Drehbuch schreiben für Film, TV und Serien: so ist Deine Story erfolgreich

Die ultimative Anleitung für Einsteiger in das Drehbuchschreiben

Drehbuch schreiben von der Idee und Story zum Script
Drehbuch schreiben von der Idee und Story zum Script

Du hast eine geniale Idee? Du träumst davon, eine Story für einen Film zu verfassen? Dann bist Du hier richtig! In diesem Artikel findest Du die ultimative Anleitung zum Drehbuch schreiben.

Um ein Drehbuch zu schreiben, musst Du als Einsteiger einiges wissen und beachten.Wir erklären Dir hier auf einfache Weise, was beim Verfassen eines erfolgreichen Drehbuchs wichtig ist und welche Dinge Du dabei berücksichtigen musst.

Du bekommst hier nicht die kürzest mögliche Anleitung zum Verfassen eines Drehbuchs. Sondern die bestmögliche. Auf dem Weg zum überzeugenden Filmskript gibt es auch keine Abkürzungen. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen, beim Denken und beim Schreiben!

Wie geht Drehbuch schreiben?

Beim Drehbuch schreiben musst Du Inneres durch Äußerns sichtbar machen. Deshalb musst Du in Deinem Skript zeigen, «dass der Körper das Bild der Seele ist» (Wittgenstein). Zum Beispiel führen Dich folgende Arbeitsschritte bis zur fertigen, ersten Version Deines Drehbuchs:

  1. Finde Deine Story (selbst erfunden oder adaptiert)
  2. Unterscheide zwischen Storyforming und Storytelling
  3. Erarbeite eine starke Prämisse
  4. Baue Deinen Plot
  5. Wähle das passende Genre
  6. Gestalte einzigartige Charaktere
  7. Finde Deine Erzählperspektive
  8. Nutze die bewährte 3-Akt-Struktur
  9. Setze Wendepunkte
  10. Schreibe den Anfang Deiner Story
  11. Verstehe die Mitte als Brücke
  12. Überrasche am Ende
  13. Schreibe Dialoge
  14. Lege das Drehbuch (1te Fassung) zur Seite
  15. Verbessere (Schreiben heißt: umschreiben)

Alle erwähnten Schritte findest Du nachfolgend ausführlich erklärt und beschrieben. Zusätzlich haben wir für Dich die 10 häufigsten Fehler zusammengefasst, die beim Drehbuch schreiben immer wieder passieren.

Was ist ein Drehbuch?

Ein Drehbuch ist ein 90 bis 120-seitiges Text-Dokument. Das Drehbuch wird auch Skript oder Filmskript genannt. Es kann entweder eine von Dir erfundene Story sein. Oder auf einer wahren Geschichte oder einem vorher geschriebenen Stück basieren, wie z. B. einem Roman, Theaterstück oder Zeitungsartikel. Diesfalls benötigst Du alle für eine Bearbeitung notwendigen Rechte.

Film ist ein visuelles Medium. Beim Drehbuch schreiben muss der Autor zeigen, was in einer Geschichte passiert. Mit anderen Worten: Erzählen alleine reicht nicht. Ein 2-seitiger innerer Monolog mag für einen Roman gut funktionieren. In einem Drehbuch ist er der Todeskuss für jeden Film. Der Kern des Drehbuchschreibens ist die Frage, wie man eine Geschichte auf einer Leinwand zeigt. Zentrale Momente können durch einen Blick auf das Gesicht eines Schauspielers vermittelt werden. Visuelles Erzählen ist zwingend.

Ein Drehbuch ist also wie ein Film, richtig? Nein, ist es nicht! Das Drehbuch ist eine geschriebene Geschichte. Diese wird – wenn sie von den richtigen Leuten aus der Filmindustrie geliebt wird – später vielleicht irgendwann einmal als Film produziert.

Ja, Autoren sollten sich ihr Drehbuch als Film vorstellen. Was bedeutet, visuell zu schreiben, Handlungen und Konflikte zu externalisieren und Form und Funktion passend zu wählen. Nichtsdestoweniger muss die Geschichte erstmal erzählt werden. Das bedeutet, dass die narrativen Absichten des Autors im Skript und beim Drehbuch schreiben glasklar sein müssen. Alle mit der Geschichte verbundenen Ideen und die Handlung selbst müssen für den Leser absolut nachvollziehbar und transparent sein. Ebenso Szenen, Momente, der Subtext (mehr dazu später) und emotionale Nuancen.

Im Kern ist ein Drehbuch die Blaupause für den Film, der später daraus entsteht. Später übersetzen die Profis am Filmset, darunter Produzent, Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler, die Vision des Drehbuchautors mit ihren individuellen Talenten. Darum muss sich Drehbuchautor stets bewusst sein, dass die Entstehung eines Films letztlich eine kollaborative Kunst ist.

Anstatt eine Geschichte für einen Leser zu schreiben, schreibst Du als Autor einen Film für einen Produzenten. Anstatt eine Geschichte zu erzählen, erklärst Du einen Film.

Beispiel für ein Drehbuch

Skript «Fack Ju Göhte» von Bora Dagtekin. Online verfügbar in der Reihe Deutsche Drehbücher der Deutschen Filmakademie.

© Deutsche Filmakademie e.V. | Herausgegeben von Fred Breinersdorfer und Dorothee Schön

Die Story

Filme sind ohne Dramaturgie undenkbar. Ideen für eine Filmstory müssen dramatisch sein. Drama bedeutet wörtlich „Aktion“ (handeln, eine Handlung auslösen). Folgende Fragen helfen Dir beim Erkennen des dramaturgischen Potenzials:

  • Was ist die zentrale dramatische Handlung der Idee?
  • Was ist der Hauptkonflikt der Geschichte?
  • Sendest Du Zuschauer und Figuren in Deinem Film auf eine überzeugende Weise auf eine einzigartige Reise?
  • Ist Deine Story und das Universum, in dem sich Deine Figuren bewegen, stark genug, um das Publikum für 90 Minuten oder die Dauer einer mehrteiligen TV-Serie zu fesseln
  • Wie interessant ist das Universum, in dem Deine Story spielt? Was müssen wir als Zuschauer wissen und was nicht? Die Schaffung einer kohärenten Welt ist für Kinofilme wie für Fernsehserien entscheidend.

Als Autor musst Du beim Drehbuch schreiben alle Regeln und Hintergründe kennen, die im Universum Deiner Story gelten. Umgekehrt braucht Dein Publikum nur diejenigen Informationen, die Spannung erzeugen und beim Verständnis helfen. Zu viele Details und Hintergrundinformationen verwirren.

Was für eine Geschichte willst Du erzählen? Kannst Du in einem einzigen Satz sagen, um was es geht? Verwendest Du ein erkennbares Genre wie Thriller oder romantische Komödie? Wenn Du von einer typischen Konstellation (unglückliche Liebe, Kampf um Freiheit, etc.) oder einer historischen Geschichte inspiriert oder beeinflusst bist, wie unterscheidet sich Deine Idee davon? Hast Du beim Drehbuch schreiben eine neue Perspektive? Öffnest Du dem Publikum neue Blickwinkel.

Entscheidend ist auch, wie sich das Erlebnis für das Publikum anfühlt. Was ist der Ton und das Gefühl der Geschichte? Sind sie konsistent und kohärent? Es gibt nichts Schlimmeres als einen Horror-Film, der sich plötzlich in eine Romanze verwandelt (oder umgekehrt). Kollidierende Genres funktionieren nur, wenn sie intelligent gehandhabt werden.

Auch die emotionale Reaktion, die Du mit Deinem Film erzeugen willst, ist wichtig. Welche Reaktion suchst Du? Etwas so Ergreifendes, dass es das Publikum zum Weinen bringt? So lustig, dass das Gelächter im Kino nicht mehr aufhört? So erschreckend, dass die Haare zu Berge stehen?

Du musst erklären können, warum es wichtig ist, Deine Idee jetzt als Drehbuch zu schreiben. Ist es etwas, das Dich nachts wachhält? Geht es Dir als Autor wirklich unter die Haut? Worum dreht es sich wirklich? Was ist Dein Thema? Warum interessiert sich das Publikum dafür? Wer soll das ansehen wollen? Was versuchst Du zu hinterfragen? Was hoffst Du zu kommunizieren? Schreibe nichts, was nicht brennt in Dir! Denn dann wird Deine Schreibe im besten Fall nur kompetent sein. Das reicht nicht. Du musst beim Drehbuch schreiben für Deine Story brennen!

