Klartext kommunizieren: So erreichen deine Botschaften sicher ihr Ziel

Wichtig ist nicht was gesagt wird, sondern was ankommt

Klartext kommunizieren: 2 Rezepte aus der Praxis
Klartext kommunizieren ist Spitzensport

Gute Kommunikation ist erfolgsrelevant. Eine einfache und klare Kommunikation ist nicht nur für den Erfolg des Projektes entscheidend. Klartext kommunizieren bedeutet sicherzustellen, dass die eigene Botschaft beim Empfänger ankommt.

Filmpuls zeigt in diesem Artikel zwei bewährte Wege aus der Praxis, welche die Qualität der Kommunikation auf allen Stufen und für alle Beteiligten einfach verbessern.

Das musst du wissen

  • Klartext kommunizieren bedeutet, sicherzustellen, dass die Kommunikation beim Empfänger ankommt. Je klarer eine Botschaft strukturiert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie verstanden wird.
  • Die Zauberformel KLARE steht für Kontext, Logik, Ambivalenzfreiheit, Resonanz und Einfachheit.
  • Das Prinzip der Kernaussage besagt, dass eine Kommunikationsmaßnahme immer nur eine Kernbotschaft haben darf. Alle weiteren Aussage haben sich der Hauptaussage unterzuordnen.
  • Beide, KLARE-Formel und Kernaussageprinzip, lassen sich kombinieren.

Was heißt im Klartext kommunizieren?

Zwei langjährig erprobte Checklisten helfen bei der Verbesserung und Überprüfung der Qualität der Kommunikation. Erstens das Prinzip „KLARE Kommunikation“ und, als alternatives, zweites Modell, das „Prinzip des Kernsatzes“.

Filmpuls Magazin

Die Inhalte beider Checklisten überschneiden sich in einzelnen Teilen und in ihren Absichten.

Beide Listen behalten ihre Gültigkeit selbstverständlich nicht nur für das Kontrollieren von kommunikativen Inhalten in der Medienbranche, sondern auch weit darüber hinaus. Klare und einfache Kommunikation heißt, Kontext, Logik, Ambivalenz, Resonanz, Essenz, Stringenz und Prägnanz in der Kommunikation auf Seite des Absenders zu berücksichtigen und in eine Übereinstimmung zu bringen.

Ganz konkret:

KLARE Kommunikation

Die Zauberformel für Klartext: KLARE Kommunikation

Martin Eppler ist Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Er unterstützt Unternehmen dabei, ihre interne und externe Kommunikation zu optimieren und Klartext zu sprechen. Dazu nutzt Eppler die von ihm entwickelte, einfache Formel K-L-A-R-E. Die Buchstaben stehen als Kürzel für 5 Kernwerte, die gemäß Eppler für jede missverständnisfreie Informationsübermittlung zwingend erforderlich sind:

K = Kontext

Jede Übermittlung einer Botschaft sollte von demjenigen, an den sie gerichtet ist, in ein größeres Ganzes eingeordnet werden können. Interpretiert oder ergänzt der Empfänger die Botschaft teilweise oder gänzlich falsch, weil er das die Botschaft umgebende System und deren Hintergründe und Absichten nicht kennt, mindert das die Qualität der Kommunikationsmaßnahme empfindlich.

L = Logisch strukturiert

Auch wenn der Zeitdruck unser Arbeitsleben bestimmt und jedes E-Mail scheinbar sofort eine Antwort erfordert: Kommunikation sollte in ihrem Aufbau immer einer allgemein verständlichen und vom Empfänger nachvollziehbaren Logik folgen.

im Klartext kommunizieren: wie richtig kommunizieren?Unlogisch aufgebaute Informationen sind schwerer zu verstehen als Botschaften, die eine innere, logische Struktur besitzen. Ohne Kontextinformation ist eine Botschaft für den Empfänger unvollständig. Ihre Wirkung verpufft, keine Einordnung möglich ist.

Raum für unerwünschtes Fehlverständnis zu schaffen ist (in den meisten Fällen) nicht im Interesse des Absenders.

A = Ambivalenzfrei

Der Transport von Informationen sollte frei von Ambivalenz sein. Das Ziel heißt: Klartext. Widersprüche und Zweideutigkeiten machen für den Adressaten unklar, was ihm der Absender tatsächlich kommunizieren wollte. Unklarheiten sind das Gegenteil von Effizienz. Sie führen zu Fehlverhalten oder unnötigen Rückfragen.

R = Resonanz

Menschen suchen Resonanz. Nicht von ungefähr gilt seit Jahrhunderten: C’est le ton qui fait la musique. Auch Informationen dürfen dem Empfänger schmackhaft überreicht werden. Wer eine Information übermittelt, als würde er aus dem fahrenden Auto einer streunenden Katze einen Hühnerknochen hinwerfen, darf keine Stürme der Begeisterung erwarten.

