Leitfaden für Regisseure zum Verständnis der Schauspieltechniken von Filmschauspiel­er:innen

Schauspieltechniken Stanislawski, Meisner, Strasberg Methode
Emotionen und Schauspieltechnik gehen (meist) Hand in Hand | © Adobe Stock

Um mit Schauspielern auf dem Filmset erfolgreich arbeiten zu können, muss man als Regisseur verstehen, was Schauspieltechnik ist. Die Stanislawski-Methode ist ein Trainings- und Probensystem, das einem Filmschauspieler hilft, seine Figur vollständig zu verstehen und sich mit ihr zu verbinden. Andere beliebte Schauspieltechniken sind die Meisner-Technik, die sich auf die Improvisation und Reaktionen aus einem Moment heraus konzentriert, und die Lee-Strasberg-Methode, die das emotionale Gedächtnis und das Sinnesgedächtnis betont.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, als Schauspieler zu brillieren. Verschiedene Regisseure und Schauspieltrainer schwören auf unterschiedliche Methoden. Es liegt an dem einzelnen Schauspieler, herauszufinden, was für ihn am besten funktioniert. Dennoch gibt es einige Techniken, die bekannter sind als andere. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf drei der weltweit berühmtesten Schauspieltechniken: Stanislavski, Meisner und Strasberg.

Die Stanislawski-Methode

Die Stanislawski-Methode ist ein Trainings- und Probensystem, das einem Schauspieler hilft, seine Figur vollständig zu verstehen. Das Ziel besteht darin, sich mit dem Filmcharakter zu verbinden. Diese Methode wurde von dem russischen Regisseur und Schauspiellehrer Konstantin Stanislawski (auch Stanislavski geschrieben) entwickelt. Dieser wollte einen Weg finden, um Schauspielern zu helfen, die Gefühlen und Erfahrungen ihrer Figuren perfekt zu verinnerlichen.

Zu den Übungen und Techniken von Stanislawski, mit denen Schauspieler mit ihren Figuren in Kontakt treten können, gehören unter anderem:
  • Fragen über den Hintergrund und die Motivation der Figur stellen
  • Sich tief in die Rolle und Lebenswelt der Figur hineinversetzen
  • Sich vorstellen, was dieser Charakter in verschiedenen Situationen sagen oder tun würde
  • Nachspielen von Szenen aus dem Standpunkt der Person, die man im Film verkörpert

Die Stanislawski-Methode wohl die bekannteste Technik der Schauspielausbildung. Weil die Schauspieltechnik vielen Schauspielern hilft, glaubwürdig und emotional ehrlich die von ihnen verkörperte Rolle darzustellen. Die Technik wird aber auch oft in Verbindung mit anderen Methoden, wie der Meisner-Technik oder der Lee-Strasberg-Methode, angewendet.

Die Meisner-Technik

Die Meisner-Technik ist eine von dem amerikanischen Schauspieler und Regisseur Sanford Meisner entwickelte Improvisationsmethode des Schauspiels. Bei dieser Technik geht es darum, den Schauspieler darin zu schulen, im Moment präsent zu sein und wahrheitsgemäß auf seine Szenenpartner zu reagieren. Um dies zu erreichen, führen die Schauspieler bei dieser Schauspielmethode eine Reihe von Übungen durch, die sie zwingen, sich auf ihren Partner und die Situation, in der sie sich befinden, zu konzentrieren. Das Ziel besteht darin, anstatt über Text nachzudenken oder darüber, was man als Darsteller tun sollte, dies am Ende der Ausbildung instinktiv zu wissen. Auch Improvisationen und Dialogverständnis gewinnen damit massiv an Qualität.

Einige der in der Meisner-Technik verwendeten Prinzipien sind:
  • Wiederholung: Bei dieser Übung wiederholen zwei Schauspieler abwechselnd eine einfache Dialogzeile für das Gegenüber. Ziel ist es, dass die Schauspieler präsent bleiben und sich aufeinander konzentrieren, anstatt sich in ihren eigenen Gedanken zu verlieren.
  • Emotionale Reaktion: Zwei Schauspieler teilen einander abwechselnd eine emotionale Erinnerung mit. Dies mit der Absicht, dass die Schauspieler ihre Emotionen wahrheitsgemäß und ehrlich wiedergeben, ohne sich zurückzuhalten.
  • Reaktion auf die Situation: Schauspieler versetzen sich übungshalber in eine Situation. Ein Beispiel: Ein Schauspieler gibt vor, ein ausgebrannter Bankangestellter zu sein. Sein Gegenüber schlüpft in den Körper eines wütenden Kunden. Nun müssen beide eine Szene improvisieren. Trotzdem sollen beide Schauspieler in der Gegenwart absolut präsent bleiben und authentisch auf Reaktionen reagieren.

Die Meisner-Technik ist beliebt, weil sie den Schauspielern hilft, glaubwürdige und emotional ehrliche Darstellungen zu schaffen. Auch sie wird oft in Verbindung mit den anderen zwei Methoden, der Stanislawski-Methode oder der Lee-Strasberg-Methode, eingesetzt.

Die Strasberg-Schauspielmethode

Die Lee-Strasberg-Methode betont als Schauspieltechnik das emotionale Gedächtnis und das sensorische Gedächtnis. Diese Methode ist von dem amerikanischen Regisseur und Schauspiellehrer Lee Strasberg entwickelt worden. Strasberg war überzeugt, dass Schauspieler ihre eigenen Emotionen und Erfahrungen mit dem richtigen Training dafür einsetzen können, glaubwürdigere Darstellungen zu schaffen.

Zu diesem Zweck entwickelte Strasberg vielfältige, anspruchsvolle Übungen und Techniken, die den Schauspielern den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und Erinnerungen erleichtern.

