Gut aussehen vor der Kamera: Regeln der Fotogenität und Bildwirksamkeit

Wen die Kamera liebt. Und warum.

Fotogenität und Bildwirksamkeit: Gut aussehen vor der Kamera:
Für manche Menschen ist es schwer, so schön zu sein, wie sie gut aussehen.

Die Kamera lügt nicht, sagt das Sprichwort. Aber nicht alle und nicht alles sieht durch das Kameraauge betrachtet gleich gut aus. Diese Unterscheidung der Bildwirksamkeit wird in der deutschen Sprache auch als Fotogenität bezeichnet. Wer von der Natur mit einem attraktiven Äußeren gesegnet wurde, muss fotografiert nicht automatisch unglaublich gut aussehen. Hier lernst du, warum.

Dieser Beitrag erklärt, warum ein Kameraobjektiv Menschen anders wahrnimmt als das menschliche Auge. Er erklärt, wie man sich am Besten positioniert und gut Aussehen sicherstellen kann.

Es gibt unscheinbare Zeitgenossen ohne große Anmut, welche die Linse und das richtige Licht zu einer charismatischen Persönlichkeit verzaubert. Profis sprechen diesfalls davon, dass die Kamera eine Schauspielerin oder einen Schauspieler liebt, er oder sie fotogen ist. Gut aussehen und Fotogenität haben nicht nur mit subjektiver Wahrnehmung zu tun.

Für das Marketing und die Kommunikation mit Film und Video, wie auch in der Fotografie, bestehen es eine Reihe etablierter und bewährter Tricks und Kniffe aus der Praxis, wie man die Abbildung von Menschen formal positiv beeinflussen kann:

Was heißt Fotogenität?

Nachfolgend geht es nicht darum, wer aufgezeichnet wird, sei es für Bewegtbild oder ein Standbild. Sondern es geht um die Frage, was die Kamera für diese Person eigenständig leisten kann. Drei Dinge muss man dabei beachten. Ohne ist gut aussehen nicht möglich:

  1. Erstens gelten die grundsätzlichen Richtlinien der Bildgestaltung gelten auch für die Betrachtung des Phänomens der Fotogenität.
  2. Zweitens ist gut aussehen natürlich von dem abhängig, was in welchen Lichtverhältnissen gefilmt oder fotografiert wird.
  3. Drittens spielen auch immer die Tagesform der Menschen vor und hinter den Aufnahmegeräten mit.

Gut aussehen, dabei gelten die Gesetze der Fotogenität:

  • Menschen oder Tiere, grundsätzlich alle lebenden Objekte, sehen immer besser aus und sind einfacher abzubilden als leblose Motive. Wer schon einmal bei einem Werbefilm sog. Pack-Shots (Produktaufnahmen) miterlebt hat, der weiß ein Lied davon zu singen, was fotogen ist. Allerdings: Filme können wie kein anderes Medium (von der Fotografie vielleicht abgesehen) statische Gegenstände zum Leben erwecken und tote Gegenstände optisch aufwerten damit sie gut aussehen;
  • Exklusive, seltene Inhalte und ungesehene Bildwelten wirken dank neuer Informationen immer stärker als solche, die dem Zuschauer als bereits bekannt vorkommen. Dies gilt für real gedrehte Bilder wie Footage aus dem Archiv;
  • Bewegung im Bild schafft Dynamik, welche immer besser wirkt als Statik. Gut aussehen tut Bewegung, weil sie (Lebendigkeit und Leben symbolisierend) positiv mit der menschlichen Wahrnehmung verknüpft ist;
  • Abbildungen mit klar erkennbarem Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund sind immer besser als solche ohne Bildebenen.

Ob lebende oder tote Objekte, ob exklusive Aufnahme oder Kopie, ob CEO-Video oder Testimonial, ob statische oder dynamische Motive mit oder ohne Vordergrund, Hintergrund und Mittelgrund – sie alle folgen bei der Fotogenität und dem gut aussehen in formaler Hinsicht unseren Sehgewohnheiten und der Wahrnehmungspsychologie und damit den fünf Prinzipien des gut aussehen. Unterstützt werden sie dabei von der richtigen Bildbeleuchtung. Bei Interviews oder Video-Statements folgt diese meist dem 3-Punkte Prinzip.

Gut aussehen: 5 einfache Regeln

Für die sogenannte formale Bildwirkun, also das gut aussehen, gibt es erprobte Rezepte. Dabei geht es natürlich immer um die Frage, was für den Betrachter gut aussieht. Und was nicht.

