Video-Statement: Diese 7 Punkte musst Du unbedingt beachten!

Alles was Du über Video-Statements wissen musst

Video-Statement für Unternehmensfilme
Video-Statement für Unternehmensfilme

In fast jedem Imagefilm und in den meisten Videos hat das Video-Statement seinen festen Platz. Es verschafft dem Protagonisten die Möglichkeit, die eigene Sicht der Dinge authentisch darzulegen. Dieser Artikel erklärt, worauf es dabei zu achten gilt.

Obgleich vielfach der Kameramann die Menschen vor der Kamera ins Bild setzt, liegt die Verantwortung für die Inszenierung eines Video-Statements immer auch beim Realisator.

Die Regie ist auch dafür verantwortlich, dass sich das Interview nahtlos in das Imagevideo oder den Produktfilm einfügt. Damit einher geht auch die Verantwortung, die interviewte Person vor der Kamera aus dem korrekten Blickwinkel aufzunehmen und natürlich wirken zu lassen. Wie das geht, dazu gilt es Regeln.

Das perfekte Video-Statement

Die Kamera ist das Auge des Zuschauers. Sie bestimmt im wortwörtlichen Sinn, wie wir eine Person sehen. Je nach Perspektive löst ein Video-Statement in uns unterschiedliche Emotionen aus.

Wer für ein Video oder einen Film interviewt wird, empfindet dies oft als außergewöhnliche Situation. Nicht oft ist dies mit Stress verbunden. Gleichzeitig fehlt dem Interviewten in der Regel das Wissen um das filmische Handwerkszeug. Umgekehrt bestimmt genau dies die Wirkung, die man später als Protagonist beim Betrachter hervorruft.

Umso größer ist darum die Verantwortung für den Realisator und den Kameramann. Daran ändert sich nichts, wenn die Regie als VJ (Videojournalist) selbst auch gleich die Kamera führt und für den Ton verantwortlich ist.

Regel 1: Immer auf Augenhöhe drehen

Das perfekte Video-Statement: Kamera auf Augenhöhe
Kamera auf Augenhöhe

Die Position der Kamera bestimmt den Blickwinkel. Sie entscheidet über die Perspektive, aus der wir eine Person sehen.

Falsche / ungünstige Blinkwinkel:

Die Aufsicht auf den Interviewten gibt dem Zuschauer das Gefühl, er sei diesem überlegen. Die Person vor der Kamera wirkt dominant.

Umgekehrt verleiht die Untersicht (die Kamera sieht von unten auf den Protagonisten) dem Zuschauer das Gefühl, er blicke auf den Interviewten herab. Die Person vor der Kamera wirkt unsicher.

Setzt man eine selbstbewusste Person diesem Blickwinkel aus, macht der Konflikt aus Dominanz von Kameraperspektive und Protagonist letzteren oftmals zur Schießbudenfigur.

Regel 2: Dieselbe Nähe zur Person wählen, die man auch ohne Kamera als korrekt und angenehm empfindet

Für ein Video-Statement wählt man keine extremen Brennweiten. Der Einsatz von Weitwinkel und Teleobjektiven ist (anders als im Spielfilm) für Interviews in Unternehmensfilmen verboten.

Für die Kamera sollte man diejenige Position wählen, die man selbst auch ohne Kamera in einem Gespräch einnehmen sollte. Nicht zu nah, nicht zu weit. Der durchschnittliche Mensch spricht meist mit einer Armlänge Abstand mit seinen Mitmenschen.

Regel 3: Der Fragesteller befindet sich nahe an der Kamera. Der Interviewte blickt knapp an der Kamera vorbei

Ein gutes Video-Statement wahrt nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell den Respekt. Das gilt für die Person vor der Kamera wie für den Zuschauer. Der Maßstab ist derselbe wie bei der Wahl des Blickwinkels und beim Abstand zum Interviewten: er soll im Video nicht anders sein, als im realen Leben ohne Kamera.

Das perfekte Video-Statement: Blick knapp an der Kamera vorbei
Blick knapp an der Kamera vorbei

Konkret bedeutet das: wer mit einer anderen Person spricht, dabei aber konstant und frappant am Fragesteller vorbeisieht, wirkt gelangweilt, uninteressiert und arrogant. Der Schluss ist nahe, dass darum der Interviewte direkt in die Kamera blicken sollte. Das ist falsch.

Erstens starren wir im natürlichen Gespräch nicht nonstop in die Augen des Gegenübers. Der unablässige feste Blick nonstop in die Kamera fühlt sich für den Zuschauer als zu direkt an. Ganz besonders, wenn es sich nicht um Quote, sondern um längere Sequenzen handelt. Zweitens flackert der Blick von Personen, die sich nicht an Interviews mit Video geübt sind, oftmals hin und her. Das wirkt unkonzentriert und unsicher.

Im perfekten Video-Statement blickt der Antwortende knapp an der Kamera vorbei auf den Fragesteller. Dieser positioniert sich dazu nahe neben der Kamera, das Gesicht auf Höhe des Objektivs.

In der Praxis stellt sich der Kameramann auf die eine Seite der Kamera, der Interviewer eine Handbreit neben die Kamera und einen Schritt zurück versetzt auf die andere Seite. Bittet der Fragesteller den Interviewten, im Gespräch ihn anzublicken, sind alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Video-Statement geschaffen.

Regel 4: Keine Manipulation durch die Wahl des Blickwinkels

Neben der Wahl des Blickwinkels und der Nähe der Kamera zum Interviewten spielen selbstverständlich auch Licht und Ton eine tragende Rolle im Video-Statement.

