Video-Testimonial: Mit 6 Schritten zum perfekten Videostatement

Wie Video-Testimonial mit 6 einfachen Regeln noch besser werden - Filmpuls
Das Geheimnis hinter starken Video-Messages | © Pixabay

Die überwiegende, große Mehrheit der Menschen investiert immer dann besonders viel Aufmerksamkeit und investiert dann besonders viele Gefühle, wenn es um andere Menschen geht. Das ist mit ein Grund, warum Video-Testimonial ein attraktives Preis-Wirkungs-Verhältnis besitzen.

Dieser Artikel erklärt, auf was bei der Konzeption und der Produktion von Bewegtbild zu achten ist.

Das musst du wissen

  • Man unterscheidet zwischen drei Arten von Testimonial-Videos. Solche mit normalen Leuten wie du oder ich vor der Kamera. Oder Videotestimonials mit Prominenten. Und es gibt auch Videos, in denen eine Kunstfigur eine Aussage macht.
  • Beim Dreh eines Testimonials schaust du bitte auf Glaubwürdigkeit, beachtest unbedingt die Tonqualität, vermeidest auswendig gelernte Texte und zu viele Zahlen und beachtest das WILD-Prinzip.
  • Beachte den Kamerastandort (Augenhöhe!), vermeide dunkle Räume und arbeite mit Varianten.
  • Falls du nicht selbst vor der Kamera stehst: Stelle sicher, dass du dir die erforderlichen Rechte übertragen lässt (Dazu findest du eine kostenlose Mustervorlage am Ende dieses Artikels)
  • Vertraue auf Gefühle! Ein Videotestimonial ohne Emotionen ist verschenkte Liebesmüh.

Selbst ein Statement auf Video aufnehmen?

Du willst ein Videostatement aufzeichnen? Von dir selbst oder einer Drittperson? Dann hast du den richtigen Artikel dazu gefunden.

Der Beitrag richtet sich an Leser, die daran denken, solche Clips eigenständig drehen zu wollen. Sei es für die eigene Webpage, für den Einsatz auf Screens als Messefilm oder für vergleichbare Zwecke. Mit diesem Artikel, um Verona Feldbusch aus ihrem berühmten Video-Testimonial für die Firma Telegate zu zitieren, „… werden Sie geholfen!“

Willst du deinen Auftritt vor der Kamera üben, findest du dazu unter dem Stichwort „Videointerview“ eine Anleitung mit Tipps und Tricks.

Was ist ein Testimonial Video?

Das Wort Testimonial steht auf deutsch für nichts weniger als für die Bezeugung einer Sache. Es bedeutet, ein Zeugnis für etwas ablegen, oder für Produkte oder eine Marke und deren Qualität mit der eigenen Person persönlich einstehen. In der lateinischen Herkunft des Testimonials ist also bereits die Wichtigkeit der Echtheit eingebettet. Etwas, was gute Auftragsfilme immer auszeichnet.

Authentizität zeigen gelingt mit Social Video besonders gut. Aber nicht automatisch und „einfach so“ und mit Garantie. Ob abgefilmt oder ob inszeniert, um Echtheit und Wahrheit muss man sich bei der Produktion eines Clips genauso stark bemühen wir im richtigen Leben. Dieser Artikel erklärt, wie authentische Kommunikation mit Bewegtbild gelingt.

Das Video-Testimonial ist ein Erfahrungsbericht, mit dem die Glaubwürdigkeit für eine Dienstleistung oder ein Produkt in einer bestimmten Zielgruppe gesteigert werden soll.

Die Markensympathie, welche dieses Genre besitzt, ist die werberische Schwester des CEO-Statements und der personifizierte Bruder des Imagefilms und Produktfilms.

Das Pendant zum deutschen Testimonial ist das englische Endorsement. Aber anders, als im angelsächsischen Sprachraum, wo damit immer die bewerbende Maßnahme und nicht die für Marken werbende Person gemeint ist, wird in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich die Bezeichnung sowohl für den Menschen vor der Kamera wie auch das Werbemittel selbst genutzt.

Ein Video-Testimonial kann in drei unterschiedlichen Varianten als Bewegtbild vorkommen.

