Exposé für Film und Fernsehen schreiben. Alles, was du dazu wissen musst!

Exposé schreiben: Autor bei der Arbeit
Gewusst wie: Exposé schreiben | © Foto: FreePik

Gewusst wie: Du hast eine Idee, aus der einmal ein Film oder eine Serie werden soll? Du willst wissen, was deine Vision taugt? Dann ist es Zeit für ein Exposé. Hier findest du alles, was du darüber wissen musst.

Ein Exposé für Film und Fernsehen ist der erste Schritt auf dem Weg zum späteren Film. Es skizziert in groben Linien, was später einmal in Form eines Drehbuchs zur Drehvorlage wird. Gleichzeitig ist das Exposé auch ein Reality Check. Mit ihm findest du heraus, ob und wer sich für deine Film- oder Serienidee interessiert. Hier findest du ein Beispiel für ein Exposé und alles,was du dazu wissen musst.

Gut zu wissen

  • Ein Exposé ist die eine Vorstufe zum Drehbuch. Meist gibt es dafür kein Honorar.
  • Jedes Exposé hat vier Funktionen: (1) Es transportiert deine Idee und muss überzeugen, (2) vermittelt Sicherheit in dein Können als Autor und (3) zwingt dich, aus einer Idee eine tragfähige Geschichte zu machen, womit (4) durch die Formulierung auch ein Rechtsschutz erwächst.
  • Dein Exposé kann zwischen drei und fünfzehn Seiten umfassen. Inhaltlich gliedert es sich in drei Teile: Deckblatt mit Titel, Subtitel, Autorenname und Kurzzusammenfassung, Beschreibung der Hauptfiguren und skizzierter Handlungsablauf.

Wieviel Geld bekomme ich für ein Exposé?

In den meisten Fällen schreibst du als Autor ein Exposé auf eigenes Risiko. Geld bekommst du dafür erstmals nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Bezahlt werden, wenn deine Filmskizze überzeugt, erst die nächsten Arbeitsschritte. Also die Erstellung eines Treatments und darauf aufbauend des Drehbuchs.

Ausnahmsweise kann es sein, dass dich jemand bezahlt.

Dies ist meist dann der Fall, wenn du dich entweder schon zu den etablierten Filmautoren zählen darfst. Oder wenn es darum geht, eine fremde Idee für eine Filmadaption zu prüfen. Sei es eine Adaption eines erfolgreichen Romans. Oder wenn die Produktionsfirma oder der Produzent eine Idee hat, die er nicht selbst in Filmform zu bringen vermag.

In seltenen Fällen ist es auch denkbar, dass du die Rechte an deinem Exposé verkaufst. Dies ist dann denkbar, wenn deine Idee mehr überzeugt als deine Schreibe.

Die wichtigsten Aufgaben des Exposés

Ein Exposé hat vier wichtige Aufgaben:

Erstens muss dein Exposé am Ende einen Produzenten, eine Filmproduktionsfirma, einen Finanzier oder einen TV-Sender von deiner Idee überzeugen. Denn nur so wirst du für die nächsten Arbeitsschritte bezahlt.

Zweitens vermittelt das Exposé dem fachkundigen Leser Sicherheit: Der Film-erfahrene Experte erkennt, ob du filmisch denkst. Er kann damit abschätzen, ob du ein Drehbuch stemmen kannst.

Das ist wichtig, weil ein Exposé nur ein paar wenige Seiten umfasst. Ein Drehbuch beinhaltet zwischen 90 und 120 Seiten. Dabei kann man leicht den Überblick verlieren. Oder zu sehr von sich selbst und seiner Idee begeistert zu sein. Zugleich, wichtiger, manifestiert sich im Exposé erstmals deine Idee in einer erzählerischen Form. Hier zeigt sich, ob deine Geschichte etwas taugt. Ob dem so ist, entscheidet am Ende des Tages die Stelle, die den Film oder die Serie finanzieren soll. Denn während alle anderen für ihre Arbeit bezahlt werden, geht der Produzent ins Risiko. Er muss zusehen, dass er am Ende die investierten Gelder wieder zurückbekommt. Das gilt auch für staatlich subventionierte Filme. Kein Film lässt sich zu 100 % mit Fördergeldern finanzieren.

