Geld verdienen mit Film oder Video: die Spielregeln des Marktes

Große Filmpuls-Serie: Teil 1 von 4

Geld verdienen mit Film oder Video
Geld verdienen mit Film oder Video Teil 1

Film ist ein geniales Medium. Zumindest solange, bis man damit Geld verdienen will. Denn diesfalls gilt schnell einmal: «Wer das Beste will, muss das Bitterste kosten!». Filmpuls nimmt sich in dieser Artikel-Serie aller wesentlichen Fragen an, die den Unterschied zwischen finanziellem Erfolg und wirtschaftlichem Misserfolg im Geschäft mit Film und Video ausmachen.

Für unsere Serie untersuchen wir nicht nur unterschiedliche Segmente der Filmindustrie, sondern betrachten und erklären auch die wichtigsten grundlegende Mechanik der Wirtschaft. Wir helfen Dir, Deine eigene Tätigkeit im Filmbereich oder als Videoproducer in den Gesamtkontext des Marktes einzuordnen. Damit kannst Du Deine eigenen Strategien überprüfen und, wenn erforderlich, auch schärfen.

Geld verdienen mit Film oder Video

Die Artikel-Serie «Geld verdienen mit Film oder Video» besteht aus 4 Folgen:

In diesem ersten Teil geht es um die Grundlagen. Anschließend schauen wir uns im zweiten Teil die Wertschöpfungsketten einzelner Bereiche an. Teil 3 dreht sich um die Frage der Vermarktung, denn irgendwie müssen die Kunden einem schließlich auch finden.

Im letzten Artikel wagen wir einen Blick voraus. Dies im Wissen, dass Zukunft immer auch Herkunft braucht, woraus sich für die Filmbranche und das Videogeschäft auch gewisse Rückschlüsse ableiten lassen.

Wie, wo und wann verdiene ich Geld mit Film und Video?

Es gibt Fragen, die auf den ersten Blick ziemlich doof scheinen. Wie geht Geld verdienen mit Film oder Video, ist so eine Frage. Spontan wirst Du antworten, dass Du ganz einfach eine Leistung anbieten musst, die Dir jemand bezahlt. Dieses Angebot kann Deine Arbeitskraft, Dein Wissen, Dein Talent, Deine Erfahrung sein, möglicherweise auch Werkzeug (eine Kamera, Ton-Equipment) sein.

Trotzdem verbirgt sich hinter dieser Frage weit mehr. Sie berührt die Grundlagen, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert. Auch Geld verdienen mit Film und Video folgt diesen übergeordneten Spielregeln. Diese entscheiden nicht nur, ob Du Geld verdienen wirst, sondern auch, wie viel und wie lange.

Schauen wir uns diese Regeln einmal der Reihe nach an. Dazu stellen wir uns vor, wir wären in der glücklichen Lage, ein Investor zu sein. Warum? Weil jeder halbwegs erfolgreiche Investor immer zuerst vier grundlegende Fragen stellt, bevor er investiert.

Es sind dieselben Fragen, die auch Du Dir stellen musst, wenn Du mit Film oder Video Deinen Lebensunterhalt verdienen willst.

1. Welches Problem löst Dein Angebot?

Haha! wirst Du sagen, auf sowas wär ich auch selbst gekommen! Da bist Du nicht der Einzige. Trotzdem sind schon endlos viele Freelancer und Geschäftsideen wegen dieser Frage voll motiviert gegen die Wand gefahren. Erstens, weil nicht nur Du das Problem erkennen musst. Dein Kunde muss das Problem auch wirklich haben. Was heißt das? Viele Leute wollen Probleme lösen, die es zwar gibt, für deren Lösung aber niemand bereit ist, in die Brieftasche zu greifen.

Stell Dir vor, Du bist mit einem außerordentlichen Gehör geboren. Überlagern sich Frequenzen in einer Tonmischung und (zer)stören damit die Dynamik, hörst Du das sofort. Die Profis im Tonstudio sind ehrlich beeindruckt über Deine Fähigkeit, Audiotracks in Echtzeit analysieren zu können. Der Produzent aber, der Dich bezahlen sollte, hört die Nuancen, die Du zu erkennen in der Lage bist, nicht. Auch wenn Du ihm erklärst, um was es geht, wird er Dir antworten: «Das Publikum meiner Filme hat  sich noch nie über die Tonspur beschwert, warum sollte ich da etwas ändern? Wenn schon, investiere ich in Drehbücher oder Darsteller!»

Wenn Du Focus Puller bist, sollte Dir die PXW-Z90 von Sony beispielsweise Angst machen. Sie zeigt, wohin die Reise geht. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird möglicherweise ein Algorithmus die Schärfe auch bei komplizierten Kamerafahrten ziehen. Wenn die Schärfe bei komplexen Inszenierungen kein Problem mehr darstellt, braucht dieses Problem auch keine Lösung.

Darum lautet Deine erste Frage immer: Löse ich ein Problem, das es in den Augen meines potenziellen Kunden überhaupt gibt? Und auch weiter geben wird?

2. Ist Deine Lösung skalierbar?

Deine zweite Frage zielt darauf ab, ob das, was Du tust, nur einmal verkauft werden kann. Oder mehrfach. Damit ist nicht gemeint, dass Du Deine Leistung (wie Arbeitstage) mehrfach hintereinander verkaufen kannst. Skaleneffekte drehen sich, etwas vereinfacht gesagt, um die Frage, wie Du Abläufe optimierst oder wie Du nur einmal etwas herstellst, was Du dann an viele Personen verkaufen kannst.