3 Arten von Video-Testimonial

In einem Video-Statement können auftreten:

  1. reale Personen, die der Öffentlichkeit bislang unbekannt sind. Aus Sicht des Zielpublikums sind dies „Leute wie Du und ich“,
  2. prominente Zeitgenossen (Promis), bekannt aus Film, Funk und Fernsehen,
  3. künstliche Werbefiguren, die für Marken werben (Avatare).

Bekannte Kunstfiguren im Dienst einer Marke waren beispielsweise das für den gleichnamigen Reifenhersteller als Video-Testimonial auftretende Michelin-Männchen. Oder die für Salamander-Schuhe auftretende Comic-Figur Lurchi. Ebenso die weltweit bekannten Tom und Jerry, die in Deutschland für die Marke EnBW zum Einsatz kamen.

Promi-Videos in Form von Spots erfreuen sich im Marketing einer ungebrochenen Beliebtheit. Genauso wie am TV. Von Lena Meyer-Landrut über Dieter Bohlen, von Bruce Willis über George Clooney bis zu Brad Pitt. Ob auf Instagram als Influencer oder am TV, bei vielen Prominenten und Models ist heute nicht mehr klar zu sagen, ob sie in ihrer ursprünglichen Rolle oder als Video-Testimonial für eine Marke bekannter sind.

Testimonials haben in Deutschland 15 % bis 20 % Marktanteil

In Deutschland bewegt sich der Marktanteil von Spots mit Prominenten in der Werbung zwischen 15 % bis 20 %. Testimonial sind mittlerweile auch ein lohnendes Objekt für Satire und humoristische Spielfilme, das belegen Steve Carell und David Koechner in „Anchorman“.

Ein unschuldiges, frühes Beispiel eines Auftritts mit einem Prominenten, noch bevor bewegte Bilder erfunden wurde, war Papst Leo XIII (*1810 – †1903). Er wurde in einem Werbe-Inserat eines Weinhändlers wie folgt porträtiert: „Seine Heiligkeit schätzt den Wein von Mariani, der dafür bekannt ist, Körper und Geist neue Stärke, Gesundheit und Vitalität zu verleihen und gegen Grippe-Erkrankungen zu helfen.“

Die Urmutter sind die Fernseh-Spots für das Waschmittel Ariel mit der ikonischen Werbefigur Klementine. Sie wurde dargestellt von der ebenso beliebten wie bekannten deutschen Schauspielerin Johanna König, *1921 – †2009).

6 Schritte zum perfekten selbstgedrehten Video Testimonial

Video-Testimonial leisten für Marken mittels Inbound Marketing auf Websites wertvolle Dienste. Mit den folgenden sechs Tipps werden Videos aus der eigenen Küche zum sicheren Erfolg:

1Authentizität. Oder was der Zuschauer dafür hält.

Lieber authentisch abfilmen als ungelenk und schlecht inszenieren. Abfilmen ist bei Profis und solchen, die sich dafürhalten, verpönt. Daran hat auch die Action Cam eine Mitschuld. Wer etwas auf sich hält, hält nicht einfach die Kamera darauf. Promi hin oder her.

Eine bewusste Wahl des Drehortes ist unumgänglich. Die Videofilmer sprechen in diesem Fall von Location und nennen den Prozess der Auswahl Location Scouting oder Location Recce. Ebenso relevant für die Wirkung ist die Frage, was nebst der sprechenden Person alles im Videobild zu sehen ist. Um einen visuellen Aussagewunsch in eine sequenzielle Bildfolge zu verwandeln reicht es nicht, schon mal ein Storyboard gesehen zu haben.

Wo Montage, Einstellungen und Kamerabewegungen in Spiel kommen, wartet das professionelle Filmschaffen und Hollywood als Referenz gleich um die Ecke. Darum gilt für Video-Testimonial: Ein ehrlicher Clip ist, was er ist und nicht was er sein soll. Authentizität wirkt auf den Zuseher und User immer stärker als ein schlechtes Imitat.

2Tonqualität ist wichtiger als die Bildqualität

Ton ist die halbe Miete. Der Zuschauer toleriert auf der Bild-Ebene diverse Mängel, für die sich ein professioneller Kameramann längst aus dem Fenster stürzt. Solange das Bild erkennbar ist und sich in den Kontext einordnen lässt, lässt sich unter dem Deckmäntelchen der Authentizität so einiges verbergen. Nicht so beim Ton. Er wird vom Zuschauer viel weniger differenziert wahrgenommen als das Bild.

