Die wichtigsten Regeln der Bild­komposition für Spiel­filme und Videos

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2001: A Space Odyssey, Director of Photography: Geoffrey Unsworth | © Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)

Für das, was die Mehrheit von uns als „schönes oder interessantes Bild“ empfinden, gibt es Regeln. Mit der richtigen Bildkomposition wird nicht nur deine Bildsprache attraktiver. Du kannst damit auch deine Geschichten besser erzählen.

Bei Großproduktionen liegt die Bildproduktion in der Hand des Kameramannes. Unterstützt von dramaturgischen Inputs der Regie, legt er fest, was wo im Bild zu sehen ist. Bei kleineren Produktionen oder wenn der Regisseur die Kamera gleich selbst führt, obliegt ihm die Pflicht der Bildgestaltung. Findest du die wichtigsten Regeln dazu.

Das musst du wissen

  • Die Gestaltung von Fotos und Filmbildern unterscheidet sich in ihren Regeln nicht grundsätzlich. Trotzdem ist die Komposition bei Video anspruchsvoller, weil jede Einstellung ein Anfang und ein Ende hat und die dazwischenliegenden Einzelbilder sich voneinander unterscheiden.
  • Bewährte Mittel der Bildkomposition sind die Zwei-Drittel-Regel, die Orientierung an der Augenlinie, das Setzen eines Bildschwerpunkts und die Führung des Zuschauerblickes durch Perspektiven, Schärfezonen und die Lichtsetzung.
  • Obwohl sich Symmetrien mit einigen bekannten Regeln zur Komposition von Bildern widersprechen, wirken sie in Kombination mit diesen, gezielt eingesetzt, äußerst kraftvoll.

Bildkomposition für Film und Video von A bis Z

In einer idealen Welt ist jedes einzelne Filmbild so gekonnt arrangiert, dass es als Foto in einer Kunstgalerie hängen könnte. Zugegeben, bei 24 Einzelbildern pro Sekunde kein einfaches Unterfangen.

Mit den Informationen, Tipps und Tricks in diesem Artikel kommst du diesem Ziel immerhin ganz konkret einen schönen Schritt näher.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Regeln der Komposition von Bildern für Fotos, Film oder Video nicht. Auffälligster Unterschied zwischen Standbild und bewegtem Bild sind allerdings zwei Faktoren, die es zu beachten gilt:

1Seitenverhältnis

Erstens ist das Seitenverhältnis von Foto und Video unterschiedlich. Während eine Fotografie ein Verhältnis von Breite zur Höhe von 4 : 3 besitzt, werden Videoaufnahmen in der Regel mit einem Seitenverhältnis von 16 : 9 gedreht.

2Bewegung

Zweitens muss bei der Bildkomposition einer Fotografie nicht auf die Bewegung geachtet werden. Ein Foto hat, anders als ein Videobild, kein Anfang und kein Ende. Das macht die Gestaltung des Fotos einfacher.

Das musst du bei der Bildkomposition beachten:

Zwei-Drittel-Regel

Eines der Grundprobleme, wenn du Menschen im Bild hast, ist die Kollision der Größe einer Person mit dem horizontal ausgerichteten Filmbild. Drehst du für soziale Medien im Hochformat, hast du dieses Problem nicht. In allen anderen Fällen hast du nur zwei Optionen:

Entweder du besten Bildausschnitt für deine Komposition so, dass die Person sehr klein ist. So bekommst du sie von Kopf bis Fuß in dein horizontales Bild. Oder aber der Ausschnitt des Videobildes schneidet der Person einen Teil ihres Körpers ab.

Darum: Wenn es eine einzige Regel gibt, die du kennen musst, so ist das die Zwei-Drittel-Regel. Sie ist einfach zu verstehen und anzuwenden. Funktionieren tut sie wie folgt:

Das Bild wird gedanklich in drei identische horizontale und vertikale Bereiche unterteilt. Die Zwei-Drittel-Regel besagt nun, dass alles, was für die Erzählung oder das Bild aussagekräftig ist, von zwei dieser drei Bereiche (also 2/3) abgedeckt werden muss.