Wichtige Schwerpunkte der Strasberg Methode sind:
  • Emotionales Gedächtnis: Der Schauspieler erinnert sich an ein vergangenes, eigenes Erlebnis, das in ihm eine starke Emotion hervorgerufen hat. Die Gefühle, die er bei diesem Erlebnis empfunden hat, sollen abgerufen und für die Rolle übernommen werden.
  • Sensorisches Gedächtnis: Bei dieser Schauspielübung konzentriert sich der Schauspieler auf seine Sinneswahrnehmung – anstelle der Gefühle – und ruft sich ein vergangenes Ereignis so detailliert wie möglich ins Gedächtnis. Ziel ist es, dass der Schauspieler mit dieser Schauspieltechnik über Sehen, Hören, Berührungen einen neuen Zugang zu den Emotionen findet, die er bei diesem Erlebnis empfunden hat, und diese in seiner Darbietung einsetzt.
  • Am Ende aller Schauspiel-Strategien von Strasberg ist die Verkörperung einer Rolle auf Basis von Erinnerungen an komplexe Gefühle und an die damit verbundene Wahrnehmungen: Regentropfen, die bei einem Gespräch gegen eine Fensterscheibe fallen und das damit verbundene Geräusch, oder persönliche körperliche Empfindungen im Kontext eines Erlebnisses zusammen mit dem Gefühl, dass diese Eindrücke in einem hervorgerufen haben.

Die Lee-Strasberg-Methode ist beliebt, weil sie Schauspielern mit der Kombination von zwei Ansätzen dazu verhilft, glaubwürdige und emotional ehrliche Darstellungen zu schaffen. Sie kann natürlich auch mit Theorien aus der Stanislawski-Methode oder der Meisner Technik kombiniert und verfeinert werden.

Vergleich und Gegenüberstellung der Schauspielmethoden

Alle drei Schauspieltechniken – die Stanislawski-Methode, die Meisner-Technik und die Lee-Strasberg-Methode – sind beliebt. Sie alle helfen Künstlern, glaubwürdige und emotional ehrliche Darbietungen zu schaffen und damit bessere Schauspieler zu werden.

Jede Methode hat jedoch ihren eigenen, einzigartigen Schwerpunkt.

Die Stanislawski-Methode legt den Schwerpunkt auf das Innenleben der Figur. Sie hilft dem Schauspieler, ihre Motivationen und Ziele zu verstehen. Die Meisner-Technik konzentriert sich auf die Improvisation und das Reagieren im Augenblick, während die Lee-Strasberg-Methode das emotionale Gedächtnis und das sensorische Gedächtnis ins Zentrum stellt.

Alle drei Methoden können zusammen verwendet werden, um eine abgerundete Darstellung zu schaffen. Dennoch bietet jede schon für sich allein ihre eigenen, einzigartigen Vorteile, die in den Übungen auf die Bedürfnisse eines jeden Schauspielers zugeschnitten werden können.

Mit welcher Schauspiel-Methode arbeiten berühmte Filmschauspieler?

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, welche Methode die Beste oder Richtige ist. Dies, da verschiedene Schauspieler abhängig von ihren eigenen Bedürfnissen und Vorlieben unterschiedliche Methoden für eine Rolle bevorzugen.

  • Zu den Schauspielern, die die Stanislawski-Methode angewendet haben, gehören Marlon Brando, Al Pacino und Daniel Day Lewis.
  • Filmstars, die mit der Meisner-Methode arbeiten, sind Robert De Niro, Paul Newman und Dustin Hoffman.
  • Marilyn Monroe, James Dean und Al Pacino gehören zu den Schauspielern, die die Lee-Strasberg-Methode angewendet haben oder anwenden.

Unabhängig davon, welche Methode zum Einsatz kommt. Das Ziel jeder Verkörperung einer Rolle ist es immer, eine authentische, lebensnahe Darstellungen einer Figur zu schaffen.

Was bedeuten die jeweiligen Schauspieltechniken für einen Regisseur?

Filmregisseure können eine der drei gängigen Schauspieltechniken – die Stanislawski-Methode, die Meisner-Technik oder die Lee-Strasberg-Methode – anwenden, um ihren Schauspielern zu helfen, glaubwürdige und emotional ehrliche Darbietungen zu schaffen. Natürlich ist es eine Frage von Ethik und Fairness, vorab zum Rückgriff auf eine dieser Methoden, mit dem Darsteller darüber zu sprechen. Das richtige Werkzeug am falschen Ort schadet mehr, als einen Mehrwert zu schaffen.

Jede Methode hat jedoch ihren eigenen Schwerpunkt, sodass Regisseure die Technik wählen sollten, die ihren Bedürfnissen und denen ihrer Schauspieler am besten entspricht.

Die Stanislawski-Methode kann Regie und Darstellern helfen, das Innenleben und die Motivationen einer Figur besser zu erstehen. Stehen bei einem Filmdreh möglicherweise Improvisationen im Vordergrund, verhilft die Meisner-Technik zur bestmöglichen Performance. Ist maximale Tiefe der Darstellung gefordert, verbessert die Lee-Strasberg-Methode den Zugang zum eigenen, emotionalen Gedächtnis und zum sensorischen Gedächtnis.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es drei weltweit bekannte, beliebte Schauspieltechniken gibt: die Stanislawski-Methode, die Meisner-Technik und die Lee-Strasberg-Methode. Jede dieser Methoden hat ihre eigenen Schwerpunkte, ihre ganz spezifischen Vorteile und auch Nachteile. Daher sollten Schauspieler und Regisseure immer die Technik wählen, die ihren Bedürfnissen am besten entspricht.

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Carlo Olsson 90 Artikel
Carlo Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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