Mikrofone für iPhone und Tablets: Die besten Apps

Exklusive Serie: iPhone für Film und Video professionell nutzen

Mikrofone für iPhone und Tablets Die besten Apps
Mikrofone für iPhone und Tablets Die besten Apps

Hier erkläre ich, was man über Kabelverbindungen und Stecker (den sog. Audioinput) für Tonaufnahmen und Mikrofone für iPhone oder iPad wissen muss, welche Mikrofone ich warum für den Test ausgesucht habe und was für eine Rolle die Apps dabei spielen.

Im ersten Teil dieser Artikelserie ging es um die Frage, was guter Ton überhaupt ist. In diesem zweiten Beitrag werden wir konkreter, bevor es im dritten Artikel dann mit dem Testen losgeht.

In diesem zweiten Artikel zu Mikrofone für iPhone teste und erläutere ich die besten Apps und Mikrofone für Tonaufnahmen für Film und Video mit dem iPhone oder iPad. Anwendungsbeispiele,  ausführliche Erklärungen und Test-Files sind natürlich inklusive. Die Resultate der Tests und die Empfehlungen entsprechen meiner eigenen, unabhängigen Meinung als Experte für Film- und Videoton.

Zusätzlich gehe ich noch kurz auf das ein, was ich für Mikrofone für iPhone das «Kopfhörer-Problem» nenne. Des Weiteren erkläre ich Euch, wie ich Filmton beurteile und was Charlie „Bird“ Parker damit zu tun hat.

Mikrofone für iPhone: der Audioinput

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen, mit dem was uns auf den ersten Blick zur Verfügung steht: der Input. Irgendwo muss das Audiosignal ja rein, eine Applikation durchlaufen (wo es auch möglichst latenzfrei visualisiert wird), via Kopfhörer oder sonstiger Abhöranlage wiedergegeben werden und schlussendlich auf der Harddrive des Smartphones / Tablets abgespeichert werden.

Tonaufnahmen mit Tablets und iPhoneAchtung: Um Mikrofonaufnahmen über den Minijack-Input beim Smartphone oder Tablet zu tätigen, bedarf es eines sog. TRRS-Steckers. Dieser sieht fast genau gleich aus, wie die herkömmlichen Stereokopfhörer-Stecker (TRS), hat jedoch anstatt zwei Strichen, deren drei und ist demnach vierpolig.

Der Input ist entweder die Öffnung für Minijack-Stecker, wo man die Kopfhörer einsteckt oder die Öffnung, wo man das Ladekabel einsteckt (Lightning-Port oder früher noch 30er-Pin). Der Input kann auch als Output genutzt werden, wenn man das Gerät anschließen möchte. Haben wir sicher alle schon gemacht.

Stellt also sicher, dass sich möglichst wenig Staub und Dreck darin befindet, sodass der Kontakt einwandfrei hergestellt werden kann und das Signal in seinem Fluss nicht gestört oder gar verunmöglicht wird.

Der Audioinput des iPhonesiPadsSteckertypen
Die verschiedenen Steckertypen erklärt. T = Tip, S = Sleeve, R = Ring | © Grafik: Cablechick.com.au

Macht euch aber keine Sorgen um diese Technologie. Wichtig ist nur: Der im Minijack-Port vom Smartphone/Tablet eingesteckte Stecker (der Letzte  in der Kette), muss einfach einer im TRRS-Format sein.

Davor in der Kette können sich jedoch problemlos normale TRS-Kabel befinden. Besorgt Euch einfach eine Verbindung von TRS auf TRRS und es funktioniert.

Lightning Port
Bildbeschrieb: Mögliches Steup für ein neues iPhone ohne Minijack-Input. Ein Lightning/TR(R)S-Adapter (1), verbunden mit einem SC6-Adapter zur simultanen Benutzung von Kopfhörer (2). Der SC6 wiederum ist via TRRS/TRS-Kabel mit dem Mikrophon verbunden(3). | © Foto Tino Scherer

Seit der Lancierung von Apples neuer iPhone-Generation wurde uns der physikalische Input für die Kopfhörer gestohlen. Dongles heißt das neue Zauberwort, was auch bei der Audioaufnahme unumgänglich ist. iPhone X/8-User verfügen über einen sog. Lightning-Port: Einer Schnittstelle, welche Apple 2012 vorgestellt hat und welche auf dünne Gehäuse zugeschnitten ist.

Mit dem iPhone X/8  wird jedoch auch ein Adapter mitgeliefert, welcher den Anschluss von Minijack-Steckern ermöglicht.

Auch hier gilt: Der Stecker, welcher in den Adapter geht, muss TRRS sein, denn der Adapter ersetzt nun unseren ehemaligen Input.

