Was ist der Unter­schied zwischen Film und Video?

Gestern war heute noch morgen

Was ist ein Video? Die Unterscheidung hatte ihren Ursprung einst in der Technik. Heute ist das anders.

Das Wort Video ist lateinisch und heißt: Ich sehe. Das allein ist aber noch keine Antwort auf die Frage, was ist ein Video? Aber dieser Artikel zeigt dir, ob es Unterschiede gibt und wenn ja, worin diese bestehen.

Das musst du wissen

  • Die Frage, was ein Video ist, war früher grundlegend. Heute, bedingt durch die technische Entwicklung, unterscheiden sich die Begriffe im Sprachgebrauch immer weniger.
  • Im der Bezeichnung Film schwingt aber bis heute noch etwas von Hollywood und der glamourösen Spielfilmwelt mit. So werden Kinofilme meist noch als Filme betitelt. Zumindest bis sie dann als Video online verfügbar sind.
  • Umgekehrt werden Videos im Internet eher selten als Filme bezeichnet. Die Ausnahme, welche diese Regel bestätigt, sind beispielsweise aufwendig produzierte Imagevideos, die zu einem Imagefilm aufgewertet werden.

Was ist ein Video?

Bis zur Jahrtausendwende war es üblich, qualitativ hochwertige Werke als „Film“ und einfacher gemachte Produktionen als „Videos“ zu bezeichnen. Das englische Wort Film (deutsch: Beschichtung) stammt aus der Zeit der Gründerjahre des Kinos, als erstmals Filmnegative aus Nitrozellulose mit einer lichtempfindlichen Foto-Emulsion beschichtet werden konnten.

Filmpuls Magazin

Mit der Erfindung von Video entstand erstmals beim Filme machen eine technische Alternative zur Aufzeichnung bewegter Bilder auf Negativmaterial. Die Entwicklung latenter Negative im Labor wurde überflüssig. Aber das war nur der Anfang:

Videos stinken. Film ist cool!

Im Auftragsfilm konnte sich Video aufgrund vergleichsweise tieferer Kosten zur Filmproduktion rasch seinen Platz erobern. Der Videofilm wurde darum auch schnell einmal zum Synonym für Auftragsfilme.

Anders allerdings beim Imagefilm. Dort etablierte sich bei der Frage was ist ein Video? eine Zweiteilung. Auftragsfilme für Imagewerbung mit hohem qualitativem Anspruch wurden weiterhin als Imagefilm bezeichnet und auf demselben Niveau und mit vergleichbaren Mitteln wie Spielfilme und Werbefilme produziert, während man einfachere Werke mit tieferem technischen und inhaltlichen Anspruch Imagevideo nannte. Andere Genre, wie Testimonial oder CEO Videos, heißen bis heute immer nur Video.

Dazwischen gibt es noch begriffliche Kopfgeburten wie Videofilme. Einfacher machen diese das Verständnis, was ein Video ist, nicht.

Zuerst die technische Qualität…

Bis spät in die späten neunziger Jahre galt: Wer es sich leisten kann, der produziert kein minderwertiges Video.

Videokameras lieferten bis Mitte der 90er Jahre einen bis zu Faktor 40 (!) kleineren Kontrastumfang im Vergleich zu Aufnahmen, die auf beschichtetes Filmmaterial gedreht wurden. Der Qualitätsunterschied war sofort erkennbar.

Darum wurden den Videoproduzenten in der Hackordnung der Filmbranche eine tiefere Wertigkeit als den Filmproduzenten zugesprochen. Mit dem Wechsel von analogem Video zu digitalem Video änderte sich diese Wahrnehmung.

Filme haben Vergangenheit. Videos haben Zukunft.
Ralph H. Baer, 1994

Einerseits verschwand der physische Film definitiv aus dem Herstellungsprozess. Bis vor weniger als 10 Jahren war es üblich, Werke, welche höchsten Ansprüchen genügen mussten, auf beschichtetem Polyester zu drehen (siehe vorgehend, Anmerkung zum Kontrastumfang) und dann, nach der Entwicklung, für die weitere Bearbeitung zu digitalisieren. Für die Projektion in den Kinos (die anders als heute noch immer klassisch über einen Filmprojektor erfolgte) wurde anschließend das Videoband im Labor wieder auf physischen Film ausbelichtet.

Was ist ein Film
Was ist ein Video? Was ein Film?