Entweder ist der Ton verständlich. Oder der Ton ist nicht verständlich. Nichts stört die Wahrnehmung des Zuschauers mehr, als laute Nebengeräusche und falsche Ton-Pegel. Videos mit schlechter oder kaum verständlicher Ton-Ebene werden innerhalb von wenigen Sekunden als Amateur-Ware taxiert und sofort ausgeklickt.

3Laien oder Profis. Aber nichts dazwischen.

Die Person muss bei ihrem Auftritt (nur) sich selbst sein. Abgesehen von dem Fall, in dem ein Schauspieler oder ein Promi eine Kunstfigur spielt.

So wie die Kult-Figur Klementine für Ariel-Waschmittel. Das Testimonial-Video zielt auf eine Abbildung der Realität mit maximaler Authentizität.

Klementine für Ariel-Waschmittel:

Klementine für Ariel-Waschmittel

Nur Schauspieler, Promis und professionelle TV-Moderatoren und Showmaster vermögen dank einer profunden Ausbildung, jahrelanger Erfahrung und der Kenntnis um die Wirkungsmechanismen des bewegten Bildes (meistens) zu täuschen. Für alle Normalsterblichen gilt: Bewegtbild erkennt und entlarvt Lügen sofort.

4Texte auswendig lernen ist in Testimonial-Videos verboten

Auswendig gelernte Texte sind ein Tabu. Texte so zu sprechen, dass diese spontan und glaubwürdig transportiert werden, erfordert zwei Dinge. Erstens einen überdurchschnittlichen guten Texter oder Autor (Redenschreiber). Zweitens eine solide Schauspiel- oder Sprechausbildung des Vortragenden. Ein Laie kann nichts davon vorweisen.

Statt an Kettensätzen und Formulierungen, die nur auf Papier verständlich klingen, sollte man sich nur an Stichworten orientieren. Keywords sind Ankerpunkte, welche Orientierung bieten. Sie leisten auch bei der Online-Vermarktung des Video-Testimonial mit Bewegtbild wertvolle Dienste. Siehe dazu weiter unten im Artikel unter Distribution.

Wer weiß, was er sagen will, erzielt mit Stichworten bessere Resultate als mit auswendig gelernten Schachtelsätzen. Echtheit und Ehrlichkeit gewinnen. Ebenso erfolgreich, wie die Arbeit mit Stichworten, ist das gezielte Stellen von Fragen. Diesfalls verzichtet man auf sogenannte offene Fragen (Fragen, die nicht nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können). Und achtet darauf, dass der Promi die Frage wiederholt.

Frage: „Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie an X % denken?“ Antwort: „Das Erste, was mir bei X % durch den Kopf geht, ist …“

5Nur wenig Zahlen in Video-Testimonials

Die Nennung von Zahlen auf ein Minimum beschränken. Wenn Zahlen erwähnt werden müssen, sich auf markante Werte beschränken. Diese idealerweise in einen interessanten Bezug setzen. Beispiel: „… und dieser Wert entspricht dreißig Mal der Distanz zum Mond und zurück“.

Bei Bewegtbild sprechen Menschen zu Menschen. Wo nackte Zahlen zu Menschen sprechen soll, eignet sich eine Excel-Tabelle oder eine Powerpoint-Präsentation besser als ein Video.

6WILD sein

Das WILD-Prinzip beachten, damit das Video im Web länger als 3 Sekunden überlebt. Das Internet ist ein Raubtier, das seine eigenen Kinder frisst. Ein Video ohne minimale Attraktivität geht im brutalen Kampf um Aufmerksamkeit sofort vor die Hunde. Das ideale Format ist so aufgebaut, dass das Publikum am Anfang einen Grund erkennen kann, warum er das Video weiter anschauen soll.

Aufmerksamkeit alleine reicht nicht. Das pointiert formulierte, vulgäre Credo der amerikanischen Marketing-Gurus für den Auftakt fart to start (deutsch und sinngemäß: Ein lautstarker Furz zu Beginn garantiert die Aufmerksamkeit des Publikums) verpufft ohne soliden redaktionellen Unterbau.

