Zoom IQ6: Mikrofon für iPhone

Exklusive Serie: iPhone für Film und Video professionell nutzen

Test Filmpuls Zoom iQ6
Zoom IQ6 Mikrofon | Test für iPhone und iPad

Auch wenn aller guten Dinge drei sind, teste ich für diese Artikelserie vier Mikrofone auf ihre Eignung für professionelle Tonaufnahmen: aktuell das Zoom IQ6. Gleichzeitig räume ich mit dem falschen Mythos Stereo-Mikrofon auf, gebe Euch einen Gratis-Tipp aus der Praxis für das hier getestete Mikrofon und lege meine Soundfiles aus dem Test offen.

Meine Bewertung ist, wie immer, am Ende des Artikels für Schnellleser zusätzlich als Infografik aufbereitet. Da seht Ihr auf einen Blick, was Sache für alle geprüften Tools ist. Alle getesteten Mikros findet Ihr in einer Zusammenstellung und ebenso als einfach lesbare Infografik im letzten Teil dieser Artikelserie zur Tonaufnahmen mit Smartphones und Tablets.

Zoom IQ6: Praxis-Test für iPhone und iPad

Wir müssen diesen Test mit dem Thema Stereo starten und damit mit einer kurzen Erklärung. Ein Stereomikrofon per se existiert nicht. Das zweikanalige Audioformat braucht auch zwei Mikrofone zu dessen Aufzeichnung.

Das bekannteste Aufnahmeverfahren für Stereo nennt sich XY, mit welchem auch das Zoom IQ6 arbeitet. Dabei befinden sich zwei Mikrofone in geringstmöglichen Abstand übereinander und nehmen richtungsversetzt auf. Das Stereobild wird durch einen Pegelunterschied in den beiden Kanälen erschaffen.

Es gibt noch weitere Aufnahmeverfahren für Stereo, wie das MS-Verfahren (Mitte/Seite, Zoom IQ7), welches das Stereobild ebenfalls via Pegelunterschied der beiden Kanäle generiert. Jedoch kann ein Stereobild auch via Laufzeitunterschiede der Schallwellen generiert werden (AB-Verfahren), wobei sich ein Mikrofon näher an der Schallquelle befindet, als das andere. So much for that.

Zoom IQ6
Zoom IQ6 | © Zoom

Zurück zum Zoom IQ6, welches ich mit dem iPhone 6 und mit dem iPad gekoppelt habe: Die Verbindung erfolgt diesmal nicht mehr via Kabel in die Minijack-Öffnung, sondern über die Lightning-Schnittstelle am unteren Rand des Smartphones/Tablets. Das IQ6 verfügt über einen integrierten Kopfhörer-Input.

Die Mikrofonkapseln und deren Eingangswinkel können  von 90° auf 120° erweitert werden, um so ein breiteres Soundfeld aufzuzeichnen. Dies geschieht bequem via Drehen an den Kapseln, welche unmissverständlich mit 90 resp. 120 beschriftet sind.

Ein nützliches Feature ist zudem der mikrofoneigene Regler für den Eingangspegel.

Einziger Wermutstropfen ist die Beschaffenheit einiger Mikrofonkomponenten aus Plastik. Der erwähnte Pegelregler, ist spürbar aus Plastik und dürfte sich ruhig kompakter anfühlen.

Auch Zoom beliefert uns mit einer kostenlosen App zur Tonaufnahme. Mir gefällt diese App vom Handling her besser, als die von Røde. Wahrscheinlich, weil das Interface auf die visuellen Eigenschaften der Zoom-Field Recorder angelegt ist. Jedoch lässt die App keine Aufnahmen mit einer 24 Bit-Auflösung zu, sondern wie bereits erwähnt lediglich 16.

Ist denn dies schlimm, dieser Unterschied in der Bittiefe? Nein eigentlich nicht wirklich. Bei Projekten, welche ich mit 48 Khz und 24 Bit angelegt hatte, habe ich auch schon etliche Male mit Files gearbeitet, welche 16 Bits hatten. Lieber weniger Bits als weniger Abtastrate.

