Leitfaden für die Verwendung und Lizenzierung von Musik in Film und Video

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Standbild aus dem Dokumentarfilm »Score - Eine Geschichte der Filmmusik« von Matt Schrader | © Ausschnitt Filmplakat: NFP

Die Lizenzierung von Musik für Film und Video ist für viele Videoproducer ein spiegelglattes Eisfeld. Das beginnt nicht selten bereits mit der Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Musikstück für die Verwendung in einem Video aus verwendet werden darf. In dieser Anleitung findest du alle Antworten, Links und zusätzlich sogar Plattformen für abgeltungsfreie Musik.

Der Aufbau dieses Leitfadens für konkrete Fragen im Zusammenhang mit der Lizenzierung von Musik für Video beginnt mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen Musikstücke ohne Lizenz nutzbar sind und ohne Abgeltung in einem Video verwendet werden dürfen. Unsere Anleitung zum Umgang mit Musikrechten endet mit den Antworten, ob du auch ein weltweit bekanntes Musikstück, beispielsweise von Billie Eilish, für deinen Film einsetzen darfst, und wenn ja, wie du für die Kalkulation und Anfrage einer Musiklizenz vorgehen musst.

Welche Musik muss ich für die Verwendung in einem Video oder Film nicht lizenzieren?

Die Frage nach Musik, deren Verwendung in einem Video keine Musiklizenz erfordert, bringt uns gleich zum Kern der Sache:

  • Grundsätzlich gilt, dass du nur diejenige Musik NICHT für die Verwendung in einem Film oder einem Video lizenzieren musst, an der du alle Rechte besitzt (d. h.: Du hast die Musik selbst komponiert, getextet und aufgenommen).
  • Auch nicht um die Lizenzierung von Musik zu kümmern brauchst du dich, wenn es um Kompositionen geht, an denen keine Rechte mehr bestehen. Dies, weil der Komponist oder Texter bereits vor langer Zeit (in der Regel vor mehr als 70 Jahren) verstorben ist. Dann handelt es sich um sog. Gemeinfreie Werke. Aber auch hier kannst du nur dann auf die Lizenzierung verzichten, wenn du die Musik selbst spielst und neu aufnimmst. Greifst du auf eine bestehende Aufnahme (Originalaufnahme) zu, bestehen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch andere Rechte, die du erwerben musst. Siehe dazu nachfolgend unter Punkt 2.
  • Keine Lizenzen im Sinne einer Abgeltung benötigst du auch dann, wenn du alle Rechte unentgeltlich direkt vom Urheber zur Verfügung gestellt bekommst.
  • Oder wenn du das Video, das du mit geschützter Musik vertonst, nur im privaten Kreis verwendest. Aber aufgepasst! Die Rechtsprechung definiert eine private Nutzung sehr streng! Schaust du dir ein Video mit zwei oder drei Freunden Zuhause an, ist das erlaubt. Tust du dasselbe an einem Vereinsabend, oder stellst du das Video online, begehst du bereits eine Urheberrechtsverletzung und kannst großen Ärger kriegen.

Wie die Lizenzierung von Musik für Video und Filme funktioniert, erschließt sich nur mit einem minimalen Verständnis für den rechtlichen Hintergrund. Aber keine Angst, die Grundlagen sind weniger schwer zu verstehen als man meinen möchte.

Es gibt nämlich nur drei grundlegende Dinge, die du im Umgang mit Musik und der Musiklizenzierung wissen und berücksichtigen musst:

1 Erstens geht es bei Musik nicht nur um einem „Kauf“, sondern immer auch um das Urheberrecht. Wer ein Musikstück komponiert oder den Text dazu schreibt, besitzt automatisch die Rechte daran. Dies ungeachtet, ob das Stück kurz oder lang und gut oder schlecht oder mehr oder weniger erfolgreich ist. Du hast richtig gelesen: Diese Rechte entstehen, ohne dass der Urheber seinen Musiktitel irgendwo anmelden muss. Das berühmte Copyright tut also nichts zur Sache (zumindest im kontinentaleuropäischen Raum) damit Musik rechtlich geschützt ist.

