Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und Bildgröße: Alles was Du wissen musst

Die ultimative Einführung (Teil 1)

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So wie jeder Autor, Regisseur und Produzent einen ungeschriebenen Vertrag mit dem Zielpublikum seines Filmes hat, müssen auch die technischen Spezifikationen eines Filmprojekts „rückwärts“ und immer „vom Ende her“ gedacht werden. Das gilt auch für das Filmformat.

Die richtige Wahl von Bildformat und Bildgröße

In einer idealen Welt wurde schon vor weit vor Projektbeginn (Drehstart) definiert und bekannt, auf welchen Kanälen und ab welchen Medienträgern ein Film oder ein Video ausgestrahlt oder abgespielt wird. Aus diesen technischen Parametern ergibt sich dann nahezu alles Weitere, auch die Eingrenzung vom Filmformat und Bildformat.

Naheliegender Weise stiftet es wenig Sinn, einen Film in einer Qualität zu produzieren, in welcher dieser nachher nie gesehen oder erst nach der Entwicklung und Etablierung neuer Technologien konsumiert werden kann (einzige Ausnahme: visuelle Dokumentationen von Ereignissen, die als Meilenstein der Menschheitsgeschichte betrachtet werden müssen. Imagefilme und Social Video erfüllen dieses Erfordernis eher nicht.)

Digitale Kameras in der professionellen Film- und Videoproduktion (Auswahl)
HerstellerModellSensorAuflösungAusgabeseit
SonyF6516:9 S35 CMOS5782 × 30608K, 6K, 4K, 2K, HD2012
SonyF5516:9 S35 CMOS4096 × 21604K, 2K, HD2013
ARRIAlexa 655-perf 65 mm CMOS6560 × 31006,5K, 5K, 4K2014
ARRIAlexa SXT4:3 S35 CMOS3414 × 21604K, 3,4K, 2KHD2015
RedWeapon VistavisionVistavision / Fullframe CMOS8192 × 43208K2016
RedWeapon35 mm CMOS6144 × 31666K, 5K, 4K, 3K, 2K2015
CanonC300 Mark 216:9 S35 CMOS4096 × 21604K, UHD, 2K, HD2015
CanonC50016:9 S35 CMOS4096 × 21604K, 2K, HD2012

Quelle: Condor Films, Januar 2017

Das Endformat ist der Schlüssel

Grundsätzlich gilt: je „größer “ das Bild (die Anzahl der aufzuzeichnenden Pixel), desto kostenintensiver ist die Herstellung und Verarbeitung. Wer der Ansicht ist, der Schnitt von Videos sei heutzutage auf jedem Laptop, wenn nicht sogar auf dem Smartphone möglich, wird sich nicht erst bei 4K von dieser Denkart verabschieden müssen.

Das Filmformat, konkret die notwendige Bildgröße, bestimmt die Art der einzusetzenden Kameras, die Systeme zur Bearbeitung der Filmbilder und insbesondere die Linsen (die verwendbaren Kamera-Objektive müssen auf das Bildformat und die Größe des Sensors passen).

Datenverarbeitung wird zur Herausforderung

Die zu verarbeitenden Datei-Mengen wachsen bei einer Auflösung von 4K exponentiell. Wobei SD noch wenige Gigabyte für eine Stunde Videomaterial problemlos ausreichen, werden mit 4K hunderte Gigabyte generiert. Für einen ganzen Film in 4K sind Datenmengen im Terabyte-Bereich keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Das stellt extreme Anforderungen an den Workflow und an die Backups. 4K erfordert Festplatten mit höchster Geschwindigkeit.

Am Rande bemerkt: der Datenstau als Daten-Gau kann auch eintreten, wenn das Filmformat wie 360-Grad Filme mit mehr als einer Kamera in hoher Auflösung gedreht werden. Hobby-Filmer und semi-professionelle Selfmade-Produzenten geraten so mit trauriger Regelmäßigkeit an den Rand des Wahnsinns.

