Wie die Filmindustrie durch Games verändert wird und sich neu erfinden muss

Games ändern Filmindustrie
Eine Quelle der Inspiration für Hollywood: Game Medal of Honor. | © Poster: EA Electronic Arts

Die Gameindustrie boomt, und Spiele werden bei einem jungen Publikum immer beliebter. Das hat enorme Auswirkungen auf die Filmindustrie, von der Art und Weise, wie Filme finanziert und produziert werden, bis hin zur Art und Weise, wie sie vermarktet werden. Games verändern, wie Filme gemacht werden und haben einen großen Einfluss auf die Zukunft des Spielfilms.

Im Kampf um die Gunst des Publikums gegen die Streaming-Portale ist die zweite Front, an der die klassischen Filmstudios sich bewähren müssen, etwas in Vergessenheit geraten: Games. Viele Hollywood-Studios nutzen inzwischen Spielmechanismen, um ihre Filme spannender und unterhaltsamer zu gestalten. Dieser Trend wird sich fortsetzen, denn Games gewinnen in der Unterhaltungsindustrie immer mehr an Einfluss. Hier findest du drei prominente Beispiele dazu.

Wie Spiele die Filmindustrie verändern

Die Film- und die Spieleindustrie verflechten sich zunehmend. Viele Hollywood-Studios und Streamer nutzen inzwischen Techniken der Spieleentwicklung, um ihre Filme zu entwickeln, von der Immersion bei der Drehbucharbeit über die Finanzierung und Produktion bis hin zur Vermarktung. Dies hat einen großen Einfluss auf die Zukunft der Filmindustrie.

Wenn es darum geht, wie man Menschen über einen längeren Zeitraum fesselt, ist die Spieleindustrie ist der Filmindustrie weit voraus.
Peter Jackson

Games verändern die Art und Weise, wie Filme gemacht werden. Sie werden bei einem jungen Publikum immer beliebter, das sich von der interaktiven Natur der Spiele angezogen fühlt. Dies führt zu einem Wandel in der Art und Weise, wie Filme finanziert, produziert und vermarktet werden.

Games werden mehr und mehr als Werbeträger für Filme eingesetzt. Studios nutzen Game-Engines, um Teaser-Trailer und sogar ganze Filmerlebnisse zu erstellen, die die Spieler vor der Veröffentlichung des Films genießen können. So erhalten die Zuschauer einen Vorgeschmack auf das, was sie vom Film erwarten können.

Beispiele, wie Spielfilme von Games beeinflusst werden

Drei berühmte Beispiele dafür, wie Games ganz konkret Spielfilme beeinflusst haben, sind:

Die Matrix: Die Wachowskis verwendeten Bullet Time, eine Technik, die durch die Videospielserie Max Payne populär wurde, um die mittlerweile ikonischen Zeitlupensequenzen in The Matrix zu erstellen.

Die Kinoleinwand ist eine Grenze, die gesprengt werden muss, damit Entertainment immersiv werden kann!
Steven Spielberg

District 9: Peter Jacksons Produktionsfirma WingNut Films entwickelte ein Ego-Shooter-Spiel namens District 9: The Game, um den Film zu bewerben. Das Spiel ermöglichte es den Spielern, die Welt der Spielfilmhandlung zu erleben, lange bevor der Film in den Kinos zu sehen war.

Avatar: Der sehr erfolgreiche Hollywood-Blockbuster von James Cameron wurde stark von Videospielen inspiriert, insbesondere von solchen mit reichhaltigen 3D-Welten wie Second Life und World of Warcraft. Cameron stellte sogar eigene Videospielentwickler ein, um an dem Film zu arbeiten.

Stimmen aus Hollywood um Einfluss von Games

In einem Interview mit Game-Portal Gamespot sagte Regisseur Peter Jackson: „Spiele haben definitiv einen Einfluss auf die Filmindustrie. Ich denke, dass das Publikum sich immer mehr an ein interaktives Erlebnis gewöhnt, dies genießt. Das ist etwas, mit dem die Filmindustrie beginnen muss.“

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Peter Jackson | © Foto: IFTA

Jackson ist überzeugt, dass die Filmindustrie seiner Meinung nach viel von der Gameindustrie lernen kann. „Die Spieleindustrie ist der Filmindustrie weit voraus, wenn es darum geht, wie man Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg fesseln kann und ihre Aufmerksamkeit zu halten“, sagte er.

