Videoschnitt mit Smartphone: Test Adobe Premiere Rush CC

Videoschnitt Test Adobe Rush CC
Videoschnitt Test: Rush CC | © Foto: Adobe

Kann man auf Smartphones professionell den Videoschnitt angehen? Hier findest du die Antwort. Dazu haben wir die professionelle Software Adobe Premiere Rush CC während 2 Wochen auf Herz und Nieren getestet.

Du kennst es als Videoproduzent. Sie kennen es als Auftraggeber: Oftmals müssen Videos heute schnell und unkompliziert erstellt werden.

In der Praxis heißt das für den Macher oder das firmeninterne Medienteam: höhere Stückzahlen, aber zu tieferen Herstellungskosten. Dabei müssen professionelle Abläufe natürlich weiterhin gewährleistet bleiben. Möglich ist das nur, wenn auch der Videoschnitt effizient über die Bühne geht. Das haben mittlerweile auch Hersteller wie Apple und Adobe bemerkt.

Das musst du wissen

  • Videos lassen sich heute auch auf dem Smartphone mühelos schneiden. Dazu gibt es professionelle Software.
  • Adobe Premiere Rush CC bietet den Schnitt von Videos auf dem Mobiltelefon mitsamt einer Schnittstelle zur Desktop-Version an. Das vereinfacht den Workflow.
  • Das Programm kannst du sowohl gratis (mit einigen Beschränkungen, mit denen du als Einsteiger gut leben kannst) oder als kostenpflichtige Vollversion einsetzen,

Videoschnitt mit dem Smartphone

Dank immer besseren Kameras sind heutzutage auch qualitativ hochwertige Aufnahmen beim iPhone Video drehen möglich. Wer weiß, wie man Licht und Ton handhabt und sich mit Einstellungsgrößen und Kameraführung auskennt, erzielt mit einer Smartphone-Kamera erstaunliche Ergebnisse.

Für den Videoschnitt solcher Aufnahmen findet sich auf der Softwareseite eine unübersichtlich hohe Zahl an Apps zur Bildbearbeitung. Oftmals sind diese für kleines Geld oder sogar kostenlos zu haben.

Gestolpert bin ich in Vergangenheit nicht über diverse Eigenheiten dieser Schnittprogrämmchen. Sondern regelmäßig über fehlende Schnittstellen.

Editing Suite? Smartphone? Apple oder PC? Zuerst einmal ist für mich ein Video ein Video.

Das sehen auch viele Kunden so. Der Zweck rechtfertigt die Mittel. Wo immer ich meine Aufnahmen schneide, ich will meine Arbeit sicher speichern, für soziale Medien in unterschiedlichen Größen nutzen und möglicherweise auch Versionen erstellen. Und genau hier unterscheidet sich Adobe Rush CC als Schnittprogramm deutlich von anderen Optionen für den Videoschnitt.

Gratis oder im Abo

Für den Videoschnitt bist du, was dein Budget betrifft, mit Premiere Rush CC des Herstellers Adobe in einer komfortablen Situation. Denn entweder kannst du die Software hochoffiziell gratis mit dem gesamten Leistungsumfang auch für professionelle Videos nutzen. Dies mit nur einer Einschränkung. Mit der kostenlosen Version kannst du nur jeweils drei Projekte (Videos) aus dem Schnittprogramm exportieren. Editieren kannst du eine unbegrenzte Anzahl von Videos.

Bist du professioneller Videoproduzent und arbeitest bereits mit Adobe Premiere (was quasi das Standard-Programm beruflich tätiger Videoproducer ist), dann hast du Rush CC möglicherweise bereits erworben. Nämlich immer dann, wenn du bereits Abonnent der Adobe Creative Cloud bist und schon Zugang auf alle Funktionen und den 100 Giga CC-Speicher hast.

Du kannst aber Adobe Rush auch als Einzelprogramm für den Videoschnitt erwerben. Dies als Einzelversion für 9,99 Euro/Monat (ohne MwSt.), 19,99 Euro/Monat (ohne MwSt.) für Teams und 29,99 Euro/Monat (ohne MwSt.) als Unternehmen. Wie immer bei Adobe kannst du als Schüler oder Student von Adobe einen Spezialdeal gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises beantragen.

Videoschnitt mit Adobe Premiere Rush CC

Für den eigentlichen Videoschnitt bietet dir Adobe Premiere Rush CC vier Bildebenen. Du kannst dir diese in derselben Darstellungsform von Adobe Premiere anzeigen lassen, oder auf Wunsch in reduzierter Form. Entscheidest du dich für die klassische Form, hast du auf der linken Seite die bekannten Symbole. Ein einfacher Klick mit dem Finger und du blockierst eine Spur und blendest Bildebene oder Tonebene aus.

