Manuel Graubner: »Bei Testimonial Videos besteht eine besondere Art von Ehrlichkeit!«

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Regisseur Manuel Graubner | © Foto: zVg

Manuel Graubner ist nicht nur ein gefragter Filmemacher im Bereich Dokumentarfilm und Werbung, sondern er ist auch als Dozent und Ausbilder von Nachwuchstalenten tätig. Im Interview steht er uns Rede und Antwort und erzählt aus dem filmischen Nähkästchen über seine Erfahrungen mit Testimonial-Videos. Was fordert ihn dabei heraus, welcher Dreh war besonders lustig und welche Tipps und Tricks hat er für Auftraggeber und Videoproduktionen?

Interview mit Filmemacher Manuel Graubner

Man spürt es im Gespräch mit ihm schon nach wenigen Minuten. Manuel Graubner ist ein Filmemacher, dem es wichtig ist seine Kunden zu verstehen. Das Ziel ist ein zufriedenstellendes Ergebnis für seine Auftraggeber. Auch, wenn es um eine Disziplin geht, für die man gemeinhin eher keine Filmpreise erhält: Testimonial-Videos.

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Manuel Graubner Filmemacher

Manuel Graubner ist als freier Dokumentarfilmer, Kameramann, Producer und Werberegisseur tätig. Darüber hinaus arbeitet er immer wieder als Dozent und Trainer. Er absolvierte sein Studium mit Schwerpunkt Dokumentarfilm-Regie an der Filmakademie in Ludwigsburg und lebt heute in Berlin. Er dreht für TV-Sender wie ARD, ZDF, WDR, PRO7, SKY etc., darüber hinaus stellt er mit diversen Werbe-, Image- und Testimonialfilm-Produktionen zahlreiche namhafte Kunden zufrieden.“

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Filmpuls:Manuel, was findest du an dem Dreh eines Testimonial Videos für ein Unternehmen besonders spannend im Vergleich zu Dokumentarfilmen oder herkömmlichen Werbevideos?

Manuel Graubner:Was für mich das Drehen eines Testimonial Videos besonders interessant macht, ist, dass ich es dort mit einer besonderen Art von Ehrlichkeit zu tun habe. Die Menschen, die dort auftreten, finden die Produkte und Services ja wirklich gut und sind überzeugt davon. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Werbevideo, wo alles inszeniert wird, ist es einfach eine ganz andere Art von Glaubwürdigkeit und Authentizität, die hier zum Ausdruck kommt. Es ist nicht so aufgesetzt. Bei der Produktion von Dokumentarfilmen in Zusammenarbeit mit einer Fernsehproduktion geht es dabei ganz oft um Geschmack. Mit Fernsehredakteuren kann man sich dabei schon mal schnell verhäddern (lacht). Im kommerziellen Bereich kann man sich einfach besser verabreden, weil das Ziel klarer ist.

Filmpuls:Hast du bestimmte Kriterien bei der Auswahl deiner Kunden?

Manuel Graubner:Na ja, also im Normalfall kommen meine Kunden ja auf mich zu und wollen mich buchen. Aber es kam durchaus schon mal vor, dass ich in Situationen kam, in denen ich mir dachte: Nee, damit möchte ich eigentlich nichts zu tun haben. Insbesondere bei fragwürdigen politischen Angelegenheiten möchte ich einfach kein Sprachrohr für etwas sein, hinter dem ich nicht stehe. Ich habe sogar mal ein Angebot als Kameramann abgelehnt – obwohl ich wirklich Geld brauchte (lacht) – bei dem es um Tiertransporte zur Schlachtfabrik ging.

Filmpuls:Wie bereitest du dich als Regisseur auf einen solchen Dreh/Zusammenarbeit vor?

Manuel Graubner:Erstmal ist es für mich wichtig, herauszufinden, was der Kunde überhaupt möchte und sich wünscht. Oft ist das auch ein Prozess, in dem man so was wie Geburtshilfe leisten muss, weil nicht alle Kunden Erfahrung haben in der Zusammenarbeit mit Agenturen oder Filmproduzenten. Es haben auch nicht alle Kunden das gleiche Erfahrungsspektrum im Bereich des Marketings. Da muss man erst mal eine gemeinsame Sprache finden. Der eine hält dies für emotional, der andere wiederum das. Innerhalb dieses Prozesses muss man sich einfach gegenseitig kennenlernen und schauen, was man gemeinsam erreichen will und wie die andere Seite denkt.

Je früher man für das Wording den Kunden ins Boot holt, desto mehr Zeit spart man sich in Abstimmungsschleifen.
Manuel Graubner

Insgesamt geht es hier um die Abstimmung mit dem Kunden, um mögliche Formulierungsmissverständnisse oder so zu vermeiden. Und dann versuche ich natürlich auch zu beraten und meine Erfahrungen spielen zu lassen. Vor allem bei der Auswahl der geeigneten Protagonisten oder wie man zu einer guten Zusammenstellung der Videos kommt, falls mehrere gedreht werden soll. Schließlich sollen ja auch nicht alle gleich aussehen. Und dann werden natürlich auch die Protagonisten ins Boot geholt. Es ist besonders wichtig, dass sie sich auch wohlfühlen. Schließlich stellen sie ihr Gesicht für ein Produkt zur Verfügung. Tatsächlich muss man Leuten auch oft erst einmal klarmachen, was es überhaupt bedeutet, einen Film zu drehen. Dass da viel Aufwand hinter steht und ein Film nicht mal eben so gedreht ist.