Der Betrachtungsabstand bestimmt die Wahrnehmung

Je höher aufgelöst ein Bildformat bei ansprechender Bildgröße ist, desto schärfer wirkt das Bild aus der Nähe. Das ist wichtig. Darum wiederholen wir es hier nochmals: Aus-der-Nähe. Die Qualität großformatiger Filme kann nur erfasst werden, wenn man nahe genug (!) vor einem entsprechenden Bildschirm sitzt. Bei größerem Betrachtungsabstand kann physiognomisch bedingt durch die „Bauart“ menschlicher Augen der Unterschied von HD und SD nicht mehr wahrgenommen werden.

Das Auflösungsvermögen des Auges lässt sich in Zahlen fassen und mit der Auflösung von High Definition rechnerisch in einen Bezug setzen.

Der Betrachtungsabstand bestimmt die WahrnehmungWissenschaftlich bedeutet das: ab einem 2,3-fachen Abstand von der Länge der Bilddiagonale bei einer Auflösung von 1280 × 720px und ab einem 1,6-fachen Abstand von der Länge der  Bilddiagonale bei 1920 × 1080px fallen die Vorteile von High Definition ins Wasser.

Weil hochauflösende Projektoren (Beam) üblicherweise eine markant höhere Bildgröße anbieten als TV-Screens und Monitore lautet die Erkenntnis für das Filmformat:

  • Regel 1: hochauflösende Formate mit hochauflösenden Projektoren ergibt in vielen Fällen mehr Sinn als hochauflösende Formate mit hochauflösenden Screens oder Monitoren
  • Regel 2: hochauflösende Formate ohne hochauflösende Projektoren oder Screens machen nie Sinn
  • Regel 3: Standard-Formate mit hochauflösenden Projektoren oder Screens machen nie Sinn

Einer von zwei Vorteilen, den HD unabhängig vom Betrachtungsabstand in jedem Fall bietet, ist die Reduktion des sog. Zeilenflimmerns.

Möglichkeit zur Korrektur des Bildausschnitts („Hinein-Zoomen“)

Der zweite grundsätzliche Vorteil von HD und insbesondere 4K liegt darin, dass sich bei mit großer Pixelzahl gedrehten Bildern der Bildausschnitt nachträglich zum Dreh bearbeiten und korrigieren lässt. Dies ist selbstsprechend aber nur dann möglich, wenn das Vorführformat kleiner ist als das Drehformat. Ansonsten wird die Einbuße an Pixel als Qualitätsreduktion sichtbar.

YouTube

Bereits heute bieten YouTube Kanäle die Möglichkeit an, Filme in 4K-Qualität hochzuladen. Mit Blick auf die Möglichkeiten der vorherrschenden Bildschirme und Screens macht ein solches Filmformat und diese Bildgröße für die meisten Filme keinen Sinn. Aus der Perspektive von YouTube sieht das natürlich anders aus. Das weltgrößte Kompetenz-Zentrum für die erfolgreiche Vermarktung von Katzenvideos stellt mit dem Bildformat 4K sicher, dass es auch  in Zukunft mit noch höherer Auflösung mit dem ihm gratis anvertrauten Bewegtbild-Content absahnen kann.

Fazit

SD und ein vergleichbares Filmformat reicht höchstens noch für DVD und für alte Video-Beamer. Für alle anderen Zwecke ist der Einsatz von SD als Bildformat ein Straftatbestand.

Für den Nachfolger der DVD, Blu-Ray, und für die Distribution im Internet ist heute Full HD der übliche Standard.

Wer einen hochauflösenden Videoprojektor neuester Bauart einsetzten will, Wim Wenders heißt, in Hollywood wohnt oder für Themenparks, Museen oder Ausstellungsräume einen Film produziert, sollte sich auch ohne Ego-Probleme unbedingt mit 4K beschäftigen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist 4K für Auftraggeber und Zuschauer bisher nur selten.