Storyforming und Storytelling

Zwischen der Struktur einer Geschichte und der Art, wie sie erzählt wird, gibt es einen wichtigen Unterschied. Jede Kommunikation zwischen einem Drehbuchautor und seinem Publikum besteht aus zwei Teilen: dem Storyforming und dem Storytelling.

Beim Storyforming geht es beim Drehbuch schreiben. Im Zentrum steht die eigentliche dramatische Struktur. Die Blaupause, welche die Essenz der gesamten Geschichte enthält. Storytelling beschäftigt sich umgekehrt mit der spezifischen Art und Weise, wie der Autor diese Struktur dem Publikum näherbringt.

Ein Beispiel: Das Storyforming der Geschichte erfordert im Drehbuch eine Szene, die den Kampf zwischen Moral und Eigennutz beschreibt. Der Autor erfindet einen Mann, der Süßigkeiten von einem Baby nimmt. Ein anderer Drehbuchschreiber zeigt das Mitglied einer verirrten Schar Touristen in der Wüste, das das letzte verfügbare Wasser für sich selbst hortet. Sowohl das, was illustriert werden soll, als auch die Art und Weise, wie es illustriert wird, erfüllt in beiden Storys den Auftrag der Geschichte.

Eine weitere Möglichkeit, sich den Unterschied zu vergegenwärtigen, besteht darin, sich drei verschiedene Künstler vorzustellen, die jeweils ein Bild derselben Rose malen. Einer mag wie ein Picasso malen, einer wie ein Rembrandt, der Dritte wie Van Gogh, doch jeder beschreibt die gleiche Rose. Ebenso werden verschiedene Autoren die gleiche Story auf dramatisch unterschiedliche Weise erzählen.

Die richtige Prämisse erarbeiten

Die Konstruktion einer wirkungsvollen dramatischen Erzählung beginnt immer mit der Konzeption der Prämisse. Damit ist eine Annahme gemeint. Die Prämisse ist der Kern Deiner Geschichte. Sie fängt immer mit der Frage an «Was passiert, wenn …?»

Viele Prämissen beginnen als eine sehr allgemeine Idee oder Vorstellung – z. B. ein Riesenhai greift einen Haufen Schwimmer an und der Protagonist muss den Hai töten. Das klingt cool, ist aber zu allgemein um zu funktionieren – es fehlt an Details und Spezifität. Leider ist dies der Punkt, an dem viele angehende Drehbuchautoren bereits aufhören, weiter über die Prämisse nachzudenken. Sie entwickeln die Ideen nie über die ersten großen Striche hinaus. So entstehen dann Drehbücher, die geprägt sind von Haifisch-gegen-Mann und Mensch-gegen-Hai-Action sind, aber nie wirklich Geschichten erzählen.

Wenn Du beim Drehbuch schreiben über eine Prämisse nachdenkst, musst Du über das Allgemeine hinausgehen. Du musst Dein Konzept so detailliert und spezifisch wie möglich gestalten. Dies, damit Deine Prämisse den Bogen der gesamten Geschichte, die Du erzählen willst, korrekt abbildet.

Im Falle unseres Beispiels (basiert auf dem Spielfilm „Der Weiße Hai“ von Spielberg): Wenn ein riesiger Hai einen Schwimmer in den Gewässern einer kleinen Stadt am Strand von Neu-England angreift, will der örtliche Polizeichef die Strände schließen und einen professionellen Haifischjäger anheuern, um das Tier aufzuspüren und zu töten. Doch die Stadtoberhäupter – besorgt, dass die Nachricht von einem Haiangriff die Sommertouristen abschrecken und das Einkommen der Stadt gefährden könnte – drängen den Mann zum Schweigen. Er willigt ein. Nachdem der Hai mehr Touristen getötet hat, stellt sich der Polizeichef endlich gegen den Bürgermeister, schließt die Strände und macht sich auf die Jagd nach dem Raubtier.

Dies ist eine viel besser entwickelte und viel spezifischere Prämisse, die nicht nur die Idee wiedergibt, sondern auch ein Gefühl vermittelt, wie der Film sich anfühlen wird. Mit einer solcherart formulierten Prämisse kann man als Autor arbeiten. Auf einer derartigen Basis kann mal als Autor mit gutem Gewissen das Drehbuch schreiben.

Deinen Plot ausarbeiten

Sobald Du die detaillierte Prämisse ausgearbeitet hast, kannst Du Deinen Plot zu bauen beginnen. Der Plot ist nichts anderes, als der dramaturgische Handlungsverlauf. Er zeigt keine Momentaufnahme, sondern die Entwicklung einer Story über den Verlauf einer Story. Dabei gibt es beim Drehbuch schreiben bestimmte Elemente, die jede Handlung enthalten muss:

Das sind in der Regel

  1. ein vielversprechender Zwischenfall
  2. ein erster großer Konflikt
  3. eine ansteigende Handlungskurve (mit Spannung, Überraschung und Umkehrungen)
  4. eine zweite große Handlungskurve
  5. ein Höhepunkt
  6. die Auflösung

Konkret kann das für die Hauptperson in Deinem Filmdrehbuch dann so aussehen:

  • Der Protagonist (die Hauptfigur) wird in seine spezifische Welt eingeführt.
  • Etwas geschieht (der «auslösende» Vorfall), der eine Krise provoziert, die den Protagonisten und die Erzählung in eine neue und gänzlich unerwartete Richtung schickt. Das ist die erste große Handlungskurve.
  • Als Folge der Krise entwickelt der Protagonist ein starkes Ziel.
  • Der Protagonist macht sich auf den Weg, sein Ziel zu erreichen. Auf dem Weg dorthin begegnet und überwindet er eine Reihe von immer schwierigeren Hindernissen, meist auch den Widerstand eines starken Gegenspielers (der auch ein Ziel hat – eines, das genauso stark ist wie das des Protagonisten, aber in direktem Gegensatz dazu steht).
  • Wenn der Protagonist diese Hindernisse überwindet, kommt er seinem Ziel immer näher.
  • Doch dann stößt er auf ein Hindernis, das unmöglich zu überwinden scheint. Dieses Hindernis erscheint oft als unerwartete Überraschung. Die Suche des Protagonisten entgleist, scheinbar dauerhaft. Alle Hoffnung scheint verloren zu sein. Das ist die zweite große Handlungskurve.
  • Wenn die Dinge am trostlosesten sind, passiert etwas, das den Protagonisten dazu inspiriert, sich zu neu zu finden und sich auf sein ursprüngliches Ziel zu besinnen. Mit neuer Kraft findet der Protagonist einen Weg, das scheinbar unüberwindbare Hindernis zu überwinden (oft durch einen kulminierenden Showdown mit dem Gegenspieler). Schließlich erreichet er sein Ziel.
  • Am Ende der Geschichte erfährt der Protagonist – als Ergebnis seiner Erfahrungen, die er in der Geschichte gemacht hat – eine tief greifende und dauerhafte Transformation (er erfüllt einen Traum; löst ein langjähriges Problem; hat eine Veränderung in der Einstellung, Philosophie oder Persönlichkeit; etc.)

Hast Du diesen Plot ausgearbeitet, kannst Sie Deine Story beim Drehbuch schreiben weiter strukturieren.

Genre auswählen

Genre kategorisiert Filme. Diese Kategorisierung ermöglicht es dem Betrachter (und beim Drehbuch schreiben dem Drehbuchautor), zu wissen auf welche Art Film er sich einlässt. Die Einordnung eines Films in ein bestimmtes Genre oder eine bestimmte Kategorie schmälert die Qualität des Films nicht. Genre hat weder mit Originalität noch Kreativität zu tun. Die Kategorisierung eines Films in Form von Genre hilft indirekt bei der Gestaltung der Charaktere und der Geschichte des Films. Die Formgebung bestimmt die Handlung und die beste Einstellung.

Genre definiert sich aus vier Elementen oder Teilen:

  • Charakter
  • Geschichte
  • Handlung
  • Setting

Du kannst Dir das mit einer einfachen Formel merken:
Geschichte (Aktion) + Handlung + Charakter + Einstellung = Genre. Diese Kernelemente unterscheiden die Genres voneinander.