Vergrößern kannst du den Bildauschnitt in der Timeline, indem du ganz einfach den Touchscreen auseinander ziehst. Damit zoomst du näher. Nach kurzer Zeit geht das intuitiv.

Ähnliches gilt für den Bildschnitt. Du kannst du Inhalte direkt ab dem Medienspeicher deines Smartphones importieren oder direkt in das Videoschnittprogramm importieren. An derjenigen Stelle, an der du schneiden willst, klickst du auf das Scherensymbol am unteren Bildrand. Damit trennst du die Bildebene.

Nun musst du nur noch denjenigen Teil, den beim Videoschnitt herausschneiden möchtest, anklicken und mit dem Papierkorb-Symbol mit einem Antippen des Fingers löschen. Die Bildsegmente vor und nach der gelöschten Sequenz schließen sich automatisch.

Kompatibilität

Das Programm „frisst“ nahezu alles. Ob bestehende Videosequenzen, mit dem Smartphone neu erstellte oder Fotos und sogar animierte GIFs. Du hast die Qual der Wahl.

Bildformat

Das Programm bietet dir immer drei unterschiedliche, vordefinierte Bildformate an. Diese entsprechen den gängigen Formaten für Videos und Social Media. Du kannst das Seitenverhältnis auch jederzeit ändern und die Videos in unterschiedlichen Formaten ausspielen.

Ganz konkret bedeutet das für dich: du schneidest dein Video und hast ohne viel Aufwand gleich eine horizontale, vertikale (Video im Hochformat) und quadratische Version. Damit bedienst du Internetseiten ebenso wie YouTube, Facebook, Twitter, Instagram und Konsorten. Arbeitest du mit Titel, achte darauf diese möglicherweise neu zu positionieren.

Tipps und Tricks beim Videoschnitt

Beachten musst du, dass die Schnittleiste nur dann beim Videoschnitt eingeblendet wird, wenn du das Smartphone vertikal hältst. Drehst du es in die Horizontale, siehst du nur den Bildinhalt. Bearbeitest du das Video und bist auf einem der Reiter in einem Untermenü, springt die Software automatisch auf die oberste Ebene mit der Gesamtansicht, wenn du in der Timeline ganz links an den Anfang des Videos scrollst. Das Programm geht diesfalls davon aus, du willst dir den gesamten Videoschnitt ansehen. Dazu drückst du einfach auf den Play-Button.

Aktivieren und deaktivieren kannst du die Funktionen (Tonbearbeitung, Titel, Farben etc.) in dem du das entsprechende Symbol anklickst.

Die Funktion für den Videoschnitt ist solid. Aber bis hier können auch Apple oder andere Anbieter noch mithalten. Die Killer-Features aus Sicht des professionellen Anwenders kommen erst noch.

Tonschnitt

Adobe Premiere Rush CC ist für die unkomplizierte, schnelle Erstellung von Videos gedacht. Darum hat, selbst in der Gratis-Version, der Hersteller weit über den Videoschnitt hinaus gedacht. Auch wenn es gute Mikros für das Drehen mit Smartphones gibt. Es kann immer wieder vorkommen, dass man für ein Statement an einem Event jemand vor die Linse des Smartphones bekommt, dem man in der Eile kein Mikrofon anstecken kann oder darf. In der Folge bekommt man meist kräftig viel Bildrauschen mit aufs Bild.

Mit Adobe Premiere Rush CC ist diese Sorge keine mehr.

Das Programm bietet für die mobile Tonbearbeitung als wichtigstes Feature einen absolut überzeugenden Filter an.

Rush CC analysiert die Tonaufnahme – hier kommt KI, künstliche Intelligenz zum Zuge – und unterdrückt die Hintergrundgeräusche auf der Aufnahme. Das Ergebnis begeistert.

Voiceover

Ebenso kann auch ein eigener Voiceover über das Bild gesprochen oder gelegt werden. Das ist für Influencer und Social Videos ebenso spannend, wie für die Reportagen und Video-Dokumentationen.

Farbkorrekturen während dem Videoschnitt

Auch die Farbkorrekturen überzeugen. Du hast sowohl Voreinstellungen wie auch die Möglichkeit, Sättigung, Farbwerte und Kontraste nach deinen Vorlieben zu bearbeiten. Damit kannst du insbesondere Aufnahmen, die bei schwierigen Lichtverhältnissen gedreht wurden, kräftig aufpeppen.

Titel / Untertitel

Wie bei Adobe gewohnt, kannst du sowohl auf statische oder animierte Titel aus einer Bibliothek zugreifen. Farben, Schatten, Hintergründe undsoweiter lassen sich frei bestimmen.

Zugleich hast du natürlich Zugriff auf die gesamten Fonts von Adobe. In der Praxis hast du damit möglicherweise das Problem, dich wegen der großen Auswahl für eine Font zu entscheiden.

