Film schneiden wie ein Profi (Teil 3): Wie Repetition und Rhythmus professionelle Videos prägen

Film schneiden Repetition und Rhythmus
Aus dem Nähkästchen der Profis | © Montage: filmpuls.info

Handwerkliche wie künstlerische Aspekte der Filmmontage lassen sich nicht nur inhaltlich, sondern auch aus rein formaler Sicht betrachten. Eine durch formale Prinzipien geprägte Montage besitzt beim Film schneiden dank Rhythmus und Repetition eine ganz besondere Macht über die Wirkung des Filmbildes.

Montage als Formprinzip ist beim Filme schneiden nicht nur für Kunst- und Experimentalfilme wichtig. Abwechselnd mit weiteren Prinzipien der Montage ist der formal geprägte Schnitt dank dem Prinzip der Repetition im Rhythmus jedes Filmes oder Videos zu finden.

Wie spielen Repetition und Rhythmus beim Film schneiden zusammen?

Jeder Film und jedes Video hat seinen Rhythmus. Die Frage ist nur, ob dieser zufällig und unbewusst entsteht. Oder ob die Rhythmen ganz bewusst bei der Filmbearbeitung auf den Filminhalt abgestimmt wurden.

Anders die Repetitionen von formalen oder inhaltlichen Gestaltungselementen beim Filme schneiden. Wiederholungen sind keine zwingende Voraussetzung für einen guten Film. Als Leitmotive können sie dem Zuschauer aber helfen, Muster in der Filmhandlung zu erkennen.

Film schneiden: Rhythmus

Der Rhythmus eines Filmes ist nicht ausschließlich von der Montage abhängig. Rhythmus ist Bewegung. Bewegung symbolisiert dem Unterbewusstsein Leben. Bewegung spielt im Bild eine ebenso große Rolle. Als Formprinzip zeigt sich der Rhythmus meist als schnelle Folge kurzer Schnitte. Viele schnelle Bruchstücke der Wirklichkeit setzen diese zu einer neuen Wirklichkeit mit der gewollten Wirkung zusammen.

  • Emotion
  • Story
  • Rhythmus
  • Blickpunkt
  • Raum

Grafik 1: Rhythmus als Schlüsselelement der Montage gemäß Checkliste nach Walter Murch

Rhythmus kann als Montageprinzip beim Film schneiden auch dazu genutzt werden, um ein Lebensgefühl durch den Schnitt im Film für den Zuschauer erlebbar zu machen. Aber aufgepasst: filmischer Rhythmus kann nicht mit mathematischer Präzision gemessen werden.

Anders als bei Fotos zeigt sich der Rhythmus eines Filmes erst im Schnitt. Aber eben nicht nur. Auch die Art wie die Kamera geführt wird, die Bewegungen der Schauspieler, die Inszenierung des Regisseurs, ja sogar das Sprachtempo oder die Art der Interpretation der Dialoge und die Musik bestimmen den Takt eines Filmes mit.

Änderungen von Zeit und Rhythmus

Auch die Anwendung von Blenden, Zeitlupe oder Zeitraffer kann für den Rhythmus beim Film schneiden stilbildend sein. Der aus Hongkong stammende Regisseur John Woo („Face Off“ u. a.) wurde während langer Jahre in Hollywood für seine Zeitlupen-Aufnahmen von aufliegenden weißen Tauben in seinen Action-Filmen gefeiert. Repetition und Rhythmus verhalten diesen Szenen in Kombination mit dem Rhythmus zum Status von ikonischen Filmbildern, die in die Filmgeschichte eingingen.

Repetitive Montage beim Filme schneiden

Einstellungen stehen in der repetitiven Montage beim Film schneiden immer in einer wechselseitigen Beziehung. Durch die Repetition wachsen die Einzelteile über sich hinaus und werden zu einem Leitschema oder Muster.

Weil der Mensch stets und überall wesensgemäß Muster und Sinnhaftigkeit erkennen will, sucht er – ähnlich wie bei der Parallel-Montage oder beim dialektischen Montageprinzip – nach der Bedeutung von Wiederholungen. Dies ungeachtet davon, ob eine solche Sinngebung vom Konzept und den Machern bei den Dreharbeiten angestrebt wurde oder nicht. Darum ist für den Editor ist die repetitive Montage ein äußerst mächtiges Instrument.