Manche Genres haben eigene Untergruppen (Subgenres). Bekannte Genres sind der Kriminalfilm, der Kriegsfilm, Western, Spionagefilme, Abenteuerfilme, Science-Fiction, Horror, Fantasy, biografische Filme und Mysteryfilme. Auch das Drama kann als Genre betrachtet werden. Damit sind allerdings nicht alle Autoren einverstanden, weil die Themenfelder eines Dramas sehr breit und allgemein sind.

Jedes Genre hat seine eigenen, spezifischen Regeln. Um Deine Story beim Drehbuch schreiben aufs Papier zu bringen, musst Du diese Konventionen kennen.

Beim Western beispielsweise ist der Hauptdarsteller oder Protagonist ein Individualist, der aus einem bestimmten Grund in die Stadt reitet. Oder er gerät in Schwierigkeiten, während er schon in der Stadt ist. Die Charaktere und die Geschichten sind einfach. Das Interesse gilt der sich entwickelnden Geschichte, die viele Action-Elemente bietet. Anders der Kriegsfilm. Er dreht sich um den inneren Konflikt mit dem Umgang des Hauptdarstellers mit dem Krieg. Die Charaktere und die Geschichte behandeln zentrale Fragen wie Verlust, Tod, oder Freiheit. Die Handlung kann dabei auch weit entfernt von der Front stattfinden. Auch im Horrorfilm geht es um innere Konflikte. Diese müssen aber nicht gelöst werden, um den äußeren Zustand (Frieden) wieder herzustellen, sondern um das Monster zu besiegen.

Viele Filme nutzen unterschiedliche Genre (sog. Genre-Mix). Der Abenteuerfilm kann auch ein Spionagefilm sein. Der Krimi auch ein Science-Fiction-Film. Meist steht dabei aber ein Genre im Vordergrund.

Film Noir, Thriller und Actionfilme sind eigentlich keine Genres. Hier geht es mehr um den Stil der Regie. Diese Art Filme zeichnen sich durch die Inszenierung, Kameraführung und Schnitt aus. Sie akzentuieren ein Filmgenre, definieren es aber nicht. Auch Musicals und Animationen gelten nicht als Genres, sondern als Art der Inszenierung. Trotzdem wird auch diese Art Film seit Jahrzehnten als Genre bezeichnet.

Filme haben ihre eigene Persönlichkeit. Jeder Film ist anders. Ein Film, der einem Genre folgt, hilft dem Film, sein Publikum zu finden. Genres sind Etiketten, die die Orientierung erleichtern. Mehr Details zum Thema Genre findest du hier.

Erarbeitung einzigartiger Charaktere

Alle Ideen sind nur so gut wie die Charaktere, die sie antreiben. Charaktere sind die Personen (auch Filmfiguren genannt), die in Deinem Film vorkommen. Sie sind das Kriterium, das große Drehbücher von nur kompetenten Drehbücher trennt – und den talentierten Schriftsteller vom Handwerker.

Es gibt eine Menge Dinge, an denen Du arbeiten kannst, um Dein Drehbuch und Dein Handwerk zu verbessern und zu verfeinern: Struktur, Dialog, Formatierung, szenisches Schreiben. Wenn Deine Charaktere nicht funktionieren, wird das Drehbuch schreiben für Dich nicht nur ein Krampf, sondern auch ein Kampf sein.

Charaktere müssen alles, was in Deinem Film passiert, antreiben. Ob Deine Hauptfiguren nun Menschen, Aliens, Tiere oder Roboter sind: Um großartige Charaktere zu schreiben, musst Du wissen, wie die Welt aus ihrer Sicht aussieht. Du musst in die Schuhe Deiner Filmfiguren treten und die Welt aus ihrer eigenen Perspektive sehen. Erst wenn Du das weißt, erst dann kannst Du wissen, wie Deine Charaktere in jeder Situation instinktiv handeln und reagieren. Daraus wächst Authentizität. Ungeachtet ob Du ein Drama oder eine Komödie schreibst.

Gute Charaktere sind immer aktiv. Nicht passiv. Sie sind immer auf einer Art Reise – physisch, emotional, psychologisch oder anderweitig – und versuchen immer, etwas zu tun oder zu bekommen oder zu erreichen. Daraus ergeben sich Dilemma, Entscheidungen und Konflikte. Das ist die Art Nahrung, die Du als Autor beim Drehbuch schreiben für Dein Filmskript brauchst.

Die Hauptfiguren in Deinem Film dürfen nicht wie alle anderen Charaktere sein. Auch wenn sie Eigenschaften und Facetten haben können, die wir in anderen Charakteren (und Menschen) erkennen. Etwas muss sie über den Durchschnitt heben. Diese Eigenschaft machen sie zur Hauptfigur.

Was ist das Besondere an Deinen Figuren? Was sind die Dinge, die das Einzigartige an ihnen ausmachen? Deine Charaktere müssen emotional ansprechend sein. Als Zuschauer verbringen wir viel Zeit mit Deinen Figuren. Wir sehen, was sie als Nächstes tun. Wir wollen Angst um ihre Sicherheit haben oder über ihre Fehler lachen. Das Publikum braucht Deine Charaktere nicht zu mögen oder zu bewundern. Protagonisten, die sehr schlechte Dinge tun, können einnehmende und fesselndsten Filmfiguren sein. Aber dazu brauchen sie ein Gefühlsleben, in das wir uns einfühlen können. Charaktere brauchen Verwundbarkeit – einen Spalt in ihrer emotionalen Rüstung oder eine Achillesferse, einen blinden Fleck, der sie universell menschlich macht.

Charaktere sind der Herzschlag jeder großen Filmidee, jeder großen Geschichte, jedem großen Drehbuch.

Auch wenn Du es beim Drehbuch schreiben vielleicht nicht schaffst, alle Dinge in Deinem ersten Drehbuch richtig zu machen: wenn Du Charaktere hast, mit denen wir als Publikum wirklich Zeit verbringen wollen, dann hast Du schon Mal etwas ganz Besonderes.

Warum die Wahl der Erzählperspektive wichtig ist

Die Erzählperspektive bezieht sich auf den Blickwinkel, aus dem Du Deinem Leser die Geschichte erzählst. Es gibt verschiedene Arten von Blickwinkel auf jede Story. Welche für Dich die richtige ist, musst Du beim Drehbuch schreiben entscheiden. Ohne Perspektive kannst Du nicht schreiben. Du kannst nur entscheiden, ob Deine Perspektive bewusst oder unbewusst ausgewählt ist.

Eine objektive Erzählweise ist neutral. Sie blickt auf Sicht der Fakten auf die Story in Deinem Skript. Die subjektive Erzählperspektive erzählt die Geschichte aus Sicht einer Person in Deinem Film. Sie ist emotionaler als die neutrale Darstellung der Geschehnisse. Darum findet man sie fast ohne Ausnahme in jedem Spielfilm.

Gibt es einen Erzähler, spricht dieser meist als allwissende Person über die Geschehnisse.

Dein Drehbuch kann auch zwischen unterschiedlichen Erzählperspektiven wechseln. In der Montage zeigt sich das oftmals am Einsatz der Parallelmontage.

Für einen Kurzfilm ist es am besten, den Standpunkt eines Charakters zu wählen und dabei zu bleiben – also bei einer einzigen Erzählperspektive zu bleiben. In den meisten Fällen ist der Blickwinkel derjenige der Figur, mit dem sich der Leser am ehesten identifizieren kann. Das gilt auch allgemein und für Langspielfilme: Kindergeschichten haben der Regel eine Erzählperspektive und einen Hauptdarsteller, der in etwa dem Alter des Zielpublikums entspricht, und die meisten (wenn auch nicht alle) Geschichten von Filmen und Serien, die auf ein weibliches Publikum zielen, werden aus der Sicht einer Frau erzählt.

In einer längeren Story kannst Du, wenn es die Geschichte erfordert, zwischen den Standpunkten mehrerer Charaktere wechseln. Bitte beachten die Betonung im vorigen Satz: „Wenn es die Story erfordert“. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, so ist diese Entscheidung ebenso kritisch wie wichtig. Ein Hin- und Herspringen zwischen Blickwinkeln und Charakteren kann besonders für Anfänger ein schwieriges Unterfangen sein. Nimm die Arbeit mit unterschiedlichen Erzählperspektiven darum nicht auf die leichte Schulter.