1. Einfachheit

Einfachheit, Klarheit und Ordnung sind für menschliche Augen die Grundvoraussetzungen für fotogene Bilder. Das bewegte Bild kann dabei durch die sequentielle Erzählweise ganz besonders brillieren und durch die Bildkomposition und den Schnitt die Bildmotive nicht nur mit Bezug auf den Inhalt, sondern auch auf die visuelle Wirksamkeit zerlegen.

2. Bildkontrast

Kontraste haben nicht nur in der Dramaturgie, sondern auch in der Arbeit des Kameraleute und Fotografen beim gut aussehen ihren festen Platz. Bei der Unterscheidung zwischen Hell und Dunkel hilft der Bildkontrast mit, Objekte plastisch erscheinen und gut aussehen zu lassen.  Je räumlicher ein Objekt wirkt, desto realer und lebendiger scheint es. Dies sofern der der Kontrast ein gewisses Höchstmaß nicht übersteigt und unserem gewohnten Seherlebnis nicht widerspricht.

3. Größe und Form

Nahaufnahmen, auch das eine Spezialität des Storytelling mit Video, sind für das Gut aussehen und die Fotogenität wirkungsstärker als weite Bildausschnitte (Totalen). Einer der Gründe für die Wirkungsstärke von Großaufnahmen ist darin zu sehen, dass kleinere Bildausschnitte wenige, aber deutlichere Formen besitzen, die dadurch zugleich größer erscheinen.

4. Schärfeunterschiede

Der Einsatz von Schärfe-Ebenen und damit die Scharfzeichnung von Details inmitten einer unscharf abgebildeten Bildumgebung hilft unseren Augen und Hirn wirksam zu fokussieren. Das bezeichnen wir dann als gut aussehen. Diese Sehhilfe in Form der Fokussierung auf handlungsrelevante Inhalte wird von unserem Hirn als anziehend empfunden. Wir sagen dann, dass Fotos oder Bewegtbilder gut aussehen.

5. Wiederholung im formalen Aufbau

Die Wiederholung einzelner fotogener Formelemente innerhalb eines Bildes oder einer Szene verstärken die Einheitlichkeit des Bildes. Sie lassen Bildkompositionen und Aufnahmen vollendet erscheinen.

Zusammengefasst

Wer gut Aussehen will, darf also beruhigt sein: Es existieren Tipps und Tricks, wie eine positive Bildwirkung formal erzeugt werden kann. Was fotogen ist und wie Fotogenität gefördert werden kann, ist nicht nur Zufall. Gerade bei CEO Videos ist diese Erkenntnis enorm wichtig. Wer vor der Kameralinse steht, kann gut – oder schlecht – daher kommen. Das Talent liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern auch in demjenigen des Regisseurs und Kameramanns.

Wenn Dir jemand sagt, Du bist fotogen, so bedeutet das in Wahrheit nichts anderes, als dass Bilder von Dir schöner sind als Du selbst.
Ritu Ghatourey

Allerdings kann auch der beste Kameraperson nicht beeinflussen, was für ein Gesicht oder welcher Körper vorhanden ist. Wie bei der Rechtschreibung besitzt auch „Schönheit“, was immer das ist, keine Verpflichtung zur Fairness. Aber davon ist, wie wir vorher gesehen haben, gut aussehen auch nicht zwingend abhängig.

Was bringt die Zukunft?

Wer nun wissen möchte, was Bildwirksamkeit und Fotogenität für sich selbst bedeutet, kann die eigene visuelle Attraktivität seines Gesichts online sofort und gratis testen: Mitarbeiter der ETH Zürich haben dazu einen Algorithmus entwickelt. Aber aufgepasst! Bewertet wird das Aussehen durch ein neurales Netzwerk auf Basis… – eines Fotos. Und dieses ist, wie jede visuelle Kommunikation, auch von der Einhaltung der fünf Regeln für besser aussehen abhängig.

Umgekehrt gilt es sich aber auch bewusst zu sein: Gut aussehen alleine garantiert keinen Erfolg. Das belegt FILMPULS mit Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme eindrücklich. | filmpuls logo


Titelfoto: phrasemix.com | Im Interesse der Lesbarkeit werden die Berufsbezeichnungen soweit sinnvoll und möglich auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Filmpuls

Wer ist Carlo P. Olsson? 30 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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