Drehorte finden: was über den Erfolg der Suche wirklich entscheidet

Drehorte finden Tipps
Suchen heißt wählen und die Wahl wird getroffen | © Adobe Stock

Jeder Regisseur und jeder Produzent erlitt es beinahe zu jedem Filmprojekt: Trotz des umfangreichen Briefings folgt nach einigen Tagen oder Wochen die Information durch die zuständigen Stellen, dass sich leider trotz größter Bemühungen keine geeigneten Drehorte finden lassen. Wer eine solche Rückmeldung bekommt, sollte immer auch in den Spiegel sehen. Warum, erklärt dieser Artikel.

Geeignete Drehorte zu finden, ist nicht immer einfach. Wer aber behauptet, es sei schlichtweg unmöglich, auf Basis der von der Regie definierten Kriterien ein Objekt ausfindig zu machen, kommuniziert unpräzise. Er oder sie meint das richtige, sagt aber das falsche!

Warum man (theoretisch) jeden Drehort finden kann

Tatsache ist: wenn es sich nicht um Raumstationen oder Objekte handelt, die aus statischen Gründen wegen der Gesetze der Physik nicht gebaut werden können, kann man auf dieser Welt immer einen Drehort finden, der auf die Vorgaben passt.

Der einzige Parameter, der das Finden eines Drehorts ermöglicht, oder eben verunmöglicht, ist das vorgegebene Budget.

Die richtige Antwort auf das Scheitern der Drehortsuche muss darum lauten: mit den vorgegebenen bitte Bedingungen scheint es unmöglich, einen passenden Drehort zu finden.

Diese Präzisierung der Formulierung ist keine Klugscheißerei. Darum, weil sie auf direktem Weg zu möglichen Lösungsansätzen führt.

So steigerst du die Erfolgsquote beim Suchen von Drehorten

Was also gilt es zu tun, um beim Finden von Drehorten auf Anhieb erfolgreich zu sein? Wie so oft beim Film entscheidet nicht erst die Drehortsuche über den Erfolg. Genauso wichtig ist es, sich die wichtigen Fragen im Vorfeld des Scoutings zu stellen.

Diese Tipps verhindern erfolglose Suchen von Filmlocations

  • Interessenkonflikte vorgängig zur Suche thematisieren und lösen:

    das Finden von Drehorten ist immer ein jonglieren mit Sachzwängen. Und damit auch ein Abgleichen der Realität mit den kreativen Visionen der Regie. Das ist normal und gehört mit dazu. Interesse- und Zielkonflikte dürfen beim Auftrag, perfekte Drehorte zu finden, niemals als Ausrede vorgewagt werden. Dort aber, wo von vornherein klar ist, dass man ein Einhorn jagen oder viereckige Kreise herbeizaubern soll, ist es der Professionalität geschuldet, diese Unmöglichkeit zu thematisieren. Mit der Drehortsuche starten sollte man erst, wenn die Rahmenbedingungen zwar herausfordern, aber halbwegs realistisch sind.

  • Kalkulieren, kalkulieren, kalkulieren:

    die Filmkalkulation ist immer die Basis. Sie hilft dabei, zu entscheiden, ob die Investitionen, gemessen am Risiko, keinem Drehort zu finden, vertretbar sind. Bei einer sorgfältigen Kalkulation zeigt sich oftmals, dass anstelle einer Suche nach einem real existierenden Drehort eine digitale Lösung sehr viel Erfolg versprechender ist. Oftmals rückt in der Praxis damit eine Kombination von digitale Fechten und realen Aufnahmen in den Vordergrund. Flexibilität

  • Nicht der konkrete Look, sondern die Wirkung in den Vordergrund setzen:

    ein viel gesehener Fehler im Briefings besteht darin, dass aussehen zum Entscheidungskriterium für das erfolgreiche finden von Drehorten in den Vordergrund zu setzen. Niemand möchte abstreiten, dass Film ein visuelles, Medium ist. Ein Drehort aber ist mehr als nur eine Kulisse. Er hat eine Funktion. Und eine Mission: diese besteht darin, das Storytelling bestmöglich zu unterstützen. Wer die Wirkung beschreibt, statt sich allein auf Formen oder Farben zu beschränken, öffnet das Spektrum für das Finden eines Drehorts und macht damit das Finden
    wahrscheinlicher.

  • In verschiedenen Szenarien denken:

    Filme zu planen bedeutet Unabwägbarkeiten durch das Denken in Szenarien die Schärfe zu nehmen. Es ist die Pflicht aller Beteiligten, immer eine gleichwertige Alternative in der Hinterhand bereitzuhalten. Profis haben nicht nur einen Plan B, sondern mindestens drei Varianten von Plan A.

  • Flexibilität bei der konkreten Ausgestaltung einer Szene:

    der Drehort folgt im Drehbuch. In einzelnen Fällen ergibt es trotzdem Sinn, diese eiserne Regel mit einer gewissen Flexibilität zu betrachten. Genauso, wie es niemals nur einen einzigen möglichen Drehort gibt, besteht auch immer die Möglichkeit, die Aussage einer bestimmten Filmszene an einem anderen, inhaltlich gleichwertigen Schauplatz anzusiedeln. Ein erfahrener Locationscout mag diesen Wunsch fernab der Durchsicht eines Briefings aufs Tapet bringen. Fundierte und faktenorientierte Inputs von Profis, die genau wissen, was im Rayon der Suche zu finden ist, sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Drehorte finden.

Mehr zum Drehorte finden enthalten die weiterführenden Artikel Checkliste für professionelles Location-Scouting und Ohne ihn gibt es keine Drehorte: Der Location Manager

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Redaktion Filmpuls 194 Artikel
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