Drittens zwingt dich ein Exposé dazu, deine Idee weiterzudenken. Die Schriftform zwingt dich, deine Vision so in Worte zu fassen, dass der Funke auf eine Drittperson überspringt. Dies losgelöst von deiner Person. Du magst im persönlichen Gespräch ein charismatischer Erzähler sein, als kluges Köpfchen dein Gegenüber erstaunen – beim Exposé zählt nur, was auf dem Papier ist.

Viertens, nicht unwichtig: Im europäischen Urheberrecht sind Ideen nicht geschützt. Jeder kann deine Idee übernehmen. Aber, darin liegt der kleine feine Unterschied, die Formulierung einer Idee ist geschützt. Und zwar automatisch. Ab dem Zeitpunkt, indem du sie zu Papier bringst. Auch darum willst du ein Exposé schreiben.

Wie ist ein Exposé aufgebaut?

Es gibt für ein Exposé keine verbindliche Form. Theoretisch kannst du dein Filmkonzept so schreiben, wie es dich gut dünkt. Damit outest du dich aber sehr schnell als Laie. In der Filmbranche haben sich einige ungeschriebene Regeln etabliert, wie man ein Exposé verfasst.

Der Aufbau folgt dabei meist folgenden drei Stufen

  • Auf der ersten Seite, dem Deckblatt, schreibst du den Titel deiner Geschichte und selbstverständlich deinen Namen. Oftmals findet sich auf demselben Blatt eine sogenannte Tagline (Untertitel – er beschreibt die Handlung oder den zentralen Konflikt in einem schlagzeilenähnlichen Satz) und eine Kurzzusammenfassung der Geschichte (einige wenige Sätze!).
  • Seite 2 stellt deine Figuren (auch Charaktere genannt) vor. Auch hier gilt: weniger ist mehr. Beschreibe differenziert, prägnant und originell.
  • Auf der dritten Seite skizzierst du den Handlungsablauf. Du zeigst dem Leser die Handlungschritte, welche deine Figuren in der Geschichte durchlaufen.

Die Tagline, die Schlagzeile unterhalb des Titels deines Exposés, ist die gesamte Handlung in einem Satz zusammengefasst. Dies zu schaffen ist eine große Herausforderung. Hier machst du nämlich ein Versprechen, das du später halten musst.

Schreibst du eine Zusammenfassung auf der Titelseite, was ich dir empfehle, hast du dafür nicht mehr als fünf Sätze zur Verfügung. Deine Handlung in dieser Kürze auf den Punkt zu bringen ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine perfekte Übung.

Dasselbe ist wahr, wenn du auf der zweiten Seite deine wichtigsten Figuren in nur drei bis fünf Sätzen vorstellen musst. Dabei willst du natürlich herausheben, was diese Personen im Zusammenhang mit der Handlung für Eigenschaften haben.

Nebenfiguren gehören nicht auf die zweite Seite des Exposés. Sie werden nur im Handlungsablauf erwähnt.

Der Handlungsablauf baut auf die Kurzzusammenfassung auf. Er nennt die Handlungsstränge, Nebenhandlungen, Herausforderungen und Konflikte. Er zeigt, wie deine Charaktere ihre Ziele umsetzen wollen, wie es ihnen dabei ergeht und wohin die Reise führt.

Wie viele Seiten muss ein Exposé haben?

Ein Exposé umfasst in der Regel zwischen drei und maximal fünfzehn Seiten. In Ausnahmefällen können es auch zwanzig Seiten sein. Mache dir aber bewusst: Je kürzer ein Exposé, desto größer ist die Chance, dass es auch gelesen wird.

Beispiel für ein Exposé

Hier ein Beispiel für eine Filmskizze für eine dreiteilige Serie für ein jugendliches Zielpublikum. Beachte, dass der Umfang dieses Exposés den üblichen Rahmen weit übertrifft, weil es im Auftrag eines TV-Senders erstellt wurde.