Ebenso irrt, wer glaubt, ein Musikstück müsse erst ab einer bestimmten Länge lizenziert werden. Das ist aus rechtlicher Sicht falsch! Zwar hält sich dieses Gerücht hartnäckig, aber es gibt keinen solchen Paragrafen im Gesetz, der dies zulässt. Die Länge eines Songs tut nichts zur Sache. Allerdings gibt es Überlegungen, ob in ferner Zukunft unter gewissen Bedingungen bis zu 20 Sekunden je Tonspur Musik ohne Lizenz genutzt werden darf. Aber dabei handelt es sich einzig um einen Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Hinzu kommt, dass allein die Kombination von Musik mit einem anderen Medium wie Film oder Video einen Rechtserwerb vom Urhebers erfordert. Selbst dann, wenn das Stück komplett unverändert in voller Länge in einen Film zu hören ist.

Der Grund dafür ist einfach zu verstehen: Musik als eigenständiges und geschütztes Werk kann durch ihre Verwendung in einem anderen Medium einen neuen Sinn bekommen, der so vom Urheber nicht erwünscht ist. Das dümmste, aber sehr illustrative Beispiel dafür ist ein Song, der in einem Porno eingesetzt wird. Hier dürfte sofort klar sein, dass der Schöpfer der Musik nicht ungefragt mit einem solchen Filmwerk in Verbindung gebracht werden will.

Und, auch hier gilt: Es liegt allein am Urheber, zu entscheiden, ob er der Verbindung mit einem anderen Werk zustimmen und eine Musiklizenz erteilen will. Was dieses Werk (konkret: das Video / der Film) aussagt und wie es geschaffen ist, ändert daran nichts. Es ist der Rechteinhaber, der allein entscheidet.

2Zweitens ist zwischen dem Recht an der Nutzung eines Werkes (wie schon erwähnt gehört dazu auch die Verbindung eines Musikstücks mit einem Film) und einem Musiktitel in der Originalfassung unterscheiden. Bei letzterem müssen nicht nur die Nutzungsrechte zur Verwendung der Musik im Film erworben werden, sondern zusätzlich auch das Recht an der Originalaufnahme.

Ein Beispiel: Du möchtest den Olympia-Song „HOCH“ von Tim Bendzko in einem Kundenvideo verwenden. Um das Musikstück als Auftragskomposition mit einem Musiker deiner Wahl für das Video neu aufzunehmen (Melodie und Text), muss der Tim oder sein Musikverlag gegen ein zu verhandelndes Entgelt in eine Musiklizenz einwilligen. Möglicherweise, das gehört zur Vertragsfreiheit, stellt das Management auch noch weitere Forderungen / Bedingungen für die Lizenzierung von Musik, damit du das Nutzungsrecht an Melodie und Text bekommst.

Willst du den Originalsong übernehmen, musst du dazu auch noch das Recht an der Originalaufnahme erwerben. Das kostet nochmals. Dafür aber, die Einwilligung des Künstlers vorausgesetzt, darfst du dann hochoffiziell den echten Song verwenden – und sparst dir zugleich die Studiokosten für eine erneute Aufnahme.

3Drittens besitzen Komponist, Texter und weitere beteiligten Musiker nicht nur Urheberrechte an einem Musikstück. Sie haben darüber hinaus auch das Recht zu entscheiden, zu welchen Konditionen ihr Werk vervielfältigt und aufgeführt werden darf.

In der Praxis sind diese Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte  für Filmproduktionsfirmen und Videoproducer weit einfacher zu erwerben, als die Nutzungsrechte und die Rechte an der Originalaufnahme. Denn die Vervielfältigungs- und Vorführungsrechte werden von der Mehrzahl der Urheber nicht selbst wahrgenommen. Sie haben diese Aufgabe an spezialisierte Organisationen abgetreten. In Deutschland ist das die GEMA, in der Schweiz die SUISA und in Österreich die AUME. Sie vertreten den Urheber, regeln die Abgeltung für das Abspielen in Radio, Fernsehen oder Filmen und überwachen im Auftrag des Gesetzgebers die Verwertung – beispielsweise wieviele Male ein Song im Radio gespielt wird – und übernehmen für den Musikautor / Komponisten / Texter das Inkasso.  Das Gute daran: GEMA und deren unabhängige Schwesterfirmen im Ausland arbeiten bei ihren Musiklizenzen mit festen Tarifen. Ihre Preislisten machen die Kosten für die Vervielfältigungsrechte und Aufführungsrechte transparent und planbar.