Die Auswahl der Mikrofone

Wie bereits erwähnt, teste ich Mikrofone für iPhone und / oder Adapter der Firma Røde (die mit dem ø im Namen, welches übrigens nichts mit dem skandinavischen ø zu tun hat, denn ø steht in der Audioteminologie für Polarität. Man spricht den Firmennamen so aus, wie das englische Wort ‚Road’). Ebenso prüfe ich ein Mikro des Herstellers Zoom.

Røde und Zoom stellen eine große Anzahl an verschiedensten Mikrofone für iPhone und Zubehör her, welche speziell auf iPhone- und iPad-User zugeschnitten sind. Und dies alles zu einem Preis, welcher keine Nackenhaare zu Berge stehen lässt und der somit auch für Einsteiger, Low Budget-Produktionen oder Neugierige geeignet ist.

Wie gesagt, möchte ich hier nicht zu stark über die Technik schreiben, sondern über die möglichen Anwendungsgebiete, deren Machbarkeit sowie deren Ergebnis.

Die Aufnahme via App auf Smartphone oder Tablet

Meine go-to-Tools waren kostenlose Lösungen. Røde und Zoom stellen zur Aufnahme gleich eigene Apps zur Verfügung: Bei Røde ist dies eine kostenlose LE-Version sowie eine kostenpflichtige Pro-Version, in welcher mehr Optionen enthalten sind. Bei Zoom ist die App ebenfalls kostenlos und es scheint keine bezahlbare Pro-Version zu geben.

Sind die Apps heruntergeladen, erklären sie sich beinahe von selbst. Wichtig ist jedoch, dass man sicherstellt, dass man die Abtastrate auf 48’000 einstellt und somit die in der Filmproduktion üblichen Standards erfüllt.

  • Die Bittiefe bei der Røde-App ist stets 24 und kann in der LE-Version gar nicht geändert werden. Nice!
  • Bei Zoom ist die Bittiefe max. 16. Grmmpf! 24 Bit-Auflösung gibt es nicht. Dies wurde mir von den Zoom-Leuten via Facebook mitgeteilt. Auf die Bitfrage, komme ich weiter unten noch einmal zu sprechen.

Zurück zu den Apps: Die Mikrofone für iPhone werden sofort von der App erkannt und der User wird gefragt, ob die App auf das Mikrofon zugreifen darf. Bestätigen!

Der Eingangspegel wird in jeder App visualisiert. Dieser Pegel ist eine der wichtigsten visuellen Referenzen, welche es ständig im Auge zu behalten gilt. Für gute Aufnahmen lohnt es sich den Eingangspegel auf die jeweilige Schallquelle einzustellen.

Zeichnet man einen lauten Sound auf, den sollte der Eingangspegel nicht voll aufgerissen sein. Sonst führt dies zu sog. Clipping und dies versaut die gesamte Aufnahme. Auf der anderen Seite, kann bei der Aufnahme von leisten Sounds der Eingangspegel gerne ein bisschen aufgerissen werden.

Die verwendeten Apps © Foto Neil Raouf
Die 4 verwendeten Apps im Test: Røde SmartLav+, Røde VideoMicro, iXLR, Zoom IQ6  | © Foto Neil Raouf

Solange der Pegel in einem gesunden grünen Bereich ausschlägt, sind wir safe. Der Pegel darf auch gerne mal in den gelben Bereich rutschen. Aber wie erwähnt: Bei Rot nähern wir uns oder befinden wir uns bereits bei 0 oder über 0 dffs. Dies gilt es zu vermeiden.

Alle Apps lassen einem den Eingangspegel variieren. Macht davon Gebrauch, auch während der Aufnahme.

Es gibt haufenweise Apps zur Audioaufnahme. Das Røde LE- sowie die Zoom-App sind einfache und funktionierende Applikationen, von Soundprofis für Soundprofis und Amateure.

Eine alternative Empfehlung ist die App mit dem unglaublich spektakulär klingenden Namen Voice Record. Die App lässt fast keine Wünsch offen, wenn es darum geht, möglichst alle wichtigen Einstellungen zur Aufnahme und zum Export anzupassen. Die Einstiegshürde ist dabei ein bisschen größer. Dazu mehr in Teil 6 meiner Artikelserie zur Tonaufnahme mit iPhone und iPad.

Das Kopfhörer-Problem

Der Minijack-Input des Smartphones oder Tablets ist nun also direkt via TRRS oder via TRS/TRRS-Verbindung mit dem Mikrofone für iPhone verbunden. Nun stellt sich die Frage, ob mit oder ohne Kopfhörer aufgezeichnet werden soll. Denn Für diese gibt es ja nun keinen Platz mehr, der Input ist bereits mit dem Mikrofon besetzt. Die Antwort lautet ganz klar: mit Kopfhörer.