Wenn du willst, dass sich dein Publikum stark mit deiner Hauptfigur identifiziert, um die Ereignisse der Geschichte so zu erleben, wie sie diese Figur erlebt, musst Du versuchen, für die Dauer der Geschichte in der Sichtweise dieses Charakters zu bleiben. Doch wenn Du willst, dass der Zuschauer versteht, warum diese Hauptfigur in Gefahr ist, ohne dass sie sich es selbst bewusst ist, dann musst Du vielleicht zusätzlich auf den Blickwinkel einer anderen Person zugreifen. Dasselbe gilt, wenn Du zwei Seiten derselben Geschichte zeigen willst (z. B. aus der gegensätzlichen Perspektive zweier Liebender). Oder wenn Du aus Gründen der Klarheit oder zum besseren Verständnis etwas erzählen willst, das passiert, aber von dem Dein Protagonist nichts weiß.

So oder so: in der Sichtweise jedes Charakters kannst Du nur das berichten, was dieser Charakter direkt erleben kann. Oder was er aus den Reaktionen anderer Charaktere ableitet oder im Gespräch mit anderen Charakteren lernt.

Die 3-Akt Struktur anwenden

Wirkungsvollen dramatischen Geschichten folgen meist einer dreifachen Grundstruktur. Sie gliedert den Plot in drei Akte. Die klassische dreiteilige Filmdramaturgie ist so aufgebaut:

1. AKT

  • Die Welt der Geschichte wird vorgestellt.
  • Der Protagonist wird vorgestellt.
  • Der Ausgangspunkt des dramaturgischen Bogens des Protagonisten wird vorgestellt (z. B. wenn sich der Protagonist im Laufe der Geschichte von einem Feigling in einen Helden verwandelt, wird der erste Akt den Protagonisten als Feigling einführen).
  • Ein Zwischenfall dient als Auslöser. Er führt zur ersten großen Handlungskurve – eine Krise, die den Protagonisten und die Erzählung in eine neue und unerwartete Richtung lenkt.

2. AKT

  • Die erste große Herausforderung stellt den Protagonisten vor ein Dilemma, das er lösen muss.
  • Um dieses Dilemma zu lösen, entwickelt der Protagonist ein Ziel, das er erreichen will.
  • Der Protagonist entwickelt einen Plan, um sein Ziel zu erreichen.
  • Er beginnt, seinen Plan auszuführen.
  • Der Protagonist findet es zunächst schwierig, seinen Plan auszuführen, findet aber schließlich seinen Weg und macht Fortschritte.
  • Während der Protagonist seinen Plan ausführt, begegnet er einer Reihe von immer schwierigeren Hindernissen und überwindet diese, in der Regel auch den Widerstand des Antagonisten (der eine Person sein kann, aber auch Umstände oder die inneren Dämonen des Protagonisten sein kann).
  • Wenn der Protagonist diese Hindernisse überwindet, kommt er seinem Ziel immer näher.
  • Er beginnt gleichzeitig, sich von der Person, die er am Anfang der Geschichte gewesen ist, in die Person zu verwandeln, die er am Ende der Story sein wird.
  • Doch dann stößt der Protagonist auf ein Hindernis, das unmöglich zu überwinden scheint. Sein Streben, sein Ziel zu erreichen, scheint dauerhaft zu scheitern.

3. AKT

  • Alle Hoffnung scheint verloren zu sein.
  • Aber dann passiert etwas, das den Protagonisten neu inspiriert.
  • Mit neuem Elan verfolgt der Protagonist entweder seinen ursprünglichen Plan weiter. Oder er gibt diesen auf und entwickelt eine völlig neue Vorgehensweise.
  • Der Protagonist findet einen Weg, das scheinbar unüberwindbare Hindernis zu überwinden, meist durch einen kulminierenden Showdown mit seinem Gegenspieler.
  • Der Protagonist erreicht schließlich sein Ziel (oder versäumt es, wenn es das ist, was die Geschichte erfordert) und vollendet seine persönliche Transformation.
  • Während die Geschichte sich auflöst, tut der Protagonist etwas, das die tief greifende Veränderung zeigt, die er im Laufe der Geschichte erfahren hat.

Jede kreativ erfolgreiche dramatische Erzählung aus Hollywood folgt in der Regel dem Paradigma der 3-Akt-Struktur. Wenn Du es nicht glaubst, wähle einen großen Film und analysiere dessen Aufbau und Struktur!

Setze Wendepunkte

Wendepunkte (auch als Turning Points oder Plot Points bekannt) können beim Drehbuch schreiben in der Handlung oder bei Emotionen eines Charakters stattfinden. Sie bezeichnen denjenigen Moment in einer Szene, in dem die Handlung eine neue Wendung nimmt.

Wendepunkte können auch ohne direkte Konfrontation auftreten. Darum können Wendepunkt-Szene bei Charakteren auch eigene Erkenntnisse sein, die das Verhalten der Figur ändern. Das kann das Treffen einer wichtigen Entscheidung sein. Oder es ist der Moment, in dem eine Figur die Wahrheit über eine Situation erkennt, aber noch nicht handelt.

Der Punkt in Deiner Erzählung, an dem Dein Protagonist oder Erzähler einen Wendepunkt erreicht, wird durch die Dramaturgie und Struktur des Skripts bestimmt – und steht gleichzeitig mit diesen Faktoren in einem Wechselverhältnis. Wendepunkt und Dramaturgie beeinflussen sich wechselseitig. Natürlich muss ein Wendepunkt organisch aus der Handlung vorhergehen. Sonst ist ein Wendepunkt nicht glaubwürdig. Wenn Du von einen Polizeichef erzählst, der panische Angst vor dem Wasser hat und der sich trotzdem dazu entscheidet, auf dem Meer gegen den weißen Hai zu kämpfen, musst Du uns schon vorher nicht nur die Angst vor einer Konfrontation mit sich selbst zeigen, sondern vor allem die Faktoren, die den Polizeichef zum Umdenken bringen, glaubwürdig darstellen.

Filmskripte haben in der Regel zwischen 90 und 120 Seite. Dabei gibt es beim Drehbuchschreiben in der Regel fünf wichtige Ereignisse – oder eben: Wendepunkte.

Der erste Wendepunkt findet in der Regel etwa nach fünfzehn Minuten Handlungszeit statt. Dann sind wir bei etwa Seite 15. Er ist der erste große Wendepunkt der Geschichte. Kennzeichen dafür ist ein auslösendes Ereignis. Die Normalität des Lebens Deines Hauptcharakters wird dadurch radikal gebrochen. Dadurch starten die großen dramaturgischen Bögen, die den Zuschauer in die Story einsaugen.

Gegen Ende von Akt 1, um die Seite 25, kommt der erste Plot Point. Bis jetzt ist die Geschichte in eine bestimmte Richtung gegangen, aber jetzt wird diese gepackt, geschüttelt und auf den Kurs gebracht, der uns bis zum Ende des Filmes prägt. Hier wird dem Zuschauer klar, was der Hauptdarsteller tun muss, um seine Welt wieder in Ordnung zu bringen.

Der Mittelpunkt des Drehbuchs ist für jeden Drehbuchautor beim Schreiben der Anker im weiten Meer des zweiten Aktes. Hier folgt ein weiterer Wendepunkt. Diesmal werden die Bedürfnisse der Hauptfigur in den Vordergrund gerückt. Oft geschieht dies durch die Einführung eines neuen Charakters, der den Hauptdarsteller zwingt, seinen Blick auf das Ziel zu schärfen.

Gegen Ende von Akt 2 und Anfang von Akt 3 kommen wir zu einem Krisenpunkt, Plot Point II. Im Moment hat die Hauptfigur in Deinem Drehbuch die Nase voll von all den Hindernissen, die ihr in den Weg gestellt werden. Ihre Welt ist ein dunkler Ort mit wenig Licht. Das zwingt den Hauptdarsteller, Maßnahmen zu ergreifen, um sein Problem zu lösen. Meist „tickt“ dabei die Uhr. Die Zeit läuft ab, die dem Hauptdarsteller bleibt, um seine Mission zu erfüllen. Er muss anfangen, sich auf sein Ziel zu konzentrieren.

