Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und Bildgröße: Alles was du wissen musst

Die ultimative Einführung (Teil 1)

Filmformat Seitenverhältnis Bildformat Bildgröße
Filmformat Seitenverhältnis Bildformat Bildgröße von A bis Z

Die meisten Filme haben eine Haltung. Jeder Film hat ein Format. Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Grundlagen zum Thema Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und Bildgröße und erklärt Pixelwerte für Film und Web Video.

Das Format eines Films ist einerseits Gestaltungsmittel und andererseits durch technische Vorgaben bedingt. Der richtige Umgang mit diesen Faktoren prägt die Qualität der Wahrnehmung entscheidend mit. Dieser Artikel versteht sich als Einführung in die Thematik. Er erklärt die wichtigsten Begriffe und zeigt, wie das Filmformat korrekt bestimmt wird.

Das musst du wissen

  • Das Filmformat definiert die Bildgröße und das Seitenverhältnis (Bildbreite im Verhältnis zur Bildhöhe)
  • Die Bildgröße wird durch die Anzahl Pixel bestimmt und kennzeichnet die technische Qualität einer Aufnahme. Dabei spricht man von Auflösung oder Bildauflösung.
  • Je höher die Auflösung, desto größer die Datenmenge, die für die Bildbearbeitung zur Verfügung steht und desto größer die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zur Nachbearbeitung der Bilder.
  • Als klassisches Seitenverhältnis gilt heute 16 : 9.
  • Bei der Beantwortung der Frage, welches das korrekte Filmformat für ein Videoprojekt ist, geht man vom Endformat (der Qualität, die am Ende vorhanden sein muss, respektive dem zu erwartenden, qualitativ höchstwertigen Abspielgerät, aus.
  • Filmformate lassen sich technisch „hochrechnen“ (beispielsweise 2K auf 4K)), was qualitativ keine Verbesserung nach sich zieht.

Was heißt Filmformat: Definition

Die Frage nach dem Bildformat und der Bildgröße ist, anders als von Laien und Einsteigern in die Film- und Videobranche vermutet, nicht (!) identisch mit der Frage danach, was Film und Video als Bildträger unterscheidet. Auch hat das Filmformat nichts mit Videoformaten und Datenformaten zu tun (diese beiden Begriffe werden demnächst in einem eigenen Artikel zum Thema Videoformate erklärt). Den Unterschied zwischen Film und Video erklärt der Filmpuls-Beitrag „Was ist ein Video?

Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und BildgrößeDer Begriff Filmformat umfasst zwei unterschiedliche Vorgänge. Er beschreibt das Aufnahmeformat (die Frage danach, in welcher Größe das Bewegtbild auf den Datenträger aufgenommen wird) und das „Seitenformat“ (die Frage danach, welches Seitenverhältnis das aufgenommene Bild auf dem Datenträger hat).

Beide diese Aspekte, Bildgröße und Seitenverhältnis, werden auch als Drehformat oder Bildformat bezeichnet. Das Drehformat ist ein Synonym (und wird in diesem Artikel auch so verwendet).

Wie bereits erwähnt bleibt der Begriff „Videoformat“ der technischen Spezifikation eines Videofilmes vorbehalten (mehr dazu im separaten Artikel zu Videoformaten). Die Begrifflichkeit umfasst in dem hier verstandenen Sinn sowohl Filme wie auch Videos.

Nicht in diesem Artikel behandelt wird das immersive Filmformat (virtuelle Realität), die dem Zuschauer eine Interaktion mit dem Inhalt ermöglichen. Zum 360 Film, 360 Grad Videos und 360 Imagefilm finden sich bei FILMPULS eigene, ausführliche Artikel.

Der Unterschied von Filmformat und Aufnahmeformat

Eine beste Annäherung an die Definition von Aufnahmeformat gelingt, wenn man losgelöst von der Bildgröße mit dem Medium beginnt, aus dem 1895 auch die ersten Kinovorführungen hervorgingen: der Fotografie.

Filmformat, Seitenverhältnis, Bildformat und BildgrößeIn der digitalen Filmproduktion wird das Aufnahmeformat durch die Anzahl Bildpunkte (Pixel) festgelegt. Das Total der Bildpunkte wird Auflösung oder Bildauflösung genannt. Je höher die Auflösung, desto größer ist die Anzahl der Bildpunkte für das jeweilige Filmformat.

In der Fotografie wurde das Aufnahmeformat (manchmal auch Negativformat oder Bildformat genannt) durch die Abmessung des Bildes definiert, welches früher auf den fotografischen Platten und heute auf dem Bildsensor der Kamera aufgezeichnet wird. Und wie im Film hat in der Fotografie das Aufnahmeformat nur indirekt mit der Frage zu tun, in welchem Seitenverhältnis und in welchem Umfang (wie viele Fotos oder wie viele Minuten Film) eine gewisse Anzahl Bilder auf einem Bildspeicher festgehalten werden kann.

