Warum das Treatment bei der Stoff­ent­wicklung eine Haup­trolle spielt

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Helden sind gewöhnliche Menschen, die außergewöhnliche Dinge tun (schreiben ;-) | © Grafik: FreePik

Ob ein Autor eine Geschichte für Film, Fernsehen oder eine TV-Serie schreiben und erzählen kann, zeigt sich beim Treatment. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Das Treatment ist das Scharnier zwischen Exposé und Drehbuch. Es ist oftmals ein wenig geliebtes Stiefkind der Stoffentwicklung. Und trotzdem ist seine Funktion enorm wichtig.

Das musst du wissen

  • Das Ziel eines Treatment ist es, die Handlung eines Films oder einer Serie zu definieren.
  • Das Film-Treatment, auch Story-Treatment oder Synopsis genannt, ist eine Zusammenfassung deines Films und eine Vorstufe zum späteren Drehbuch.
  • Es enthält alle wichtigen Szenen und die Handlungsverläufe, welche deinem Film ihre Form geben und deine Figuren auszeichnen.
  • Was im Treatment fehlt, sind die Dialoge und die spezifische Form, in der ein Drehbuch geschrieben wird. Die Aufteilung der Handlung in Szenen ist aber schon vorhanden.
  • Geschrieben ist das Treatment wie eine Erzählung, also in Prosa.

Wozu dient ein Treatment?

Ein Film Treatment hat vier wichtige Funktionen. Diese sind:

  1. Es ist eine wichtige Arbeitsgrundlage für den Autor selbst. Es verschafft ihm – anders – als das Exposé, erstmals eine Übersicht über die gesamte Filmerzählung. Damit werden auch Stärken und Schwächen der Handlung sichtbar.
  2. Das Treatment ermöglicht eine Diskussion über die eigene Geschichte. Sei es mit anderen Autoren, potenziellen Filmproduktionsfirmen oder einem Script Doctor.
  3. Es kann auch auf Basis eines bestehenden Drehbuchs verfasst werden. Damit bekommt es die Funktion eines Tools zur Analyse. Denn auch durch die Reduktion wird klar, wo allfällige Mängel liegen und was in einem nächsten Schritt verbessert werden muss.
  4. Das Treatment ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Drehbuch. Damit lässt sich abschätzen wie viel Arbeit noch vor dem Autor liegt und waren mit einer ersten Drehbuchfassung gerechnet werden darf.

Gelesen werden drittens in der Regel von erfahrenen Fachpersonen. Das sind Produzenten, Regisseure oder Schauspieler, bei denen ein Interesse für eine spätere Zusammenarbeit abgetastet wird.

Meistens bekommst du zuerst einen Auftrag für ein Exposé. Oder du schreibst dieses auf eigenes Risiko. Überzeugt deine Filmidee als grobe Skizze, bekommst du in der Regel zuerst den Auftrag für ein Treatment. Erst wenn dieses für gut befunden wird, erhältst du den Auftrag für das Drehbuch.

Wie lange muss ein Film Treatment sein?

Es gibt keine zwingende Länge für ein Film-Treatment.

Wenn du ein Treatment ohne Auftrag schreibst, willst du es kurz halten. Die richtige Länge dafür sind ungefähr zehn Seiten. Dazu wählst du einen normalen Zeilenabstand (nicht 1.5).

Schreibst du im Auftrag für eine Produktionsfirma oder sogar einen TV-Sender, der ein TV Movie will, gibt es nur einen richtigen Weg zur Bestimmung der Länge: Du fragst, wie viele Seiten von dir erwartet werden. Dasselbe gilt, wenn du das Treatment für eine Förderung oder einen Drehbuchwettbewerb eingegeben werden soll.

Zusammengefasst gilt:

  • Eine Länge von 1–10 Seiten ist ideal für einen ersten Eindruck.
  • 10-20 Seiten reichen für ein detailliertes Treatment.
  • Alles, was mehr als 20 Seiten ist, gilt als extrem detailliert. Hier musst du gut überlegen, ob du diesen Reichtum an Details deinem Leser zumuten willst.

James Cameron, Regisseur unter anderen von Avatar und Titanic, verfasst seine Treatment normalerweise mit einer Länge von 70 Seiten.

Wie schreibe ich das Treatment?

Du solltest immer im Präsens schreiben. Stell dir vor, dein Film ist eine Kurzgeschichte und du erzählst sie jemandem. Damit die Geschichte funktioniert wirst du diesfalls logischerweise nicht nur alle Figuren, sondern auch alle Wendungen in der Handlung erwähnen. Ebenso wirst du deine Erzählerstimme so wählen, dass sie die Stimmung deiner Geschichte perfekt wiedergibt. Nichts anderes tust du beim Schreiben des Treatments.

Dabei gibt es eine wichtige Ausnahme. Damit der Leser das Potenzial deiner Erzählung einfach erfassen kann, lässt du im Treatment die Nebenstränge der Handlung weg. Oder du vereinfachst sie zumindest, wenn es ohne sie nicht geht.

Was du unbedingt im Treatment zeigen willst, ist die Entwicklung deiner Hauptfigur, die Handlungsbögen und die Herausforderungen, welche deine Figuren auf dem Weg an ihr Ziel überwinden müssen.

