Einstieg in die Videoproduktion: Notwendiges Equipment und hilfreiche Tipps

Passendes Equipment für Videoproduktionen
Passendes Equipment für Videoproduktionen | stock.adobe.com © Georgiy

Wer Eigenproduktionen drehen und zu einem zusammenhängenden Werk schneiden möchte, ist mit einer Kamera allein längst nicht ausreichend bedient. Was in der Praxis alles benötigt wird, verrät dieser Artikel.

„Klappe, die vierte … Action!“ Dieser Satz wird wahrlich nicht nur in den großen Studios dieser Welt gesprochen. Im Gegenteil, vor allem durch die breite Verfügbarkeit von digitaler Ausrüstung sind in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen auf den Geschmack gekommen. Sie drehen hochwertig anmutende private Clips, Independent-Filme, Werbe- und Imagefilme oder sind als Blaulichtreporter wichtige Lieferanten für Nachrichtensendungen im Netz und Linear-TV – Videoproduktion ist ein sehr vielfältiges Betätigungsfeld.

Doch so zugänglich die nötige Technik mittlerweile auch für Privatleute und Semi-Profis ist, so sehr ist es doch gerade deshalb nötig geworden, ein den eigenen Ansprüchen gerechtes Equipment zu beschaffen – und es natürlich auch bedienen zu können.

Das Geld

Egal ob zum privaten Vergnügen oder um damit Geld zu verdienen: Videoproduktion ist im Höchstmaß davon gekennzeichnet, dass es nötig ist, nicht nur insgesamt viel Geld auszugeben, sondern dies auch auf einen Schlag. Denn im Gegensatz zu anderen Hobbys bzw. Berufen gibt es hier kaum Ausrüstungsgegenstände, die erst später erworben werden können – zumindest nicht die preislich besonders hochstehenden Basiselemente, ohne die Videoproduktionen schlichtweg nicht funktionieren.

Das bedeutet im Klartext, bevor das erste Ausrüstungsstück gekauft wird, sollte das Geld bereits vorhanden sein; wir sprechen hier von Summen, die je nach angepeiltem Produktionsniveau problemlos fünfstellig sein können.

Tipps für den Erwerb von Film-/Videoequipment:
  1. Möglichst viel Eigenkapital zusammentragen. Nicht nur, weil es den Kauf generell unkomplizierter macht, sondern auch bei Finanzierungen eine Menge Kostenvorteile liefert – mehr Eigenkapital gleich bessere Absicherung gleich geringere Kreditsumme gleich günstigere Konditionen.
  2. Nach Möglichkeit nicht auf Händlerkredite setzen, zumindest nicht großflächig. Nicht alles kann bei einem Unternehmen erworben werden. In der Praxis entsteht deshalb rasch eine Kaskade verschiedener Kredite. Schlecht nicht nur für den eigenen Schufa-Score, sondern auch den Überblick bei der Abtragung. Merke: besser ein großer als mehrere kleine Kredite.
  3. Im Zweifelsfall, wenn es schnell gehen muss, auf einen Sofortkredit setzen. Dabei handelt es sich um eine besonders schnelle Kreditvergabe, die sich komplett auf das Internet stützt und so nur wenige Minuten dauert. Dies ist nicht nur sinnvoll, wenn es um den Kauf einmaliger Angebote gilt, die keinen Aufschub dulden, sondern kann auch generell zur Bereitstellung der Gesamtsumme genutzt werden – Sofortkredite sind nur schneller als reguläre Kredite, nicht jedoch automatisch teurer in Sachen Zinsen.

Dabei ist es natürlich zwingend nötig, eine Gesamtsumme zu kennen, also nicht „ins Blaue hinein“ Geld zu leihen. Die richtige Vorgehensweise lautet deshalb, zunächst zu eruieren, welche exakten Modelle es sein sollen, dann deren Preise bei den Händlern herauszufinden, alles zusammenzurechnen und dann das Geld zu leihen – gegebenenfalls mit einer Reserve in Höhe einiger weniger Prozente, um Unwägbarkeiten, Liefergebühren und dergleichen abfedern zu können.

