Røde SmartLav+ Mikrofon: Test

Exklusive Serie: iPhone für Film und Video professionell nutzen

Test Filmpuls Røde SmartLav+
Røde SmartLav+ | Test für iPhone und iPad

Auf die Plätze, fertig, los! In diesem dritten Beitrag zur Tonaufnahme mit iPhone oder iPad für Film und Video geht es zur Sache. Hier teste ich mit dem Røde SmartLav+ das erste Mikrofon von insgesamt vier Produkten. Dies um herauszufinden, welches Produkt (Mikro und App) ich Euch als Profi für möglichst professionelle Audio-Aufnahmen empfehlen kann.

Dazu gibt es von mir einerseits eine Beschreibung des Mikrofons und seiner Eigenschaften. Dann aber, wichtiger, habe ich das Mikro mitsamt seiner App natürlich in der Praxis getestet und diesen Text ausgewertet. Damit das Resultat nachvollziehbar ist, habe ich die Audio-Files natürlich beigefügt.

Und wer es gerne kurz und auf einen Blick mag: am Ende des Artikels findest Du die entsprechende Übersicht als Info-Grafik, zusammen mit dem direkten Link zum Hersteller. Bitte beachte, dass die Preise aus dem Internet stammen. Diese unterscheiden sich je nach Shoppingportal.

Røde SmartLav+: Praxis-Test für iPhone und iPad

Das ‚Lav’ im Namen lässt erahnen, dass es sich um ein sog. Lavalier- oder Ansteckmikrofon handelt. Ein solcher Mikrofontyp eignet sich hervorragend, um Stimmen aufzuzeichnen, da es direkt an die gewünschte Person gekoppelt wird und stets aus derselben Entfernung aufzeichnet, da es sich an einem fixen Punkt an der jeweiligen Person befindet (vorausgesetzt diese dreht während der Aufnahme den Kopf nicht wild hin und her).

Das Teil ist ein lupenreines Kugelmikrofon, welches den Ton aus allen Richtungen in derselben Qualität aufzeichnet. Das SmartLav+-Mikrofon wird mit dem iPhone oder iPad verbunden und die App nach Wahl gestartet.

Pegel checken, Mikrofon richten und los.

Tonaufnahmen mit Tablets und iPhoneTipp: Kabel, Mikrofon und iPhone sollten am Set unsichtbar verstaut werden. Solange es sich um keine Baywatch Strand-Szene handelt, sollte dies machbar sein. Also, Aufnahme via App starten und das iPhone am Schauspieler unsichtbar verstauen. Nun sagt der Regisseur Szene und Take an, die Synchronklappe fällt und los geht es.

Man stelle sich vor, ein Sprecher sollte eine Off-Stimme einsprechen. Budget für ein Tonstudio ist nicht vorhanden. Ebenso fehlt ein typisches Mikrofon zur Stimmaufnahme, wie wir es aus dem Hause AKG, Shure und Neumann kennen. Der Sprecher ist ein Semiprofi und fühlt sich daher sowieso viel sicherer, wenn er alleine ist. Ist das der Fall, blüht er jedoch zur Höchstform auf. Der Sprecher kann also an einem aufnahmetechnisch geeigneten Ort das Ganze gleich selbst in die Hand nehmen. SmartLav+ anstecken, Aufnahme starten und den Text gleich vom iPhone oder iPad ablesen.

Dabei kann man sich ohne Probleme frei bewegen. Klar: Teppich verringert die Verstärkung von Schrittgeräuschen. Ansonsten raus aus den Schuhen! Aber wir haben ja gesagt, dass sich der Sprecher an einem aus Audiosicht guten Ort befindet. Also nicht in der Tiefgarage, beim Bahnhof, neben dem Flugplatz oder in einer Küche mit Keramikplatten an Boden und Wänden. Dieser Effekt kann ja – falls gewünscht – nachträglich generiert werden.

Solange die Stimme schön sauber und in möglichst all ihrer dynamischen Pracht aufgenommen wird, gibt es im Sound Design-Bereich keine Grenzen mehr. Dann stülpen wir den Hall der Sixtinischen Kapelle darüber oder das Interieur eines eines VW Golf mit Baujahr 1996. Heutzutage ohne weiteres machbar.