Andererseits zwangen immer leistungsfähigere Chips in den Videokameras auch etablierte Hersteller von Kameras wie ARRI, komplett auf die neuen, besseren Technologien umzuschwenken. Dies zusammen mit neuen Playern im Bereich der Kamera-Hardware, beispielsweise RED. Kinofilme konnten nun plötzlich komplett digital hergestellt werden.

Die Spielfilme im Kino wurden damit in technischer Hinsicht zu Videos. Die Verwendung der zwei Wörter zur Unterscheidung der Strahlkraft und zum Aspekt was ist ein Video? war damit, ebenso wie die Aufrufe zur Differenzierung, sinnlos geworden. Beides war plötzlich dasselbe.

… dann plötzlich zählt wieder der Inhalt!

Interessanterweise aber bewegen sich die Bezeichnungen bei der Untersuchung, was ist ein Video, seit 2014 verstärkt auseinander. Diesmal aber nicht mehr wegen der technischen Unterschiede. Sondern angetrieben durch ihre inhaltlichen Merkmale (neudeutsch: durch den Content).

Dies wegen der immer größeren und immer einfacheren Verfügbarkeit von immer mehr Videos. Auch die Action Cam ist dafür mitverantwortlich, dass Videos wieder weniger zu melden haben als einst.

Sowohl Auftraggebern, aber auch Filmemacher und Videproducer, laden ihre Werke nun wieder mit unterschiedlichen Bedeutungen auf.

Content is King. Distribution is Queen.

Unterschiedliche Werte aus Sicht des Zuschauers

Der User und Zuschauer unterscheidet heute bei der Fragestellung, »was ist ein Video?», wie folgt:

  • Videos werden von Videojournalisten auf die Schnelle abgefilmt.
  • Filme dagegen sind bewusst inszeniert und haben das Potenzial zur Kunst.
  • Videoproduktionen sind von kleinen Crews mit tiefer Arbeitsteilung hergestellt.
  • Realisatoren von Videos sind Bewegtbild-Handwerker (und oftmals auch Kameramann und Produzent in Personalunion).
  • Filmregisseure sind Talente, die mit einer vielköpfigen Crew einen Kinofilm einzigartig und unverwechselbar machen.
  • Videos sind auf YouTube gratis verfügbar. Aufrufe sind über jedes Device jederzeit möglich.
  • Spielfilme sind eine Liga für sich. Um sie zu sehen, muss ich ein Ticket kaufen. Oder ich muss auf Bezahlplattformen wie Netflix, Zulu, iTunes oder Google Play zahlen. Weil: Unterhaltung ist nicht kostenlos.
Content ist und bleibt King - er bestimmt die Begrifflichkeiten zur Qualität
Wertiger Content = Film

Nochmals, was ist ein Video?

Massenmedien sind bekanntlich Medienmassen gewichen. Auf Smartphones, Tablets, am POS und im Internet wird der Konsument von Bewegtbild richtiggehend geflutet. So treten die Trends Storytelling in der Praxis in Erscheinung. Schöner Fernsehen als Versprechen. Neu auf allen Kanälen, nicht nur am TV.

Was ist ein Video?Die Aufmerksamkeitsdauer beträgt gerade noch 8 Sekunden. 3 Sekunden mehr als bei Pre-Roll Clips im Online Advertising auf YouTube, 2 Sekunden weniger als das Erinnerungsvermögen eines Goldfisches …

Gelingt es in diesen 8 Sekunden nicht, Aufmerksamkeit und Motivation für das Weitersehen zu generieren, ist der Zuschauer weg. Dies ungeachtet davon Was ist ein Video?

Es dürfte darum noch äußerst spannend werden, wie einzelne Verlagshäuser im Kampf um Aufmerksamkeit bestehen wollen, ohne letzten Endes dann nicht doch die äußerst kostenintensiven redaktionellen und produktionellen Prozesse von Fernsehsendern kopieren zu müssen. Zumal deren Implementation dann zwar in einem gewissen Maß die Wirkungsqualität sicherstellen kann. Gleichzeitig verhindert dies dann aber oft die notwendige Flexibilität, um mit den rasanten Entwicklungen der Online-Video-Kommunikation Schritt zu halten.

Was heißt das für die Antwort, was ein Video ist? Ganz einfach: die zwei Arten werden sich in Zukunft wieder stärker unterscheiden.

Die Definition von Video

Wikipedia definiert Video als Film, der auf ein Magnetband oder Datenträger geladen wurde.

