Du willst Regisseur beim Film werden und fragst dich, was du dazu tun musst?

Regisseur werden für Film und Fernsehen, Regie, Filmregie
Visionär, Baumeister und Leader: die Filmregie | ⚙️ Bild: Sokolov

Es gibt nur wenige Berufe in der Filmbranche, die so begehrt sind wie der des Regisseurs. Die harte Wahrheit lautet: Filmregisseur werden führt überall auf der Welt nur über einen einzigen Weg – und diese Ausbildung ist härter als die künstlichen Zähne deiner Großmutter! Bist du bereit dafür?

Wo Wunschdenken, Fehlinformationen und Mythen zusammentreffen, bleibt die Wahrheit oft auf der Strecke. Die Unterhaltungsindustrie trägt außerdem ihren Teil dazu bei. Wer es beim Regieführen in den Vorspann geschafft hat, erzählt nur selten öffentlich – und noch seltener im Freundeskreis –, wie entbehrungsreich, hart und anstrengend der Weg an die Spitze wirklich war.

Regisseur werden: der Mythos

Ausbeutung? Existenzängste? Zerbrochene Beziehungen, weil man als Filmregisseur ausschließlich für den Job gelebt hat?

Fehlanzeige! Offiziell wird erzählt, man sei entdeckt worden, berühmt geworden und habe eigentlich nur eines gewollt: gute Arbeit leisten. So klingen die Geschichten vieler, die heute Regie führen und davon leben.

Die Wahrheit: Niemand beißt in die Hand, die einen füttert. Das Filmgeschäft ist knüppelhart, aber es bleibt Showbusiness – und über den echten Karriereweg wird bei der Filmregie gerne gelogen, dass sich die Balken biegen.

Viele Nachwuchsfilmer und deren Eltern glauben, der Schlüssel sei die richtige Filmschule. Man müsse nur die Aufnahmeprüfung bestehen, die Ausbildung absolvieren und schon käme der Job wie von selbst.

Warum Filmschule nicht reicht

Falsch gedacht! Nicht nur, weil Regisseur werden kein Beruf im klassischen Sinne ist, sondern vielmehr eine Berufung.

Natürlich erfordert Regiearbeit enormes Fachwissen, denn die künstlerische Leitung ist kein Pappenstiel. Außerdem ist ein starkes Netzwerk im späteren Leben als Filmemacher unverzichtbar – ebenso wie der Zugang zu Filmfestivals, die auf Nachwuchstalente ausgerichtet sind.

Oft beginnt die Karriere nicht mit einer formalen Ausbildung zum Regisseur, sondern mit exzellenten Videos – und das beweisen Beispiele wie das Werbefilm-Festival Papaya Young Directors eindrucksvoll.

Filmschulen sind ein Business für sich

So wenig Schauspieler zufällig auf der Straße entdeckt werden und am nächsten Tag Hauptrollen spielen, so selten kann ein Absolvent einer Filmschule nach dem Abschluss direkt als Regisseur arbeiten.

Mal eben bei einer Produktionsfirma auftauchen, um eine Serie zu inszenieren – völlig unrealistisch! Regisseur zu werden erfordert weit mehr als nur ein Regiestudium.

Eine US-Studie sorgte vor einigen Jahren für Aufruhr: Sie untersuchte, wie viele Absolventen pro Jahr erfolgreich eine Regieausbildung abschließen – und wie viele davon nach drei Jahren noch in der Filmbranche tätig sind.

Das ernüchternde Ergebnis: Nur 5 %. Dabei galt in der Statistik jede Tätigkeit in der Branche als „Beruf“ – auch Assistenzen, die in den USA schon mal Blumen kaufen oder Autos putzen.

Das eigentliche Problem der Filmschulen

Das Kernproblem: Keine Filmschule will sich selbst überflüssig machen. Stattdessen lockt man angehende Filmstudenten (und ihre Eltern, die in den USA oft enorme Studiengebühren zahlen) mit großen Namen.

Wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Viele dieser Stars haben dort vor Jahrzehnten studiert – allerdings sind Karrieren wie damals heute die Ausnahme.

Wie beim Lotto hält sich auch bei der Filmregie der Glaube: „Vielleicht gehöre ich zu den 5 %.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch wie viele nie bis zum Sunset Boulevard kommen, sagt keine Schule.

Fakt bleibt: Noch nie wurde ein Regisseur allein wegen eines Abschlusszeugnisses oder einer Ausbildung zum Filmregisseur engagiert.

Wie wird man Regisseur? Die Realität

Der Weg zum Regisseur führt immer über die Qualität des eigenen Showreels – also über die Filme, die man bereits gedreht hat. Deshalb gilt: Wer nichts vorzuzeigen hat, ist kein Regisseur und bekommt keinen Regievertrag.

Ob du diese Arbeitsproben im Alleingang mit Freunden erstellst und dir das Handwerk selbst beibringst, ob du ein Regiestudium absolvierst oder eine Ausbildung zum Regisseur an einer Filmschule wie der HFF München, der Filmakademie Ludwigsburg oder der HfMDK Frankfurt machst – am Ende zählt nur, dass du Filme machst.

Wie wird man Regisseur?

  • Regisseur ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Talent brauchst du ebenso wie Kreativität für die künstlerische Gestaltung.
  • Filmschulen vermitteln Handwerk und bestätigen (vielleicht) dein Talent. Aber ein einziges, starkes Video im Showreel kann mehr wert sein als ein Diplom oder jede formale Regieausbildung.
  • Mit Hollywood-Produktionen lässt sich viel verdienen – wahrscheinlicher ist jedoch ein Leben am Limit.
  • Die einzig sichere Wahrheit: Das Schicksal mischt die Karten deiner Karriere.

Die einzige erfolgversprechende Strategie: Kurzfilme drehen, Erfahrung sammeln – bis dein Material Produzenten überzeugt. Diese suchen keine Rohdiamanten, sondern Regisseure mit passendem Profil für ein konkretes Projekt.

Zeigst du diese Passung nicht, nützt dir das größte Netzwerk nichts – und auch keine ausgeprägte Sozialkompetenz.

Regie führen heißt, ein Problemlöser zu sein

Produzenten betrachten Regisseure in erster Linie als Problemlöser. Die Aufgabe lautet deshalb: Wer kann diese Geschichte so umsetzen, dass sie das Publikum fesselt und erfolgreich wird? Wer bringt die speziellen Fähigkeiten mit, um Drehbuch, Schauspieler und Story auf das nächste Level zu heben?

Regisseur werden: Interview mit Tom Tykwer | © vierundzwanzig.de – Das Wissensportal der Deutschen Filmakademie / YouTube

Gespräch mit Tom Tykwer über seine Arbeit als Regisseur

Deine Fähigkeiten als Filmregisseur müssen bewiesen werden. Worte reichen nicht, denn Vertrauen entsteht – ebenso wie die Selbstwirksamkeit am Set – nur durch Taten.

Darum gilt: Ohne starkes Showreel wirst du nie Regisseur.

Nimm die verd***** Kamera und mach einen Film! Egal, wie banal oder blöd er ist. Ab diesem Moment bist du Regisseur!
James Cameron

Erster Spielfilm-Deal: Was Produzenten sehen wollen

Oft reicht es für den ersten Spielfilm-Deal, Festivalerfolge mit Kurzfilmen vorweisen zu können.

Manchmal wollen Produzenten jedoch sehen, wie du als künstlerischer Leiter 90 Minuten Film bewältigst. Zu Beginn bedeutet das meist: viel unbezahlte Arbeit – manche nennen es Selbstausbeutung.

Die Good News

Filmwissen ist heute leichter zugänglich als je zuvor. Außerdem gibt es Analysen und Lehrmaterial digital oft kostenlos – Blu-ray oder ein Streaming-Abo genügen völlig.