Fassen wir die bisher drei wichtigsten Grundlagen zusammen:

  1. Justiziare geben dem Recht zur Nutzung eines Musikstücks zwar unterschiedliche Namen. Davon darfst du dich nicht verwirren lassen. Ob von zu lizenzierenden Nutzungsrechten, von Synchronisation Rights oder von Herstellungsrecht gesprochen wird, gemeint ist immer dasselbe: Die Zustimmung und Abgeltung des Urhebers (Autors / Komponist) im Kontext mit der Verwendung seiner Musik in einem Video oder Film gemäß vorgehend Punkt 1. Der Begriff „Synchronisationsrechte“ hat also nichts mit dem zu tun, was der Produzent gemeinhin unter Synchronisation versteht.
  2. Soll das Originalstück zum Einsatz in einem Video kommen, sprechen Anwälte von zusätzlich zu erwerbenden Master Rights oder vom Leistungsschutzrecht. Das ist der vorerwähnte Punkt 2.
  3. Da, wer Filme mit einem Musikstück verbindet, diese anschließend auch verkaufen (vervielfältigen und veröffentlichen) will, müssen in der Praxis nebst den Nutzungsrechten und allfälligen Leistungsschutzrechten (wenn das Originalstück verwendet werden soll) auch Vervielfältigungsrechte, Aufführungsrechte und Streaming Rechte erworben werden.

Das war es auch schon mit den wichtigsten juristischen Grundlagen. Denn damit kannst du nun die praktischen Fragen im Zusammenhang mit der Musiklizenzierung für Videoproduktionen und Filme und wichtiger – die Antworten – verstehen und nachvollziehen.

Kann ich ein Musikstück für mein YouTube Video ohne Abgeltung nutzen?

Können kann man vieles. Die wichtigere Frage ist, was anschließend passiert. Schauen wir uns drei typische Fälle an, die passieren, wenn du Videos mit einem nicht-lizenzierten Musikstück auf YouTube hochlädst:

  • Erstens ist es möglich, dass (zuerst) scheinbar nichts passiert. Das ist aber nicht so cool, wie sich der Laie das denkt. Denn wie du vorgehend gelesen hast, gibt es (außer bei der klassischen Musik aus dem letzten Jahrhundert) kaum Kompositionen, an denen niemand die Urheberrechte hat. Es kann sein, dass der Urheber seine Rechte nicht wahrnimmt. Oder nichts von der Verletzung seiner Urheberrechte weiß. Nur: das ändert daran nichts, dass du seine Rechte verletzt. Es gibt keinen gesetzlichen Zwang, dass ein Musiker seine Rechte aktiv wahrnimmt. Aber in dem Moment, wo er das tut, sei es, weil er seinen Musikkatalog professioneller verwaltet oder für sich ein neues Management verpflichtet, kann deine Situation blitzartig ändern und ungemütlich werden. Bist du unter deinem Klarnamen oder als Videoproduktion identifizierbar, ist klar, wohin die Schadenersatzforderung flattert. Bei Auftragsproduktionen wie Imagefilmen erfährst du als Produktionsfirma allerdings häufig erst als zweite Instanz davon. Dann, wenn dein Kunde dich irritiert kontaktiert und informiert, dass er mit einer Klageandrohung, verbunden mit Geldforderungen konfrontiert ist. Denn nicht nur du als Person und Produzent, auch dein Kunde haftet für die fehlende Lizenz.
  • Zweitens, kurz nach dem Hochladen des Videos, oder auch Wochen oder Monate später, wirst du vielleicht von YouTube aufgefordert, die Rechtmäßigkeit der Verwendung mit einer Musiklizenz zu belegen. Hat dein Kunde das Video auf seinem Kanal aufgeschaltet, oder ab YouTube auf seiner Website eingebunden, wird auch er dazu aufgefordert werden, die korrekte Lizenzierung von Musik zu beweisen. Kannst du das Recht zur Verwendung nicht mit Dokumenten rechtsverbindlich belegen, entscheidet der Rechteinhaber wie weiter. Entweder er schaltet Werbung über deinem Video – deren Inhalt du weder ausblenden noch abschalten kannst – oder lässt YouTube dein Video sperren. Bei wiederholten Verstößen führt das zu einer Sperre / Löschung deines Kontos – oder noch unschöner – zur Pulverisierung des Kanals deines Auftraggebers mitsamt allen Follower, die der Kunde über Jahre teuer aufgebaut hat.
  • Drittens wirst du immer dann ruhig und gut schlafen können, wenn du keine eigentliche Lizenz erworben hast, aber für deine Videos mit lizenzfreier Musik kutschierst. Zu der ohne Abgeltung bei YouTube offiziell einsetzbaren Musik gehören auch die Songs, welche dir YouTube in der eigenen Library anbietet. Du kannst diese mit dem eigenen Videotool von YouTube auch bearbeiten. Gewiefte Füchse gehen noch einen Schritt weiter – auch wenn sie damit einen Fuß in die Grauzone der Nutzungsbedingungen des Kanals stellen. Der Trick geht so: Das kostenfreie Musikstück, das einem YouTube für die Verwendung auf dem Kanal anbietet, wird mit einem Downloader gesichert, dann professionell mit dem Schnittprogramm / deiner Software zur Tonmischung in der Nachbearbeitung auf das Video angelegt. Der Vorteil: du kannst die Musik mit diesem Verfahren weit gezielter mischen und die Musikeinsätze wie ein Profi auf die Szenen setzen und auf das Frame genau faden. Dennoch – nutzen darfst du die Musik weiterhin allein und nur auf YouTube.