Tonaufnahmen mit Tablets und iPhoneTipp: Den Kopfhörer direkt am IQ6 einstöpseln, würde ich unterlassen. Denn die das Gehäuse reagiert äußerst sensibel und leitet diese verursachten Geräusche gleich an die Membrane weiter.

Es zahlt sich also aus, den regulären Kopfhörer-Input zu gebrauchen. Im Lieferumfang findet man zudem einen Schaumstoff-Schutz, welcher bis zu einem gewissen Grad von Windgeräuschen schützt.

Jedoch empfiehlt es sich, gleich einen Fellüberzug (furry windshield) zu kaufen, denn wie gesagt: Das IQ6 ist sehr sensibel. Vor allem bei Wind. So können auch schon normale Drehungen des Smartphone/Tablets störende und übersteuerende (clipping) Störgeräusche verursachen.

Sound Files: Zoom IQ6

Alle Tonbeispiele wurden in keiner Weise nachbearbeitet. Alle Files wurden als originale .wav-Datei direkt zu Soundcloud hochgeladen.

Zoom IQ6, Test-Konfiguration: via iPad und Voice Record-App. Aufnahme des Quartierlebens im Frühling um die Mittagszeit.

Original-Aufnahmeformat: *.wav

Zoom IQ6, Test-Konfiguration: via iPad und Voice Record-App. Aufnahme im geschlossenen Raum zum einfachen Testen des Stereobildes.

Original-Aufnahmeformat: *.wav

Die Stereoaufnahmen finde ich toll.

Die Details werden räumlich/zweikanalig aufgezeichnet und zeichnen sich durch eine schöne Klangabbildung aus, welche in der Postproduktion Raum für verschiedenste Anwendungen bietet. Atmo-Sounds kann man also mit gutem Gewissen mit einem solchen Stereomikrofon aufzeichnen. Ich habe in Teil 3 dieser Artikelserie die sog. Stocklibraries erwähnt, welche Sounds zu verschiedenen Themen liefern.

Bewertung Mikrofon-Test

Ich könnte mir gut vorstellen Atmo-Content mit dem Zoom IQ6 für professionelle Zwecke für Film, TV und Video aufzuzeichnen. Einfach mit dem iPhone durch die Gegend ziehen und via IQ6 unkompliziert aufnehmen: Atmo-Sounds sind akustische Elemente, welche den Raum tonal abbilden und sich deshalb sehr für eine Stereoaufnahme eignen.

Zoom IQ6

€84/CHF91
Zoom IQ6
7.7

Preis-Leistung

8.3 /10

Nutzerfreundlichkeit9

8.4 /10

Auswahlmöglichkeiten

6.7 /10

Einsatzbreite

6.0 /10

Software/App

9.0 /10

Überzeugend gelöst

  • Verbindung über Lightning-Schnittstelle
  • Kopfhörereingang
  • Mikrofonkapseln und Eingangswinkel können von 90° auf 120°
  • Regler für den Eingangspegel
  • kostenlosen App zur Tonaufnahme

Weniger gut gelöst

  • Sehr sensibel. Vor allem bei Wind.
  • Drehungen des Smartphone/Tablets verursachen Störgeräusche

Eine Zusammenstellung aller getesteten Mikrofone findest Du im nächsten, siebten Teil der Artikelserie zur iPhone-Tonaufnahmen. Die Links zu den anderen getesteten Mikros findest Du in der nachfolgenden Linkliste.

Fortsetzung der Artikelserie:


Dieser Artikel wurde auf Initiative von Neil Raouf und ohne Abgeltung in irgendeiner Form durch die erwähnten Unternehmen erstellt. Er spiegelt die freie, unabhängige Meinung des Autors. | Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Neil Raouf
Wer ist Neil Raouf? 9 Artikel
Neil (32) ist Sound Designer/Komponist. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich. Kontakt: neil(at)mera.film.

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