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Blade Runner, Director of Photography: Jordan Cronenweth | © Warner Bros

Die meisten Kameramänner weltweit folgen, bewusst oder unbewusst, der Aufteilung des Filmbildes in neun Bereiche und orientieren sich daran.

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2001: A Space Odyssey, Director of Photography: Geoffrey Unsworth | © Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)

Das Prinzip der Zwei-Drittel-Regel (englisch: Rule of Thirds) orientiert sich in ihrer Wirkungsweise am sog. goldenen Schnitt.

Augenlinie als Maß bei der Bildgestaltung

Willst du eine Person von nahe oder mit einer Einstellung zeigen, musst du entscheiden, wie du deinen Darsteller vor der Kamera platzierst. Dies tust du, indem du dich an den Augen der Person orientierst. Auch hierzu gibt es eine einfache Regel:

Der obere Teil des Kopfes darf angeschnitten werden. Umgekehrt muss das Kinn immer (!) im Bild sichtbar sein.

Der Film Zuschauer empfindet eine solche Bildkomposition als natürlich, weil er sich im Dialog mit einer realen Person auch an der Augenlinie orientiert.

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2001: A Space Odyssey, Geoffrey Unsworth, Director of Photography | © Foto: Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)

Bildschwerpunkt und Symmetrie bei der Bildkomposition

Jedes Bild und jede Fotografie prüft unser Hirn in Sekundenbruchteilen auf Symmetrien. Gleichzeitig versucht unser Auge festzustellen, wo der Schwerpunkt (man könnte auch sagen: Das Zentrum) eines Bildes in der Komposition gelegt wurde.

Man darf sich dabei die Bildkomposition nicht als flaches Bild vorstellen. Es gilt, auch die räumliche Tiefe, also die Perspektiven, in diese Beurteilung einzubeziehen.

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2001: A Space Odyssey, Director of Photography: Geoffrey Unsworth | © Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)

Als aufmerksame Leser hast du natürlich bemerkt, dass absolute Symmetrie bei der Bildgestaltung und die Zwei-Drittel-Regel sich beißen. Werden beide Gestaltungsprinzipien jedoch ganz gezielt, gerne auch im gleichen Video, eingesetzt ist die Wirkung äußerst kraftvoll.

Beachte dabei auch, dass Symmetrien nicht absolut, sondern auch relativ sein können. Das Gesicht eines Darstellers links im Bild kann rechts mit einem Requisit von gleicher Dominanz ausgeglichen werden.

Weitere Gestaltungselemente, die den Blick des Zuschauers führen

Das Auge des Betrachters lässt sich bei der Filmkomposition nicht nur mit der Zwei-Drittel-Regel, der Augenlinie eines Schauspielers, Symmetrien und Bildschwerpunkten führen.

Perspektiven und sogenannte Bildfluchten funktionieren bei der Bildkomposition wie Leitplanken. Als Linien führen sie das Auge an einen Punkt im Bild. Dies geschieht, bedingt durch die Art wie das menschliche Gehirn Bilder versteht, reflexartig und unbewusst. Für den Regisseur eine großartige Gelegenheit, den Blick des Zuschauers dramaturgisch geschickt auf Dinge zu lenken, die er scheinbar eigenständig entdeckt.

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2001: A Space Odyssey, Geoffrey Unsworth, Director of Photography | © Foto: Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)

Führen und verführen lässt sich der Blick des Zuschauers bei der Bildkomposition auch mit Schärfezonen oder gezielter Lichtsetzung. Unscharfe Bildteile werden als weniger wichtig empfunden als klar erkennbare Bildinformationen. Liegen einzelne Bereiche des Bildes im Dunkeln (der Kameramann spricht dabei von „das Bild absaufen lassen“), gewichtet unsere Wahrnehmung die helleren Teile als wichtigere Informationen.

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Über Carlo P. Olsson 55 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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