Der Höhepunkt ist die größte Szene des Filmes. Es ist der letzte Kampf zwischen Recht und Unrecht, Gut und Böse. Die Hauptfigur wird die Kontrolle zurückgewinnen, sich und die Welt retten und alle Probleme auf dramatische Weise lösen.

Wie schreibe ich Szenen?

Eine Szene ist die Kombination aus Zeit, Ort und Kulisse, mit der Du einen wichtigen Moment oder ein Ereignis in der Geschichte einrahmst und zeigst. Damit Deine Geschichte sich vorwärtsbewegt, sind Szenen unumgänglich. Szenen, in denen Dinge nur erklärt werden, sind keine Szenen, weil nichts wirklich geschieht.

Leser und Publikum erleben eine Geschichte, weil der Autor sie beim Drehbuch schreiben zu einer Reise verführt. Jeder Autor arbeitet mit einer Struktur aus unterschiedlichen Akten (meist sind es drei). Der Akt ist in der Filmdramaturgie eine spürbare Verschiebung oder Spaltung im dramatischen Fluss einer Geschichte. Sie wird durch die Konvergenz der Dynamik von Charakter, Thema und Handlung bestimmt. Jeder Akt setzt sich aus einer gewissen Anzahl Szenen zusammen.

In Szenen muss etwas Bedeutendes passieren – egal wie katastrophal, wie winzig und subtil. Frage Dich darum: in welcher Weise bringt diese Szene meine Geschichte voran? Welche Bedeutung hat diese Szene für Geschichte? Wenn Du keine dieser beiden Fragen beantworten kannst, kannst Du die Szene kippen.

Szenen zeigen die Konflikte und Spannungen, Dilemmas und Entscheidungen, Handlungen und Reaktionen der Charaktere, welche die Geschichte antreiben. Aber es geht in Szenen nicht nur um das, was explizit gezeigt wird. Großartiges Drehbuch schreiben benötigt Subtext: Dinge, die sich unter der Oberfläche der Geschichte abspielen, stille Gespräche, die jenseits des Gesagten existieren.

Stelle Dir vor jeder Szene, die Du schreiben willst, folgende Fragen:

  1. Wie wirkt sich diese Szene auf die Charaktere im Film aus?
  2. Auf welche Weise ist die Szene mit den vorausgehenden Handlungselementen verknüpft?
  3. Welche Folgen hat die Szene auf die darauffolgenden Ereignisse der Geschichte?
  4. Welchen Einfluss hat die Szene auf das Gesamtuniversum der Geschichte?
  5. Was passiert in der Szene unter der Oberfläche und jenseits des Textes?

Szenen sind keine isolierten Einzelteile. Die Gegenüberstellung mit der vorgehenden und nachfolgenden Szene ist entscheidend. Die Position innerhalb der Geschichte und die Wirkung auf die anderen Szenen ist immer auch Teil der Funktion und Wirkung einer Szene.

Wenn alle Deine Szenen beim Drehbuch schreiben ähnlich aussehen, gleich klingen und sich identisch anfühlen, dann wird Deine Geschichte stinklangweilig. Jede Szene braucht einen bestimmten und einzigartigen Zweck in der Geschichte. Erst wenn Du die Funktion jeder Szene benennen kannst, bist Du auf dem richtigen Weg.

Wie schreibe ich gute Dialoge?

Schreibe die Dialoge immer erst am Schluss. Alles was Bilder sagen können, musst Du mit Bilder sagen. Dialog hat eine andere Funktion. Er ist weder Off-Kommentar noch die Stimme des Erzählers.

Beim Dialog geht es nicht nur darum, was die Charaktere sagen. Wichtiger ist, wie sie es sagen. Entscheidend ist, was eine Figur durch das ausdrückt, was sie sagt. Dialog ist nicht nur logisch. Darf es nicht sein. Charaktere, wie Menschen, drücken sich nicht in einer perfekt zusammenhängenden Grammatik aus. Gesprochene Sprache ist nicht geschriebene Sprache!

Große Charaktere haben in einem Filmdrehbuch eine erkennbare Stimme. Tonalität, Grammatik, Details und Ticks sind Teil der Figur und von deren Ausdrucksmöglichkeiten. Dialog muss individuell sein. Er ist integraler Bestandteile des Charakters. Starke Charakterstimmen sind authentisch. Die Stimme einer Figur ist kein Sprachrohr für irgendetwas anderes (auch nicht für den Drehbuchautor). Es sei denn, ein Sprachrohr zu sein, ist ein wesentlicher Teil des Charakters und der Geschichte. Darum vermeide Charaktere, die lange Reden schwingen oder große Aussagen machen, die nicht wahr klingen.

Wenn Dein Charakter einen Akzent hat oder Dialekt / Slang spricht, dann schreibe das so. Aber sei damit sparsam und spezifisch. Wenn dieser Charakter in Deinem Drehbuch das erste Mal in Erscheinung tritt mit Dialog, dann erwähne seinen Akzent. Aber vermeide starke oder unlesbare Akzente. Du schreibst, damit Dich der Leser versteht! Profis verwenden gerne nur wenige ausgesuchte, typische Wörter und Begriffe, die nur dieser Dialekt verwenden würde.

Wenn der einzige Grund für einen Dialog beim Drehbuch schreiben darin besteht, Informationen zu vermitteln, dann denke noch einmal nach. Das ist nicht die Aufgabe des Dialogs. Bei Dialog geht es nicht nur um die Worte auf der Seite Deines Drehbuchs. Es geht um die Dinge, die nicht gesagt werden. Wichtig sind die «Zwischenräume» zwischen den Wörtern, entscheidend ist der Subtext. Es ist das Schweigen, das Bände spricht.

Scriptwriting: Den Einstieg in die Story finden

Zu wissen, wo eine Geschichte beginnt, die man erzählt, ist untrennbar mit dem Ende der Geschichte verbunden. Du musst nicht alle Details des Endes kennen. Aber Du musst wissen, wohin sich die Story entwickelt. Welche Art von Ende versucht Du zu erreichen? Tragisch, komisch, romantisch, aufregend, erschreckend, bittersüß, zweideutig? Zu wissen, wohin Du gehst, bedeutet, dass Du die beste, fesselndste und aussagekräftigste Szene für den Anfang ausarbeiten kannst.

Der Anfang einer Geschichte hat die Aufgabe, die Aufmerksamkeit des Publikums sofort zu wecken. Der Anfang muss «den Boden unter den Füßen» des Zuschauers berühren. Das bedeutet nicht, dass es sich um eine Action-Sequenz handelt – es heißt, die Geschichte zu beginnen, indem man die Charaktere in Aktion zeigt. Man stellt klar, wer die Charaktere sind und was sie tun.

Mache Dir keine Sorgen darüber, die Geschichte vorzubereiten. Versuche nicht, sie «einzurichten» oder die Charaktere künstlich einzuführen. Starte mittendrin im Leben Deiner Hauptfiguren. Die einzige Ausnahme sind Erzählungen im Stil von «Es war einmal».

Gehe sorgsam mit Hintergrundgeschichten um. Darin kannst Du Dich als Erzähler nur allzu leicht verstricken. Erkläre nicht zu viel und zu deutlich, was schon alles passiert ist, bevor das Publikum in Deine Geschichte eingetaucht ist.

Wenn es etwas Wichtiges gibt, das das Publikum über die Vergangenheit wissen muss, bring es in die gegenwärtige Handlung und das Drama der Geschichte ein. Finde einen fokussierten Einstieg in die Geschichte. Dabei musst Du nicht jeden Charakter, jedes Thema und jede Handlung sofort vorstellen.

Stelle uns vor, wen wir als Publikum wirklich brauchen, um uns für Deine Geschichte zu interessieren. Erst nachher musst Du die Story voranzubringen, kannst Du das Publikum überraschen und einen Gang höher (oder tiefer) schalten. Lasse Dir beim Drehbuch schreiben etwas Bedeutendes für den Anfang Deiner Geschichte einfallen.

Dazu kannst Du beispielsweise Deine Charaktere aus ihrer Komfortzone treten lassen. Lass sie etwas wollen zeige, wie die Figuren dabei scheitern. Stellen ihnen ein Problem oder stelle sie vor Dilemma. Mache ihre Welt anders. Gib ihnen Grund zum Handeln. Sei es, um eine kleine, aber persönlich überaus intime, wichtige Sache geheim zu halten oder um als Superheld die Menschheit zu retten.

