Die Frau hinter Wonder Woman: Kostümbildnerin und Oscar-Preisträgerin Lindy Hemming

Lindy Hemming Wonder Woman
Diese Oscar-Gewinnerin definierte den Look von Wonder Woman: Lindy Hemmings | © Foto: thelachatupdate; © Logo: DC Entertainment; Bildmontage: fipu

Was haben Wonder Woman, Batman, Paddington der Bär, Harry Potter und James Bond gemeinsam? Hinter all diesen Film-Ikonen steht eine Frau, die als Kostümbildnerin einen entscheidenden Beitrag zur visuellen Wahrnehmung dieser Filmfiguren beigetragen hat: Lindy Hemming.

Man möchte meinen, die Verfilmung einer Comic-Serie wie Wonder Woman wäre, was die Kostüme der Hauptfigur betrifft, für einen Profi aus der amerikanischen Unterhaltungsindustrie so etwas wie ein Sonntagsspaziergang. Das Gegenteil ist wahr. Selbst für Kostümbildnerinnen wie die Oscar-Gewinnerin Lindy Hemming sind solche Jobs eine Herausforderung. Das hat wenig damit zu tun, dass Hemming nächstes Jahr 75 Jahre alt wird und damit nur vier Jahre jünger ist als die Orignal-Wonder Woman aus den DC Comics. Aber viel damit, dass Superheldinnen und Superhelden weit stärker über ihre Kostüme mitdefiniert werden, als andere Filmfiguren.

Wer heute online für eine Themen-Party, ein Geburtstagsfest oder für den Karneval ein Wonder Woman Kostüm erwirbt, zollt damit indirekt auch der Arbeit von Lindy Hemming seinen Tribut. Der Wunsch, für einige Stunden das von Gal Gadot verkörperte Wundergirl sein zu können, wird nur dann erweckt, wenn man sich mit der Heldin identifiziert.

Profis erkennt man sofort. In kreativen Disziplinen wie dem Kostümdesign daran, dass jede Idee das Resultat aufwendiger Recherchen ist und einer Vielzahl von Anforderungen standhalten muss.

Was muss eine Kostümbildnerin wie Lindy Hemming bei einem Kostüm für Wonder Woman alles unter einen Hut bringen?:
  • Integration von Geschichte und Entwicklung der Figur in das Kostüm:

    Die Herkunft von Wonder Woman wurde in den fünfziger und Sechzigerjahren in den Comics unterschiedlich erzählt. Für die Realverfilmung wurde das Setting erneut adaptiert. Unverändert geblieben ist in den Filmen die Positionierung von Wonder Woman als weibliches Symbol für die göttliche Wahrheit, Gerechtigkeit, Mut und Stolz. Eine Kostümbildnerin wie Lindy Hemming führt die Designs, welche sie der Regie unterbreitet, immer auch auf ihre Recherchen zurück. Ungeachtet davon, ob die Entwürfe eine Weiterentwicklung, eine komplett neuen Interpretation oder historischen Kostümen folgen.

  • Gesellschaftliche Verortung des Looks im Universum der Story:

    Wie echte Menschen bewegt sich die von Gal Gadot verkörperte Wonder Woman in einem gesellschaftlichen Umfeld. Dort gehört sie zu einer Gesellschaftsklasse, Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht, ist reich oder arm, angesehen oder verachtet usw. All diese Elemente spiegeln sich in den Kleidern.

  • Übereinstimmung des Erscheinungsbildes mit dem Charakterprofil im Drehbuch:

    Nebst der historischen Recherche (und der Materialrecherche, dazu später) ist für eine erfahrene Kostümdesignerin wie Lindy Hemming die psychologische Analyse des Filmcharakters entscheidend. Schließlich spiegeln sich in einem Kostüm nicht nur die Möglichkeiten und Normen, die mit der eigenen Position innerhalb einer Gruppe einhergehen. Auch die persönlichen Vorlieben und der Charakter müssen von Kostüm aufgenommen werden. Das ist bei Superhelden wie Wonder Woman, deren Signatur-Look auf ein Klischee reduziert ist, eine umso größere Herausforderung.

  • Look von Gegenspieler, Freunden etc. im Film:

    Die Art, wie sich ein Filmcharakter kleidet, steht zusätzlich auch in einem Zusammenhang mit den anderen Filmfiguren. Auch hier folgt das Costume Design einem Konzept, das wiederum auf einer sorgfältigen Analyse beruht.

  • Einzigartigkeit des Kostüms:

    Nicht erst seit Marvel wächst die Zahl der Superheldinnen im Kino. Jede von ihnen „besetzt“ bereits ein typisches Erscheinungsbild. Viele Kostümteile verleihen – zusammen mit Accessoires – den Superhelden die Einzigartigkeit, die sie erst zur globalen Marke macht. Kostümbildnerinnen wie Lindy Hemming müssen darum einen Weg finden, die Erscheinung der von ihnen ausgestatteten Charaktere weiterzuentwickeln, ohne dabei den „Markenkern“ aus den Augen zu verlieren.

  • Glaubwürdigkeit schaffen:

    Film arbeitet mit Illusionen. Doch diese müssen sich wenn es um Kostüme geht möglichst nahe an der Realität bewegen und für den Zuschauer glaubwürdig sein. Beim Design der Rüstung von Wonder Woman war es der Kostümdesignerin enorm wichtig, dass die Panzerung (Zitat Hemming) „nicht wie ein Klumpen Metall“ erscheint. Um einen glaubwürdigen, echten Look zu bekommen, konzipierte das Team einen modularen Brust- und Bauchpanzer, der – obwohl sehr viel leichter als Gold – im Licht der Scheinwerfer mehrschichtig, massiv und schwer erschien.

