Wie du ein Video im Filmlook drehst: diese 5 Punkte musst du dabei beachten

filmlook videoaufnahmen verwandeln
Filmlook für Videoaufnahmen | © Foto: wallhere.com

Auch in Hollywood ist Video heute das vorherrschende Format für die Aufzeichnung bewegter Bilder. Ausnahmen bestätigen die Regel. In diesem Artikel erklären wir dir, wie du deinen Videoaufnahmen einen Filmlook gibst. Damit deine Videos wie großes Kino aussehen.

Der filmische Look ist ein Code für Qualität. Er ist so was wie ein Versprechen, das besagt: wenn es nach Kino aussieht, muss auch Kino drin sein. Viele Filmemacher und Videoproduzenten streben darum auch heute noch danach, ihre Videos wie auf echtem Film gedreht aussehen zu lassen.

Das musst du wissen

  • Das, was wir als filmisch und einem Hollywood-Film entsprechend wahrnehmen, ist immer eine Kombination unterschiedlicher Faktoren.
  • Einen Filmlook kannst du nicht alleine in der digitalen Bildbearbeitung erzeugen.
  • Um deinem Video einen filmischen Look zu geben, musst du darum einige wichtige Punkte schon bei den Dreharbeiten auf Video beachten. Dazu zählen zum Beispiel kameraspezifische Aspekte wie Brennweiten und Verschlusszeiten, aber auch Kamerabewegungen.
  • Die abschließende Angleichung von Videoaufnahmen an Film erfolgt nach dem vollendeten Schnitt mittels spezieller Software.

5 Punkte, damit dein Video wie auf Film gedreht aussieht

Wenn es darum geht, ein Video wie mit Film gedreht aussehen zu lassen, liegt meist der Reflex nahe, an spezielle Apps und Software für die Filmbearbeitung zu denken. Dies ist nicht falsch. Aber auch nicht ganz richtig.

Darum, weil das, was der Zuschauer als filmischer Look wahrnimmt, nicht alleine vom Filmmaterial bestimmt wird.

Es sind insgesamt fünf Elemente, die einem Video das Aussehen eines großen Hollywood-Films verleihen.

1Schärfeebenen und Kameraobjektive

Zu einem wesentlichen Teil wird der Look eines Films naheliegenderweise durch die Qualität der Aufnahmen bestimmt. Damit ist für einmal nicht die technische Qualität gemeint. Sie spielt höchstens mittelbar eine Rolle.

Es geht hier darum, wie der Regisseur und der Kameramann mit der Schärfe und damit mit den Bildebenen umgehen. Eine abfallende Schärfe ist ein typisches filmisches Gestaltungsmittel.

Unser Auge (oder besser: das menschliche Hirn) sucht automatisch die scharfen Bildzonen. Damit lässt sich der Blick des Zuschauers lenken. Große und großartige Spielfilme nutzen dieses Gestaltungsmittel seit jeher.

Je nach Videokamera, die du für deinen Film einsetzt, wird es dir einfacher oder schwerer fallen, mit Schärfeebenen zu arbeiten.

Denn einerseits bestimmt der Sensor der Kamera über die Schärfen mit. Andererseits ist auch die Brennweite deiner Objektive mitbestimmend. Lange Brennweiten führen zu „flacheren“ Bildern. Dasselbe gilt, wenn du mit weit offener Blende drehst.

2Anzahl Bilder pro Sekunde

Filmaufnahmen, die auf  tatsächlichem Filmmaterial gedreht wurden, haben immer Mühe, schnelle Bewegungen ohne Verluste bei der Schärfe zu zeigen. Das liegt daran, dass Kinofilme traditionell mit 24 Bilder pro Sekunde gedreht werden. Diesen Wert bezeichnet man als sogenannte Frame Rate.

Videokameras zeichnen umgekehrt pro Sekunde 25 oder sogar 30 Einzelbilder auf. Dies führt zu schärferen Bildern. Oder eben dem typischen TV-Look.

Bewegungsunschärfen zeigen sich besonders deutlich als Folge einer Frame Rate von 24/Sekunde bei Actionsfilmen. Die Hersteller von TV-Geräten haben darauf mit der Video-Interpolation geantwortet.

Herr-der-Ringe Regisseur Peter Jackson hat seinen Spielfilm-Trilogie „Der Hobbit“ mit 48 Einzelbildern pro Sekunde und mit einer Belichtungszeit von 1/64 gedreht. Die Quittung dafür bekam er postwendend:

Viele Zuschauer lehnten den Film ab, weil er für sie nicht nach Kino aussah. Sondern wie ein Fernsehfilm aussah.

3Verschlusszeit / Belichtungszeit

Die Belichtungszeit wird bei Videokameras – naheliegenderweise – elektronisch gesteuert. Während die richtige Wahl der Verschlusszeit bei hochprofessionellen Spielfilmen nie ein Problem darstellt, ist das bei Videoproduktionen anders. Erstens, weil oftmals dieser Wert automatisch von der Kamera bestimmt wird. Zweitens, weil möglicherweise das Wissen für das richtige Setzen dieses Parameters fehlt. Dabei kann man sich die wichtigste Regel ganz einfach merken:

Die korrekte Verschlusszeit beträgt immer das Doppelte der Anzahl Bilder pro Sekunde. Drehst du also mit 24 Einzelbildern, ist der Kameraverschluss auf 1/48 zu setzen.