Am wichtigsten ist, dass Du Deine Geschichte planst, bevor Du mit dem Schreiben beginnst.

Stelle sicher, dass Du weißt, wie und wo Deine Story beginnt, was zwischen Anfang und Ende passiert und wie die Geschichte endet. Skizziere den Ablauf in groben Handlungslinien. Das ist wie ein Puzzle. Frage Dich, in welcher Reihenfolge Du die Einzelteile zusammensetzt. Überlege Dir, wann der Zuschauer die ersten Muster erkennt. Bedenke, ob der Zuschauer sich dabei mit seinen Rückschlüssen irren sollen oder ob seine Erkenntnisse in die korrekte Richtung führen sollen.

Verlass Deinen Computer, mach einen Waldspaziergang und schau Dir Deine Charaktere an und frage Dich, ob sie die Story vorantreiben. Wenn das nicht der Fall ist und Deine Charaktere von der Story getrieben werden (statt umgekehrt), dann läuft normalerweise etwas schief mit Deiner Geschichte. Erkennst Du das schon jetzt, kannst Du Gegensteuer geben.

Scriptwriting: Die Mitte als Brücke

Ein guter Anfang kann spannend sein, ohne dass wir die Gründe dafür und die Motivation der Charaktere bereits erkennen müssen. Spätestens im Mittelteil des Drehbuchs muss sich das ändern. Verstehe ich die Ausgangslage und Grundkonstellation der Figuren zu lange nicht, verliere ich als Zuschauer das Interesse an der weiteren Entwicklung der Story.

Bei vielen Drehbüchern und Geschichten liegt die größte Herausforderung darum in der Mitte der Story. Die Mitte ist die Strecke, die den Anfang mit dem Ende verbindet.
Der Mittelteil eines Drehbuchs nimmt normalerweise mehr Zeit und Raum in Anspruch als der Anfang und das Ende zusammen. Diese Brücke dramatisch oder komödiantisch zu gestalten, erfordert viele Überlegungen, noch mehr Planung und einiges an Anstrengung.

Findet man heraus, wo man anfangen soll und wo man hinwill, muss man den geeignetsten Weg für seine Charaktere finden, um von dem einen Punkt zum anderen zu gelangen.
Im Genre Actionfilm erwartet man auf diesem Weg vom Anfang zum Ende hochoktane Action, Spannung und Gefahr. Ist es eine Detektivgeschichte, will der Zuschauer Schritt für Schritt der Lösung näherkommen. Bei einer Liebesgeschichte ist gehen wir davon aus, dass die Hindernisse auf dem Weg zum Aufblühen der Liebe überwunden werden.

Wichtig beim Drehbuch schreiben ist nun, dass der Autor die Figuren auf dem Weg vom Anfang zum Ende der Geschichte nicht einfach entlang einer geraden Linie gehen lässt. Der kürzeste Weg ist nicht der spannendste. Die Reise ans Ziel darf den Charakteren nicht zu leichtfallen. Ein gewisses «Durcheinander» ist dabei durchaus spannungserzeugend. Aber anders als seine Figuren darf sich der Autor dabei nicht verirren.

Als Drehbuchautor darfst Du Charaktere, Ereignisse, Handlungen und Konsequenzen manipulieren, musst diese aber jederzeit unter Kontrolle haben. Du musst scheinbare Inkohärenz und Verwirrung immer zu einem Höhepunkt und einem Abschluss führen. Du darfst (ja musst) die Dinge für die Charaktere schwierig machen. Gleichzeitig gilt es, die Dynamik der Geschichte für das Publikum aufrechtzuerhalten. Das «Durcheinander» will also sorgfältig geplant sein.

Vergiss nicht, das Publikum zu überraschen. Was wollen und was müssen die Zuschauer sehen? Welche Textpassagen kannst Du weglassen? Bringe das Publikum dazu, die Geschichte, Charaktere und Ereignisse in einem neuen Licht zu sehen!

Du musst Deine Zuschauer und Leser begeistern. Das ist Deine Aufgabe als Autor beim Drehbuch schreiben. Entwickeln und verändern sich die Charaktere in genügendem Umfang? Bleiben Deine Figuren auf unterhaltsame oder tragische Weise in ihren Verhaltensweisen gefangen, wollen aber trotzdem ihrem Schicksal entrinnen? Geht ihre Reise in Deiner Story über Täler und Gipfel, in Sackgassen? Gibt es Momente der Klarheit, die einen Dominoeffekt auslösen? Haben Verhaltensweisen und Handlungen für Deine Figuren ernsthafte Konsequenzen? Wenn nicht, wird Deine Geschichte «hängen bleiben». Und Dein Publikum auch.

Scriptwriting: Am Ende bleibt das Ende

Eine der großen Herausforderungen beim Drehbuch schreiben ist das Ende der Geschichte. Vielfach ist dieses eine Enttäuschung. Banal, unbefriedigend und voraussehbar.
Was für eine Wirkung versuchst Du mit dem Ende Deiner Geschichte beim Zuschauer zu erzielen? Folgst Du dem Ausgangspunkt und der Reise, die Du mit uns und den Charakteren unternommen hast?

Gute Enden fühlen sich unvermeidlich an. Sie sind das, was nach allem, was zuvor geschehen ist, folgen muss.

Das Ende darf nicht vorhersehbar sein. Es kommt überraschend. Ist bittersüß. Wenn wir einfach sehen können, was passiert und wie wir dorthin kommen, dann ist das keine Überraschung. Sondern nur langweilig. Bietet das Ende wirklich das, was Du Dir am Anfang vorgestellt hast? Oder Du bist einfach froh, nach 90 Drehbuchseiten Deine Story abschließen zu können?

Großartige Enden befriedigen das Publikum. Das bedeutet nicht, den Zuschauer einfach glücklich zu machen und offensichtlich zu sein. Diese Zufriedenheit nährt sich daraus, keine frustrierend offenen oder zweideutigen Enden zu haben. Das perfekte Filmende heißt, Deine Charaktere zu einem Punkt des Verständnisses und der Erkenntnis über sich selbst zu bringen. Komödien-Charaktere kannst Du dabei durchaus in ihrer Kurzsichtigkeit gefangen halten. Tolle Endungen sind immer die Folge von all den Handlungen, die dem Ende vorausgegangen sind.

Schlechte Filme verpuffen am Ende. Sie hören einfach auf, ohne dass ein wirkliches Gefühl des Abschlusses oder der Befriedigung entsteht. Tolle Enden erzeugen ein Echo. Schlechte Enden implodieren. Schlechte Enden ärgern das Publikum, statt es zu respektieren.

Am Ende, wenn der Zuschauer den Fernseher abschaltet oder das Kino verlässt, bleibt das Ende in Erinnerung. Es ist das letzte und aktuellste Erlebnis, dass er aus Deinem Film mitnimmt. Das gilt auch für den Leser Deines Film- oder Serienskripts. Dieser aber entscheidet zusätzlich, ob aus Deinen Worten überhaupt je Filmbilder werden.

Was bedeutet Textur?

Das Wort Textur bezeichnet die Beschaffenheit einer Oberfläche. Beim Drehbuch schreiben kannst Du mit der richtigen Beschreibung und Angabe von prägnanten Details dem Leser (und später dem Zuschauer) ein Gefühl für Lebensnähe, für die Welt und für die Echtheit Deiner Charaktere in Deinem Skript geben.

Einige Autoren verwenden eine Menge Beschreibungen, andere nur sehr wenig. Es gibt keinen richtigen Weg. Aber wenn Du so viele Beschreibungen verwendest, dass der Schwung der Geschichte nachlässt, ist das zu viel. Lange beschreibende Passagen ziehen oftmals zu viel Aufmerksamkeit des Lesers auf sich. Sie lenken von der Geschichte ab. Jedes Detail der Beschreibung und des Hintergrunds eines Charakters zu erzählen, bis hin zur Anzahl der Sommersprossen am Ohr und wo die Person ihre Bluse gekauft hat (Galeria Kaufhof Berlin-Alexanderplatz, reduziert von €78.00 auf €38.00 wegen eines leichten Flecks auf dem Ärmel) ist unnötig.