Filmformate, Seiten-Verhältnis, Bildformat und Bildgrössen
Drehformat: Beispiel Auflösung HD
Filmformate, Seiten-Verhältnis, Bildformat und Bildgrössen
Drehformat: Beispiel Auflösung SD

Die Anzahl Pixel pro Flächeneinheit entscheidet über die Wahrnehmung der Schärfe im Verhältnis zur Bildgröße. Gut erkennbar wird das, wenn ein identisches Bild (siehe rechts) mit einer unterschiedlichen Anzahl Pixel darzustellen ist. Ein Quadrat entspricht im Beispielbild einem Pixel. Die Schärfewirkung hängt allerdings immer auch vom Kontrast und vom Betrachtungsabstand ab.

Parallel zur technischen Entwicklung hat sich nach und nach eine ganze Reihe von Standards herausgebildet. (Warum die größtmögliche Menge an Pixeln nicht immer die bestmögliche Lösung ist, wird weiter unten im Artikel erklärt.)

Breite x Höhe

In der Regel werden im Zusammenhang mit dem Filmformat bei der Nennung des Seitenformats als Multiplikation zuerst die Breite und dann die Höhe des Bildes erwähnt. Wird nur ein Wert erwähnt, entspricht dieser meist der Bildhöhe.

  • Standardauflösung. Abgekürzt als SD. SD als Standardauflösung entspricht dem früheren PAL-plus. Ein Video in SD hat eine Höhe von 576 Pixeln (Bildpunkte). Bei einem angenommenen Seitenverhältnis von 16 : 9 ergibt SD eine Bildgröße von 1024 x 576px (Breite x Höhe, px steht für Pixel). Anmerkung: das früher in den USA übliche Alternativformat zu PAL, NTSC, besass 853 x 480px.
  • High Definition (deutsch: hohe Bilddefinition). Abgekürzt als HD. Video-Bilder in HD sind (bei HDTV 720p) 720 Pixel hoch oder (bei HDTV 1080i) 1080 Pixel hoch. HD hat damit bei 16:9 eine Auflösung von 1024 x 720px.
  • Full High Definition. Abgekürzt als Full HD. Ein Video in Full HD (deutsch: „Voll-HD“) ist 1080 Pixel hoch. Bei 16:9 ergibt 1920 x 1080px.
  • 2K (das 2K steht für 2 Kilo. Das altgriechische Wort Kilo steht für die Zahl „Tausend“, was 2 x 1000, also 2000 Pixel ergibt. Aber Achtung! Die 2000 Pixel beziehen sich für 2K nicht wie bei SD und HD auf die Bildhöhe, sondern auf die Bildbreite! Auch wenn es exakt 2048 Pixel sind, was verkaufstechnisch super klingt: Das Aufnahmeformat 2K ist also nur wenig größer als Full HD mit einer Breite von 1920 Pixel. Das ist einer der Gründe, warum oftmals für Kino-Spots in 2K in Tat und Wahrheit nicht 2K, sondern Full HD zur Verwendung kommt. 2K bei 16:9 ergibt 2048×1152.
  • 4K besitzt 3840 Bildbreite und erreicht damit, anders als der Name andeutet, nicht ganz 4000 Pixel. Diesen Wert erreicht nur das sog. True 4K. Weil im Berufsalltag oftmals von „4K“ gesprochen wird und unklar ist, ob 4K oder True 4K gemeint ist, empfiehlt es sich im Zweifel bei 4K nach der tatsächlichen Pixelbreite nachzufragen.
  • True 4K (deutsch: echtes 4K) ist die Verdoppelung der Bildgröße von 2K, was 2 x 2048 = 4096 Pixel an Bildbreite ergibt. Was für Fotos noch einigermaßen gut zu handhaben ist, ergibt bei Filmaufnahmen mit 25 Bildern pro Sekunde eine Datenmenge für Filmformate, die schon bei wenigen Minuten Filmlänge gigantisch wird. Für die Verarbeitung von 4K muss darum auf eine extrem leistungsstarke und entsprechend kostenintensive technische Infrastruktur zugegriffen werden. Auch wenn sich viele Regisseure, Werbetreibende und Kinos gerne Filme in 4K wünschen: die mit 4K verbundenen hohen Kosten halten selbst millionenschwere Kinofilme davon ab, in der Königsklasse zu produzieren.

Wie HD (High Definition) genau definiert und was als HD bezeichnet wird bestimmt für das Filmformat immer der aktuelle Stand der Technik. So zeigen es die letzten beiden Jahrzehnte. Was heute als Innovation und Zukunftstechnologie und bezeichnet wird, ist morgen möglicherweise schon wieder überholt. Davon zeugen die Namenszusätze wie Full HD und Ultra HD. Man darf gespannt sein, wann Super HD und Hyper HD folgen werden.