Nach dieser Definition wäre alles, was auf YouTube Kanäle geladen ist, ungeachtet der Dauer, ob VLog oder mit fiktivem Charakter, ein Film und zugleich ebenso ein Video. Das mag mit ein Grund sein, dass dieser Artikel (Stand April 2015) zu «Was ist ein Video» auf Wikipedia aktuell zur „Begriffsklärung“ gekennzeichnet ist. Korrekt ist, die Verbreitung aus der Definition im Artikel auf Dauer wegzulassen, dies merken User im Quelltext korrekt an.

Auf Dauer ignorieren darf man im Zusammenhang mit «was ist ein Video?» auch den Aspekt, wie eine Bewegtbildproduktion verarbeitet ist. Dasselbe gilt für die Navigation und der Unterschied, ob Abrufe und Aufrufe erst beim Ansehen oder schon vorher erfolgen. Ebenso auf welches Medium man für die Distribution wählt. Darum, weil diese Vorgänge heute ausnahmslos digital erfolgen. Codes und Quelltext interessieren nicht. Bewegte Bilder sind keine Bücher, die mit einer ISBN Nummer klassifiziert werden können.

Nun aber, was ist ein Video? Die ehrliche Antwort, was ein Video ist:

  • Aus technischer Sicht ist es heute dasselbe wie eine gefilmte Produktion.
  • Mit Bezug auf den Inhalt ist die Bezeichnung eine Sache der Wertigkeit.

Film ist ein wertvollerer Begriff. Eine mit höherem Wert aufgeladene Marke. Wer möchte schon im Kino ein Video ansehen und dafür ein Ticket bezahlen?

Hohe Production Valus werden, selbst unter Profis, einem Video weniger zugetraut. Umgekehrt spricht man im Zusammenhang mit YouTube fast immer von Katzenvideos, nicht von Katzenfilmen. Andere Genre bedienen sich bei beiden Bezeichnungsarten, ohne dass darunter das Ansehen leidet. Ist ein Hochzeitsvideo qualitativ besser als ein Hochzeitsfilm?

Zusammengefasst

Die technische Gleichschaltung der Produktionsprozesse bildet nicht nur bei der Klärung «Was ist ein Video» eine ganz große Chance. Aber nur, wenn wir uns darauf besinnen, was auf Dauer die Aufgabe von Bewegtbild in Marketing und Kommunikation ist. Wirkung zu erzeugen.

Was ist ein Video? Was ist ein Film? Worin zeigt sich der Unterschied?Ungeachtet wie man das Kind benennen will und losgelöst davon, was ein Video ist: Beide Begriffe werden nur noch zur Unterscheidung der inhaltlichen Attraktivität verwendet.

Der Auftragsfilm kann hier vom Spielfilm einiges lernen. Spielfilme sind seit jeher inhaltsgetrieben. Dort wo Technik im Spielfilm entscheidend ist oder war (digitale Effekte etc.) dient sie seit jeher immer einem größeren Ganzen: dem Transport der Handlung und der Steigerung der Wirkung.

Überall dort, wo sich Dinge rasant verändern ist nicht nur die Feststellung, was sich wie verändert überlebenswichtig. Sondern auch diejenige danach, was bleibt.

Während die immer kürzer werdende Spanne der Aufmerksamkeit des Konsumenten von Bewegtbild im Internet die Werbewirtschaft in einen selbstverschuldeten Teufelskreis aus Ignoranz, ausbleibender Innovation und mangelnder Leadership zu führen droht, sind im amerikanischen Markt deutliche Aufrufe in eine neue Richtung feststellbar. Cinemagraphs machen sich als Vertreter einer Gegenbewegung auf den Siegeszug. Und 360-Filme, nicht zuletzt dank neuen technischen Mitteln wie der YI HALO 360-Grad-Kamera von Google, lassen die Grenze zwischen den Genres und Bezeichnungen weiter verschmelzen.

Was ist ein Video? Ob Cinemagraph als 10-Sekunden-Loop oder ob eine „echte“ Bewegtbildproduktion mit einer Länge von einigen Minuten: Das Bewegtbild folgt immer auch dem Grundsatz der Wirkungsäquivalenz.

★ Hier werden Videoformate und Filmformate ausführlich erklärt.


Im Interesse der Lesbarkeit sind in diesem Artikel zur Frage «Was ist ein Video» die Berufsbezeichnungen auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Filmpuls

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