  • Harte Kontraste (Licht bei Mittagssonne, Interview im Sommer unter freiem Himmel) kombiniert mit leichter Aufsicht erzeugen extreme Augenschatten. Die Person vor der Kamera wirkt für den Zuschauer distanziert und unnahbar. Dies, weil man die Augen nicht sieht.
  • Dasselbe gilt, wenn die Person vor der Kamera nach unten blicken muss, weil sich der Fragesteller tiefer als die Kamera positioniert. Beispielsweise weil er sich auf einen Stuhl neben die Kamera setzt. Der Interviewte bemerkt dieses Auseinanderklaffen von Kameraposition und Position des Realisators / Journalisten nicht.

Die Wirkung dieser subtilen Manipulation, ob bewusst oder aus Unwissenheit, hat aber die gleiche Wirkung wie die Aufsicht. Sie macht den Interviewten kleiner. Sie raubt ihm zu einem gewissen Teil die Glaubwürdigkeit und reduziert seine Menschlichkeit und verringert so seine Sympathiewerte.

Regel 5: Die Einführung des Interviewten erhöht das Verständnis

Fremde Personen muss der Mensch zuerst einordnen. Dieses Programm ist seit Jahrmillionen in unserem Unterbewusstsein einprogrammiert. Sehr vereinfacht formuliert, prüft dabei das Gehirn, und zwar ob wir wollen oder nicht, ob das uns unbekannte Wesen eine Gefahr bedeutet oder nicht und ob es möglicherweise zur Weitergabe der eigenen Gene taugen kann. Je nach Ergebnis dieser Vorprüfung verhalten wir uns anschließend unterschiedlich.

Diese Einordnung benötigt Zeit.

  • Die Wahrnehmungsforschung geht je nach Studie von einem Zeitraum von fünf bis acht Sekunden aus, während dem dieser Prozess unser kognitives Denken blockiert. Ein professionelles Video-Statement trägt diesem Umstand Rechnung.

Spricht der Protagonist ab der ersten Sekunde im Video, darf man getrost darauf wetten, dass der Zuschauer die ersten Sätze nicht wahrnimmt. Nicht wahrnehmen kann, weil sein Hirn gerade den urzeitlichen Prozess zur Einordnung der Person abspult.

Der gewiefte Videomacher führt darum die Person, die später im Video-Statement spricht, während einigen Sekunden ein.

  • Die Einführungssequenz hat nur ein Ziel: dem Zuseher zeigen, wer die Person ist, die später vor der Kamera spricht.

Gut zu beobachten ist dies am Fernsehen. Wer sich bisher gewundert hat, warum vor einem Statement oder Interview in TV-Magazinen oder Newssendungen die befragte Person entweder einen Korridor entlang auf die Kamera zuschreitet, oder an seinem Pult irgendwelche Dokumente ordnet, kennt nun den wahren Grund. Der Zuschauer soll Raum bekommen, die Person zuerst zu sehen bevor sie spricht.

Eine Sequenz zur Einführung einer Person dauert fünf bis acht Sekunden. Es gibt sie in unterschiedlichen Umsetzungen. Sie dient aber immer denselben Zweck.

Regel 6: Vorab entscheiden, ob Quote oder Interview

Noch mehr als im Interview entscheidet in einer Quote die Frage über die Antwort. Eine Quote ist die reinste Form des Video-Statements. Eine Person spricht vor der Kamera und beantwortet dabei eine Frage. Der Interviewer ist nicht zu sehen. In der Montage wird die Quote dann in einen größeren Kontext eingefügt. Quote werden vor neutralem Hintergrund oder als szenische Umsetzung (an einem Ort, der mit der Aussage in einer Verbindung seht) realisiert.

Das Interview ist dagegen eine Frage-Antwort-Situation. Es hat die Form eines Gesprächs. Meist gedreht ab Stativ, besteht es oft aus unterschiedlichen Einstellungsgrößen. Wo kein Zeitdruck herrscht, können kurze Statements auch aus einem Interview heraus destilliert werden.

Trotzdem raten erfahrene TV-Journalisten prinzipiell davon ab, Quote und Interview als Format zu mischen. Einerseits weil die besten Antworten nicht aus einem Gespräch entstehen, sondern die Folge durchdachter, wohlformulierter glasklarer Fragen sind. Andererseits weil ein professionelles Videokonzept schon von Beginn weg festlegt, welche Form beim Dreh später umgesetzt wird.

Regel 7: Freigabe der Inhalte durch die interviewte Person

Der Interviewte gehört ebenso wie die Crew über die Art und Form der Umsetzung informiert. Dazu gehören Ansagen, wie und wo und in welchem Zusammenhang das gedrehte Material später verwendet wird. Ebenso ist die rechtliche Freigabe der Inhalte zu klären. Im deutschsprachigen Raum muss aus rechtlichen Gründen sogar bei anonymen Umfragen mit Video (anonyme Quote) den Teilnehmern erklärt werden, in welchem Umfang und Zusammenhang die Aussagen verwendet werden.

Die Einbettung von Video-Testimonals in einen größeren oder anderen Kontext kann deren Inhalt für den Zuschauer hochgradig Grad verändern. Dasselbe gilt auch für die Kombination mit Schnittbildern oder Symbolbildern.

Zusammengefasst

Der professionelle Filmemacher kontrolliert die Wirkung. Dazu werden handwerkliche Regeln (Perspektive, Blickrichtung, etc.) genauso beachtet wird die wahrnehmungspsychologischen Bedürfnisse des Zuschauers (Einführungssquenzen). Das erfolgreiche Video-Statement konzentriert sich nicht nur auf dem Aussagewunsch in einem Interview, sondern sorgt auch für die Integrität der Person vor der Kamera. | filmpuls logo


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