Montage ist gewonnene visuelle Sprache aus dem Feld der Dynamik, Geschwindigkeit, Energie und Kraft.
Jean Mitry

Durch formale Repetition erkennt das Kinopublikum auch inhaltliche Muster. Das Leitmotiv muss dabei nicht wie bei Fotos innerhalb eines einzigen Bildes wiederholt werden, um erst als solches erkennbar zu sein.

Die Anwendung von Repetition beschränkt sich in der Filmmontage nicht nur auf formale oder schnitt-technische Bereiche. Leitmotive können beim Film schneiden auch die Gestalt von Emotionen besitzen und dadurch einem Film ein tragendes Grundgefühl verleihen.

Dialog oder Monolog bei der Repetition?

Einstellungen können aus rein ästhetischen Gründen repetitiv hintereinander montiert werden. Die äußere Form des Bildes dominiert diesfalls den Inhalt. Mehrheitlich diesem Prinzip folgt der großartige, experimentelle Dokumentarfilm „Samsara“ (2001) von Ron Fricke und Mark Magidson.

Profi-Tipp

Die Aneinanderreihung von Einstellungen kann als Bildersammlung beim Film schneiden auf eine einheitliche Aussage hinsteuern. Oder Widersprüche visuell verdeutlichen. Auf diese Weise bekommt das Prinzip der Repetition beim Schneiden eines Filmes den Charakter eines Monologs oder eines Dialogs und wird zu einer zusätzlichen Stimme.

Bei der Form des Monologs gleichen sich die Einstellungen in Form, Inhalt, Motiv oder Bewegung. Anders beim Dialog, wo die Einstellungen in der Repetition keine formalen Gemeinsamkeiten und zusätzliche Bedingungen aufweisen.

Das Phänomen des unsichtbaren Schnitts

Zu den formalen Gestaltungsprinzipien beim Film schneiden gehören auch unsichtbaren Schnitte. Von ihnen wird immer dann gesprochen, wenn ein Schnitt für das menschliche Auge zwar überaus offensichtlich ist, vom Publikum im Fluss der Handlung und der Erzählung aber trotzdem nicht wahrgenommen wird. Unsichtbare Schnitte sind nicht zu verwechseln mit dem versteckten Schnitt. Versteckte Schnitt kaschieren den Übergang zwischen zwei Einstellungen beim Film schneiden durch Wischblenden.

Fazit zum Film schneiden

Das musst du wissen

  • Die Repetition einer Einstellung kann eine inhaltliche Aussage unterstreichen – oder aber widerlegen. Sie kann damit entweder den Charakter eines Monologs (kein Widerspruch) oder eines Dialogs (nicht übereinstimmende Aussagen) besitzen.
  • Repetitive Filmsequenzen funktionieren darum, weil der Zuschauer unbewusst zwischen allen Einstellungen eine Beziehung herstellt. Er versucht, in Filmschnitt einen Sinn zu erkennen und deutet die Montage.
  • Bewegungen sind für den Rhythmus eines Filmes bestimmend. Sie können schon in der Inszenierung angelegt sein oder erst beim Schneiden eines Filmes entstehen.

Fortsetzung der Serie

Die Inhalte der Filmpuls-Artikelserie „Film schneiden“ auf einen Blick:

Buchempfehlungen

Empfohlene Fachliteratur in alphabetischer Reihenfolge:
  • Cutting Rhythms: Shaping the Film, Pearlman, Karen | ISBN: 9780240810140
  • Der Rhythmus im Filmschnitt – Marcel Buckan
  • Film und Rhythmus: Schreier, Dirk
  • Schnitt – Montage-Techniken – Wie ein Film entsteht – dok‘ mal! (WDR Archiv)

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Pavel Sokolov
Über Pavel Sokolov 54 Artikel
Pavel studiert Film Editing. Er mag François Truffaut, Terrence Malick, Dr Pepper, seinen Thermaltake View 71 TG, Musik von Seeed und alle Dinge, die mit der Farbe Rot zusammenhängen, aber keinem Lebewesen Schmerzen bereiten.

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