Die 5 Schritte der Profis bei der professionellen Inszenierung von Filmszenen

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Schauspieler und Regisseur Ben Affleck isnzeniert eine Szene | © Foto: Warner Bros.

Eine professionelle Videoproduktion erkennt man auch daran, wie sie auf dem Filmset arbeitet. Filmszenen sind dafür ein gutes Beispiel. Denn ihre Umsetzung folgt einem immer gleichen Ablaufprinzip in 5 Schritten.

Jeder Film und jedes Video besteht aus einer Reihe von Szenen. Diese Filmszenen wiederum umfassen eine Reihe von Einstellungen. Wenn man die Bauart von Filmen mit einem Roman vergleichen würde, so sind die Akte die Kapitel, die gedrehten Szenen die Sätze und die Einstellungen die Wörter.

Das musst du wissen:

  • Für den Dreh von Filmszenen gibt es einen bewährten Ablauf. Dieser lässt sich in fünf Schritte unterteilen.
  • Diese 5 Phasen der Inszenierung dienen ebenso der Effizienz wie der Qualitätssicherung bei der Realisation eines Videos.
  • Die fünf Teile der Inszenierung einer Szene beim Film sind: Festlegung der Positionen, Aufbau der Technik, Ablaufproben, Korrekturen und schließlich der Dreh.

So drehst du eine professionelle Filmszene

Für den Dreh einer Filmszene hat sich beim Film und in der Videoproduktion ein Ablauf in fünf Schritten etabliert.

Filmpuls Magazin

Mit der Ausnahme von Dokumentarfilmen bewährt sich dieses Vorgehen für nahezu alle Genre: vom Dreh eines Imagefilms über Werbespots und Online-Videos bis zum Spielfilm.

1 Bestimmen der Positionen der Darsteller

Normalerweise hat vor dem Drehstart bereits eine Begehung des Drehortes stattgefunden. Trotzdem ist es beim Film üblich, vor Drehbeginn die Positionen der Personen vor der Kamera direkt vor Ort am Tag des Dreh für eine Szene gemeinsam mit allen Beteiligten durchzugehen. Schauspieler sind dabei noch nicht in der Maske gewesen und tragen auch noch keine Kostüme.

Es geht in  diesem Schritt,vorab zum Dreh einer Filmszene, in erster Linie darum, Bewegungsabläufe für die jeweilige Szene festzulegen. Diese hat der Regisseur oftmals schon vorab mit einem Storyboard und bei der ersten Besichtigung des Drehortes skizziert. Nun gilt es, Theorie an die Realität anzupassen.

Die gemeinsame Festlegung der Positionen für eine Filmszene hilft einerseits den Darstellern beim Dreh. Sie ist andererseits aber auch eine zwingende Voraussetzung für den Aufbau von Licht, Kameraschienen und weiteren Gerätschaften.

Im Zentrum stehen dabei die Ausgangspositionen und Endpositionen für jeden einzelnen Darsteller. Auf dieser Basis legt der Kameramann die Brennweiten, Kameraperspektive und Einstellungen fest. Diese Elemente sind zugleich die Grundlage für die Lichtsetzung und für die Ausstattung, die damit weiß, welches Requisit ins Bild gerückt werden muss.

2 Aufbau der Technik

Sind die Positionen für alle Beteiligten klar, verschwinden die Darsteller in die Maske. Während sie geschminkt werden und ihre Kostüme anziehen, erfolgt auf dem Set der Aufbau der Technik.

Die technischen Aufbauarbeiten umfassen je nach Aufgabe Kameraschienen mit Dolly für Kamerafahrten, den Aufbau des Filmlichts und möglicherweise auch von Hilfsmitteln für Spezialeffekte. Ebenso gehört natürlich auch der Ton und der Anschluss von Videomonitoren dazu.

Eine Schlüsselposition hat hier die 1. Regieassistenz. Darum, weil sie gemeinsam mit dem Kameramann die für den Aufbau benötigte Zeit festlegt. Bei einer professionellen Filmproduktion sind diese Zeitfenster schon vorab im Tagesplan festgelegt. Nun gilt es, diese einzuhalten – oder anzupassen.

Bei Spielfilm findet in diesem zweiten Schritt oftmals auch eine sogenannte Stellprobe statt. Das bedeutet nichts anderes, als die Prüfung von Kamerastandort und Licht mit der vorbesprochen Position eines Schauspielers. Damit dafür der Schauspieler nicht bemüht werden muss, stellt sich eine andere Person mit identischer Körpergröße (im englischen als sog. Stand-In bezeichnet) an den jeweiligen Standort. Damit kann der Kameramann Licht und Bewegungen überprüfen.

3 Proben der Filmszene mit Schauspielern

Ist die Kamera in Position, das Licht perfekt und sind die Schauspieler bereit, wird die Szene geprobt. In dieser Phase bekommen die Regie und die Darsteller die Möglichkeit, gemeinsam letzte Details der Rolle zu besprechen.

Diese Anpassungen betreffen weniger die Art des Spiels und die emotionale Interpretation einer Filmfigur (denn diese Fragen werden weit vorab zum Dreh bei Leseproben  geklärt), sondern vielmehr die Anpassung des Spiels an die jeweiligen Räumlichkeiten.

Enorm wichtig sind solche Proben bei der Arbeit mit Laienschauspielern oder beim Dreh von Management-Videos und Videointerviews.

4 Letzte Korrekturen unmittelbar vor den Dreharbeiten

Es ist nicht unüblich, dass als Resultat der Proben entweder die Bewegungen der Darsteller oder die Position der Kamera nochmals optimiert werden. Meist bedeutet dies auch die Anpassung der Position des Filmlichts.

Korrekturen nach der Probe sind kein Hinweis auf mangelhafte Vorbereitung. Gerade dann, wenn sich ein Drehort nicht – oder nur kurz vor dem Dreh – besichtigen lässt, können viele wichtige Aspekte der Inszenierung erst am Drehtag selbst entschieden werden.

Zugleich lassen sich in dieser vierten Vorbereitungsphase nochmals viele kleine Einzelteile perfektionieren. Denn viele Aspekte, wie beispielsweise Rhythmus und Timing, lassen sich später im Schneideraum nicht mehr, oder nur mit viel Aufwand und hohen Kostenfolgen, korrigieren.

5 Filmszene drehen

Beim eigentlichen Inszenieren einer Filmszene vor laufender Kamera darf für den Regisseur nicht mehr die Filmtechnik, nicht die Kamera und nicht mehr das Denken in Kameraperspektiven und Kameraeinstellungen im Zentrum stehen.

Denn jetzt geht es alleine um die Leistung der Personen vor der Kamera:

  • Stimmen die Emotionen?
  • Wirkt das Spiel authentisch, real?
  • Passt die Interpretation zur Handlung und Befindlichkeit des Filmcharakters?
  • Ist Subtext spürbar?

Auf all diese Dinge wird sich der Regisseur konzentrieren wollen und müssen. Möglich ist dies nur dank der vorhergehenden vier Schritte zum Drehen einer Filmszene. Für einen Laien mögen sie kompliziert oder unnötig wirken. In Tat und Wahrheit machen sie die Regie frei für das, was wirklich zählt: die Personen vor der Kamera zu Höchstleistungen zu führen.


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