Der mit Abstand größte und grundsätzliche Vorteil, den 4K bietet, ist nebst einer Reduktion des Zeilenflimmerns unabhängig vom Betrachtungsabstand die Möglichkeit, Bildgröße und Bildausschnitt nachträglich zum Dreh anzupassen („Zoom in“), solange das Vorführformat nicht identisch zum Drehformat ist. Einfach so zur Sicherheit mal eben auf 4K einen Film zu drehen hat allerdings, wie schon ausgeführt, seinen Preis.

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6 Leser-Erfahrungen

  1. Man glaubt immer gar nicht, wie viel man dann doch für die Videos rechnen muss. Eine Freundin wollte am Wochenende eine Blume mit einem 4K Video aufnehmen lassen. Allerdings stand diese draußen. Der kleinste Windhauch bewegte die Blüte und die Aufnahme musste abgebrochen werden.

  2. @Emmi: bei Videokameras mit feineren Pixeln und hoher Bildauflösung wie 4K kann es bei Bewegungen vor der Kamera und ebenso bei Kameraschwenks oder Bewegungen der Kamera selbst Probleme mit der Schärfe geben. Der Profi-Tipp: Bildfrequenz erhöhen und das Problem ist gelöst. Viel Spass mit den Blumen!

  3. Warum ergibt das Seitenverhältnis 16:9 bei 2K eine Auflösung von 2048×1080 px wenn es rechnerisch eine Auflösung von 2048×1125 px ergibt?

    Liebe Grüße

  4. Kann mir jemand sagen, wie man die Qualität von alten Filme von Rollfilm-Kameras festlegt? Also, wenn man alte Filme aus den 30ern digitalisieren würde, wie groß wäre die Auflösung?

    LG

  5. Hi Richard

    Gute Frage. Leider ist die Antwort nicht ganz so einfach.

    (1) Es kommt darauf an, ob der „alte“ Film für die Zukunft nach höchst professionellen Standards gesichert werden soll. Diesfalls wird man die bestmögliche Abtastungsrate und die grösstmögliche Auflösung wählen. Ich selbst habe bei der London Heritage Foundation einen Fall erlebt, da wurde ein alter Film wiederum auf Film und auf 35MM gesichert. Ganz einfach, weil die Verantwortlichen davon ausgingen, dass egal mit welchem Verfahren eine solche Kopie auch in 50 Jahren gescannt werden kann.

    (2) Willst du den Film für dich privat sichern (weil er Familien- oder Unternehmensgeschichte spiegelt), bist du mit 2K (2048 x 1080 Pixel) oder 4K (4096 x 2160) gut bedient.

    (3) Die technische Antwort ist, dass es etwa 20 Millionen qualitativ hochwertige Pixel in einer hochwertigen 35 mm-Aufnahme gibt. Das ist aber nur bei Aufnahmen der Fall, welche ab Stativ und mit einer erstklassigen Linse und dem feinsten Film bei gutem Licht gemacht worden ist. Das trifft für historisches Material nicht zu. Hier sind 4–7 Millionen eher typisch und sogar gut für historische Aufnahmen. Bei einer Handheld-Aufnahme oder einer Kamera mit einem schlechten Objektiv kann die Auflösung auf bis zu 4 Millionen Pixel sinken, im Extremfall sogar unter 1–2 Millionen Pixel. Film als analoges Medium zeichnet nicht nur 256 Graustufen oder die entsprechenden 16 Millionen Farben auf. Filmscanner, die nur 8 Bit pro Farbe verarbeiten, erhalten 24 Bit Daten für jedes einzelne Pixel. Gute Filmscanner können auch mehr als nur Stufen von 0 bis 255 extrahieren. Sie können oft bis zu 12 Bit (0 bis 4097) gehen, um viel mehr Details im Schatten zu erkennen und mehr Kontrast zu erzeugen. So erhält ein Filmscanner statt 8 bis zu 36 Bit Information pro Pixel.

    Viel Erfolg, CPO

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