Als Beleuchter beim Film verkaufst Du Deine Lebenszeit in Form von Arbeit. Sei es tageweise, wochenweise oder beim Spielfilm auch für einen längeren Zeitraum. Dabei kannst Du Dich (zumindest bis das Klonen von Menschen gesetzlich zulässig wird) nicht gleichzeitig für einen zweiten Dreh verpflichten. Anders sieht es aus, wenn Du über die Rechte an einem Spielfilm verfügst. Einmal produziert, kannst Du den gleichen Film in Dutzende andere Länder verkaufen (immer vorausgesetzt, Du hast nicht einen Spielfilm, den kein Schwein sehen will). Ist der Film ein Erfolg, möglicherweise sogar weltweit, kommt so ein ganz hübsches Sümmchen zusammen.

Auch wenn im Leben mögliche Skaleneffekte bei Film und Video meist direkt mit dem Risiko korrespondieren (staatlich subventionierte Filme bilden die Ausnahme, welche die Regel bestätigen), wirst Du ohne diese Möglichkeit der Multiplikation kleinere Brötchen backen als umgekehrt. Anders sieht es aus, wenn Du andere Personen für Dich arbeiten lässt und eine eigene Firma hast. Auch hier trägst Du zwar mehr Risiko, verdienst aber mit jedem Mitarbeiter, den Du einem Kunden verrechnen kannst, direkt und indirekt mit.

Hast Du die Wahl, wirst Du also danach streben, mehr als Dich selbst und Deine Arbeitskraft zu verkaufen.

3. Wie einfach ist Deine Angebot kopierbar?

Die Frage der Kopierbarkeit nennen Investoren auch Eintrittsschwelle. Gemeint damit ist die Frage, wie einfach eine Leistung oder ein Produkt auch von anderen Teilnehmern am Markt angeboten werden kann. Du ahnst es sicherlich schon seit dem ersten Satz in diesem Abschnitt: die Frage der Eintrittsschwelle ist für das Geschäft mit Film und Video aktuell ein Killer. Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt in unserer Branche, Equipment ist immer billiger zu erwerben und kaum ein Kunde fühlt sich mehr dem lokalen Gewerbe oder der Langfristigkeit einer Geschäftsbeziehung verpflichtet.

Der Mechanismus ist so fatal wie einfach: je mehr Frösche glücklich quakend dieselbe Leistung wie die Deine anbieten, desto weniger kannst Du dafür fordern. Auch wenn Du eine größere Qualität nicht nur behauptest, sondern sogar vorweisen oder belegen kannst. Weil hier sofort die erste Frage wieder ins Spiel kommt: hat denn der Auftraggeber wirklich und aus seiner Sicht ein Problem mit der Qualität seines Imagefilms? Schadet es dem Produktfilm, wenn die Farbkorrektur automatisch mit einem Plugin statt im Da Vinci von einem erfahrenen Color Grader gemacht wurde, der auch schon die Musikvideos von Lady Gaga farbbestimmt hat? Sind wir ehrlich: In der Regel ist das Qualitätsproblem für den Kunden keines.

4. Hast Du das Wissen, die Erfahrung und das Talent?

Bist Du in der privilegierten Lage und hast Du zum Geld verdienen mit Film und Video ein Feld gefunden, in dem Du ein Problem aus Kundensicht mit einem multiziplierbaren Ansatz, der nur schwer zu kopieren ist, lösen kannst, bist Du bei der letzten, einfachen aber manchmal auch harten Frage angelangt.

Hart, weil es gerade im Filmgeschäft immer auch um Talent geht. Talent hat man oder man hat es nicht. Du wirst damit geboren, auch wenn Dein Talent vielleicht später an einer Filmschule noch gefördert wird. Wie Schönheit ist Talent weder gerecht noch demokratisch. Es gibt kein Anrecht darauf. Immerhin gibt es im Film über ein halbes hundert Berufe – und in jedem davon wirst Du nur bestehen, wenn Du Talent hast.

Einfacher verhält es sich mit der Erfahrung. Wenn Du willst, wirklich willst, wirst Du Dir die notwendige Erfahrung über die Jahre erarbeiten. Das gilt auch für das unabdingbare Filmwissen. Hier steht Dir der Weg offen. Trotzdem brauchst Du für den wirtschaftlichen Erfolg alle drei Elemente: Wissen, Erfahrung und Talent.

Zusätzliche Spielregeln

Auch wenn es einfacher wird, sich in der Filmbranche zu tummeln (was, wie wir gesehen haben, das Geldverdienen schwerer macht), entscheiden auch ungeschriebene Regeln über Deinen Erfolg.

Filme machen hat überaus viel mit Vertrauen zu tun. Darum bestimmen nicht nur die Verfügbarkeit, der Preis und die Qualität über Dein wirtschaftliches Fortkommen, sondern immer auch Dein Netzwerk.

Das Internet mit seiner Fülle an Informationen hat daran nichts geändert. Vertrauen tut man Menschen, die man kennt. Nicht Informationen und Daten. Darum wirst Du in der Regel mindestens zwei bis drei Jahre brauchen, bevor Du im Filmgeschäft wirklich auf eigenen Beinen stehen kannst und dabei einigermaßen fair abgegolten werden wirst. Der Vorteil dabei: bringst Du die dafür notwendige Ausdauer und Opferbereitschaft mit, verschaffst Du Dir mit Deinem Durchhaltewillen bereits einen ersten Vorteil gegenüber Deinen Mitbewerbern.

Fortsetzung der Serie

Der nächste Artikel der Serie «Geld verdienen mit Film oder Video» erklärt anhand von Beispielen, warum sich Gehälter und Verdienstmöglichkeiten je nach Tätigkeit und Filmart extrem unterscheiden können. In Teil 3 der Reihe geht es dann um Marketing und Verkauf der eigenen Person oder Leistungen, während der letzte, vierte Teil mögliche Szenarien für die Entwicklung des Marktes für Bewegtbild zeigt.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

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