Hervorragend ist ein Treatment dann, wenn der Leser die Geschichte schon ab dem ersten Satz vor seinem geistigen Auge sieht. Dabei hilft die Vermeidung von Klischees oder Floskeln. Besser ist es, ganz bewusst mit der Sprache zu arbeiten. Auch bewusst gesetzte Lücken, Absätze und Sprünge können sich zu inneren Bildern zusammenfügen.

Was gehört zum Inhalt?

Der Umfang eines Treatment ist ähnlich frei bestimmbar wie die Länge. Üblich ist es, dass du folgende Punkte aufführst:

  • Titel oder Arbeitstitel
  • Dein Name
  • Ein Untertitel (sogenannte Tagline), der die Geschichte in einem oder zwei Sätzen auf den Punkt bringt.
  • Anmerkungen zu Genre und Umsetzung (fakultativ)

Was den Inhalt angeht, gehört grundsätzlich alles in das Treatment, was an Informationen erforderlich ist um die Geschichte zu verstehen und deren Figuren lieben oder hassen zu können.

Nicht in ein Film-Treatment gehören zu ausführliche Beschreibungen der Charaktere zu detaillierte Erläuterung der Drehorte und generell alle Dinge, die zu sehr von der Geschichte ablenken. VERBOTEN ist die Verwendung von Dialog. Allenfalls darfst du eine Dialogzeile „anreisen“. Dazu nutzt du dann am besten die indirekte Rede.

Auch Bilder, die Verwendung von unterschiedlichen Fonds und endlos lange Textwüsten ohne Absätze haben in diesem Dokument nichts verloren.

Der Unterschied zum Exposé

Das Exposé beschreibt „nur“ den Grundriss einer Geschichte, deren Länge, und das Genre. Aufgabe des Exposés ist es, dem Leser eine Skizze davon zu geben wie der Film oder die Serie umgesetzt werden könnte.

Beispiele für Treatments

Das Treatment «ID Theft» des Autors Craig Mazin wurde später als Drehbuch unter dem Titel «Identity Thief / «Voll abgezockt» verfilmt. Der Spielfilm war mit einem Einspielergebnis von rund € 157 Mio. weltweit ein Erfolg.

Treatment ID Theft von Craig Mazin

Das zweite Muster für ein Treatment stammt von den beiden Autoren Ted Elliott und Terry Rossio. Ihre Filmidee für «Sindbad» wurde nicht verfilmt.

Treatment Sinbad von Ted Elliott and Terry Rossio

Warum Produzenten und Agenten Treatment lieben

Wer von Berufs wegen täglich oder wöchentlich Filmstoffe lesen muss, ist froh um jede Seite, die er nicht lesen muss. Da kommt ein Treatment mit zehn oder 20 Seiten besser an als ein Drehbuch mit 90 Seiten oder mehr.

Denn was will der Leser in einem solchen Fall? Erstens möglichst schnell abschätzen können, ob der Stoff interessiert und was taugt. Zweitens nicht erst nach 1 Stunde lesen herausfinden, dass der Autor kein überzeugendes Ende für seine Handlung vorlegen kann. Drittens, sofern die Arbeit für das Treatment abgegolten wird, möglichst wenig Geld in etwas investieren, dessen Qualität man vorab nicht abschätzen kann. Denn auch wenn die Arbeit an einem Treatment ähnlich aufwendig wie diejenige für ein Drehbuch ist, sind die marktüblichen Abgeltungen dafür markant tiefer.

Gerade weil du es mit vielen Lesern zu tun haben wirst, ergibt es Sinn den Fokus auch auf den Text zulegen. Ein Treatment soll man gerne und mit Freude lesen. Dabei helfen Rhythmus und Perspektivenwechsel in der schreibe, viel Herzblut, dein ganz persönlicher Blickwinkel auf das, was du dem Leser näher bringen willst. Was deine Persönlichkeit als Auto ausmacht.

Nachteile des Treatments

Das Treatment legt als Vorstufe des Drehbuchs die Schienen für die spätere Erzählung. Er arbeitet man das Drehbuch auf Basis eines freigegebenen Treatment, ist man zu einem gewissen Maß an dessen Inhalt gebunden. Das kann Verbesserungen erschweren, weil man den Deal nicht verlieren will und beispielsweise die Figuren nicht mehr einfach ausgetauscht werden können. Es gibt Autoren die empfinden das als störend oder sogar einschränkend.

Fazit

Die Wichtigkeit des Treatment kann man nur immer wieder betonen. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, weil du hier erstmals die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Ende erzählst. Das ist der Punkt, an dem du deinen Plot und die Handlung vor dir auf den Tisch legst. Und anders als beim Exposé kannst du bei einem Treatment nicht mehr sagen, dieses Problem löse ich dann später.

Das Treatment ist immer auch ein Moment der Wahrheit. Was dein Können als Autor angeht und hinsichtlich der Zukunft für deine Filmgeschichte.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

Wer ist Gabriela Weingartner? 11 Artikel
Gabriela Weingartner ist überzeugt, dass der Autor Patrick Süskind recht hat, wenn er sagt «Man muss gescheit sein, um in der dummen Sprache des Films eine Geschichte klug erzählen zu können.»

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