Die Shotlist als Taktgeber und Kontrollinstrument für jeden Drehtag

Shotlist
Warum eine Shotslist? | © Adobe Stock

Filme werden aus einer Vielzahl von Einstellungen montiert. Wie und wann diese auf Video aufgenommen werden, folgt nicht dem Zufall, sondern einem genauen Plan: der Shotlist. Als Instrument zur Planung der einzelnen Drehtage ist sie für professionelle Dreharbeiten unverzichtbar.

Auch wenn der Aufwand zur Erstellung einer Shotlist in der vor Produktion eines Films wertvolle Zeit benötigt, sie ist es wert. Denn damit erhöht sich die Planungssicherheit und reduziert sich das Risiko, am Ende einen Film aufgrund fehlender Bilder nicht in der bestmöglichen Form erzählen zu können.

Wann sollte man mit einer Shotlist arbeiten?

Eine Shotlist ist ein Instrument zur Planung der Dreharbeiten. Erstellen werden kann sie nur, wenn eine verbindliche Drehvorlage, meist ein Drehbuch, vorliegt. Auch wenn es seltsam klingen mag, ergibt eine Shotlist nur dann einen Mehrwert, wenn sich die Dreharbeiten überhaupt planen lassen. Bei Dokumentarfilmen ist diese Situation häufig nicht gegeben. Das Gleiche gilt für Reportagen. Wer hier auf dem Filmset versucht, eine Liste abzuarbeiten, wird an der Realität scheitern.

Erarbeitet wird die Liste aller für eine Filmerzählung erforderlichen Schüsse immer auf Basis des Drehbuchs. Oft bilden Besprechungen zwischen Regisseur, Kameramann und Produktionsleitung die Grundlage für die Zusammenstellung der Liste durch die Regieassistenz oder Aufnahmeleitung.

  • Drehbuch
  • Input Regie
  • Shotlist

Grafik: Herleitung der Shotlist

Beschränkt Sinn ergibt die Shotlist auch dort, wo jedes, wirklich jedes einzelne, Filmbild in Form eines Storyboards vorab definiert wurde. In diesen Fällen sind die Bilder im Steuerbord die Shotlist. Weil sie identisch mit den Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven sind, die am Set gedreht werden sollen.

Wer als Filmemacher noch wenig Erfahrung hat, inspiriert sich möglicherweise lieber direkt am Drehtag vor Ort, als sich an eine Liste zu binden, die mangels Qualität nur theoretisch einen Wert hat und nicht in die Realität umgesetzt werden kann. Wie beim Experimentalfilm kann eine allzu starre Vorausplanung die Kreativität einschränken. Oder sogar verunmöglichen.

Was gehört in eine Shotlist?

Für den Inhalt einer Shotlist gilt: so viel Informationen zu jeder Kadrage wie nötig, und so wenig wie möglich. Die Liste der Einstellungen soll mit einem Blick eine Orientierung ermöglichen, was für einen Drehtag ansteht.

Übliche Inhalte einer Shotlist:

  • Shot-Nummer:

    Jede Einstellung erhält eine fortlaufende Nummer. Allein mit der Anzahl der für einen Drehtag vorgesehenen Shots können Profis abschätzen, was dies für Qualität bedeutet und inwieweit überhaupt Raum für Proben oder Improvisationen vorhanden ist.

  • Stichwort zum Inhalt:

    meist wird in einem kurzen Satz angegeben, was die Kamera sieht. Beispiel: „Halbtotale am Flussufer, Paul läuft von links durch das Bild und die Kamera schwenkt mit.“ Aber Achtung: Dialoge oder detaillierte Beschreibungen einer Szene haben hier nichts zu suchen, diese sind im Drehbuch nachzulesen.

  • Drehort:

    die Nennung des Filmsets oder der Filmlocation verhindert Irrtümer und Fehlplanungen.

  • Schauspieler:

    Auflistung aller Darsteller /Rollen, die im Bild vorkommen, / in der Einstellung zu sehen sind.