E = Einfach oder essenziell

Schon Goethe und Marx haben sich bei den Empfängern ihrer oftmals seitenlangen Briefe damit entschuldigt, es fehle ihnen an Zeit, sich kurzzufassen. Einfach und kurz zu sein, ist aufwendig und anspruchsvoll! Wer dies mit blinder Sicherheit aus dem Effeff vermag, darf stolz auch sich sein. Jeder Empfänger einer Botschaft wird das Ausbleiben informativer Umweltverschmutzung stets zu schätzen wissen.

Das Prinzip der Kernaussage

Das Prinzip der Kernaussage

Das Kernaussageprinzip besagt, dass im Zentrum jeder Mitteilung nur eine Hauptinformation mit einem für den Empfänger klar erkennbaren Inhalt (Kernaussage) stehen darf.

Inhalte werden nach Wichtigkeit priorisiert, eingeordnet und kommuniziert. Anders gewendet ist für Klartext erforderlich:

Prinzip der Kernaussage: wie richtig kommunizieren?Eine Botschaft wirkt dann am stärksten, wenn sie eine deutliche Hierarchie der Aussagen einhält. Grundsätzlich sollte die Kernaussage frühzeitig in der Botschaft genannt werden und nicht erst zum Abschluss als Fazit.

Klar erkennbar und für den Adressaten benennbar ist eine Hauptinformation dann, wenn sie wichtig, stringent und prägnant überbracht wird:

Essenz

Essenziell ist Botschaft nach dem Prinzip der Kernaussage dann, wenn eine Maßnahme eine klar definierte, relevante Aussage (= Kernsatz) besitzt. Dieser Kernsatz muss auf größtmögliche Relevanz, auf Klarheit und je nach Art der Botschaft auf den Nutzwert, die die Information für den Empfänger hat, zielen.

Stringenz

Stringent ist eine Botschaft dann, wenn ihr Aufbau logisch und in klaren Schritten zur Hauptaussage hinleitet. Die Abfolge dieser Schritte muss miteinander verbunden und kausal (logisch und nachvollziehbar herleitbar) sein.

Prägnanz

Prägnant und damit Klartext wird eine Kommunikationsmaßnahme, wenn sie mit den richtigen Mitteln richtig umgesetzt auf den richtigen Kanälen an die Adressaten übermittelt wird.

Kommunikation: wie richtig kommunizieren?Authentizität und der Verzicht auf Floskeln sind zur Gewährleistung von Klartext zwingend. Mittel, Umsetzung und die Wahl der Kommunikationskanäle müssen die bestmögliche Bereitstellung der Botschaft gewährleisten.

Kommunikatives Dominanzgetue ist kontraproduktiv und darum zu vermeiden. Je passender die Auslieferung einer Botschaft erfolgt, desto größer ihre Prägnanz.

Zusammengefasst (im Klartext)

Für Filmemacher und Videoartisten, für alle, die zwischen den Zeilen lesen und die Seismografen menschlicher Befindlichkeiten zum Zweck der medialen Multiplikation in Bild und Ton übersetzen dürfen und müssen, ist Klartext ein Muss. Als Negativbeispiel für Videos und Filme, die in die Hose gegangen sind, kann der Artikel Die Top 10 der absurdesten Auftragsfilme der Welt dienen.

Das größte Problem der Kommunikation besteht in der Illusion, dass sie stattgefunden hat.
George Bernard Shaw

Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass für die erfolgreiche Realisation von Projekten nicht nur die Übermittlung von Inhalten funktionieren muss. Auch Fachwissen, Erfahrung und Talent sind spielentscheidend. Während Know-how und Erfahrung eine hohe kommunikative Komponente innehaben, ist Talent leider alles andere als automatisch kommunikativ und fair. Talent hat man. Oder man hat es nicht. Klartext kann helfen, mangelndes Talent frühzeitig zu erkennen, oder die daraus entstehenden Folgen im letzten Moment abzumildern.

Klartext kommunizieren ist keine Hexerei. Wichtig ist nicht nur, was kommuniziert wird, sondern auch was ankommt. Die Übung macht den Meister. Und bekanntlich ist außer beim Fallschirmspringen noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Kinofilm- und TV Regisseur Markus bringt die Wichtigkeit von Klartext bei Bewegtbild-Projekten eindrucksvoll auf den Punkt, wenn er sich selbst als »Dompteur im Flohzirkus der liebevollen Fachidioten« bezeichnet.

Quellen

Die vorgehenden Ausführungen beruhen auf Konzepten von Prof. Martin Eppler (KLARE-Prinzip) und W. Günther / Til Nassif (Kernaussage-Prinzip), ergänzt und adaptiert um eigene Praxiserfahrungen. Die Filmpuls-Redaktion freut sich über Feedback und auf Widerspruch.


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2 Leser-Erfahrungen

  1. schöner Text. Die Passage „C’est le ton qui fait la musique“ widerspricht seiner Aussage jedoch ein klein wenig. Was, wenn jemand, wie ich, kein Französisch spricht? Er wird nicht verstehen. Sorry, aber das musste sein 😉

  2. Deutsch und deutlich – kurz und kompakt! Danke für diesen Fachblog und dafür, dass ihr diesen so konsequent und regelmässig pflegt. Weiter so !

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