Darüber hinaus lassen sich mit moderner Technik Filme deutlich einfacher produzieren als noch vor 15 Jahren. Ob mit Smartphone oder Kamera: Nie war die darstellende Kunst so barrierefrei. Ein Bachelor oder eine formale Ausbildung zum Filmregisseur ist dafür nicht zwingend nötig. Deshalb: Fang einfach an.

Regisseur Florian Froschmayer: »Natürlich entscheidet auch der Bauch über gut und schlecht!«

Filmanalyse als Lernmethode

Früher musste man sich – mit oder ohne Ausbildung zum Filmemacher – Filme mehrfach im Kino ansehen, um sie in allen Details zu verstehen:

  1. Erste Sichtung für den Gesamteindruck.
  2. Zweite für Handlung und Erzählweise.
  3. Dritte für Schauspielführung.
  4. Vierte für Montage.
  5. Fünfte für Musikproduktion und Sound.

Arbeit in einer Produktionsfirma hilft, die Branche kennenzulernen – führt jedoch nicht automatisch in den Regiestuhl. Bestenfalls qualifiziert man sich so über Jahre für die Regieassistenz.

Filmregisseur werden: Lockvogel Drehbuch?

Manche Regisseure versuchen, mit einem eigenen Drehbuch im Paket aufzutreten – als Autor einer selbst geschriebenen Geschichte oder Inhaber der Rechte daran.

Über Urheber und Lizenzstatus lässt sich problemlos recherchieren. Creative-Commons-Rechte sind jedoch wegen Ideenklau riskant.

Beispiel James Cameron: Der spätere Regisseur von „Avatar“ und „Titanic“ erfand den Plot von „Terminator“ selbst und wollte ihn nur inszenieren.

Große Studios wollten nur das Drehbuch – nicht ihn als Regisseur. Er blieb standhaft, fand kleine Produktionsfirmen, finanzierte den Film und besetzte einen unbekannten österreichischen Bodybuilder. Der Rest ist Geschichte – und Camerons Platz auf dem Regiestuhl war gesichert.

Ein Drehbuch als Türöffner funktioniert nur, wenn es absolut überzeugt. Selbst Top-Autoren können mit Sonderforderungen nur selten punkten.

Andere Wege zum Regisseur ohne Ausbildung

Regie lernt man nicht aus einem Handbuch. Filme drehen ist Pflicht, Filme verstehen ebenso.

Sieh dir deshalb möglichst viele Filme an, analysiere sie präzise und entdecke die Struktur hinter der Struktur. Außerdem solltest du dein eigenes Leben bewusst leben und daraus schöpfen, um deine Kunst authentisch zu gestalten.

Regisseur Daniel Schmid sagte einst zu einem Vater, der seine Tochter davon abbringen wollte, Regisseur zu werden: „Wer für die Filmregie gemacht ist, lässt sich von nichts und niemandem abhalten!

Diese Tochter wurde meine Assistentin, analysierte zwei Jahre lang jedes Wochenende „Apocalypse Now“ und überraschte mich montags mit neuen Erkenntnissen. Heute arbeitet sie – erfolgreich – als Juristin.

Mehr dazu

Mehr zum Handwerk des Regisseurs: Wie man als Filmregisseur Schauspieler und Filmcrews richtig anleitet.

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Dieser Artikel wurde erstmals publiziert am 18.05.2017

Zachery Z. 53 Artikel
Zachery Zelluloid war in der Unterhaltungsindustrie tätig. Er schreibt unter Pseudonym, weil er weder vertraglichen Schweigepflichten verletzen, noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern oder Freunde brüskieren will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

10 Kommentare

  1. @Zoro mit nur einem R: gute Frage, Hut ab! Nö, ich war Produzent und habe als solcher Karrieren für Regisseure möglich gemacht und unmöglich gemacht. Warum ich niemals Regie führen wollte? Weil Produzenten immer zu tun haben, während leider selbst hochtalentierte Filmregisseure meist nur alle paar Jahre einen Film drehen können.