  • Anmerkungen:

    hier werden Besonderheiten des Framings angemerkt. Die Würze liegt wiederum in der Kürze und Übersichtlichkeit. Beispiel: Porsche, deren Einstellung zwölf und 13 sichtbar ist, darf hier nicht im Bild zu sehen sein. Oder: Kein Ton (Audio wird nicht mitgeschnitten)

  • Notizen:

    eine professionelle Shotlist sieht oftmals eine Spalte oder auf jederzeit ein kleines viereckiges Kästchen (Box) vor, in der die erfolgreich abgedrehte Shots vermerkt werden. Wo das nicht der Fall ist, streicht die Aufnahmeleitung und Regieassistenz oftmals mit Kugelschreiber einfach die jeweilige Zeile durch.

Die Wichtigkeit von A-Shots, B-Shots und C-Shots

Nichts ist absolut: zwar lassen sich Filme nicht mit einer einzigen Einstellung erzählen. Die Plansequenz bestätigt als Ausnahme die Regel. Natürlich ist die Freiheit in der Montage umso größer, desto mehr unterschiedliche Blickwinkel und Einstellungsgrößen dem Cutter zur Verfügung stehen. Regisseure möchten darum möglichst viele Einstellungsarten drehen. Weil Drehzeit immer auch Geld ist, drängen Produzent und Produktionsleitung umgekehrt auf ein Minimum der Anzahl Shots.

Der daraus entstehende Konflikt lässt sich mit der Unterteilung einer Shotlist in A-Shot, B-Shot und C-Shot lösen. Das Prinzip dieser Unterteilung ist einfach zu verstehen: Alle Shots werden nach ihrer Notwendigkeit klassifiziert.

Kategorisierung der Einstellungen in einer Shotlist nach Wichtigkeit für die Story:

  • A-Shots:

    A-Shots sind für die Erzählung der Story oder die Vermittlung der Kernbotschaft unverzichtbar. Sie müssen gereiht werden und haben darum höchste Priorität. Ein Zusammenstreichen oder Verzicht sind nicht möglich.

  • B-Shots:

    B-Shots unterstützen das Storytelling und die damit verbundenen Emotionen. Im Schnitt ermöglichen sie ein höheres Ausmaß an Freiheit bei der Montage, nicht nur inhaltlich, sondern auch formal und was Rhythmus, Timing und Racing betrifft. B-Shots sind auch, was die Zeitplanung betrifft, ein Joker: im Notfall können Sie ersatzlos gestrichen werden, ohne dass der Film zusammenbricht.

  • C-Shots:

    C-Shots sind die Sahnehäubchen. Sie machen den Unterschied zwischen einem guten und einem perfekten Video. Darum, weil sie oftmals Raum für Improvisation oder besonders komplexe Kamerabewegungen bieten. Auch C-Shots zählen zur Gruppe der Einstellungen, die bei der Produktion eines Spielfilms als Manövriermasse dienen. Schreiten die Dreharbeiten besonders schnell voran, dürfen C umgesetzt werden. Bei normalem Tempo oder Verzögerungen fallen sie dahin.

Meist zielt die Planung darauf ab, dass A-Shot und B-Shot gedreht werden dürfen, wenn alles nach Plan läuft. Bei Verzögerungen wird die Kategorie B gestrichen, womit verlorene Zeit wieder aufgeholt werden kann. Schreitet der Dreh schneller voran als erwartet, dürfen zusätzlich auch C-Shots gedreht werden.

Unterschied zur Tagesdisposition

Die Shotlist ist die Aufschlüsselung einer Filmszene in jede einzelne Einstellung. Die Tagesdisposition hingegen dient der Drehlogistik. Sie gibt darum über sämtliche organisatorischen Punkte Auskunft, denen ein Drehtag zu folgen hat. Dazu gehören Arbeitsbeginn, Transporte, Ankündigung von Besuchern auf dem Set usw. Darum wird die Dispo auch Callsheet genannt.

Entsprechend richtet sich die Tagesdispo an sämtliche Beteiligten der Dreharbeiten. Die Liste der zu drehenden Shots umgekehrt ist in erster Linie ein Arbeitsinstrument für das Regieteam (Regisseur, Regieassistenz, Crowd Control), Kamerateam (Kamera, Licht, Kamerabühne) und die Aufnahmeleitung.

Ein Callsheet kann bei Werbespots, die aus 5–12 Einstellungen bestehen, gleichzeitig auch eine Shotlist sein. Beim Spielfilm und Serien aber ist in der Dispo einzig eine Kurzzusammenfassung der Szenen aufgeführt, die am jeweiligen Tag gedreht werden sollen.

Fehler gefunden? Jetzt melden

Carlo Olsson 92 Artikel
Carlo Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*