Manchmal beschließen Autoren, ihrer Geschichte mit vielen Details zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Wir wie man einen Sprengschatz auf unkonventionelle Weise entschärft oder wie man als Laie ein Flugzeug pilotiert. Manchmal sind diese Details wichtig für die Entwicklung und Nachvollziehbarkeit einer Story. Trotzdem sollten Szenen mit technischen Informationen kurz bleiben.

Wenn es so wenige Details gibt, dass die Charaktere oder Einstellungen fade und unmerklich sind, dann ist das zu wenig. Diesfalls taucht der Leser aus einer Szene auf und hat keine Ahnung vom Alter oder von der physischen Erscheinung eines Charakters oder von dessen Lebenseinstellung.

Abgesehen von der Reduktion der Länge solcher Beschreibungen kann man beim Drehbuch schreiben die Textur erheblich verbessern, indem auf die Wortwahl achtet. Lese Dein Drehbuch einmal komplett durch und umkreise alle Wörter, die stärker sein könnten. Dann ersetze die eine Hälfte und streiche die andere Hälfte. Dabei solltest Du Dich nicht auf einen Online-Thesaurus verlassen. Denn sonst läufst Du Gefahr, ein langweiliges Wort durch ein komplexeres und noch langweiligeres zu ersetzen. Das Wort, nach dem Du Suchen musst, ist oft kein Synonym. Sondern ein Wort, dass Eigenständigkeit und Ausdruckskraft besitzt.

Ein häufiger Grund, warum eine Passage stecken bleibt oder ihren Fokus verlieren kann, ist, dass der Autor sie mit zu vielen Adjektiven belastet. Der Anfänger denkt, dass, wenn ein Adjektiv gut ist, drei Adjektive noch besser sein müssen. Das ist falsch. Das Zusammenfassen von Adjektiven führt dazu, dass sie sich Deine Wörter gegenseitig bekämpfen, wobei eines das andere verschlingt, bis keine Wirkung mehr übrigbleibt. Wenn Du mehrere Adjektive kombinierst, haben mindestens zwei von ihnen meist eine ähnliche Bedeutung (Beispiel: „Sie war ein ruhiges, introspektives, schüchternes Mädchen“.).

Drehbuch schreiben heißt umschreiben

Du hast Deine Idee ausgearbeitet, herausgefunden, was für geniale Erfahrung es ist, Charaktere erschaffen und ein Drehbuch zu schreiben. Deine Geschichte ist sauber strukturiert, sie zum szenischen Leben gebracht und die Charaktere mit Liebe zum Leben erweckt. Du hältst ein Drehbuch in Deinen Händen und es fühlt sich gut an.

Trotzdem hast Du noch nicht mehr als einen Entwurf! Genau das ist es. Ein Entwurf. Das ist für Dich und Deinen Film ein gefährlicher Moment. Jetzt musst Du auf die Bremse treten. Beim Drehbuch schreiben bist Du nämlich Deinem Drehbuch zu nahegekommen, um es noch hart und kritisch zu beurteilen.

Drehbuch schreiben ist Umschreiben – ob auf der Seite oder im Kopf, über Tage, Wochen, Monate oder Jahre. Um zu schreiben und umzuschreiben, musst Du Deiner Geschichte Zeit und Raum geben.

Drucke Dein Skript aus, lege es in eine Schublade oder in ein Regal und zwinge Dich als Autor, Dein Drehbuch für mindestens ein paar Wochen, wenn nicht länger, in Ruhe zu lassen. Du musst in der Lage sein, es später frisch und neu zu lesen. Um Deine Subjektivität zu verlieren brauchst Du Zeit. Erst danach bist Du bereit, Dein Buch so objektiv wie möglich zu betrachten.

Das ist nicht einfach. Aber Du musst es tun. Mache zwei Dinge, wenn Du das Drehbuch nach der Pause das erste Mal wieder in der Hand hältst.

Erstens suchst Du Dir einen ruhigen, ungestörten Raum. Dort liest Du Dein Drehbuch in einem Zug. Dies, ohne anzuhalten, um Notizen zu machen. Lese Dein Drehbuch so, wie es jemand anderes lesen würde. Frage Dich anschließend ehrlich, was Du dabei denkst, was Du fühlst. Überlege Dir, ob die Story für Dich funktioniert. Denke darüber nach, wo mögliche Probleme sind und ob Deine Message im Film eindeutig genug ist.

Zweitens legst Du das Drehbuch anschließend wieder weg für mindestens einen weiteren Tag. Danach setzt Du Dich hin und beginnst zu «graben». Mache Dir Notizen über Szenen und Zeilen auf jeder Seite. Wenn es jemanden gibt, dem Du vertrauen kannst, bitte um ein ehrliches, intelligentes und nützliches Feedback?

Lese Dir selbst Dein Drehbuch laut vor. Lass die Charaktere sprechen und sprich mit ihrer Stimme. Drehbuch schreiben bedeutet immer auch lesen.

Wenn Du anfängst, den großen roten Editierstift zu benutzen (Rot ist eine gute Farbe für diesen Job), schaue nicht auf einzelne Wörter. Drehbücher sind keine Romane, Kurzgeschichten, Gedichte oder Rhetorik. Ein Wort alleine zählt nichts.

Wenn Du sehr viel Glück hast, ist Dein Drehbuch ein Werkzeug in einem Produktionsprozess, der zahlreiche andere Menschen einbezieht. Sie alle werden etwas dazu beitragen um die Worte, die Du aufgeschrieben haben, zum Leben zu erwecken. Darum gehe nie davon aus, dass das, was Du geschrieben hast, genial ist. Vielleicht ist es das. Aber große Autoren neigen dazu, das Schlimmste anzunehmen, damit sie es noch besser machen können. Nimm Dir daran ein Vorbild.

10 typische Anfängerfehler beim Drehbuchschreiben

1. Einen Film für einen Produzenten, Regisseur oder Schauspieler zu schreiben, anstatt für einen unbekannten Leser aus dem Filmbusiness, ist ein Fehler. Dies führt meist zu Unklarheiten beim Schreiben führen. Der Autor hat schon eine Vorstellung, was X oder Y zu seinem Drehbuch kreativ hinzufügt. Unbewusst entsteht eine Vision. Aber nur im Kopf des Autors, nicht im Drehbuch. Darum wird das Drehbuch damit nicht stärker, sondern handwerklich schwächer.

2. Charaktere werden mit unerträglich vielen Details beschrieben. Physikalische Beschreibungen, einschließlich Rasse, Größe, Kleidung usw., sind weit weniger wichtig, als die meisten Autoren glauben. Überlasse das Kostüm dem Kostümbildner. Und schränken das Casting nicht ein, es sei denn, es ist wichtig, dass Dein Charakter blaue Augen hat oder koreanischer Abstammung ist. Was zählt, ist die Seele des Charakters. Statt zu viele Details fügst Du lieber ein paar Worte, die die Fehler, Wünsche oder die Persönlichkeit dieses Charakters auf den Punkt bringen, ein.

3. Charaktere mit androgynen oder austauschbaren Namen funktionieren nicht in Drehbüchern. Folglich wird der Leser Deinen Charakteren nicht so viel Aufmerksamkeit schenken wird wie Du. Wähle einzigartige, einprägsame Namen, ohne den Leser zu verwirren.

4. Szenen beginnen ganz am Anfang der Szene und nicht in der Mitte. Ja, viele Gespräche beginnen so im richtigen Leben. Aber als Film ist das total langweilig. Starte mit der Szene mitten im Konflikt. Steige immer so spät wie möglich ein. Stelle hingegen sicher, dass Du die Szene verlässt, bevor alles geklärt ist. Schließlich lässt das Spannung aufkommen und erhöht die Leserführung.

5. Deine Charaktere sagen exakt das, was sie meinen. Dagegen fehlt Subtext. Erarbeite für jede Deiner Figuren eine  Hintergrundgeschichte; aber maskiere diese. Denke daran, dass die meisten Menschen (außer Kinder) selten, wenn überhaupt, genau sagen, was sie meinen.