Einzig das Eintippen der Titel kann auf dem Smartphone etwas mühselig sein. Wer als Mann mit Bärentatzen durchs Leben geht, wird etwas Eingewöhnungszeit für die Titelei benötigen. Das gilt meiner Ansicht nach aber für jede Applikation und alle Apps.

Videos schneiden in der Cloud

Wer im Kundenauftrag dreht, wird die Cloud nutzen wollen. Damit seine deine Projekte immer und sofort abrufbar. Zudem gibt es natürlich auch eine Deskversion von Adobe Premiere Rush CC. Die meisten professionellen Anwender werden aber wohl eher die Aufnahmen, wenn schon am Desktop-Computer, direkt im großen Bruder, dem Schnittprogramm Adobe Premiere weiterbearbeiten. Der Zugriff auf deine Aufnahmen kostet dich nicht mehr als ein Mausklick.

Die Anbindung an die Cloud macht auch darum Sinn, weil du möglicherweise das Video noch mit Effekten (After Effects) nachbearbeiten willst. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Nämlich der Workflow. Es gibt nämliche auch eine Teamfunktion.

Teamfunktion beim Videoschnitt

Mit der CC Cloud und der Teamfunktion kannst du den Workflow nochmals weiter professionalisieren. Du drehst mit dem Smartphone oder schneidest damit eine erste Schnittversion. In deinem Office schneidet dein Team dann ohne Unterbruch das Video fertig. Oder du bekommst das Video als Entscheider auf dein mobiles Device und bringst so letzte Korrekturen an.

Auf diese Weise kannst du die Software auch zur Ausmusterung und Visionierung von Szenen, ja sogar für eine Rough Assembly bei fiktionalen oder dokumentarischen Projekten einsetzen.

Export

Ein fertiges Video zu exportieren ist mit Premiere Rush CC fast schon langweilig.

Du wählst die Qualitätseinstellungen (Auflösung, Frame-Rate, Audiokanäle, etc.) und startest das Rendering. Anschließend entscheidest du, ob du dein Werk gleich mit einem weiteren Fingertippen in ausgesuchten Social-Media-Kanälen veröffentlichen willst.

Fazit zum Videoschnitt auf dem Smartphone mit Adobe Premiere Rush CC

Bei der Vielzahl der professionellen Möglichkeiten, welche dir dieses gratis oder im Abo erhältliche Programm zum Videoschnitt bietet, zeigt sich eines sehr schnell: Hast du ein Videokonzept vorab zum Schnitt erstellt und weißt du, was du willst, kannst du brillieren.

Arbeitest du ohne Plan, Wissen und Erfahrung, zeigt sich das nicht nur beim Off-Kommentar schmerzhaft. Denn die hohe technische Qualität signalisiert dem Zuschauer ebenso hohe inhaltliche Qualität.

Als Videoproducer solltest du diese Software weder fürchten, noch verdammen. Erstens sind die Zeiten längst vorbei, in denen du mit dem Verkauf von Videotechnik noch viel Geld verdienen kannst. Das Equipment ist heute Mittel zum Zweck. Zweitens verkaufst du Hirnschmalz.

Mit Rush CC kannst du mit deinem Team zeigen, was du auf dem Kasten hast. Ich sehe das als ein großes Privileg und als eine Chance.

Übersicht der Testresultate

Adobe Premiere Rush CC

Gratis / Abo
8.6

Videoschnitt

8.0/10

Farbkorrekturen

9.2/10

Tonbearbeitung

9.5/10

Titel erstellen

7.3/10

Cloud / Team-Anbindung

8.8/10

Überzeugend gelöst

  • 4 Bildebenen und 2 Tonspuren
  • Sehr gute Audio-Tools mit KI
  • Überzeugende Farbkorrektur
  • Kostenlose Version verfügbar
  • Anbindung an Premiere Pro

Weniger gut gelöst

  • Navigation bei Smartphones mit kleinem Screen anspruchsvoll
  • Kein Bildzoom (muss, falls gewünscht, in Premiere Pro erstellt werden)

Anmerkung

Dieser Beitrag über Adobe Premiere Rush CC wurde unabhängig von Adobe und ohne Abgeltung des Herstellers oder eines mit diesem in Verbindung stehenden Unternehmens erstellt. Er spiegelt einzig die Erfahrungen und Meinungen der Redaktion von filmpuls.info und des verantwortlichen Autors.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer miteingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

Wer ist Pavel Sokolov? 15 Artikel
Pavel studiert Film Editing. Er mag François Truffaut, Terrence Malick, Dr Pepper, seinen Thermaltake View 71 TG, Musik von Seeed und alle Dinge, die mit der Farbe Rot zusammenhängen aber keinem Lebewesen Schmerzen bereiten.

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