Wer sich an diesen 6 Profi-Tipps orientiert, ist für die Herstellung eines Video-Testimonial auf einem guten Weg und wird, eine steile Lernkurve, Wille, die Fähigkeit zur Selbstkritik und etwas Hartnäckigkeit vorausgesetzt, schon ein ganz ansprechendes Resultat erzielen.

Die nun folgenden, ergänzenden Tipps zur Umsetzung von Videos am Drehort und die am Ende des Artikels beigefügte Checkliste für den Erwerb aller für den Einsatz von Video-Testimonals notwendigen Rechte schließen diesen Artikel ab.

Man kann nicht alles wissen. Aber es schadet auch nichts. Ergänzend zu den wichtigen 6 Profi-Tipps nennt FILMPULS hier wertvolle Learnings und Erfahrung aus der Praxis unseres Redaktionsteams:

15 Tipps zur Produktion von Video Testimonials

Ale diese Tipps und Tricks helfen mit, sich bei der Planung, Konzeption und Produktion von Video-Testimonials mit Bewegtbild die richtigen Fragen zu stellen. Die Reihenfolge der Empfehlungen entspricht keiner Rangliste.

AKamera-Positionierung

Die Kamera ist das Auge des Zuschauers. Steht sie zu tief auf dem Stativ oder ist die Person, welche sie hält, markant kleiner als der Promi, der in das Kameraobjektiv spricht, dominiert nicht das Gesicht, sondern dominieren Kinn und Hals den Bildausschnitt. Im Horrorfilm wird dieser Effekt seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts immer wieder gerne zur Veranschaulichung von diabolischer Macht verwendet.

Im Video-Testimonial haben solche Blickwinkel nichts zu suchen. Das gilt auch für den umgekehrten Fall. Ein Blick von oben herab (siehe auch Kameraperspektive) wirkt negativ. Menschen mögen es, wenn andere Menschen auf Augenhöhe zu ihnen sprechen.

BKeine dunklen und kontrastreichen Räumlichkeiten

Professionelle Aufnahmegerät machen nicht einfach so das bessere Videobild. Sie korrigieren nicht einfach schwierige Lichtverhältnisse. Sondern sie zeichnen, dank Bildformat und Videoformat, ein Bild in schwierigen Lichtverhältnissen. Dies mit mehr Daten und Details, sodass dieses später in der Bildbearbeitung korrigiert werden kann.

Statt teures Equipment zu kaufen (die einen Rattenschwanz an weiteren Gerätschaften mit sich zieht, ohne die eine Profikamera ihre Vorteile nicht ausspielen kann) besser den Drehort wechseln. Aufnahmen unter freiem Himmel wirken immer besser als solche mit schlechtem Raumlicht.

CRepetitionen in Video-Testimonials vermeiden

Wer in einem Video-Testimonial wie die Endlos-Schlaufe seine Kernsätze immer wieder repetiert, sei es auch in unterschiedlichen Worten, erweckt den Eindruck nicht genügend zu sagen zu haben. Oder nicht an seine eigenen Worte zu glauben.

Weniger ist mehr. Auch was den Inhalt betrifft.

DMit Varianten arbeiten

In dem meisten Fällen spricht nichts dagegen, gleich unterschiedliche Aussagen zu verschiedenen Themen aufzuzeichnen. Diese können anschließend in unterschiedlichen Kombinationen oder Varianten für unterschiedliche Zwecke mit Bewegtbild genutzt werden.

Damit lässt sich nicht nur das bestmögliche Resultat erzielen, sondern kann die Ausbeute aus einer Dreh-Session zusätzlich maximiert werden.

EEigenlob stinkt

In einem Video-Testimonial den eigenen Arbeitgeber zu loben, ist eine schlechte Idee. Fast so schlecht, wie sich selbst beim öffentlichen Auftritt als Superstar zu feiern. Der Zuschauer sucht keine Inszenierung, sondern Glaubwürdigkeit. Die findet er bei Menschen, die so sind wie er.

Die Teilnehmer in einem Video-Testimonial müssen das Zielpublikum spiegeln.

FDie ideale Länge

Gemessen an der durchschnittlichen Aufmerksamkeit-Spanne der Adressaten, ist in der Regel eine Länge von 45 Sekunden bis 60 Sekunden angemessen.

