So funktioniert ein Soundtrack in deinem Hirn: Filmmusik und ihre Psychologie

Filmmusik und Psychologie
Film und Psyche spielen zusammen | © Foto: freepik

Ohne sie könnten wir uns keinen Film, keine Serie und keine Werbung vorstellen – Filmmusik. Doch warum erfreuen sich Movie Soundtracks solcher Beliebtheit? Warum gehen wir Werbefilmen mit entsprechender musikalischer Untermalung auf den Leim?

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Wechselspiel

So erklären Psychologen und die Wissenschaft die Wirkung von Musik

ddm.  Der amerikanische  Komponist, Autor und Philosoph Leonard B. Meyer stellte bereits 1956 die These auf, dass die Wirkung von Musik in erster Linie durch den Aufbau einer Komposition entsteht: Der in jedem Stück auftretende (Rhythmus-)Wechsel von Spannung und Entspannung erzeugt Meyer zufolge die eigentlichen Emotionen.

Lutz Jäncke, Neurowissenschaftler, erklärt dazu in einem Interview: „Beim Musikhören versucht unser Gehirn ständig vorherzusagen, wie die Musik weitergehen wird. Wie entwickelt sich die Melodie? Wird die Musik lauter oder leiser? Wie verändert sich der Rhythmus? Sobald etwas kommt, das wir nicht erwarten, zum Beispiel ein Rhythmuswechsel, sind wir überrascht. Es entsteht eine Spannung, von der wir erwarten, dass sie später aufgelöst wird, zum Beispiel wenn die Musik den vorherigen Rhythmus wieder aufgreift.“

Das Erfolgsgeheimnis der Musik liegt insbesondere auch darin, dass sie uns erwiesenermaßen unbewusst beeinflussen kann. Das gilt nicht nur für Filmsoundtracks. So konnte der Psychologe Nicolas Guéguen wissenschaftlich belegen, dass die Bereitschaft zu einem Flirt bei Personen stärker ist, wenn sie zuvor einen Love Song gehört haben. Ebenso beweist eine Studie, dass Menschen sich mit Musik in Supermärkten steuern lässt, ob eher ins Wein- oder Bierregal gegriffen wird.

Musik  direkt beim Anhören zu analysieren fällt oftmals schwer – gerade verbunden mit Bewegtbild. Schaut man sich Filme per Video oder Stream an, bieten sich darum Converter an, um die gewünschte Audiospur als MP3-Datei zu konvertieren. Denn damit lässt sich das Geheimnis guter Filmmusik – die immer auch mit Sound Design und Dialog einhergeht, viel besser ergründen. Benutzerfreundlich und mit vielfältigen Funktionen und einer Step by Step-Anleitung empfiehlt sich dazu beispielsweise Movavi. Für mehr Informationen einfach hier klicken.

Die Popularität von Filmmusik liegt auch in ihrer psychologische Wirkung begründet. In diesem Artikel erklären wir dir, wie Filmmusik und Klangpsychologie zusammen mit unserer Wahrnehmung funktionieren.

1Wie wirkt sich Filmmusik auf uns aus?

Filmmusik arbeitet klangpsychologisch. Sie soll die Stimmung und Emotionen der Zuschauer beeinflussen und dahin lenken, dass sie mit dem Geschehen im Film fühlen können. Cineastisch wird in erster Linie zwar visuell gearbeitet, dennoch spielt die musikalische Unterstützung nicht nur die zweite Geige.

2Klangpsychologische Ansätze

Musik aktiviert Areale unseres Gehirns, die tiefer liegen als erlernte Fähigkeiten und kulturelle Erfahrungen und Prägungen. Sogar die Syntax von Musikstücken ähnelt, der von Träumen. Demnach bewegt sich Musik auf derselben Ebene wie unser Unterbewusstsein. Aus diesem Grund nehmen wir die Töne und Klänge häufig nicht bewusst war und lassen uns automatisch steuern. Musik vermittelt also keine Bilder und Handlungen, sondern deren Bedeutung.

Einigen psychologischen Modellen (u. a. Jung) nach entwickelt der Mensch bestimmte Archetypen. Diese entstehen aus Erfahrungen und unbewussten psychologischen Wirkungsfaktoren. Eben jene Archetypen bestimmen unsere unbewussten Handlungen und Verhaltensmuster und sollen mit Musik angesprochen werden. Damit werden universell funktionierende Denkstrukturen aktiviert, wenn Musik gespielt wird. Genaueres kann hier nachgelesen werden.

3Funktionen von Filmmusik

Hinter der Funktion von Filmmusik steht eine Systematik. Eine Komposition funktioniert syntaktisch, expressiv und dramaturgisch.