6. Zu viele Charaktere werden dem Leser in zu kurzer Zeit vorgestellt. Es ist wie auf einer Party: Wenn der Gastgeber Dir den Namen aller Gäste auf einmal mitteilt, wirst Du Dich an keinen einzigen Namen erinnern. Aber wenn Dur zuerst zwei oder drei Leuten kennenlernst und dann zur nächsten kleinen Gruppe gehst, ist es viel wahrscheinlicher, dass Du jeden Einzelnen kennenlernt und dass Dich die Personen nicht kalt lassen.

7. Kein großer Konflikt. Ein Mangel an ernsthaften, lebensverändernden Konflikten ist der Feind jedes Drehbuchs, sowohl auf der Szene- als auch auf der Story-Ebene. Der schwache Versuch, über eine Nebenfigur einen Hauch von Geheimnis oder Streit hinzuzufügen, reicht nicht aus. Das bedeutet nicht, dass die Charaktere die ganze Zeit kämpfen müssen. Aber unter jedem Handlungsstrang muss es eine Quelle für Spannung geben, die geschaffen, verstärkt oder vorübergehend gelöst wird (um zum nächsten Konflikt zu führen).

8. Ein unwichtiger Charakter wird zu stark gewichtet. Wenn eine Figur nur ein paar Zeilen hat, braucht diese keine weitreichenden Satzbeschreibungen oder gar einen Namen. Kurzum: Die Leser sollen ihre Energie nicht an Charaktere verschwenden, die in Deiner Story nur eine Statistenrolle spielen.

9. Das Schlimmste, was Du als Autor beim Drehbuch schreiben tun kannst, ist, dem Leser genau das zu geben, was er erwarten. Klischees sind tabu. Ja, wir alle haben Filme mit klischeehaften, veralteten, vorhersehbaren, lächerlichen oder langweiligen Charakteren und Dialogen gesehen. Das bedeutet nicht, dass wir dieses Erlebnis nochmals freiwillig wiederholen wollen. Der Leser will von Deiner Handlung und von jedem Dialog überrascht werden. Wenn Du also etwas schreibst, die wir schon eine Million Mal gesehen haben, ändere es und erfinde etwas, das neu ist … oder sogar das genaue Gegenteil von dem ist, was wir erwarten.

10. Wenn Du die erstaunlichste Geschichte der Welt hast, werden ein paar Tippfehler keinen Unterschied machen. Aber wenn Tippfehler auf der ersten Seite stehen, gibt das nicht viel Vertrauen, als Leser in guten Händen zu sein. Der Leser (meist ein Produzent) will sehen, dass Du sorgfältig am Skript gearbeitet hast und Dein Bestes gegeben hast. Wenn Sie nicht in der Lage sind, den Unterschied zwischen „Ihrem“ und „Ihnen“ zu erkennen, solltest Du einen Korrekturlesedienst (oder einen Freund mit Adleraugen) bitten, Dein Drehbuch zu korrigieren.

Die richtige Formatierung

Ein Drehbuch hat zwischen 90 und 120 Seiten. Dabei verwendest Du beim Drehbuch schreiben bitte immer Courier als Schriftart. Die Schriftgröße beträgt 12 pt. Das hat seinen guten Grund. Eine korrekt formatierte Skriptseite in der Schriftart Courier entspricht im amerikanischen Papierformat etwa einer Minute Laufzeit im Kino oder am Fernsehen. Deshalb beträgt die durchschnittliche Seitenzahl eines Drehbuchs zwischen 90 und 120 Seiten. Komödien sind in der Regel auf der kürzeren Seite (90 Seiten oder 1 ½ Stunden), während Dramen länger dauern (120 Seiten oder 2 Stunden).

Drehbuchformatierungssoftware wie Final Draft, Movie Magic Screenwriter, Movie Outline und Montage (siehe nachfolgend) befreit Dich von der Notwendigkeit, die Regeln der Formatierung und die Feinheiten der Ränder und Einzüge zu lernen.

Drehbuch-Formatierungssoftware

Screenwriting-Software macht die Erstellung eines Industriestandardskripts einfach und unkompliziert. Beispielsweise Programme wie Final Draft und Movie Magic Screenwriter setzen Deine Worte beim Drehbuch schreiben in das richtige Drehbuchformat um, sodass Sie sich auf eine gut erzählte Geschichte konzentrieren können und nicht auf die Arbeit an Rändern und Abständen.

Es gibt auch ein breites Spektrum an Entwurfs- und Entwicklungssoftware, die Dir dabei hilft, Deine Gedanken zu ordnen, bevor Du mit dem Schreiben beginnst. Beliebte Software für die Entwicklung von Geschichten sind

  • Save the Cat: ein Programm, das sich auf die bewährten Methoden des erfolgreichen Drehbuchautors Blake Snyder konzentriert
  • Dramatica Pro: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Erzählprozess
  • Contour: ein charakterbasiertes Strukturierungssystem

Wenn Du ein Programm willst, das Story-Entwicklung und Formatierung kombiniert, schaue Dir Movie Outline an, ein All-in-One-Entwicklungspaket, das Step-Skizzen zum Drehbuch schreiben, Erstellen von Szenen und die Montage verwendet. Es enthält sowohl Outline- als auch Submission-Tracking-Funktionen enthält.

Die Titelseite Deines Drehbuchs

Genau wie für das Drehbuch schreiben und zur Formatierung eines Drehbuchs gibt es (ganz besonders in den USA) sehr spezifische Regeln für das Binden und Präsentieren eines Skripts. Das hilft dem Leser, sich schnell auf das zu konzentrieren, was wichtig ist: Die Story.

Die erste Seite ist die Titelseite, die ebenfalls in der Schriftart Courier 12pt geschrieben wird. Keine Grafiken! Keine Bilder! Außer Du publizierst später Dein Drehbuch, weil der darauf basierende Kinofilm ein großer Erfolg war. Auf die erste Seite gehört nur der Titel Deines Scripts, mit dem Vermerk «Drehbuch von» und Deinem Namen in der Mitte der Seite. Füge unten links oder rechts Deine Kontaktdaten ein. In der unteren linken oder rechten Ecke kannst Du zusätzlich einen Copyright-Vermerk eintragen. Erforderlich ist das nicht.

Vermeide Angaben zum Datum. Umso mehr, weil  es sein kann, dass Dein Drehbuch zur Seite gelegt wird. Wird das Buch später wieder in die Hand genommen, lässt nichts Dein Drehbuch älter aussehen als eine Datumsangabe.

Was ist ein Produktionsskript?

Ein „Spekulationsskript“ bedeutet wörtlich, dass Du ein Drehbuch ohne Auftrag verfasst hast. Das heißt, niemand hat Dich für das Drehbuch schreiben bezahlt. Du schreibst in der Hoffnung, das Drehbuch an einen Produzenten zu verkaufen.

Sobald ein Drehbuch gekauft wurde und Du gegen Bezahlung arbeitest, wird Dein Drehbuch zu einem Produktionsskript. Das Produktionsskript ist die Version des Drehbuchs für die Filmproduktion. Es enthält technische Anleitungen, wie z. B. Notizen zum Filmschnitt, Aufnahmen, Schnitte und ähnliches. In ihm sind die Szenen nummeriert. Revisionen sind mit einem farbkodierten System gekennzeichnet. Damit kann die Filmproduktion (meist die 1. Regieassistenz) in Zusammenarbeit mit dem Regisseur die Reihenfolge der Szenen für eine möglichst effiziente Nutzung der Ressourcen einfacher festlegen.

Der größte Fehler, den jeder neue Autor beim Drehbuch schreiben begehen kann, ist, ein Skript voller Produktionssprache, einschließlich Kamerawinkel und Bearbeitungsübergänge, zu schreiben. Es mag für Dich als Autor sehr schwierig sein, dieser Verlockung zu widerstehen. Schließlich ist es Deine Geschichte. Du siehst sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise.

Aber Fakten sind Fakten und Regeln sind Regeln. Als Autor bist Du kein Regisseur. Wenn Du nicht nur ein Drehbuch schreiben, sondern dieses auch inszenieren willst, dann versuche Dich als unabhängiger Filmemacher.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Gabriela Weingartner
Wer ist Gabriela Weingartner? 6 Artikel
Gabriela Weingartner ist überzeugt, dass der Autor Patrick Süskind recht hat, wenn er sagt «Man muss gescheit sein, um in der dummen Sprache des Films eine Geschichte klug erzählen zu können.»

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