Abhängig vom Inhalt sind im Ausnahmefall bis zu 3 Minuten möglich.

GGefühle statt Fakten

Ob zur Steigerung der Bekanntheit, zur Erhöhung der Sympathie, Positionierung des Firmen-Images oder zur Auslösung der Kaufabsicht: wer öffentlich über seine Gefühle spricht, hinterlässt beim Zuseher den stärkeren Eindruck, als wer nur Fakten anhäuft.

HInteresse wecken

Bei der großen Mehrheit der Video-Testimonial steht der sprechende Laie wie das Reh im Scheinwerferlicht eines nahenden Autos. Besser ist es, der Sprechende wird bei einem aktiven Tun porträtiert. Beispiel: Jemand wechselt ein Rad an einem Auto und erklärt, was er gerade tut.

Wer bei einem Tun seine Meinung zum Besten gibt, wirkt interessanter und glaubwürdiger als eine passiv sprechende Person ohne physischen Bezug zur Kernaussage.

IRelevanz schaffen bei Video-Testimonials

Wenn ein Video-Testimonial seinem Zuseher keinen Mehrwert bringt, wird dieser das Video nicht zu Ende ansehen. Damit wird das Video nicht auf Social Media geteilt, kommentiert oder weiterempfohlen. Im Idealfall stehen nicht Fakten, sondern der Nutzen (die sog Benefits) im Zentrum der Botschaft.

Der User und das Publikum wollen einen Grund erkennen können, warum er seine wertvolle Lebenszeit in das Werbemittel investieren will. Es gilt die Sichtweise des Empfängers, nicht die Sicht des Absenders der Message! Wer nicht weiß, was er vermitteln will, kann sich den Aufwand für die Kreation und Produktion mit gutem Gewissen sparen.

JWarmlaufen hilft

Ein Probe-Durchlauf nimmt Leuten mit wenig TV-Erfahrung einen großen Teil der Angst, in einem Video auftreten zu müssen. Er hilft, die Performance zu verbessern.

Und noch wichtiger: kennen sich die Beteiligten, verlaufen die Aufnahmen familiärer. Damit können Emotionen vom Realisator des Videos subtiler hervorgekitzelt werden.

KGenre, Form und Struktur

Es gibt nicht ein Video. Nicht nur eine Art, ein Video-Testimonial aufzuzeichnen. Die Kamera kann bewegt oder statisch sein. Ein Video kann mit nur einem oder mit mehreren Aufnahmegeräten synchron aufgezeichnet werden (mehr dazu hier).

Wer sich nicht damit zufriedengeben will, auf gut Glück zu kopieren, tut gut daran, einen professionellen Formatentwickler beizuziehen. Das Resultat ist den investierten Einmal-Aufwand mehr als Wert. Im Preis inbegriffen ist meist auch die Bauanleitung für das Format, mit der die gröbsten Fehler von vornherein vermieden werden können.

LGrafik, Titel und Logos bei Video-Testimonials

Eine der größten Fallen ist die Grafik. Mit grafischen Elementen kann man mehr falsch machen als richtig. Während Videobild und Ton automatisch synchron verlaufen und damit dem natürlichen Erlebnis der Kommunikation entsprechen, bilden grafische Elemente eine zweite visuelle Ebene. Diese erfordert eine klare Methodik und Führung des Zuschauers.

Oftmals gleicht der Einsatz von Grafik dem Abspann von Kurzfilmen. Man imitiert damit das große Vorbild und tut so als ob, ohne sich zu fragen, was das Zielpublikum am Ende davon hat.

MYouTube reicht nicht

Eine kluge und wohlgeplante Strategie zur Distribution ist nicht alles. Aber ohne Strategie zur Distribution ist im Online-Marketing alles nichts!

Es ist ein kaum tot zu bekommendem Irrglauben, dass, einmal digital hochgeladen auf YouTube, ein Video dann schon sein Publikum findet. Ja, das Video wird seinen Weg finden. Dieser führt direkt in die Versenkung. Dorthin, wo es sich in guter Gesellschaft von Millionen anderer Videos befindet, die als audiovisuelle Zombies davon träumen, mehr als eine Handvoll Klicks zu bekommen.