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Filmpuls:Übernimmst du die meiste Vorbereitung oder kommen die Kunden bereits mit einer konkreten Idee auf dich zu?

Manuel Graubner:Das ist so eine Sache. Ganz am Anfang, als ich noch ganz frisch und auf der Filmschule war, habe ich meinen ersten werblichen Job gemacht. Und da war es so, dass ich nach dem ersten Meeting irgendwie noch gar nicht so eine Vorstellung hatte, was der Kunde wollte. Da kam einer zu mir und sagte: „Ach, das kommt noch. Die Banane reift beim Kunden.“ (lacht) Und da habe ich sofort verstanden, dass man nicht immer komplett im Detail gebrieft wird, sondern es einfach ein Findungsprozess ist, an dem alle beteiligt sind.

Filmpuls:Hattest du schon mal einen Dreh, bei dem einfach alles schiefgelaufen ist?

Manuel Graubner:Dass es zu einer kompletten Wiederholung kommen musste, habe ich noch nicht erlebt. Natürlich können mal ärgerliche Dinge passieren. Da dreht man in einem Büro bei einer Firma und im Nachbargebäude, was Wand an Wand ist, fangen die Bauarbeiten an und der Bohrer läuft die ganze Zeit. Da muss man dann schauen: Okay, wie machen wir das jetzt. Geht da jetzt einer rüber und fragt die Handwerker, ob sie mal für einen Fuffi irgendwie eine Stunde Pause machen oder so. Solche Dinge passieren dann doch schon ab und an. Auf die haben wir aber keinen Einfluss. Es ist dann blöd, wenn Zeit verloren wird und das Tageslicht weggeht. Aber mit ein bisschen Erfahrung weiß man dann auch, an welchen Stellen man die Zeit wieder reinholt.

Filmpuls:Erzähl uns ein wenig von deiner Arbeit in der Postproduktion. Wie gehst du da vor?

Manuel Graubner:In der Postproduktion gehe ich erst mal klassisch dokumentarisch vor und höre mir erst mal an, was dabei tatsächlich rausgekommen ist bei den Interviews. Die Interviews fallen dann häufig doch anders aus als das, was man sich in irgendwelchen Skripten ausgedacht hat. Es ist dann oft ähnlich, aber nicht ganz genauso. Dann höre ich mir das an und schaue, wo die Stärken und Schwächen der entsprechenden Person liegen und zerlege sie in brauchbare und nicht brauchbare Aussagen. Diese Aussagen stelle ich dann dem Auftraggeber zur Verfügung. Auf dieser Basis können wir uns dann gut abstimmen. Je früher man für das Wording den Kunden ins Boot holt, desto mehr Zeit spart man sich in Abstimmungsschleifen. Für mich ist es immer wichtig, den Kunden von Anfang an so gut es geht miteinzubeziehen, damit man immer auf einer Wellenlänge ist.

Filmpuls:Kannst du sagen, wie groß der Zeitaufwand für ein 2-minütiges Testimonial in etwa ist? Mit Vorbereitung, Produktion und Postproduktion.

Manuel Graubner:Also, einen Drehtag dauert es auf jeden Fall. Es gibt keine halben Drehtage, das ist Quatsch. Testimonial Videos könnten schon an einem Tag post-produziert werden. Die Postproduktion ist immer ein wenig mit einem Open End verbunden. Je nachdem, wie viele in Farbkorrekturen oder sonstige Kleinigkeiten investiert werden soll, können auch gut zwei Tage drin sein. Bei der Vorbereitung kommt es darauf an, wie gut der Auftraggeber mitmacht. Je nachdem braucht man da 1–3 Tage, um alles abzuchecken. Sowohl die Location als auch längere Gespräche mit den Testimonials zu führen und Abstimmungen mit den Kameraleuten. Um das mal kompakt zu sagen: Damit das Video auch einen gewissen Look bekommt, investiere ich eine Arbeitswoche rein.

Filmpuls:Was war die witzigste Erfahrung bei einem Dreh für dich?

Manuel Graubner:Ach, ich hatte mal einen Kunden, der als kleines Entgegenkommen seinen Testimonials eine eigene Schnittfassung der Interviews für eigene Zwecke angeboten hat. Ein Testimonial wollte dann aber kurzerhand lieber einen kleinen Werbespot mit Storytelling und Dialogen machen, den wir dann tatsächlich mit ganz wenigen Mitteln innerhalb von 3 Stunden gedreht haben. Das war dann ein bisschen wie damals bei der Aufnahmeprüfung für die Filmhochschule… (lacht)

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit starbuero.de erstellt.

Janine Möller-Voss
Über Janine Möller-Voss 2 Artikel
Janine Möller-Voss von starbuero.de ist studierte Journalistin mit Herz und Leidenschaft fürs geschriebene Wort. Sie berichtet über Marketing, Digital Business und branchenspezifische Themen.

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