Auf die Frage, was er sich wünschen würde für die Zukunft wünscht, antwortete Jackson mehr Filme, die interaktiv und immersiv sind: „Filmemacher müssen anfangen, Filme zu machen, die interaktiver sind und dem Publikum mehr Kontrolle über die Geschichte geben. Das wäre wirklich cool“.

In einem Interview mit IGN, einer amerikanischen Multimedia-News- und Game-Kritikseite, sprach auch Regisseur Quentin Tarantino über den Einfluss von Videospielen auf Hollywood.

Tarantino-Spielindustrie
Quentin Tarantino | © Foto: BBC

„Ich denke, dass Videospiele definitiv die Grammatik des Kinos verändern“, sagte der Kultregisseur. „Was wir jetzt sehen, sind viele Filmemacher, die mit Videospielen aufgewachsen sind, und sie fangen an, viele der Techniken zu verwenden, die sie in ihren Filmen verwenden.“ Tarantino fuhr fort, dass er dies für eine gute Sache für die Filmindustrie hält. „Es macht das Kino aggressiver und kinetischer“, sagte er. „Ich finde das aufregend.“

Als Antwort, welche konkreten Games seine Arbeit beeinflusst haben, nannte Tarantino zwei Spiele: Grand Theft Auto und Medal of Honor. „Grand Theft Auto hatte einen großen Einfluss auf mich“, sagte er. „Als ich sah, wie man durch diese virtuelle Stadt streifen und tun konnte, was man wollte, hat mir das wirklich die Augen dafür geöffnet, was man mit einem Film machen kann.“

Tarantino ist überzeugt, dass die „Medal of Honor“-Spiele einen Einfluss auf die Art und Weise hatten, wie er Actionsequenzen gestaltet. „Diese Spiele sind so gut, sie bringen einen mitten ins Geschehen“, sagte er. „Ich verwende definitiv viele dieser Techniken in meiner eigenen Arbeit.“

Auch Netflix und Amazon sind mit dabei

Auch die Streaming-Anbieter wollen ihren Anteil am ungebrochenen Erfolg der Game-Industrie. Allerdings unterscheidet sich ihre Strategie von derjenigen der Filmstudios. Netflix und Amazon versuchen nicht allein, ihre Serienformate und Spielfilme an die Eigenheiten von Videospielen zu adaptieren – die beiden Marktführer haben sich gleich namhafte Gamestudios gekauft, um deren interaktive Spiele zusätzlich über die eigenen Streamingportale anzubieten.

Schlussfolgerung

Es geht bei der Zukunft des Films um nichts weniger, als ein neues Erfolgsrezept zu finden, wie Filme für ein junges Publikum erzählt werden. Betroffen ist aber auch die Art und Weise, wie Filme finanziert und produziert werden, bis zum Prozess, wie sie vermarktet werden – Games verändern zusammen mit der virtuellen Filmproduktion die Landschaft der Filmindustrie.

Der Trend, Spiele zur Promotion von Filmen einzusetzen, wird sich fortsetzen, da immer mehr Studios das Potenzial dieses Ansatzes erkennen. Games bieten eine einzigartige Möglichkeit, das Publikum anzusprechen und ihm einen Vorgeschmack darauf zu geben, was es von einem Film erwarten kann.

Es ist auch zu erwarten, dass mehr Filme mit Spielmechanismen produziert werden. Das bedeutet, dass wir mehr Kinofilme sehen werden, die interaktiv und immersiv sind, wie District 9 oder Avatar.

Wie werden Games deiner Meinung nach die Filmindustrie in Zukunft verändern? Lasse es uns in den Kommentaren unten wissen!

Quelle Zitate – Spielberg: theverge.com, Jackson: gamespot.com; Tarantino: ign.com

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Volker Reimann
Über Volker Reimann 27 Artikel
Mag. Volker Reimann ist TrendScout für virtuelle Realität, Games und interaktives Bewegtbild. Er ist überzeugt davon, dass bald schon über gezielte Nervenstimulation realitätsnahe Projektionen direkt in das menschliche Hirn möglich sind.

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