Für die SEO-Aficionados: während YouTube in Sachen Keywords einen eng definierten Spielraum gestattet, lassen sich (auch via YouTube oder Vimeo) auf Websites eingebundene Clips mit schema.org-Daten zur verbesserten Indexierung versehen. Bilder, welche die für ein Thema relevanten Keywords enthalten, unterstützen die Auffindbarkeit bei Google und in Suchmaschinen. Metadaten werden für das Video-Marketing in Zukunft markant an Wichtigkeit gewinnen.

NDialog statt Monolog im Video-Testimonial?

Vielen Menschen fällt es leichter, wenn Sie von jemandem aktiv durch ein Interview geführt werden. Beim Dialog steht der Fragesteller im Fokus. Die ist anders, als wenn die Fragen aus dem Off gestellt werden. Wie immer bei Video gilt auch beim Dialog: Jedes zusätzliche Element macht die Dinge nicht einfacher, sondern erhöht die Komplexität. Das birgt zusätzliche Falltüren.

Beim Dialog rückt der Zuseher ein Interview unbewusst sofort in die Nähe zu professionell gemachten Reportagen am TV. Damit sinkt die Fehlertoleranz. Die Erwartungen an die redaktionellen Maßstäbe steigen.

OArchiv- und Zusatzmaterial, B-Roll-Aufnahmen

Es ist nicht unüblich, Aussagen mit anderen Aufnahmen zu illustrieren. Das kann mit eigenem oder eingekauftem Archivmaterial geschehen. Zusatzmaterial kann aber auch vor Ort gedreht werden. Dies erfolgt meist vorab oder nach dem eigentlichen Dreh des Statements. Man spricht man dann von sog. B-Roll-Footage. Mit A-Roll ist das eigentliche Statement gemeint. Beide Bezeichnungen stammen noch aus der Zeit, als analoge Filmrollen handschriftlich beschriftet wurden.

B-Roll-Material kann bei Video auch aus Großaufnahmen bestehen. Beispielsweise einer Hand, die mit Kugelschreiber spielt. Als Schnittbild helfen solche Aufnahmen, den Inhalt eines Testimonials später unbemerkt zu kürzen. Sie ermöglichen, unbemerkt der Ton zu schneiden.

… und was Pinocchio und Vampire damit zu tun haben!

Ein Video-Testimonial mit einer prominenten Persönlichkeit selbst drehen? Klingt wie eine gute Idee und kann so schwer nicht sein. Ist aber keine gute Idee.

Prominente Persönlichkeiten bringen im Marketing eine ganze Reihe an Herausforderungen mit sich. Ein Promi, weiß um die eigene Bildwirksamkeit. Man wird diese auch auf Seite des Produzenten einfordern, nur schon um den eigenen Marktwert nicht zu gefährden.

Allein die Wahl des Prominenten ist ein, wie die Zuschauerforschung zeigt, Minenfeld. Einerseits droht der sog. Pinocchio-Effekt. Das Publikum glaubt dem Prominenten nicht. Es entsteht keine Markensympathie.

Andererseits lauert der sog. Vampir-Effekt. Der Auftritt des Prominenten überstrahlt das Produkt oder die Informationen. Beim Zuschauer bleibt einzig die Erinnerung an die prominente Persönlichkeit.

Gemessen am Aufwand, den Risiken und mit Blick auf die Kosten, die mit der Verpflichtung eines Prominenten für einen Spot verbunden sind, empfiehlt sich hier immer die Zusammenarbeit mit einer hoch spezialisierten und erfahrenen Werbe- oder Filmagentur.

Zum zitierten Pinocchio- und Vampir-Effekt und zu weiteren Themen findet sich am Ende des Beitrags eine weiterführende Literaturliste.

Wer Bild- und Tonaufnahmen von Drittpersonen im Internet und als Video in den Medien der Öffentlichkeit zugänglich macht, muss die dazu notwendigen Rechte eingeholt haben. Ohne Zustimmung des Referenzgebers, ungeachtet ob Kunde, Passant auf der Straße oder Mitarbeitender, darf kein Video aufgezeichnet (DSGVO) oder publiziert werden. Gerade für den Dokumentarfilm besitzt dies schwerwiegende Konsequenzen. Darum wurde aktuell auch eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesgerichthof in Karlsruhe eingereicht.