Røde SmartLav+
Røde SmartLav+ | © Foto Røde

Das Mikrofon kann ich auch mit einem Field/Handy Recorder verbinden (getestet mit einem Zoom H5). Jedoch muss hierfür die sog. Plug-in-Power-Option aktiviert werden, was sehr zu Lasten der Batterielaufzeit geht. Doch im Notfall, wenn alle Stricke gerissen sind, warum nicht?!

Insgesamt gefällt der Sound des SmartLav+ ganz gut. Der Sound tönt ein bisschen blecherner, als bei den Referenzprodukten von Sennheiser mit Sender und Empfänger. Durch bewusstes Positionieren des SmartLav+-Mikrofons und wenn möglich auch durch bewusstes Auswählen der Location, kann man diesem Effekt entgegenwirken. Broadcastqualität hat das Ding jedoch sicher.

Wenn es um Beiträge oder Liveschaltungen geht, dann ist dieses Mikrofon top. Zur Dialogaufzeichnung würde ich es gebrauchen, wenn wenig Bewegung stattfindet und wenn ich die Möglichkeit hätte, die Mikrofone bestmöglichst zu positionieren. Aber hey: Für kleines Geld hätte ich schon mal ein Lavalier-Mik.

Und wenn ich eine saubere Tonspur, mit genug Fleisch am Knochen, hinbekomme, haben wir gute Chancen in der Postproduktion einen guten Mix hinzubekommen.

Sound Files: Røde SmartLav+

Alle Tonbeispiele wurden in keiner Weise nachbearbeitet. Alle Files wurden als originale .wav-Datei direkt zu Soundcloud hochgeladen.

Røde SmartLav+, Test-Konfiguration: via iPad und Røde LE-App. Stimmaufnahme im Wohnzimmer.

Original-Aufnahmeformat: *.wav

Røde SmartLav+, Test-Konfiguration: via iPad und Røde LE-App. Stimmaufnahme im Treppenhaus und Keller mit Hauptaugenmerk auf der Umgebungsabbildung.

Original-Aufnahmeformat: *.wav

Wichtige Info: (Lavalier-)Mikrophone zeichnen Monosignale auf. Das resultierende Audiofile wird also nur einen Kanal besitzen und kennt somit weder Links noch Rechts, sondern nur die Mitte.

Der Preis entspricht knapp einem Zehntel eines gängigen Lavaliersets inkl. Sender und Empfänger von Sennheiser. Die Klangqualität finde ich ebenbürtig.

Bewertung Mikrofon-Test

Zusammengefasst sieht meine Bewertung als Info-Grafik so aus:

Røde SmartLav+

€48/CHF54
Røde SmartLav+
6.6

Preis-Leistung

9.0 /10

Nutzerfreundlichkeit

7.3 /10

Auswahlmöglichkeiten

5.5 /10

Einsatzbreite

4.5 /10

Software/App

6.5 /10

Überzeugend gelöst

  • Kugelmikrofon, welches den Ton in gleicher Qualität aus allen Richtungen aufzeichnet
  • Broadcastqualität
  • perfekt für Beiträge mit Off-Kommentar oder Liveschaltungen

Weniger gut gelöst

  • Sound wirkt ein bisschen blecherner, als bei den Referenzprodukten von Sennheiser mit Sender und Empfänger
  • Dialogaufnahmen nur, wenn wenig Bewegung
  • App: nur kostenlose LE-Version, Pro-Version ist kostenpflichtig
  • Bittiefe der Røde-App ist 24 und kann in der LE-Version nicht geändert werden

Eine Zusammenstellung aller getesteten Mikrofone findest Du im letzten, siebten Teil der Artikelserie zur iPhone-Tonaufnahmen. In Artikel 4, 5 und 6 teste ich drei weitere Mikrofone.

Fortsetzung der Artikelserie:


Dieser Artikel wurde auf Initiative von Neil Raouf und ohne Abgeltung in irgendeiner Form durch die erwähnten Unternehmen erstellt. Er spiegelt die freie, unabhängige Meinung des Autors. | Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Neil Raouf
Wer ist Neil Raouf? 9 Artikel
Neil (32) ist Sound Designer/Komponist. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich. Kontakt: neil(at)mera.film.

Deine Erfahrung dazu?

Input hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Du kannst Deine Daten jederzeit löschen lassen. Informiere uns darüber bitte mit dem Kontaktformular.


*