  2. Hi! Danke für diesen wundervollen, augenöffnenden Beitrag!!! Reicht für “ein einziges gutes Video auf Showreel“ auch ein Solo-Kurzfilm ohne Schauspieler bzw. mehr Fokus auf visuelle Sprache?

  3. @Andi: Wenn dein Kurzfilm oder Videoclip dein Talent zeigt, seine Zuschauer fesselt und fasziniert, sich mir in die Seele brennt und mehr ist als Copy-Paste, ist die einfache, klare Antwort: Ja! (Vermeide diese Falle, in welche 99 % stolpern: Technische Perfektion ist zweitrangig – dein Talent als Regisseur, Filmemacher oder Storyteller erkenne ich sofort auch anhand eines Videos, das du mit dem Smartphone gedreht hast.)

  4. Vielen Dank!! Haben dann Solo-Kurzfilme ohne Schauspieler bzw. mit Selbstdarstellung überhaupt auf Festivals eine Chance? Was meint Ihr? 🙂

  5. wie werde ich regisseur

    @Andi Um es mit Altmeister und Regisseur Hitchcock zu sagen: Schauspieler sind nicht wichtiger als Kulissen. Entscheidend ist, was du mit deinem Kurzfilm sagen willst. Wenn du diese Botschaft nicht ohne Schauspieler transportieren kannst, dann willst du Darsteller. Aber Achtung: Regie führen ist bei Laiendarstellern schwieriger, als man glaubt – auch daran können Kurzfilme glorios scheitern. Als Regisseur willst du die Kontrolle über alles, was in deinem Film passiert.
    Wenn du keine Erfahrung mit Casting hast, ist allein die Suche nach den richtigen Personen vor der Kamera ein Risiko. Darum: Kurzfilme scheitern an Festivals meist wegen schlechtem Storytelling und an der Rollenbesetzung – wenn man das überhaupt trennen kann. Schau dir mal „Rubber“ von Quentin Dupieux an. Ist zwar kein Kurzfilm, aber ein gewaltiger Festivalerfolg. Die Hauptrolle spielt ein Autoreifen (aber ja: Es gibt auch Menschen als Nebendarsteller).

  6. Vielen Dank!! Eine Frage habe ich noch: Ist für den Karrierestart als Nachwuchsregisseur YouTube eine sinnvolle Alternative zu Festivals, um entdeckt zu werden? Was meint Ihr? 😀

  7. berufsweg filmregie

    @Andi Du willst Festivals, Vimeo und YouTube. Aber aufgepasst: Du wirst nicht entdeckt, so etwas gibt es nur im Märchen! So läuft das nicht im Filmbusiness. Keine seriöse Filmfirma sucht ein Regie-Talent an Nachwuchsfestivals oder auf Social Video. Regisseur werden bedeutet beim Karrierestart: 10 % Erfahrung, 20 % Wissen, 30 % Glück und 40 % Ausdauer. Du musst Kontakte in der Branche knüpfen und auf Filmsets aushelfen, und erst dann gerätst du vielleicht an einen Menschen, dem du dein Showreel (oder einen Link zu Vimeo oder YouTube oder was-auch-immer) senden darfst und der mit deinen Fähigkeiten etwas anfangen kann (will heißen: der glaubt, mit dir Geld verdienen zu können). Bis dahin gilt: machen, machen, machen! So schwierig, so hart. Viel Glück!

  8. Vielen lieben Dank für die Infos!!! Wenn man eine seltene „Ausnahme“ wäre, mit eigener Handschrift/Stil/visueller Bildsprache wie Kubrick oder Spielberg, hätte man es da dann einfacher in Deutschland? Rein theoretisch? 😀

  9. @Andi Einfache Frage – einfache Antwort: Die Wahrscheinlichkeit, dass du Bundeskanzler wirst oder von Elon Musk adoptiert wirst, ist etwa doppelt so hoch. Du hast keine Chance, also nutze sie!

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