Wie andere Kanäle kontrolliert YouTube die Urheberrechte an Bild und Ton weitgehend automatisiert. Dabei ist es möglich, dass du für Musik verwarnt wirst, die lizenzfrei nutzbar ist, aber nicht von YouTube selbst zur Verfügung gestellt wird. Dies geschieht immer dann, wenn der Rechteinhaber die Musik als sein Werk bei YouTube hinterlegt hat. Entweder hast du diesfalls das Kleingedruckte missverstanden – und die von dir verwendete Musik ist nicht lizenzfrei. Oder möglicherweise auch nur mit der Auflage, dass von YouTube Werbung in dein Video ausgespielt wird. Oder du musst, falls du für die freie Nutzung eine schriftliche Bestätigung vom Inhaber der Musikrechte hast, diese in der Antwort auf die Beanstandung hinterlegen.

Was ist mit rechtefreier Musik?

Wer von rechtefreier Musik spricht, meint in der Regel Musik, deren Verwendung ohne Abgeltung gestattet ist.

Aus juristischer Sicht muss man beim Begriff „rechtefreie Musik“ präzisieren. Weil jeder Komponist automatisch für jedes seiner Stücke die Urheberrechte daran bekommt, gibt es aus Sicht des Gesetzes keine Musikstücke, die frei von Rechten sind. Es gibt nur Werke, bei denen der Rechteinhaber auf die Wahrnehmung seiner Rechte bewusst verzichtet oder für die er ohne Abgeltung eine Lizenz vergibt. Die Ausnahme, welche diese Regel bestätigt, sind Gemeinfreie Werke. Hier sind die Rechte in der Tat nicht mehr existent, weil sie in den meisten Ländern Europas 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers verfallen.

Bei Musik, für die keine Abgeltung zu leisten ist, muss man nur darum keine Lizenz einholen, weil der Urheber die Nutzungsrechte vorab und pauschal jedermann ohne Rücksprache mit ihm zu gewissen Bedingungen einräumt. Ein gutes Beispiel dazu sind die weitverbreiteten Creative Commons-Lizenzen (abgekürzt: CC-Lizenzen).

Was für eine Rolle spielen Creative Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen) bei der Lizenzierung von Musik?

CC-Lizenzen (Creative Commons-Lizenzen) werden als freie Inhalte bezeichnet. Sie sind nicht frei von Rechten (nicht rechtefrei), aber frei für bestimmte Verwendungszwecke. Wieweit diese Freiheit geht, kann der jeweilige Urheber frei bestimmen. Darum gibt es unterschiedliche Kategorien von CC-Lizenzen. Ihre genauen Inhalte sind in detaillierten Bedingungen definiert. Da diese für juristische Laien schwer verständlich sind, existieren auch Kurzfassungen dieser vereinheitlichen Vertragsklauseln. Im Zweifel gelten aber immer die Detailbestimmungen.