Beispiel Expose Katzenflüsterin

Das darauf aufbauende Treatment findest du hier.

Tipps und Tricks, die sich in der Praxis bewähren

Die folgenden Tipps und Tricks kennzeichnen den professionellen Autor:

  • Schreibe immer in der Gegenwartsform
  • Erzähle die Story vom Anfang bis zum Ende, aber lass unnötige Szenen weg
  • Stelle jederzeit sicher, dass ich als Leser weiß, was die Hauptfiguren vorantreibt
  • Bemühe dich dabei aber, die Geschichte filmisch zu erzählen
  • Dialoge haben in einem Exposé nichts zu suchen (wenn es wirklich nicht anders geht, nutze dazu einen Mix aus Worten und indirekter Rede)
  • Meide langatmige Beschreibungen
  • Vergiss die Frage der Genre nicht – ein kurzer Hinweis darauf schafft Klarheit und hilft dem wissenden Leser, die richtigen Rückschlüsse zu ziehen

Dein Exposé muss den Regeln visueller Erzählungen Rechnung tragen. Es ist kein Roman, in dem die Darsteller inneren Gedanken nachhängen. Schreibe dir hinter die Ohren, was die Erfolgsautoren in Hollywood seit jeher auszeichnet: Sage es mir nicht, sondern zeige es mir! (Im englischen Original: „Don´t tell me. Show me!“)

Innere Konflikte einer Figur müssen also immer und zwingend durch die Handlung verdeutlicht werden. Das ist damit gemeint, wenn dir jemand sagt, du würdest nicht filmisch genug schreiben.

Warum nicht gleich ein Drehbuch schreiben?

Es gibt Autoren, die in vier bis sechs Wochen ein Drehbuch in die Tasten hauen. Der durchschnittliche Drehbuchautor braucht dazu sechs Monate bis anderthalb Jahre. Diese Zeit und Arbeit willst du nicht investieren, ohne dafür bezahlt zu werden. Und selbst wenn du nicht vom Schreiben leben musst, es ergibt wenig Sinn, soviel Zeit aufzuwenden bevor klar ist, ob die Story oder Idee eine Filmproduktion oder einen Financier begeistert.

Jede Spielfilmproduktion, die einigermaßen bekannt und erfolgreich ist, bekommt täglich Filmideen angeboten. Niemand aber hat die Zeit, dazu jedes Mal gleich ein ganzes Drehbuch zu lesen. Zeit ist auch im Filmgeschäft Geld. Sendest du ein Drehbuch, bekommst du im besten Fall das Drehbuch zurückgesandt. Oder aber schlichtweg keine Antwort, weil deine schöne Arbeit längst zu Altpapier geworden ist.

Bevor du in die Tasten greifst

Es brennt in dir! Du hast die perfekte, geniale und einzigartige Idee! Trotzdem: Atme zuerst durch und warte, bis du wieder klar denken kannst. Bevor du auch nur einen einzigen Satz schreibst, musst du als Neuling deine Hausaufgaben machen.

Das bedeutet: Sprich mit anderen Autoren. Lade sie auf einen Kaffee ein und frage nach ihren Erfahrungen. Das richtige Netzwerk ist alles. Nur so findest du später heraus, wem du dein Exposé sendest. Und wem besser nicht.

Jede Filmproduktion und jeder TV-Sender hat ein Profil, sucht Storys mit ganz eigenen Vorgaben. Kennst du diese nicht und versuchst es mit einem Massenversand, wirf dein Exposé lieber gleich in den Papierkorb. Dann weißt du wenigstens, warum du keinen Erfolg hast.

Umgekehrt gilt aber auch:

Ein professionelles Exposé in den richtigen Händen öffnet dir Türen an Orte, von den du nicht zu träumen wagst. So kannst du einfach herausfinden, ob du deine Idee verkaufen kannst.

Ich wünsche dir dazu alles Glück dieser Erde, viel Energie und noch mehr Geistesblitze, aber vor allem viel, viel Ausdauer. Denn Glück kann man sich mit Beharrlichkeit und Professionalität auch verdienen!


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer miteingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

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