Was heißt Filmproducer eigentlich und wer darf sich so nennen?

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Wer ist und was tut ein Filmproducer
Wer ist und was tut ein Filmproducer?

Wer ein Katzenvideo dreht, kann sich als Producer bezeichnen. Wenn Du für 200 Millionen einen fetten Hollywood-Blockbuster produzierst, genauso. Die Frage «Was heißt Filmproducer» kann viele Antworten haben.

Ob Filmemacher oder Auftragsgeber für einen Imagefilm. Du musstwissen, für welche Aufgaben ein Produzent zuständig ist und für was er verantwortlich ist. Dabei geht es um mehr als nur Geld verdienen oder darum, wer gut verhandeln kann.

Es gibt keine weltweit verbindliche Definition darüber, wer sich Producer nennen darf. So wie Regisseur oder Kameramann und Drehbuchautor, ist auch Filmproduzent keine geschützte Berufsbezeichnung. Wer will, darf sich so nennen. Das gilt sogar für Unternehmen. Umgangssprachlich wird oft gesagt, Produzent von Film X oder Video Y sei die ABC AG oder die DEF GmbH.

Spielregeln, was Filmproducer heißt, gibt es immer dort, wo es um Recht oder Gesetze geht. Also bei Urheberrecht, Leistungsschutzrechten, Versicherungen, Verträgen oder bei der staatlichen Filmförderung. Die Funktion Filmproducer bedeutet in den Augen des Staates die Erfüllung gewisser Bedingungen. Nur dann darfst Du Dich so nennen. Wo gesetzlich keine Regeln festgelegt sind, bestimmt diese die Rechtsprechung.

Was heißt Filmproducer

Was heißt Filmproducer ?

Weithin in der Branche ist anerkannt, dass diese 4 Kriterien das Berufsbild des Filmproducer ausmachen.

Konkret ist also auf die Frage, «was heißt Filmproducer ?» die nüchterne Antwort richtig: Produzent ist derjenige, der am Ende immer die Schuld trägt. Das gilt für Erfolg ebenso wie für Misserfolg.

Für die kreativen Belange der Filmproduktion gilt das darum, weil der Filmproducer die kreativen Schlüsselfunktionen besetzt. Er hat sich für einen Drehbuchautor und eine Story entschieden, die Regie besetzt und die Wahl der Schauspieler gutgeheißen.

Weil der Produzent auch für die Finanzierung, Kalkulation, den Erwerb aller notwendigen Rechte und für die Durchführung der Dreharbeiten verantwortlich ist, bedeutet die Existenz als Filmproducer gleichzeitig auch: es gibt keine Ausreden.

Ein Producersteht also in vier unterschiedlichen Bereichen in leitender Funktion in der Verantwortung:

Er verantwortet die groben Linien für die inhaltliche Ausgestaltung des Filmwerkes.
Er muss für die gesamte Organisation der Herstellung geradestehen.

Diese Fülle an Aufgaben und Verantwortung ist nur zu stemmen, wenn die Ausführung der Teilbereiche an kompetente, fest angestellte oder freie Mitarbeitende oder spezialisierte Firmen delegiert werden kann. Das ist die Antwort auf «was heißt Filmproducer?»

Ohne Filmproducer kein Film. Jeder Film und jedes Video geht auf die Initiative des Produzenten zurück. Die Ausnahme, welche die Regel bestätigt, ist der sogenannte Auftragsproduzent.

Wer ist Auftragsproduzent?

Wer ist Auftragsproduzent?

Es gibt Fälle, in denen der Filmproducer einen Film oder ein Video im Auftrag einer Firma oder einer anderen Person (Investor) produziert. Videos für Unternehmen, Werbespots im Auftrag von Werbeagenturen, aber auch TV-Spielfilme oder TV-Serien gehören in diese Kategorie.

Während es im Fernsehen üblich ist, das Auftragsverhältnis im Abspann offenzulegen («im Auftrag von …») ist dies beim Imagefilm meist unüblich. Streng genommen hat der Urheber ein Recht auf Namensnennung, zumindest dort, wo die Länge des Filmes einen Abspann und damit die Namensnennung nicht unmöglich macht. Alles andere ist an sich eine Urheberrechtsverletzung.

Als Grundregel gilt beim Auftragsfilm als Antwort auf die Frage «was heißt Filmproducer ?»:

Ist die Auftragsproduktion vollfinanziert, bekommt der Auftraggeber im Rahmen der rechtlichen Zulässigkeit sämtliche verfügbaren Rechte vom Auftragnehmer übertragen. Dies betrifft sowohl Rechte, welche der Auftraggeber selbst erworben hat, wie auch Rechte, die bei ihm selbst entstanden sind. Viele Filmproducer, aus schlechten Erfahrungen schlau geworden, gestalten diese Weitergabe vertraglich so, dass die Übertragung der Rechte erst nach vollständig erfolgter Bezahlung des Werkes erfolgt.