Die Kamera

Kamera Gründung Videoproduktion
Filmen mit Camcorder oder DSLR/DSLM | stock.adobe.com © Jade

Natürlich, ohne Kamera gibt es keinerlei Aufnahmen. Und fraglos ist dieses Gerät auch für viele der teuerste Einzelposten auf der Ausgabenliste. Hier gibt es letztlich nur zwei Optionen:

  • Der Camcorder als „richtige“ Videokamera wie beispielsweise die PXW-Z90 von Sony.
  • Die digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) bzw. die sich aktuell immer stärker verbreitende spiegellose MILC bzw. DSLM – letzteres ist die gängigere Abkürzung. Also Fotokameras, welche als (sehr fähige) Filmkamera eingesetzt werden.

Schon in den 2010ern wurden DSLRs auch auch in vielen hochkarätigen Produktionen eingesetzt; heute ist die Verteilung je nach Branche sogar gut gemischt. Beide Bauformen haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, die jedoch vielfach subjektiver Natur sind. So benötigt die DSLR/DSLM zwar mehr externes Zubehör (etwa Schulterstative), kann dadurch aber auch flexibler genutzt bzw. gemacht werden. Umgekehrt liefern Camcorder alles in einem Paket, haben aber häufiger proprietäre Zubehörteile.

Wichtig ist jedoch, sich beide Bauformen objektiv im Detail anzuschauen. Auch, weil beide sich preislich nicht sonderlich unterscheiden. Zudem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass auch der Camcorder ein Modell mit Wechselobjektiv ist – sonst limitiert man sich unnötigerweise. Entsprechend sollte zu Anfang eine grundständige Auswahl von Objektiven bereitstehen – die einen Bereich von ca. 16 bis 200 Millimeter Brennweite abdecken.

Die SD-Karten

Man muss nicht zwingend in 4k filmen, um binnen kürzester Zeit enorme Datenmengen anzuhäufen. Von zentraler Wichtigkeit ist deshalb eine ausreichende Anzahl an SD-Karten. 64 GB sollte die Mindestkapazität sein, noch wichtiger ist jedoch die Speichergeschwindigkeit. Sie sollte 90 MB/s deutlich überschreiten – je mehr, desto besser.
Wie viele Filmminuten auf eine Karte passen, hängt natürlich von der Bildqualität, der Anzahl von Frames pro Sekunde und dem Codec ab – genaueres steht in der Kamera-Anleitung. Wichtig ist jedoch, auch hier nicht zu knapp zu kalkulieren und bei den SD-Karten niemals falsch sparsam zu sein.

Die Stabilisierung

Es gibt Situationen, in denen die händisch gehaltene Kamera das Bildoptimum darstellt. Vielfach ist es jedoch nötig, stabilere Verhältnisse zu schaffen – nicht zuletzt in Sachen Komfort für den Bediener.

Die drei wichtigsten Techniken zur Stabilisierung von Kameras:
  • Das Stativ mit einem (hydraulisch) gedämpften Stativkopf. Ein Must-Have, welches unbedingt vorhanden sein sollte. Unbedingt mit Schnellverschluss, um die Kamera zügig aufnehmen und absetzen zu können.
  • Das Rig, welches ein komfortables Aufnehmen von der Schulter ermöglicht. Für DSLRs/DSLMs und die meisten kompakten Camcorder ist es ebenfalls ein Must-Have, weil diese Geräte bei Weitem zu kompakt sind, um ohne Rig auf der Schulter getragen werden zu können.
  • Der Gimbal, ein kardanisch aufgehängter Stabilisator (bzw. ähnlich funktionierende, aber anders aufgebaute Geräte), welcher freihändige und dennoch enorm ruhige Aufnahmen ermöglicht. Zwar optional, aber sehr wirkungsvoll.

Der Ton

Tonangel als wichtiges Hilfsmittel für Off-Screen-Mikrofone
Tonangel als wichtiges Hilfsmittel für Off-Screen-Mikrofone | stock.adobe.com © Kzenon

Zwar sind heute alle Kameras mit halbwegs tauglichen Mikrofonen ausgestattet, für echte Videoproduktionen (auch im Amateurbereich) sind diese jedoch selten ausreichend.

