Virtual Reality Filme: Beispiele, Tipps und Tricks

Was das 360 Format und virtuelle Realität wirklich kann

Virtual Reality Filme Beispiele, Tipps und Tricks
Best Practise für Virtual Reality Filme

Perfekt sind Virtual Reality Filme immer dann, wenn sie ihre Stärken ausspielen können und ihre  Schwächen nicht schon in den ersten Sekunden offenbaren müssen. Dieser abschließende, dritte Artikel präsentiert Tipps und Tricks sowie ausgewählte Beispiele und Trends. Er erklärt, warum sich die 360°-Dokumentation ganz besonders für das Genre des Rundum-Video eignet.

Im ersten Teil dieser Artikel-Serie ging es darum, wie ein 360°-Video inhaltlich funktioniert. Im zweiten Teil stand die Frage im Vordergrund, was immersive 360 Videos für Storytelling bedeuten und wo und wann ein 360°-Imagefilm  ergibt. Dieser Artikel demonstriert mit Videos, was 360-Rundumblick und 3D-Tonpostproduktion leisten können.

Inhaltsverzeichnis der 3-teiligen Serie zu 360 Film und Video:

Dem eigentlichen Ziel dieser Art Videos, der Immersion, widmet Filmpuls hier einen eigenen Artikel.

Kein Privileg des Umschnitts

Anders als bei herkömmlichen Filmen entfällt für Virtual Reality Filme das Privileg des Wechsels (Umschnitt) von einer Einstellung auf die nächste. Ebenso entfallen die Möglichkeiten im Umgang mit Kameraeinstellungen. Eine Szene zu verdichten erfordert gänzlich andere Methoden, Tipps und Tricks als ein herkömmliches Video. Den klassischen Schnitt imitieren führt für Virtual Reality Filme direkt in die Sackgasse. Es gibt hier kein Phänomen der unsichtbaren Schnitte. Dafür meistens eine Menge missverstandener Jump Cuts, die den Bock zum Gärtner machen.

The Screen is a window through which one sees a virtual world. The challenge is to make that world look real, act real, sound real, feel real.
John Sutherland, Digital Pionier

Filme schneiden und Videos professionell montieren bedeutet beim 360 Grad Video nicht mehr und nicht weniger, als mit Sequenzen arbeiten zu müssen und als Regisseur in Szenen zu denken. Soll nicht einfach abgefilmt, sondern verfilmt oder inszeniert werden (mehr dazu hier), bekommt das Genre 360 einen enorm engen Bezug zum Theater. Während Bullet Time nach Innen auf Objekt oder eine Person sieht, richtet sich der Blick dieser Art Videos immer nach Außen. Die Mehrheit aller Tipps und Tricks zum 360-Format beruht auf diesem Verständnis.

360-Video Dokumentation

An Beliebtheit stetig zulegen können aktuell 360-Video Dokumentationen. Diese Art wird oft als Mischform zwischenVideo und Foto Produktion realisiert. So ist es nicht unüblich, dass in diesem Genre zwar der Blick beim Wiedergeben virtuell im Kreis wandern und entdecken kann, aber dies nicht immer in bewegten Video-Bildern, sondern auch in 360-Fotos. Der Wechsel von Bewegtbild zu Fotos ist aber längst nicht so schmerzhaft wie in normalen, mono-perspektivischen Videos, weil der User sich während der Wiedergabe eh durch die Bildwelten bewegt.

Dokumentationen in 360 besitzen meist eine Länge zwischen 5 und 7 Minuten. Sie erzählen sequentiell: jede Szene ist eine Einstellung. Kürzere Längen beschneiden die Menge der zu vermittelnden Informationen.

Damit kommt auch statischen Bildern wie Fotos oder Grafiken ein Bewegungs-Element zu. Der Mix aus 360-Video und 360-Foto eignet sich im Bereich Architektur-Dokumentation oder für Immobilien perfekt, denn dort steht das Wiedergeben unbeweglicher Objekte oftmals im Zentrum der Aufgabe. Hier stiftet ein VR Video sofort Sinn.

Die Länge für Virtual Reality Filme bestimmt sich durch die Frage, wie lange die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht erhalten werden und ihm eine „Experience“ geboten werden kann. Eine Dramaturgie für 360-Filme von 8 Minuten oder mehr stellt erfahrungsgemäß bereits höchste Anforderungen an die Macher.