Der SC6-Adapter von Røde, ermöglicht zwei Mikrofon-Eingänge sowie einen Kopfhörerausgang. Dass dieser Adapter nicht in der Grundlieferung bei der Mikrofonbestellung dabei ist, stört ein bisschen.

Der geübte User kann das Problem mit Kompetenz umgehen, indem der Ausschlag etc. im Auge behält. Jedoch ist es selbsterklärend, dass dies ein gewisses Risiko darstellt.

Rode-SC6-Adapter
Røde SC6 Adapter | © Foto Røde

Deshalb: Adapter bestellen. Ich habe während einiger Wochen ohne SC6-Adapter getestet (Lieferengpass) und mich dabei stark auf die visuellen Komponenten der App gestützt. Als ich mich dann endlich im Besitze des Adapters befand, fühlte sich das Ganze um ein Vielfaches besser an. Ich hatte schlichtweg mehr Kontrolle und Sicherheit über das Geschehen. Wie gesagt: Das Ohr ist bei allem, was mit Schallwellen zu tun hat unser wichtigstes und kompetentestes Tool.

Die sog. Monitoring-Funktion, also das Mithören der Aufnahmen via Kopfhörer, geschieht in manchen Apps automatisch. Sonst kann diese angewählt werden. Das Feature nennt sich playthrough- oder Audio Monitoring-Funktion. Denn wir möchten live mithören, was wir Aufzeichnen.

Vorbemerkung zur Tonbeurteilung

Alle in diesem Artikel verwendeten Tonbeispiele (jeweils am Ende nach dem Mikrofon-Test) wurden in keiner Weise nachbearbeitet. Somit hört Ihr die pure, ungeschliffene Klangästhetik der Mikrofone für iPhone und Tablets. Alle Files wurden als originale .wav-Datei direkt zu Soundcloud hochgeladen.

Denn die mit Abstand wichtigste auditive Fähigkeit, ist meiner Meinung nach die der Tonbeurteilung. Einerseits akustisch, andererseits visuell durch das Lesen und Interpretieren der Wellenform oder der Pegel. Dass man also unabhängig von der Location zuverlässig sagen kann, ob die Aufnahme brauchbar oder unbrauchbar ist. Um solche Aussagen mit gutem Gewissen zu tätigen, bedarf es bestenfalls jahrelanger Übung in den Bereichen der Tonerzeugung, Tonaufnahme, Tonmischung sowie der Tonwiedergabe.

Als Gegenthese hierzu könnte man jedoch sagen, dass wir bereits vor der Geburt damit beginnen, zuzuhören. Wir sind also alles Profis, wenn es darum geht, unser Gehör zu gebrauchen. Darum, liebe Leute, braucht Euer Gehör! Bewusst und kritisch und beurteilt nach Eurem Bauchgefühl. Bildmaterial ist ja auch schön oder nicht schön.

Akustische Wahrnehmung ist einer unserer fünf Sinne und nebst dem Visuellen einer von zwei Sinnen, welcher analog und digital aufgezeichnet, reproduziert und verformt werden kann. Wir kennen unser Gehör alle in-und auswendig. Hört auf zu denken, dass viel Equipment gut und wenig Equipment weniger gut ist.

Eine kleine Anekdote zur Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von Equipment:

Charlie Parker - Jazz at Massey Hall
Charlie Parker – Jazz at Massey Hall

Der US-amerikanische Jazz-Musiker Charlie „Bird“ Parker (1920 – † 1955) hatte zu Beginn der 50er-Jahre einen Auftritt mit den größten Namen seiner Zeit: Dizzy Gillespie, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach. Das Konzert der sog. All-Star-Formation („The Quintet“) am 15. Mai 1953 in der Massey Hall in Toronto sollte live aufgezeichnet und als Doppel-PL veröffentlicht werden. Jedoch vertickte Parker kurz vor dem Gig sein Saxofon, um sich Heroin zu kaufen (leider eine gängige Praxis von ihm).

Verzweifelt suchten die Veranstalter nur Momente vor dem Konzert nach einer Alternative. Die Zeit war ultraknapp und reichte nur noch dazu, ein Plastiksaxofon aufzutreiben. Plastik! Aber in Parkers Händen verwandelte sich dieses Stück Kunststoff trotz seinem Heroineinfluss in eine singende Nachtigall. Die «Jazz at Massey Hall» Aufnahmen wurden legendär und 1995 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

Fortsetzung der Artikelserie:


Dieser Artikel für Mikrofone für iPhone und Tablets wurde auf Initiative von Neil Raouf und ohne Abgeltung in irgendeiner Form durch die erwähnten Unternehmen erstellt. Er spiegelt die freie, unabhängige Meinung des Autors. | Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Neil Raouf
Wer ist Neil Raouf? 9 Artikel
Neil (32) ist Sound Designer/Komponist. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich. Kontakt: neil(at)mera.film.

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