Vor allem, um unerwünschte Geräusche auszublenden und den gewünschten Ton kristallklar einzufangen, empfiehlt sich Folgendes:

  • Klemmmikrofone für Gesprächssituationen.
  • Ein Richtmikrofon zur Montage auf der Kamera.
  • Ein weiteres (Richt-)Mikrofon mit Supernieren- oder Keulencharakteristik zur Montage an einer Tonangel.
  • Eine Funkstrecke, um die Signale kabellos übertragen zu können.

Ob auch ein Mischgerät vorhanden sein muss, hängt vom Produktionsniveau ab. Vorteilhaft ist es jedoch, wenn es vorhanden ist und von einem Helfer bedient wird, welcher während der Aufnahme nachregeln kann.

Die Beleuchtung

Abermals gilt, dass es Situationen gibt, in denen es vollkommen genügt, auf vorhandenes natürliches Licht zu vertrauen. Sobald jedoch die Sonneneinstrahlung und Wolkenbedeckung nicht dieses Optimum ermöglichen, muss Licht gesteuert werden – also wahlweise abgemildert oder hinzugefügt werden.

Grundsätzlich sollte eine große LED-Tageslichtleuchte zur Montage auf der Kamera vorhanden sein. Besser ist es jedoch, wenn diese Leuchte in zweifacher Ausführung vorhanden ist und um ein Leuchtstativ ergänzt wird. Das macht die Lichtsteuerung einfacher. Hierbei sollte unbedingt auf große Flächen geachtet werden. Je größer die Leuchten, desto optimaler ist die Lichtausbeute. Gern können auch solche LED-Panels gewählt werden, die ein Einstellen der Lichtfarbe ermöglichen, wodurch diese situationsabhängiger justiert werden kann. Natürlich: Ersatz-Akkus nicht vergessen.

Ebenfalls vorhanden sein sollten auch Softboxen bzw. Diffusoren, welche das Licht der Tageslichtleuchte sanfter machen. Ferner können verschiedenfarbige Reflektoren dabei helfen, vorhandenes Licht besser zu steuern – oder es, falls gewünscht, auch abzuschwächen.

Die Audio- und Videobearbeitung

Was während der Aufnahmen auf den SD-Karten landet, ist zunächst nur „Rohmat“, unbearbeitetes Rohmaterial – das meist nicht einmal in der korrekten Reihenfolge aufgenommen wurde und umfassend geschnitten werden muss.

Das Mindestmaß dessen, was vorhanden sein sollte, ist eine anständige Videoschnitt- bzw. Bearbeitungs-Software. Diese muss nicht unbedingt teuer sein; unter anderem mit „Blender“ und „Shortcut“ stehen gleich mehrere leistungsfähige, aber quelloffene Programme zur Verfügung.

Kommen wir zum Ton. Wenn dieser bei der Aufnahme sorgsam eingepegelt wurde, dann genügt in der Regel die Video-Software, um die nötigen Justierungen vornehmen zu können. Mitunter kann es jedoch besser, einfacher oder auch notwendig (beispielsweise bei Voice-Overs) sein, den Ton getrennt zu behandeln. In dem Fall ist auch eine Sound-Software nötig. Abermals gibt es hier mit „Audacity“ eine kostenlose Open-Source-Lösung, die dennoch sehr leistungsfähig ist.

Natürlich muss dies alles auch auf einem Rechner installiert sein, der nicht nur die nötige Leistungsfähigkeit für das Rendern der fertigen Szenen liefert, sondern auch die notwendige große Speicherkapazität besitzt. Je nachdem, wie die Videoproduktionen im Detail aussehen, ist es deshalb sinnvoll, den Computer um eine NAS oder ein ähnliches Server-System zu erweitern, auf dem das Rohmat wie die fertigen Filme dauerhaft gespeichert werden können.

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Über Carlo P. Olsson 84 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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