Die drei wichtigsten Arten von Creative Commons-Lizenzen und ihre Bedeutung zusammengefasst:

  • ND (No Derivatives) heißt in der deutschen Sprache nichts anderes als: keine Bearbeitung. Weil allein das Hinzufügen von Musik zu einem Video als Bearbeitung des Musikstücks gilt, ist hier jede Verwendung für Film und Video verboten! Wer es trotzdem tut, verletzt das Urheberrecht und kann verklagt werden.
  • NC (Non-Commercial): Musik mit diesem Kürzel darf nur für nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden. Aber aufgepasst: Das Kriterium für Kommerzialität ist nicht die Höhe der Einnahmen oder der Umstand, ob mit einem Video überhaupt Geld verdient wird. Ein Imagefilm, der gratis für ein Hilfswerk produziert wird, kann in den Augen des Gesetzgebers durchaus als kommerzieller Zweck gelten.
  • SA (Share-Alike) Lizenzen bedeuten Weitergabe zu gleichen Bedingungen. Die Konsequenzen daraus sind für dich nicht zu unterschätzen! Denn eine SA-Lizenz besagt, dass du die Musik nur unter der Voraussetzung nutzen darfst, wenn du anderen Usern für dein eigenes Werk (= für dein Video!) allen anderen Usern im Web ebenfalls die freie Nutzung unter Share-Alike-Bedingungen erlaubst. Als Beispiel: Ist eine SA-Nutzung kommerziell gestattet, musst auch du deinen Film für eine weitere kommerzielle Nutzung gegenüber jedermann kostenlos freigeben! Nur dann ist die Nutzung der Musik unter dieser Lizenzart kostenlos und legal.
  • CC-Zero-Lizenz: der Urheber verzichtet auf Wahrnehmung sämtlicher Rechte. Bei dieser Art Lizenz, und nur hier!, kannst du die Musik ohne Auflagen frei und so verwenden wie es dir beliebt.

Creative Commons-Lizenzen lassen sich kombinieren und mit dem Zusatz „BY“ versehen. Dieser Baustein der CC-Lizenz bedeutet Attribution (deutsch = Namensnennung). Wo er beigefügt wird, darfst du die Musik nur verwenden, wenn du den Urheber namentlich aufführst. Wie das geschieht, darf der Rechteinhaber bestimmen.

Tipp: Ein Urheber kann – wie bereits erläutert – je nach Lust und Laune frei bestimmen, welche CC-Lizenzen er gegenüber Drittpersonen und Unternehmen einräumt. Diese Freiheit bedeutet aber umgekehrt auch, dass er die Freigaben zu einem späteren Zeitpunkt erweitern (oder im schlechteren Fall widerrufen) kann. In der Praxis bedeutet dies für dich: Bei einer Unsicherheit kannst du dich direkt an den Inhaber der Rechte wenden und ihn bitten / fragen, ob er dir die gewünschte Nutzung gestattet, auch wenn diese so nicht in der CC-Lizenz vorgesehen ist. Selbst bei einer ND-Lizenz darfst du also fragen, ob man dir für dein Video freundlicherweise eine Ausnahme einräumt.

Bekannte Anbieter und Plattformen, welche Musik im Internet unter Creative Commons-Lizenzen anbieten, sind:

Für CC-Lizenzen existieren im Web auch eigene Suchportale:

Bitte prüfe bei der Nutzung der vorgehenden Links in jedem Einzelfall für jedes Musikstück immer sorgfältig Art und Inhalt der CC-Lizenz.

Muss ich als Auftraggeber eine Auftragskomposition lizenzieren?

Unter Auftragskomposition versteht man ein Musikstück, welches ein Komponist / Musiker im Auftrag einer Film- oder Videoproduktionsfirma gegen Entgelt komponiert. Im Kompositionsvertrag regelt der Auftragnehmer (Komponist) die Übertragung der Rechte, den Umfang der Übertragung (Zeitdauer, Territorien, Nutzungsarten) an den Produzenten. Ein professioneller Vertrag regelt damit sowohl die Nutzungsrechte wie auch die Rechte an der Originalaufnahme. Schließlich möchte der Beauftragende als Arbeitsresultat nicht nur ein Notenblatt, sondern meist einen aufgenommenen Musiktrack.

