Mit Color Grading einen bestimmten Look und ein bestimmtes Gefühl für einen Film erzeugen

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Farbrad für das Color Grading | © Adobe Stock

Das Color Grading spielt zusammen mit den im Rahmen der Dreharbeiten digital aufgezeichneten Farben und dem vom Kameramann gewählten Lichtdesign eine entscheidende Rolle für die Stimmung und Atmosphäre eines Films. Von der hellen, fröhlichen Farbpalette einer Liebeskomödie bis hin zu den dunklen und bedrohlichen Tönen eines Horrorfilms – Farben haben einen tiefgreifenden Einfluss auf die Wirkung eines Videos.

Farben und Beleuchtung sind wesentliche Bestandteile des Filmemachens. Beide beeinflussen die Art und Weise, wie das Publikum auf einen Film reagiert, stark. Ebenso trägt die Lichtgestaltung beim Filmerlebnis umfassend dazu bei, Emotionen wie Spannung, Angst oder der Freude beim Filmzuschauer zu erzeugen.

Was bedeutet Color Grading bei Film oder Videos?

Color Grading ist ein Prozess in der Film- und Videonachbearbeitung, bei dem die Lichtwerte oder Farbe des Filmmaterials verändert wird, um ein bestimmtes Aussehen oder Gefühl zu erreichen. Dies kann geschehen, um die Werte verschiedener Aufnahmen zu verändern oder anzugleichen. Damit kann die Wirkung von Farben gezielt für das Storytelling genutzt werden.

Es gibt verschiedene Techniken, die bei der Color Correction eingesetzt werden können, und die spezifischen Methoden variieren je nach dem gewünschten Ergebnis. Einige gängige Methoden sind das Ändern des Weißabgleichs, das Anpassen der Schwarz- und Weißwerte und das Manipulieren von Farbton und Sättigung.

Color Grading für Film und Video

Color Grading ist ein wichtiger Teil des Filmprozesses und hat einen erheblichen Einfluss auf das emotionale Erlebnis beim Betrachten eines Films.

Abgrenzung des Color Grading von der Farbkorrektur

Color Grading und Farbkorrekturen werden bei der Bildbearbeitung oft miteinander vermischt. Sie sollten unterschieden werden, denn dabei geht es um unterschiedliche Vorgänge der Bildveränderung.

Aufgabe der Farbkorrektur (Color Correction) ist es, Fehler in der Kameraführung oder Beleuchtung zu korrigieren.

  • Rohmaterial
  • Farbkorrektur
  • Color Grading

Grafik: Workflow Bildgestaltung mit Color Grading in Videopostproduktion

Erst nachdem dieser Arbeitsschritt erfolgt ist und das Material innerhalb der einzelnen Szenen oder Sequenzen eines Films eine einheitliche Erscheinung besitzt, kommt es möglicherweise in einem zweiten Schritt zur Color Correction. Diese verändert die Erscheinung des Filmbildes nicht, um technische Fehler zu korrigieren. Sondern, um mit einem bestimmten Aussehen (Look) das Storytelling zu unterstützen.

Workflow beim Color Grading

Ein professionelles Color Grading für Videos oder Filme folgt einem festen Ablauf.

Phasen beim Color Grading:
  • Schritt 1: Wie vorab schon erwähnt, muss vor dem eigentlichen Color Grading die Belichtung der Aufnahmen vereinheitlicht werden. Warum? Weil der Umfang der Belichtung die Farben verändert. Wer in umgekehrter Abfolge vorgeht und zuerst die Farben und erst dann die Helligkeit ändert, muss anschließend erneut eine Farbkorrektur vornehmen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
  • Schritt 2: Nun wird die Farbsättigung den jeweiligen Wünschen angepasst.
  • Schritt 3: Anschließend wird der Weißabgleich korrigiert. Abhängig von der Drehsituation kann es sein, dass – mit Absicht oder unbewusst – die Farbe Weiß nicht als solche im Bild erscheint. Dies ist besonders dort störend, wo der Zuschauer ein Objekt sieht, das für ihn „gelernt“ weiß sein sollte. Beispiel: Schnee, ein Blatt Papier, Zähne des Hauptdarstellers usw.
  • Schritt 4: Nachkorrektur und Optimierung. Jede Korrektur von Farbe und Licht wirkt sich auf die damit verbundenen Parameter aus und verändert diese. Darum nehmen auch Profis in einem zweiten und dritten Arbeitsdurchgang – meist einen Tag später, um den Film mit „frischen“ Augen neu beurteilen zu können – nochmals Verbesserungen vor.

Digitale Filmbilder werden als sog. Rohmaterial aufgezeichnet. Ziel ist es dabei, ein Maximum an möglichen Bildinformationen festzuhalten und damit ein breites Spektrum bei der späteren Bildbearbeitung zu ermöglichen. Der Nachteil dabei: Rohmaterial wirkt unbearbeitet nicht nur bei HDR-Aufnahmen oder bei LOG-Files langweilig. Die Aufnahmen weisen nur eine minimale Sättigung vor und wirken flach und wenig attraktiv.