  • Vorlieben des Zielpublikums:

    Filme werden für die Zuschauer gemacht. Genauer, für klar umrissene Zielgruppen. Für Wonder Woman hieß das, sich unter den Fittichen von Hemming an der Arbeit von Modemachern wie Alexander McQueen, Thierry Mugler, Natalia Vodianova und Gareth Pugh zu orientieren, deren Stil ein deutlich jüngeres weibliches Publikum adressierte.

  • Globale Akzeptanz des Looks sicherstellen:

    Realverfilmungen von Comic-Reihen sind nicht nur ein Produkt der Unterhaltungsindustrie. Sie sind – vielmehr noch – eine gewaltige Wette auf Erfolg mit schwindelerregenden finanziellem Einsatz. Um die finanziellen Risiken zu minimieren und die Ertragschancen zu maximieren, müssen große Hollywood-Filme global auswertbar sein. Dem dürfen die Kostüme nicht entgegenstehen. Bei Wonder Woman, einer auch über ihren weiblichen Körper definierten Heldin, keine geringe Herausforderung für die Kostümbilder.

  • Kein Verunmöglichen von Screen Time / Performance:

    Unter jedem Filmkostüm verbirgt sich eine Schauspielerin oder ein Schauspieler. Filmstars streben – oftmals sogar vertraglich garantiert, damit sie in der späteren Filmmontage nicht „kleingeschnitten“ werden – nach möglichst viel Screen Time. Darunter wird die Zeit (Anzahl Minuten) verstanden, in denen der Star im Bild erkennbar zu sehen ist. Wer statt in ein Kostüm in eine Blechbüchse gesteckt wird, kann weder mit der eigenen schauspielerischen Leistung brillieren, noch das eigene Image und damit den Marktwert steigern. C-3PO (Anthony Daniels) und Andy Serkis als Gollum / Sméagol bestätigen als absolute Ausnahme die Regel.

  • Sicherstellen von Tragbarkeit:

    Damit ein Kostüm das schauspielerische Talent nicht torpediert, muss es auch tragbar und möglichst bequem sein. Bei Rüstungen, wie sie Wonder Woman trägt, spielt das Gewicht eine ganz besondere Rolle. Lindy Hemming ließ für Gal Gadot darum extra einen massgefertigen, aus Urethan gefertigten Brustpanzer herstellen.

  • Beweglichkeit ermöglichen:

    In actionreichen Filmen ist es wesentlich, dass ein Kostüm – getragen vom Star oder einer Stuntwoman – möglichst unverändert auch bei Stunts und in Kampfszenen getragen werden kann. Profis wie Lindy Hemming erstellen darum auf Basis des Drehbuchs auch diesbezügliche ein exaktes Anforderungsprofil.

  • Budgetvorgaben einhalten:

    Hollywood kann rechnen wie der Teufel. Daran kommen selbst Superheldinnen und Oscar-Gewinnerinnen nicht vorbei. Natürlich sind die Budgetdimensionen für Kostüme bei einem Film aus der Wonder-Woman-Reihe im Vergleich zu europäischen Produktionen scheinbar hoch. Wer aber weiß, um nur ein kleines Beispiel zu nennen, dass Hemming vorab zum Zeichnen von Entwürfen über Tage überall auf der Welt ausführlich in Waffenkammern recherchierte, um die Bauweise und das Material historischer Rüstungen aus Gold oder mit Goldbeschichtung zu verstehen, erkennt, warum es keine Zufälle in Hollywood gibt. Und wohin, weil Arbeitszeit immer kostet, das Geld fließt.

  • Filmspezifische Anforderungen berücksichtigen:

    Theaterkostüme sind keine Filmkostüme. Sie müssen zusätzlichen Anforderungen genügen. So musste der Panzer von Wonder Woman zwar wie Gold scheinen und glänzen, durfte aber zusätzlich keinesfalls die Umgebung reflektieren, weil sonst im Brustschild die Filmcrew oder die Kamera wie einem Spiegel zu sehen gewesen wären.

An der Vielzahl dieser Bedingungen, die nicht selten zueinander im Widerspruch stehen, wird ersichtlich, warum selbst eine Koryphäe wie Lindy Hemming mit ihrer erfahrenen Crew für die Herstellung des Superheldinnen-Kostüms von Wonder Woman ein halbes Jahr Zeit benötigte.

Wonder Woman Gal Gadot Design Lindy Hemming
Ikonisch: Kostüm-Design von Wonder Woman (Gal Gadot)

Für das in den Filmen zu sehende Kostüm von Wonder Woman wurden nach der ausführlichen Recherche erst Entwürfe gezeichnet, die dann diskutiert und adaptiert wurden, bis das finale Design des Kostüms feststand. Das Design wurde anschließend im Computer mit CAD digital nachgebaut.

Die 3D-Modellierung erlaubte, das Kostüm von Wonder Woman als Bodysuit mit integriertem Korsett zu planen und ohne Kompromisse bezüglich Look umzusetzen. Dabei mussten die mit dem Korsett verbundene Rüstung mitsamt Flügeln aus einzelnen, beweglichen Teilen bestehen, damit Gal Gadot sich natürlich darin bewegen konnte. Der Bodysuit mit Reißverschluss im Rücken erhielt dabei im Siebdruck-Verfahren eine passende Textur und war, wie Lindy Hemming nicht ohne Stolz in einem Interview betonte, kaum schwerer als ein Paar Damenstrümpfe.

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Carrie Duvan 16 Artikel
Carrie Duvan hat am Aufbau einer Social Media Plattform mitgearbeitet und war Chief Web Officer (CWO) für ein internationales Agenturnetzwerk. Carrie ist glücklich ❤️ verheiratet und Mutter.

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