Dennoch musst du die Auftragskomposition in der Regel noch zusätzlich lizenzieren. Warum? Die große Mehrheit der Komponisten hat sich gegenüber den Urheberrechtsgesellschaften verpflichtet, alle bestehenden und zukünftigen Vervielfältigungsrechte im Rahmen der Lizenzierung von Musik von diesen wahrnehmen zu lassen. Der Urheber ist mit diesen Deal entlastet von der mühsamen Kontrolle, wie im Detail die Verwertung des Videos oder Filmes mit seiner Komposition erfolgt.

Für dich als Auftraggeber bedeutet die generelle Abtretung der Rechte an der Vervielfältigung an eine darauf spezialisierte Organisation, dass der Komponist dir diese – selbst wenn er will – nicht in Form einer Musiklizenz übertragen kann. Weil er diese Rechte selbst nicht mehr besitzt. Du kommst also nicht daran vorbei, zur korrekten Lizenzierung einer Auftragskomposition diese noch bei der GEMA, AUME oder SUISA anzumelden und zu den von publizierten Tariflisten die Vervielfältigungsrechte zu erwerben.

Von dieser Anmeldepflicht bist du als Auftraggeber einer Komposition nur entbunden, wenn dein Auftragnehmer kein Mitglied bei einer Verwertungsgesellschaft oder einem entsprechenden Berufsverband ist. Du wirst aber eher keinen Ansprechpartner mit Talent finden, der seine Rechte an der Vervielfältigung zu seinem Schutz nicht weiterübertragen hat. Nur schon darum, weil einige Verwertungsgesellschaften für die Komponisten als freischaffende Künstler auch die Funktion einer Pensionskasse für die Altersvorsorge übernehmen.

Wie erwerbe ich Rechte und Lizenzen an einem bestehenden, bekannten Musikstück?

Um einen Originalsong oder einen originalen Filmsoundtrack für dein Video oder in deinem Imagefilm einsetzen zu können, musst du drei Hürden nehmen:

  1. Du brauchst die Einwilligung des Rechteinhabers an Komposition und Text, damit du die Musik unter deinen Film / dein Video legen darfst. Aus Beweisgründen willst du diese Zusage ohne Ausnahme in schriftlicher Form mit rechtsgültigen Unterschriften. Die Kontrolle, ob die richtigen Personen ihr Autogramm unter den Vertrag setzen, obliegt dabei dir.
  2. Zusätzlich brauchst du eine Zustimmung, die bestehende Aufnahme im Original verwenden zu dürfen. Dies von allen Personen, die Rechte an der Originalaufnahme besitzen. Natürlich willst du auch diese Zusage schriftlich und rechtsverbindlich.
  3. Letztendlich, sonst darfst du deinen Film nicht veröffentlichen und vervielfältigen, brauchst du auch noch dazu die entsprechenden Rechte.

Hast du Schritt 1 und 2 erfolgreich verhandelt und hinter dich gebracht, ist das Erwerben der Vervielfältigungsrechte nurmehr ein Klacks. Denn hier richten sich die Preise nach Tariflisten der Verwaltungsgesellschaften (GEMA, AUME, SUISA) und du hast es nicht mehr mit Ansprechpersonen zu tun, die als Musikmanager bei ihren Entscheiden direkt dem Künstler, seiner Karriere und seinem Image verpflichtet sind.

Wer ist dafür verantwortlich, dass die Lizenzierung von Musik für Film und Video korrekt erfolgt?

Die Verantwortung für die korrekte Lizenzierung von Musik für Film und Video liegt bei dir. Hast du nicht alle Rechteinhaber recherchiert oder einen Mitinhaber nicht angefragt oder keine Antwort erhalten, und trotzdem die Komposition in dein Video eingebaut: Dein Problem! Es ist zwar so, dass wer eine Verletzung seiner Rechte geltend macht, diese belegen / beweisen muss. Haften und Schadenersatzpflichtig bist du. Aber nicht allein.

Bei Auftragsproduktionen haftet auch dein Auftraggeber, weil er mit der Nutzung eines fehlerhaft oder nicht lizenzierten Videos ebenso die Rechte des Inhabers verletzt. Als Auftragnehmer wirst du in der Folge von deinem Kunden in die Pflicht genommen werden – er wird dir seinen Schaden weiterverrechnen.