Filmformate, Seiten-Verhältnis, Bildformat und Bildgrössen
Pixelgröße: von PAL bis zu 4K bei einem Seitenverhältnis von 16:9

Wird bei digitalen Filmkameras von S-35 (angelehnt an das Negativ im S-35 MM Analogfilm-Format oder 65 MM) gesprochen, ist damit in der Regel nicht die Bildgröße, sondern das Sensor-Format, also die Größe des Bild-Sensors in der Digitalkamera gemeint. Die Qualität von Sensoren unterscheidet sich primär durch zwei Werte: Die Sensor-Größe (dieser Wert wird als die Länge der Diagonale beschrieben) und durch das Seitenverhältnis.

Alternativ kennzeichnet die Millimeter-Zahl, dass die digitale Kamera (respektive der Bildsensor dieser Kamera) mit den Objektiven von Analogkameras kompatibel ist. Professionelle Kamera-Linsen sind Meisterwerke optischer Präzisionsarbeit.

Der für einen High-End-Werbefilm oder Spielfilm erforderliche Objektiv-Satz erfordert bei der Anschaffung schnell einmal Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Diese Kosten lassen sich nur über Jahre hinweg einspielen. Um den Umstieg auf digitale Kameras und für ein neues Filmformat zu fördern haben die Kamera-Hersteller darum wo immer möglich die Kompatibilität der Kameralinsen sichergestellt.

-> Fortsetzung: Seite 2

Wer ist Redaktion Filmpuls? 93 Artikel
Unter der Bezeichnung «Redaktion Filmpuls» erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt werden.

6 Leser-Erfahrungen

  1. Man glaubt immer gar nicht, wie viel man dann doch für die Videos rechnen muss. Eine Freundin wollte am Wochenende eine Blume mit einem 4K Video aufnehmen lassen. Allerdings stand diese draußen. Der kleinste Windhauch bewegte die Blüte und die Aufnahme musste abgebrochen werden.

  2. @Emmi: bei Videokameras mit feineren Pixeln und hoher Bildauflösung wie 4K kann es bei Bewegungen vor der Kamera und ebenso bei Kameraschwenks oder Bewegungen der Kamera selbst Probleme mit der Schärfe geben. Der Profi-Tipp: Bildfrequenz erhöhen und das Problem ist gelöst. Viel Spass mit den Blumen!

  3. Warum ergibt das Seitenverhältnis 16:9 bei 2K eine Auflösung von 2048×1080 px wenn es rechnerisch eine Auflösung von 2048×1125 px ergibt?

    Liebe Grüße

  4. Hallo Lukas. Ha! richtig – da hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen! (allerdings: 1152, nicht 1125px). Ein ganz großes Dankeschön für Dein Feedback!

  5. Kann mir jemand sagen, wie man die Qualität von alten Filme von Rollfilm-Kameras festlegt? Also, wenn man alte Filme aus den 30ern digitalisieren würde, wie groß wäre die Auflösung?

    LG

  6. Hi Richard

    Gute Frage. Leider ist die Antwort nicht ganz so einfach.

    (1) Es kommt darauf an, ob der „alte“ Film für die Zukunft nach höchst professionellen Standards gesichert werden soll. Diesfalls wird man die bestmögliche Abtastungsrate und die grösstmögliche Auflösung wählen. Ich selbst habe bei der London Heritage Foundation einen Fall erlebt, da wurde ein alter Film wiederum auf Film und auf 35MM gesichert. Ganz einfach, weil die Verantwortlichen davon ausgingen, dass egal mit welchem Verfahren eine solche Kopie auch in 50 Jahren gescannt werden kann.

    (2) Willst du den Film für dich privat sichern (weil er Familien- oder Unternehmensgeschichte spiegelt), bist du mit 2K (2048 x 1080 Pixel) oder 4K (4096 x 2160) gut bedient.

    (3) Die technische Antwort ist, dass es etwa 20 Millionen qualitativ hochwertige Pixel in einer hochwertigen 35 mm-Aufnahme gibt. Das ist aber nur bei Aufnahmen der Fall, welche ab Stativ und mit einer erstklassigen Linse und dem feinsten Film bei gutem Licht gemacht worden ist. Das trifft für historisches Material nicht zu. Hier sind 4–7 Millionen eher typisch und sogar gut für historische Aufnahmen. Bei einer Handheld-Aufnahme oder einer Kamera mit einem schlechten Objektiv kann die Auflösung auf bis zu 4 Millionen Pixel sinken, im Extremfall sogar unter 1–2 Millionen Pixel. Film als analoges Medium zeichnet nicht nur 256 Graustufen oder die entsprechenden 16 Millionen Farben auf. Filmscanner, die nur 8 Bit pro Farbe verarbeiten, erhalten 24 Bit Daten für jedes einzelne Pixel. Gute Filmscanner können auch mehr als nur Stufen von 0 bis 255 extrahieren. Sie können oft bis zu 12 Bit (0 bis 4097) gehen, um viel mehr Details im Schatten zu erkennen und mehr Kontrast zu erzeugen. So erhält ein Filmscanner statt 8 bis zu 36 Bit Information pro Pixel.

    Viel Erfolg, CPO

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*