Mein Name ist »Nobody« (2021): Bob Odenkirk überrascht als Rächer und zeigt Zähne | Filmkritik

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Rache ist Blutwurst: Bob Odenkirk in "Nobody" (2021) | © Universal Pictures International (UPI)

Hutch Mansell knirscht mit den Zähnen und seine Augen blitzen. Dann knurrt er: „Ich hoffe nur, diese Arschlöcher mögen die Verköstigung im Spital!“. Was dann folgt ist mindestens so gut, wie man es von John Wick kennt, aber mit mehr Humor und Selbstironie. »Nobody« (2021) von Ilja Naischuller ist ein Genre-Movie, das gekonnt die Tradition der Rache-Filme fortschreibt. Mittendrin – und als Besetzung höchst unerwartet, aber jede einzelne Sekunde überzeugend: Bob Odenkirk (Breaking Bad).

Ilja Naischuller ist ein Name, den man sich merken muss. Der russisch-stämmige Regisseur, Musiker und Drehbuchautor, der in seiner Jugend auch in London lebte, legt mit seinem zweiten Spielfilm „Nobody“ (2021) ein höchst gekonntes, spaßiges Genre-Movie vor.

Der Handlungsverlauf dieses Thrillers ist ebenso kurzweilig wie die Besetzung von „Nobody“ (2021) originell. Bob Odenkirk, in seinen bisherigen Rollen eher für seinen Dackelblick und seine liebevoll-komische Tollpatschigkeit berühmt, überrascht in diesem Rächerfilm als harter Brocken seine zahlreichen Gegner im Film ebenso wie die Zuschauer.

In den Siebzigerjahren hießen sie Dirty Harry, Paul Kersey oder Frank Bullitt. Verkörpert wurden sie von Clint Eastwood, Charles Bronson und Steve McQueen. Sie verkörperten allesamt Männer, die das Gesetz in die eigene Hand nahmen und Unrecht ohne viel Federlesens gnadenlos sühnten.

Ihre Figuren waren Großstadt-Cowboys, die keinen Sinn und keine Notwendigkeit darin erkennen konnten, zwischen  Recht und Gerechtigkeit zu unterscheiden und als Rächer, Richter und Henker in einer Person das Genre Rache-Film für Generationen prägten.

Kino-Trailer »Nobody« | © Universal / YouTube

Kino-Trailer »Nobody« | filmkritik filmpuls Bob Odenkirk

Mit dem Aufkommen der Superhelden wurden es schnell ruhiger um die einsamen Helden und das Rächer-Genre. Die übermenschlichen Heldenfiguren wie Batman, Wonder Woman und Thor waren in ähnlicher Mission auf der Kinoleinwand unterwegs. Nun aber in fantastischen oder futuristischen Welten, die von der Lebensrealität der Zuschauer sehr viel weiter entfernt waren als die alten Rächer-Filme und darum viel weniger Ängste erzeugten. Es war nicht mehr der eigene Nachbar, dem als Normalo und Nobody schuldlos Schlimmes geschah und der darum unerwartet durchdrehte und zum Killer wurde.

Nobody
CAST
Hutch "Nobody" MansellBob Odenkirk
Yulian KuznetsovAleksey Serebryakov
Becca MansellConnie Nielsen
David MansellChristopher Lloyd
RZADavid Mansell
Eddie WilliamsMichael Ironside
u.v.a.
CREW
RegieIlya Naishuller
DrehbuchDerek Kolstad
DoPPawel Pogorzelski
MusikDavid Buckley
EditorEvan Schiff, William Yeh
ProduzentBraden Aftergood, Bob Odenkirk, Marc S. Fischer
LandUSA
Premiere26. März 2021 (Deutschland: 1. Juli 2021)
Folgen92 min.
SpracheEnglish, Deutsch

Einige Jahre und viele keimfreie Superhelden-Filme später geschah, womit kaum jemand gerechnet hatte: Mit „John Wick“ (2014, mit Keanu Reeves) und „The Revenant“ (2015, mit Leonardo DiCaprio) erlebte der Revenge-Film ein kraftvolles Comeback im Mainstream-Kino. „Nobody“ (2021) setzt diesen Trend kraftvoll fort.

Geblieben ist über alle die Jahre die Rache als zentrales Handlungsmotiv des Helden. Diesem, oder einem Mitglied seiner Familie – wie man seit John Wick weiß, zählen heute auch kleine Hunde als vollwertiges Familienmitglied – wird unrechtmäßig ein Schaden zugefügt. Ab diesem Moment heißt die Maxime: Ein Mann sieht rot!

Bob Odenkirk, bekannt aus der Hit-Serie „Breaking Bad“ (2009-2013), „Better Call Saul“ (seit 2015) und „Little Woman“ (2019) ist nun allein schon von seiner physischen Erscheinung her nicht unbedingt als gnadenloser Rächer prädestiniert. Die Oberarme von Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger dürften in früheren Filmen in ihrem Umfang in etwa der heutigen Größe des Kopfes von Bob Odenkirk entsprechen. Doch der von ihm gespielten Figur Hutch „Nobody“ Mansell an Muskelmasse fehlen mag, macht dieser mit Grips und Köpfchen wett.

Odenkirk als Rächer ist nicht weniger erbarmungslos als seine Vorgänger. Wenn es um seine Familie geht, folgt auch Hutch „Nobody“ Mansell der Tradition der Unguided Missiles. Alles, was ihn seinem Ziel näher und seine Widersacher dem Ableben näher bringt, muss getan werden. Doch gerade hierin, in dieser Zielstrebigkeit, zeigt sich das Talent von Ilja Naischuller. Wie der Regisseur den Rachefeldzug von Bob Odenkirk inszeniert, ist jede Sekunde glaubwürdig und wiegt den Zuschauer trotzdem in der beruhigenden Gewissheit, dass dies alles nur ein großer hintergründiger Spaß ist. Und ein verdammt guter Film. Mit genialen Wendungen im Handlungsverlauf. Als Sahnehäubchen gibt es obendrauf ein Wiedersehen mit dem umwerfend komischen Christopher Lloyd (Doc Brown aus der „Back to the Future“-Trilogie).

Kurzum: »Nobody« ist ein Film, der nicht nur Genre-Fans von Rache-Filmen glücklich macht, weil er seine Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde in den Bann zieht. Alles andere ist gelogen.

Der Kinostart von »Nobody« (2021) erfolgt im deutschsprachigen Raum zu unterschiedlichen Terminen. Während der Film in Deutschland erst im August in die Kinos kommen soll, ist er in der Schweiz bereits diese Tage gestartet und auf der großen Leinwand zu sehen.

Über Zachery Z. 44 Artikel
Zachery Zelluloid war in der Unterhaltungsindustrie tätig. Er schreibt unter Pseudonym, weil er weder vertraglichen Schweigepflichten verletzen, noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern oder Freunde brüskieren will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

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