schütze ich mich gegen Ideenklau?

Der Rechtsschutz ist bereits mit der Formulierung der Idee gegeben. Selbst wenn du deine Idee jemandem mündlich an einer Besprechung erzählst, kannst du gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen.

Das Problem dabei: wenn es zu Problemen kommt, steht oftmals Wort gegen Wort. Du kannst nicht beweisen, was du erzählt hast. Bei Schriftlichkeit aber ist glasklar, was aus deiner Feder stammt.

Eines aber musst du beachten. Es ist einer der ältesten Tricks im Geschäft mit Unterhaltung und Ideen. Du sendest nichts ahnend deine geniale Idee an einen potenziellen Geschäftspartner. Nur um dann von ihm ein überaus freundliches Antwortschreiben zu erhalten, in dem steht, man könne leider nicht weiter auf dein Angebot eingehen. Dies, weil man selbst schon zu einem früheren Zeitpunkt mit der Arbeit an einer nahezu identischen Idee begonnen habe.

Aber auch hier gibt es einen bewährten Weg, solche Schweinereien zu verhindern.

Du sendest dir ganz einfach dein eigenes Exposé per Einschreiben. Das Datum des amtlichen Poststempels ist ein gültiger Beweis für den Zeitpunkt der Entstehung der Idee. Bekommst du nun die Rückmeldung, deine Idee sei identisch mit einer bereits bestehenden, bittest du die Gegenseite freundlich um einen rechtsverbindlichen Beleg, wann denn diese ähnliche Idee entstanden sein soll. Kann dieser Beweis nicht erbracht werden, hast du gute Chancen in einem Rechtsstreit deine Rechte durchzusetzen.

Fazit

Eine Idee für einen TV-Krimi oder sonst einen Inhalt zu verkaufen ist immer eine Herausforderung. Daran ändert nichts, ob du auch das Drehbuch selbst schreiben willst, oder nur das Exposé.

Reich werden wirst du damit nicht. Es sei denn, du bist ein absoluter Superstar in Hollywood. Jemand, der entweder schon als Serientäter in der Branche bewiesen hat, dass man mit seinen Ideen haufenweise Geld verdienen kann. Oder der dadurch, dass er später in seiner eigenen Geschichte mitspielt, das Risiko für den Käufer minimiert und die Chancen auf einen Geldregen maximiert.

Für alle anderen Normalsterblichen gilt: Du hast keine Chance. Also nutze sie! Wir wünschen dir viel Glück und Erfolg.

Fragen an Dr. Film

Hast auch du Fragen zum Filmgeschäft oder zur Videoproduktion? Dr. Film beantwortet dir diese gerne und kostenlos. Ein E-Mail über das Kontaktformular reicht dazu.

Bitte beachte, dass dort, wo es um rechtliche Fragen geht, immer auch der konkrete Einzelfall entscheidet. Zugleich unterscheiden sich Gesetze und die Rechtsprechung in- und außerhalb der EU, zuweilen sogar in Bundesländern. Wir übernehmen darum keinerlei Haftung für rechtliche Ratschläge. Danke für dein Verständnis!


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