Profis nennen diese Verdoppelung die 180-Grad-Shutter-Regel. Diese besagt nichts anderes, als dass in einer mechanischen Filmkamera während 50 % der Zeit das jeweilige Einzelbild belichtet wird, und in der anderen Hälfte der Zeit durch den mechanischen Sperrgreifer das nächste Einzelbild vor die Linse der analogen Filmkamera transportiert wird.

Wählst du die falsche Verschlusszeit, bekommen deine Aufnahmen kein filmisches Aussehen. Dafür entweder einen Stroboskop-Effekt. Oder sie wirken wie künstlich beschleunigt.

4Kamera­bewegungen sind Teil des Filmlooks

In der Art und Weise, wie die Kamera in einem Video bewegt wird, zeigt sich wie bei der Auswahl des Bildausschnitts Talent, Expertise und Meisterschaft.

Grundsätzlich gibt es gleich viele Arten, mit Kamerabewegungen umzugehen, wie es Geschichten gibt. Darum geht es bei diesem Punkt weniger um eine spezifische Art der Bewegung. Wichtiger ist die Frage, warum sich die Kamera bewegt!

Darum lautet die erste, kennzeichnende Regel für Hollywood-Filme die du auch für deine Videos beachten musst: keine Bewegung ohne erklärbare, durch die Filmhandlung bedingte oder erzählerische Motivation.

Der zweite Punkt, an dem du Hollywood-Filme erkennen kannst, sind die oftmals nahezu kaum erkennbaren, aber konstant in jeder Einstellung vorkommenden subtilen Kamerafahrten. Diese behutsamen Fahrten der Kamera auf eine Person oder ein Objekt zu oder darum herum, dienen dazu, dem Film Bild mehr räumliche Tiefe zu verleihen. Damit soll ein gesteigerter realitätsnaher Eindruck beim Kinozuschauer geweckt werden. Ein bisschen wird damit auch das 3D-Kino vorweggenommen, in dem Realität und Räumlichkeit im dreidimensionalen Raum eine wichtige Rolle spielen.

5Digitale Nachbearbeitung des Bildmaterials

Hast du die vorgehenden Regeln erfolgreich umgesetzt kommt jetzt, erst jetzt!, das Tüpfelchen auf das i: Mittels Software und Color Reading gibst du deinen Aufnahmen einen Filmlook.

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Schon bei den Aufnahmen hast du hoffentlich die eiserne Regel der Lichtbestimmung beachtet. Diese lautet: wo keine Bildinformationen sind, können diese auch nachträglich nicht sichtbar gemacht werden. Das betrifft ganz besonders den Einsatz der automatischen Blende bei Videokameras.

Hast du deine Videobilder überbelichtet, etwa weil die Kamera fälschlicherweise einen hohen Kontrastumfang automatisch korrigiert hat, kannst du nicht nur nichts mehr dagegen tun, sondern hast auch ein Indiz in deinem Film, welches sofort auf Videoaufnahmen hinweist.

Bei der digitalen Verwandlung von Videoaufnahmen in Filmmaterial wirst du gleich an einer Reihe unterschiedlicher Parameter „schrauben“. Du bearbeitest also weit mehr als nur die Farben (Color Connection).

Mit Software wie Da Vinci Resolve gleichst du die Schwarzwerte, Kontrastumfang und Sättigung an den Look eines Spielfilms an.

Mit speziell dazu erhältlichen Plugins oder einem Programm wie FilmConvert kannst du anschließend den spezifischen Look fast aller denkbaren Filmträger über dein Video legen. Ob Kodak, Agfa, 35 mm oder 16 mm, der Computer rechnet deinen Aufnahmen automatisch die entsprechenden Werte hinzu damit deine Bilder aussehen, als hättest du sie mit der jeweiligen Emulsion gedreht.

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Über Carlo P. Olsson 59 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

1 Kommentar

  1. Ich gehe mit bis auf diesen Kram mit den Schärfeebenen. Licht und Sequenzen sind wichtiger für den berüchtigten « cinematischen » Look denn dieser fürchterlich grassierende Umgang mit deutlich zu offenen Blenden. Denn unser Hirn ist hervorragend in der Lage, einer ordentlich eingeführten Handlung folgen zu können. So lässt sich der Zuschauer lenken. Der braucht nicht den Vorschlaghammer der « hier sollst du hingucken hier ist die action »

    Was nicht heissen soll, dass offene Blenden « falsch » sind ; die können sehr gut als Stilmittel gebraucht werden, aber eben « anders ». Und Blende in solchen Beiträgen an erster (oder an letzter) Stelle zu nennen fördert leider diesen « Trend », weil Mensch sich Sachen aus der Mitte eines Textes oder Vortrages eher schlecht merkt. Da bräuchte er einen Vorschlaghammer.

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