Denke daran, das geht im kreativen Eifer des Gefechtes gerne vergessen: Ein Inhaber der Rechte an einem Song hat keine Pflicht, dir die erforderlichen Rechte zu erteilen. Es gibt Komponisten und Rechteinhaber, die ihre Musik aus Prinzip nicht für die Verwendung in Filmen oder Videos freigeben. Du solltest also immer frühzeitig abklären, wie es mit der Verfügbarkeit der Lizenzrechte aussieht. Erstellst du für Kundenpräsentationen ein Layout oder eine Schnittversion ohne vorherige Abklärungen zur Musiklizenz, begehst du nicht nur eine Rechtsverletzung (auch ein Layout-Film mit geschützter Musik ist keine private Verwendung!), sondern programmierst dir und deinem Kunden oder Boss möglicherweise auch Mehrarbeit und Enttäuschungen im Voraus. Dann nämlich, wenn die du erforderlichen Rechte nicht bekommst.

Wie finde ich heraus, wer für die Lizenzierung von Musikrechten mein richtiger Ansprechpartner ist?

Um herauszufinden, wer die Nutzungsrechte (Synchronisation Rights / Herstellungsrechte an einem Song besitzt, kannst du kostenlos auf eine Online-Datenbank der GEMA zugreifen. Unter https://online.gema.de/werke/search.faces findest du ohne Probleme die Namen der zuständigen Rechteinhaber an Komposition und Lyrics (Textdichter) sowie der jeweiligen Musikverlage. Du siehst hier auf einen Blick, ob ein Künstler seinen Song allein komponiert und mit / ohne Co-Autor getextet hat. Das ist darum aufschlussreich, weil die weiteren Mitwirkenden an einem Song meist nicht in der Öffentlichkeit stehen. Dennoch besitzen auch sie alle Urheberrechte.

Anmeldemaske „Repertoirsuche“ der kostenlosen GEMA-Datenbank für eine Musiklizenz | © Screenshot: filmpuls.info

Repetoiresuche Online für Musiklizenzierung

Willst du die Rechte an einer Originalaufnahme anfragen / erwerben, kannst du die Rechteinhaber im Internet beispielsweise über die Web-Datenbank https://www.discogs.com/ herausfinden.

Lizenzierung von Musik: Datenbank Discogs | © Screenshot: filmpuls.info

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Denke daran, dass du zusätzlich zu den Nutzungsrechten und – sofern gewünscht dem Recht an der Originalaufnahme – auch noch die Verwertungsrechte erwerben musst. Auch müssen Lizenzen grundsätzlich in dem Land angefragt werden, in dem der Lizenznehmer / Rechnungsempfänger seinen Sitz hat. Willst du eine Lizenz für Musik in mehr als einem Land erwerben, kannst du normalerweise trotzdem über den Ansprechpartner vor Ort regeln. Urheberrechtsgesellschaften arbeiten länderübergreifend zusammen.

Was kosten Musikrechte: Wie viel Budget muss ich die Lizenzierung von Musik kalkulieren?

Für Verwertungsrechte und Originalkompositionen richten sich die Preise nach der Bekanntheit des Künstlers und Songs. Weiter ausschlaggebend ist die Frage, für wie viele Länder und für wie lange die Rechte erworben werden sollen. Die Kosten für diese Rechte können dabei in tiefer vierstelliger Höhe liegen. Oder in astronomische Höhen steigen. Wer „Satisfaction“ von den Rolling Stones in der Originalkomposition nutzen will, muss ein kleines Vermögen investieren.

Um bei einer Videoproduktion oder einer Filmproduktion verlässlich kalkulieren zu können, muss die mögliche Verfügbarkeit von Musikrechten und deren Preisgestaltung bei Projektbeginn geklärt werden. Nur so ist ein realistisches Musikbudget möglich und können Production Values professionell gehandhabt werden.