Checkliste für den Rechtserwerb von Drittpersonen bei Video-Testimonials

Die Zustimmung zur Mitwirkung in einem Video muss schriftlich erfolgen. Die Einwilligung sollte handschriftlich mit der persönlichen Unterschrift bestätigt werden. Bei der Verpflichtung von Mitarbeitenden für ein Video-Testimonial ist ein Kontrollieren mit den zuständigen Stellen im eigenen Unternehmen erforderlich. Mit einem Arbeitsvertrag sind die Rechte am eigenen Bild nicht automatisch an den Arbeitgeber abgetreten.

Die nachfolgend aufgeführte Checkliste ist nicht abschließend. Je nach Ort der Aufnahme können unterschiedliche Gesetze zur Anwendung komme. Die Gesetzgebung und Rechtsprechung zum Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht sind in Deutschland, Schweiz und Österreich nicht in allen Punkten identisch.

Checkliste für erforderliche Rechte (nicht abschließend)
Rechte für Länge der Nutzung vorliegend? (Bsp.: 1 Jahr, oder: unbeschränkt)
Einsatz für das gewünschte Territorium bestätigt? (Bsp.: nur für Deutschland, oder: weltweit)
Erlaubnis für die Nutzung der Medien/Kanäle? (Bsp.: Messe-Stand, oder: Internet, oder: nur Facebook)
ist die Art und Höhe der Abgeltung (oder kostenlose Teilnahme) geregelt? wie?
darf die gefilmte Person mit Namen genannt werden? Wenn ja, wie?
darf der Arbeitgeber genannt werden? Wenn ja, wie?
darf die Funktion genannt werden? Wenn ja, wie?
darf das Logo des Arbeitgebers gezeigt werden?
darf das finale Video ohne Freigabe publiziert werden?
dürfen die Kontaktdaten als Referenz erwähnt/weitergeben werden?

Besondere Achtsamkeit gilt es beim Vorliegen von sogenannten Buy-outs walten zu lassen. Ein Voll-Buyout ist ein unbeschränkter Rechte-Aufkauf. Er beinhaltet, anders als man es aufgrund der Formulierung als juristischer Laie meinen könnte, nicht einfach so den Erwerb aller Rechte für alle Zeiten für alle Territorien für alle Medien und Kanäle.

Video-Testimonial: Wenn du selbst vor der Kamera stehst

Bist du selbst die Hauuptperson in deinem Testimonialvideo, dann bereite dich mit unserer Checkliste im Artikel Videointerview: Wie übe ich für einen erfolgreichen Auftritt vor der Kamera? darauf vor.

Weiterführende Literatur zu Video-Testimonials

Mehr zu Video-Testimonial:

  • Testimonialwerbung. Prominente erobern die Werbewelt“, Wahrheit, Sebastian: Grin Verlag, Nordstedt 2006
  • Fanderl, Harald: Prominente in der Werbung. Empirische Untersuchungen zur Messung, Rezeption und Wirkung auf Basis der Markenpersönlichkeit. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2005
  • Niekisch, Andreas / Schreck, Claudia, Über das Zusammenwirken der Wahl des Models, des Produkttyps und des Herkunftslandes des Produktes bei der Testimonialwerbung, Grin Verlag, Nordstedt 2007
  • Kilian, Karsten : Marken-Kommunikation mit Testimonials. In: Absatzwirtschaft Marken. März 2010, S. 106–109.
  • Geyer, Oliver : Einzelsportler-Sponsoring als Instrument der Unternehmenskommunikation. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2008
  • Fanderl, Harald / Hölscher, Ansgar / Knieper, Thomas: Welcher Prominente passt zu welcher Marke? Ein Dreistufenansatz. In: Marketing Journal. 5 (Mai) 2006
Redaktion Filmpuls
Über Redaktion Filmpuls 185 Artikel
Unter der Bezeichnung «Redaktion Filmpuls» erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt oder bearbeitet wurden.

1 Kommentar

  1. Ich will auch unbedingt ein Video-Testimonial für meinen Job drehen. Mein Chef und ich denken auch, dass der Drehort absolut ausschlaggebend ist, damit das Ganze ein Erfolg wird. Wir haben jetzt endlich ein Fotostudio gefunden, das wie der perfekte Drehort wirkt. Ich freue mich schon darauf, dass es losgeht. Danke für den Tipp! Der richtige Drehort ist das A und O!

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