Darum ist ein Color Grading bei einer professionellen Filmproduktion zwingend.

Wer ist für das Color Grading verantwortlich?

Regisseure haben eine Vision davon, wie ihre Filme aussehen sollen. Umgesetzt wird diese auf dem Filmset vom Kameramann und im Editing vom Color Grader (selten auch Colorist oder Kolorist genannt).

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, stimmen sich Kameraleute und Color Grading bei professionellen Filmproduktionen schon vorab zu den Filmdreharbeiten gemeinsam über das Lichtdesign und die Farbgebung ab. Damit stellen sie sicher, dass die technischen Möglichkeiten in der Bildbearbeitung, das aufgenommene Filmmaterial gemäß der Vorstellung des Regisseurs bearbeitet werden kann.

Auch wenn das Color Grading oftmals als Zauberei erscheint: Nicht jedes Videobild lässt sich automatisch in jede Farbrichtung anpassen und wo kein Licht ist, sind oft keine Bildinformationen vorhanden. Diesfalls kann auch die beste Software nichts ausrichten oder mehr Bildinhalte hervorzaubern.

Wie werden Farben und Lichtstimmung verändert?

Heute ist jede professionelle Filmsoftware in der Lage, ein Color Grading vorzunehmen. Allerdings erfordern Aufnahmen mit einer Auflösung von 4K – von 8K ganz zu schweigen – eine entsprechende Hardware, leistungsfähige Grafikkarten und reichlich Zwischenspeicher. Ansonsten wird die Arbeit in Realzeit zum Problem.

Zur Anpassung von Lichtstimmung und Farben stehen in der Regel mindestens drei Werkzeuge zur Verfügung, die sich in ihrem Funktionsumfang überschneiden. Zu finden sind diese im Color Grading Panel.

Übliche Werkzeuge im Color Grading Panel (Auswahl):
  • Farbräder ermöglichen die visuelle Bearbeitung der Farbwerte und damit eine Farbwahl Jeder Klick auf eine Farbe wird von der Software sofort auf die ausgewählte Szene übertragen und sichtbar. Zieht der Editor einen virtuellen Punkt auf dem Color Wheel aus dem Farbbereich, nimmt die Farbintensität ab.
  • Virtuelle Schiebe-Regler erfüllen dieselbe Funktion wie das Farbrad. Auch mit ihnen lässt sich die Intensität der Farbe steigern oder mindern.
  • Eine dritte Option sind die Farbkurven und Gradationskurven. Beide Kurven lassen sich mit der Maus in Echtzeit an einem beliebigen Punkt auf der jeweiligen Skala visuell verschieben und verändern. Diese Werkzeuge bestimmen über die Farbtöne und Helligkeit.

Die meisten Schnittprogramme unterscheiden bei der Color Correction die Bereiche „Gain“, „Lift“, „Gamma“ und „Offset“. Die Begriffe stehen dabei in der Regel für die Auswahl unterschiedlicher Bildbereiche. Offset verändert nur Schatten und dunkle Bildzonen, Gain nur die hellen Zonen. Lift umfasst sämtliche Bereiche, also das gesamte Bild. Gamma nur die Stufen zwischen Gain und Offset.

Warum LUTs / Look Up Tables das Leben des Editors einfacher und Filme schöner machen

Ein Look Up Table (LUT) ist ein Werkzeug, mit dem du die Farbe eines Bildes oder Videos ruckzuck ändern kannst. Das Prinzip dahinter ist einfach: Jede Ursprungsfarbe wird tabellarisch einem neuen Farbwert zugeordnet und dann von der Software automatisch dieser zugeordnet. Welcher Wert das ist, kannst du selbst bestimmen.

Es gibt auch zahlreiche LUT mit einem vordefinierten Look. Oft sind sie schon Teil der Software. Zusätzlich kannst du zahlreiche Filmlooks im Internet kaufen und in das Programme zum Color Grading deiner Wahl importieren.

LUTs vereinfachen das Color Grading und erhöhen die Effizienz. Sie werden immer dann gerne eingesetzt, wenn die Kolorierung eines Bildes auf der Grundlage eines vorbestimmten Themas oder Looks verändert oder auf andere Szenen übertragen werden soll. Oder auf andere Videos. Dazu exportierst du / speicherst du ganz einfach deine Einstellungen und wendest sie auf die nächsten Szenen an.

LUT kommen also zum Einsatz, um ein Bild wärmer oder kälter aussehen zu lassen oder um einen bestimmten Farbstich hinzuzufügen. Sie können ebenso verwendet werden, um die Helligkeit, den Kontrast und die Sättigung eines Bildes zu verändern.

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Pavel Sokolov 38 Artikel
Pavel studiert Film Editing. Er mag François Truffaut, Terrence Malick, Dr Pepper, seinen Thermaltake View 71 TG, Musik von Seeed und alle Dinge, die mit der Farbe Rot zusammenhängen, aber keinem Lebewesen Schmerzen bereiten.

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