Musikverlage sind meist gerne bereit, eine Richtofferte für die Lizenzierung von Musik für Film und Video zu unterbreiten. Voraussetzung hierfür ist eine belastbare, professionelle Anfrage für einen Richtpreis. Sie sollte mindestens die folgenden Informationen enthalten:

  • Dauer, für welche die Musiklizenz erworben werden soll?
  • Gebiet (Territorium), für das die Lizenz gültig sein muss?
  • Beschreibung der geplanten Verwendung des Musiktitels
  • Angaben zur Produktion / Produktionsbudget
  • Informationen zur Lizenznehmer (Wer ist Vertragspartner?)
  • In welchen Medien / auf welchen Kanälen soll der Film / das Video später eingesetzt werden

Je nach Komplexität der Anfrage kann die Abklärung einer Musiklizenz, welche der Musikverlag mit dem Rechteinhaber abstimmt, einige Tage oder auch vier bis acht Wochen erfordern. Grundsätzlich gilt auch bei Bitten um eine Offerte / einen Richtpreis für Musikrechte das Prinzip „Input = Output“. Je vollständiger die Anfrage erfolgt, desto leichter ist die professionelle Beantwortung und desto kürzer das dazu erforderliche Zeitfenster.

Die Mehrheit aller Musiker tritt Vervielfältigungsrechte, Aufführungsrechte und Streaming Rechte an die GEMA / SUISA / AUME ab. Weil niemand mehr Rechte übertragen kann, als er hat, hat dies zur Folge, dass selbst eine Band, die vor Publikum ihre eigenen Songs spielt, dafür an einem Konzert die Abgaben für diese Kosten entrichten muss. Über die Verwaltungsgesellschaften fließen diese Abgaben (abzüglich einer Verwaltungsgebühr) dann später wieder zurück an die Künstler. Die Tarife und Abgeltungsarten für die Vervielfältigung sind im Internet einsehbar. Sie richten sich unter anderem nach den Stückzahlen wie beispielsweise der Anzahl hergestellter Speichermedien wie Blu-Ray Discs.

Exkurs: die Verwendung von Musik in TV-Produktionen

Der Einsatz von Musik für TV-Produktionen und Serien, die am Fernsehen gezeigt werden, unterliegt speziellen Regeln.

Im Allgemeinen haben TV-Veranstaltung mit den Urheberrechtsgesellschaften (GEMA, SUISA) spezielle Rahmenabkommen für Musiklizenzen abgeschlossen. Dies meist in Form einer Pauschalabgeltung. Konkret heißt das: Die Sender dürfen Musikstücke und Songs für ihre Produktionen frei auswählen, sie müssen einzig die konkret verwendeten Musiktitel in einer Musikliste an die Verwertungsgesellschaften kommunizieren. Wer als TV-Produktion demzufolge im Auftrag und für das Fernsehen arbeitet, ist bei der Verwendung der Musiktitel und in Sachen Lizenzierung viel freier, als bei Auftragsproduktionen für den Unternehmenskunden.

Dennoch gilt auch hier: Das Rahmenabkommen für die Nutzungspauschale eines TV-Veranstalters kann naturgemäß nur diejenigen Rechte umfassen, die der Rechteinhaber für die Nutzung freigegeben hat. In der Praxis sind das allerdings nahezu alle Songs, die du auch im Radio hörst.

Es empfiehlt sich dennoch, bei einer Serienproduktion oder einem TV-Movie, das für eine Nutzung am Fernsehen vorgesehen ist, vorab mit dem Sender die exakten Bedingungen der Musikauswahl abzuklären. Insbesondere auch, weil niemand bei einem allfälligen Weiterverkauf einer Produktion wegen Problemen mit der Lizenzierung später Musikstücke austauschen will.

Disclaimer

Beachte bitte, dass je nach Territorium unterschiedliche Rechte und Gepflogenheiten gelten. Was bei der GEMA in Deutschland gilt, muss nicht automatisch und eins zu eins für die Visa in der Schweiz oder die AUME in Österreich richtig sein. Zudem, wichtiger noch, bestehen wesentliche Unterschiede in der Konstruktion des Urheberrechts zwischen dem kontinental europäischen und angelsächsischen Rechtssystem. Dieser Leitfaden zur korrekten Lizenzierung von Musik für Film und TV kann darum keine professionelle Rechtsberatung ersetzen. Im Interesse der Verständlichkeit und Lesbarkeit wurden darin Vereinfachungen vorgenommen und teilweise auf wichtige juristische Differenzierungen verzichtet.

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Über Redaktion Filmpuls 212 Artikel
Unter der Bezeichnung «Redaktion Filmpuls» erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt oder bearbeitet wurden.

1 Kommentar

  1. Danke für diesen wertvollen Artikel! Denn es ist in der Tat ein immer wiederkehrendes Thema bei meinen Kunden, denen ich den Artikel gerne empfehle!

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