Das Wiedergeben des Filmes selbst ist auch für den erstmaligen User problemlos und nach kurzer Zeit intuitiv. Zumal die Filme im Browser wie auf Smartphones (beispielsweise dem iPhone) schnell geladen sind. Nach dem Hochladen auf Google, Youtube Kanäle oder Facebook (was nach dem Anmelden mit Gratis-Konto nur wenige Minuten dauert), werden die Zuschauer während dem Wiedergeben des Videos von einem Off-Kommentar begleitet und geführt. Auch wenn diese Spielart des 360-Movie trotz interaktiver Komponenten in schlechten Minuten da und dort etwas an professionelle Multimedia-Dia-Shows der achtziger Jahre erinnert: sie wiedergeben die Anforderungen des Mediums  360 überdurchschnittlich gut.

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Ebenso ein gelungenes Beispiel ist das auf Gopro gedrehte 360-Dokumentation des Schweizer Fernsehens durch die neue Gotthard-Strecke. Aus Sicht der Unternehmenskommunikation dürfte es die schweizerischen Bundesbahnen SBB zwar etwas schmerzen, dass ausgerechnet die Schienen im längsten Eisenbahn-Tunnel der Welt während einigen Minuten nicht immer recht zusammenpassen wollen. Trotzdem setzt das Video mit seinem ausgeklügelten technischen Umgang mit dem Wiedergeben des Blindspots im Bild neue Maßstäbe.

Der sog. Blindspot bezeichnet die Fläche im Video, bei welcher aus technischen Gründen im Video entweder keine Bildinformation wiedergeben können, oder bei der das Objekt, an dem das Aufnahmesystem befestigt werden musste, beim Wiedergeben selbst für den Zuschauer erkennbar im Bild erscheint.

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Wo sich in 260-Dokumentationen die  Kamera bewegt, gilt es schon vor dem Wiedergeben nicht nur auf den bespielbaren Bereich der Kamerazone zu achten, sondern immer auch Sorge zu tragen, dass der Zuschauer die Motivation für die Bewegungsrichtung im Bild während der Tour durch die Virtual Reality im Video nachvollziehen kann.

Vollzieht die Kamera im Video in zu kurzen Abständen unerwartete Richtungswechsel, dies während der Zuschauer selbst noch am Entdecken der Rundum-Welt ist, führt das Wiedergeben zu Frustration und letzten Endes dazu, dass sich der Zuschauer das Video während Minuten nicht mehr als Erlebnis, sondern so wie jedes andere Video ansehen wird.

Beispiele, Tipps und Tricks

Nescafé zeigt auf YouTube statt eines klassischen Produktvideos in einer klug gemachten Virtual Reality Film-Serie mit Gopro-Kameras den Herstellungsprozess des Kaffees. Die Serie beginnt mit dem Wiedergeben der Plantage, wo die Ernte der Kaffeebohnen stattfindet.

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Auch bei Destinations-Videos (Tourismus-Filme) können 360° Imagevideos ihre Stärken voll wiedergeben. Quantas beispielsweise zeigt mit einem 360° World Video dem Zuschauer in Zusammenarbeit mit Reisedestinationen die Möglichkeit, schon vor der Ankunft per Video ein Gefühl für die komfortable Anreise und die gewünschte Traumdestination wiedergeben zu können.

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Nicht fehlen darf hier natürlich die Erwähnung des langjährigen Spitzenreiters in Sachen Branded Entertainment:Red Bull. Der Salzburger Frontrunner nutzt Virtual Reality Filme für Abenteuer-Videos und vermittelt dem Zuschauer beim Wiedergeben von Extremsport das Gefühl, im Video hautnah dabei zu sein, wenn Unmögliches möglich wird.

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Perfekte Virtual Reality Filme

Wer unschlagbaren Perfektionismus beim Wiedergeben zum Ziel hat, für den gibt es für Virtual Reality Filme einen Königsweg. Dieser aber hat es bezüglich Aufwand und Kosten in sich: Man baut dazu nämlich das Filmset von A bis Z um die 360-Kamera herum. Entweder digital in 3-D auf dem Rechner oder in Realität: Für einen der aufwändigsten Themenparkfilme, die in Europa je produziert wurden, erstellten die Münchner Bavaria Studios Ende der neunziger Jahre während Wochen ein exakt auf die Brennweiten der 360-Kamera-Linsen abgestimmtes Dekor.

Zuvor wurden von Regisseur Dani Levy und Kameramann Carl-Friedrich Koschnick auf Basis des Drehbuchs festgelegt, zu welchem Zeitpunkt der Handlung die Kamera sich wie nah bei den Darstellern Meret Becker und Michael Gwisdek befinden sollte. Daraus ergab sich die Länge der dazu notwendigen Kamerafahrten und die Positionierung der Personen, womit auch die Filmkulissen, perspektivisch an das Format adaptiert, gezeichnet und gebaut werden konnte.