Zu den zu übertragenen Rechten, die der Auftragsproduzent in der Regel an den Auftraggeber überträgt, gehören: Urheberrechte / Nutzungsrechte, Leistungsschutzrechte (das Recht, die Vervielfältigung, Verbreitung, Sendung und öffentlichen Zugänglichkeitsmachung) und weitere Schutzrechte.

Echte und unechte Producer beim Auftragsfilm

Echte und unechte Auftragsproduktionen

Auftragsarbeiten können echte Auftragsproduktionen oder unechte Auftragsproduktionen sein: Echt ist eine Auftragsproduktion immer dann, wenn der Filmproduzent mindestens drei der vier Kriterien der Berufsbezeichnung erfüllt (siehe vorgehend: inhaltliche Gestaltung, Organisation und logistische Verantwortung, Verantwortung für Finanzen).

Was was heißt Filmproducer in diesem Fall? Ganz einfach: Sind weniger als drei dieser Merkmale gegeben, ist der Auftraggeber nach dieser Definition der Filmhersteller kein Produzent.

Was und wer ist ein Filmhersteller?

Was und wer ist ein Filmhersteller?

Die Bezeichnung Filmhersteller ist einer der Beweise, dass auch Rechtsgelehrte es manchmal eilig haben. So wird der Begriff zwar in § 94 Urheberrechtsgesetz aufgeführt. Leider aber ging vergessen, festzulegen, was und wer im Sinne des Gesetzes ein Filmhersteller ist. Das ist nicht ohne, weil beispielsweise das deutsche Filmförderungsrecht an die Bezeichnung Filmhersteller anknüpft. Einen Anspruch auf Fördermittel hat in Deutschland gemäß Filmförderungsgesetz (FFG) nur der Filmhersteller. «Was heißt Filmproducer ?» bedeutet hier: Geld!

Die Konflikte, die aus der begrifflichen Unschärfe des Begriffes und der Frage «was heißt Filmproducer ?» entstanden sind, haben nicht nur die höchsten Gerichte beschäftigt, sondern auch bekannte Namen im Filmgeschäft viel Geld gekostet. Heute gilt: Ein Unternehmen kann nur Filmhersteller sein, wenn es von den vier Merkmalen wiederum mindestens drei erfüllt.

Regisseure besitzen zwar Leistungsschutzrechte, sind aber keine Filmhersteller. Der Regisseur trägt in der Regel keine wirtschaftliche oder budgetäre Verantwortung. Daran ändert nichts, wenn ein Regisseur (so wie die Regisseure Tom Tykwer, Dani Levy und Wolfgang Becker bei der bekannten Produktionsfirma X-Filme in Berlin) eine zweite Rolle als Gesellschafter innehat. Diesfalls entstehen seine Ansprüche aus der Funktion als Produzent.

Was heißt Producer? Das Steuerrecht bringt es mit der aktuell gültigen Formulierung des deutschen Bundesfinanzhofs auf den Punkt: Filmhersteller ist nur derjenige, der ein Filmprojekt von A bis Z maßgeblich beeinflusst und in erheblichem Umfang das Risiko für Erfolg und Misserfolg übernimmt.

Was ist ein Producer?

Was ist ein Producer?

Der Produzent ist im englischsprachigen Raum der Producer. Nicht mehr. Nicht weniger.

Ärgerlicherweise hat sich im deutschen Sprachraum die Unsitte eingebürgert, dem Filmproducer untergeordnete Mitarbeitende ebenfalls Producer zu nennen. So wird, besonders häufig im Auftragsfilm, auch der Produktionsleiter oder der Herstellungsleiter als Producer bezeichnet.

Im Werbefilm, einer Filmsparte, in der viele Exponenten meist tief überzeugt sind, den Film selbst erfunden zu haben und die Kamera noch dazu, werden sogar Assistenten als Producer bezeichnet. Trotzdem gilt auch bei der Frage «was heißt Filmproducer ?»: Ein Esel, ungeachtet welchen Namen er trägt, bleibt ein Esel.

Fazit

Produzent oder Producer sollte darum immer nur sein dürfen, wer für ein Filmprojekt oder ein Video tatsächlich die Gesamtverantwortung trägt und damit auch über alles und jedes entscheiden kann.

Ein Letztentscheidungsrecht hat beim Film nicht der Herstellungsleiter, nicht der Regisseur und auch nicht der Produktionsleiter, sondern nur einer: der Filmproducer .


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Wer ist Carlo P. Olsson? 26 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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