  • Syntaktisch: In dieser Funktion wird das strukturelle Geschehen im Film für die Zuschauer erleichtert. Szenen können zum Beispiel akustisch miteinander in Bezug gebracht werden. Auch die Übergänge von Szenen können fließend und weich musikalisch untermalt werden oder abrupt und hart als Abgrenzung zur nächsten Szene.
  • Expressiv: Die expressive Funktion der Filmmusik soll die emotionale Intention der Zuschauer verstärken. Sie soll eine bestimmte Stimmung vermitteln und intensivieren. Leise und langsame Tonfolgen mit kleinen Intervallen und komplexeren Harmonien finden sich eher in Situationen wieder, in denen der Protagonist traurig ist. Schnelle und laute Stücke mit großen Sprüngen in den Tönen vermitteln dagegen eine freudige und ausgelassene Stimmung. Auch die Kombination von Klangfarben lässt sich nutzen, um angestrebte Effekte zu erzielen. So wirken leise, hohe Töne leicht und weich. Leise und tief erzielt man eine sanfte melancholische Stimmung, laut und tief dagegen schwerfällig und mächtig.
  • Dramaturgisch: In dramaturgischer Funktion fungiert Filmmusik als Kommentar im Film. So können Personen charakterisiert werden oder die Zuschauer auf Hinweise aufmerksam gemacht werden. Sie kann bedrohlich oder fröhlich wirken und hilft dem Zuschauer, in der Stimmung der Filmhandlung zu bleiben und ihr zu folgen, ohne zu intensivieren wie in expressiver Funktion.

4Formen von Filmmusik

Außerdem wirkt Filmmusik auch in verschiedenen Formen. So kann sie paraphrasieren, polarisieren oder kontrapunktieren.

  • Paraphrasierende Form: In dieser Form lässt sich die Filmmusik direkt von der momentanen Handlung ableiten. Ist der Protagonist traurig, schwingt die Hintergrundmusik entsprechend mit. Wird ein Fest gefeiert, klingt es musikalisch nachvollziehbar ausgelassen und fröhlich.
  • Polarisierende Form: Ein Stückchen weiter geht die Polarisierung. Sie soll nicht nur die angestrebte Stimmung wiedergeben, sondern dorthin schieben. Ist den Zuschauern gerade die Atmosphäre nicht bekannt oder lässt sich nicht einfach greifen, unterstützt die musikalische Untermalung beim Greifen der Stimmung. Ist der Protagonist beispielsweise auf einer Party, welche heiter klingt, und entdeckt etwas, das ihn traurig macht, leitet die Filmmusik den Zuschauer in die kommende traurige Sequenz, bevor dieser sieht, um was es sich überhaupt handelt.
  • Kontrapunktierende Form: Kontrapunktierend klingt die Filmmusik gegenteilig zum Geschehen auf der Leinwand. Dies können Satire- oder Karikaturelemente sein: damit können Szenen äußerst zynisch dargestellt werden. Zum Beispiel werden dazu hohe, schnelle und dynamische Töne, die eigentlich fröhlich wirken, während einer Flucht oder Prügelei gespielt.

5Seit wann wird mit Musik im Film gearbeitet?

Tatsächlich wird seit Beginn des Films mit Filmmusik gearbeitet, obwohl Filme lange Zeit Stummfilme waren. Dies bezieht sich allerdings lediglich auf den Dialog, der pantomimisch oder als Textsequenz eingefügt wurde. Musikalisch wurden die Lichtspiele von je her unterstützt. Das heißt, dass es Filmmusik bereits seit der ersten Filmvorführung vor öffentlichem Publikum im Pariser Winter 1895 gibt. Seitdem hält sie und entwickelt sich stets weiter.

Zum Schluss

Musik nimmt Lichtbildshows an die Hand nimmt. Dieses starke Duo bleibt auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Erfolgsrezept. Film ist heute ohne Musik nicht mehr denkbar, und das aus gutem Grund.

Zur Analyse von Musik in einem Film empfehlen wir dir darum drei bewährte Schritte: Zuerst den Film (mit Musik) ansehen und genießen. Dann den Soundtrack ohne Bewegtbild Stück für Stück analysieren und auch in Bezug auf seine psychologische Wirkung verstehen lernen. Um im letzten Schritt, wieder gemeinsam mit dem Filmbild, das Klang- und Gesamterlebnis nochmals aus neuer Perspektive zu genießen. Viel Spaß!

Daniel D. Meister
Über Daniel D. Meister 4 Artikel
Daniel D. Meister ist Music Composer und Sound Designer. Er ist zwischen zwei Welten aufgewachsen: der großen Liebe seiner Eltern für Country Musik und der eigenen Faszination für Elektropop der beginnenden 1980er Jahre.

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