Mit digitaler Animation entfallen viele Probleme und damit erübrigen sich viele Tipps und Tricks, die beim Realfilm angewendet werden müssen. Dies weil

  • Blickwinkel
  • Brennweite
  • Perspektive
  • Kamerafahrten

sich für das 360-Format im Computer perfekter als in Realität umsetzen lassen. Im animierten 360-Film liegt das Potential für die Zukunft des Virtual Reality Films.

Während es auch hier dem Zuschauer überlassen bleibt, wie er den Film erlebt (das Problem der subjektiven Wahrnehmung, das jede Konsumation von Bewegtbild mit sich bringt), hat der Filmemacher alles andere unter Kontrolle.

Digitale Perfektion

Mit 360 Animation ist das perfekte Video und das perfekte 360-Erlebnis für den Zuschauer schon heute möglich. Dies losgelöst von Tipps und Tricks und allen Mühen von realen Dreharbeiten.

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Perfektion ist nicht dann gegeben, wenn die Technik im Video unauflöslich verbunden mit dem Inhalt des Videos zur Maximalform aufläuft. Perfekt sind Virtual Reality Filme ganz einfach dann, wenn sie ihren Zweck erfüllen. Und damit maximale Wirkung erzielen.

Der neuste Trend: 360° Blogger

Seit April erlaubt YouTube das Streaming von Virtual Reality Filmen (sog. Live 360 Video). Google wird diesem Trend folgen. Seit einigen Wochen präsentieren sich darum Video Blogger ihren Fans nun mitsamt Wandschrank und dreckiger Wäsche unter dem Bett in 360° Video-Streams, anzusehen auf dem iPhone oder den jeweiligen 360 Apps und einer Cardboard Brille.

Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sich die Schöpfer dieser Technologie mit einer Virtualität abgefunden haben, die eine Schrumpfstufe dessen darstellt, was wir Konsumenten uns von der Technologie erträumen.
Adrian Daub, NZZ vom 25. Mai 2016

Ob 360° Blogging als Anti-These zu allem, was in dieser Artikel-Serie zum Thema 360 Video propagiert wurde, oder ob als sicheres Zeichen dafür verstanden werden muss, dass der Trend der Virtual Reality Filme seine Halbwertszeit bereits überschritten hat, sei jedem Leser selbst zur Entscheidung überlassen.

Dort wo Virtual Reality Filme trotz der Anwendung aller Tricks und Tipps keinen Sinn stiften, gibt es eine einfache und erprobte Handlungsalternative: keine Virtual Reality Filme zu produzieren! Und trotzdem: Filme aus diesem Genre sind, klug gemacht, ein attraktives Tool für Marketing und Kommunikation.

Einsetzen sollte man Virtual Reality Filme oder einen 360 Image Film aber nie darum, weil sie gerade ein Megatrend sind. Oder weil eine Cardboard Brille sich so trefflich mit der eigenen Werbebotschaft bedrucken lässt. Sondern nur dann, wenn sich der Rückgriff auf den Rundum-Blick auch inhaltlich-redaktionell und dramaturgisch begründen lässt. Filmwitze gibt es schon jetzt genug, im Wortsinn wie auch in Filmform.

Auch für Virtual Reality Filme lässt sich gutes Storytelling mit den Tipps und Tricks der CSI-Checkliste erkennen und optimieren. Gespannt sein darf man, was für Filme zukünftig mit der neuen YI HALO 360-Grad-Kamera von Google entstehen werden. Falsch verstandene Trends sind zwar keine Todsünden im Filmgeschäft. Aber verpasste Chancen. Und das verdienen 360-Grad-Videos definitiv nicht.

Ergänzende Informationen:

Dreharbeiten für 360 Video in Australien Condor Films
Dreharbeiten für 360 Video in Australien

Der Co-Autor dieses Artikels hat seit 1998 sieben internationale Virtual Reality Filme (Circlevision und Dome-Projektionen) für Themenparks produziert. Condor Films AG hat bereits 1963/1964 einen 360-Film für standortgebundene Unterhaltung (Location Based Entertainment) hergestellt und arbeitet aktuell im Kundenauftrag an vier neuen Virtual Reality Filmen zu Unterhaltungszwecken auf Social Media Plattformen. | filmpuls logo


Im Interesse der Lesbarkeit wird im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich eingeschlossen. | © Artikel Filmpuls

Redaktion Filmpuls
Über Redaktion Filmpuls 83 Artikel
Unter der Bezeichnung «Redaktion Filmpuls» erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt werden.

2 Kommentare

  1. Finde ich ein sehr interessantes Thema. Virtual Reality hat riesiges Potential und durch VR ist es möglich, Filme nicht nur zu sehen, sondern zu erleben.

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