Videointerview: wie übe ich meinen Auftritt vor der Kamera?

Mit Checkliste und 25 Tipps und Tricks von Profis

Videointerview üben für Bewerbung. TV oder Social Media
Videointerview üben für Bewerbung. TV oder Social Media

Früher oder später erwischt es Dich. Ob für eine Bewerbung, Social Media, privat oder geschäftlich: Du kommst heute in vielen Funktionen an einem Videointerview nicht mehr vorbei. Hier erklären wir Dir, was Du vor der Kamera beachten willst und musst.

Klar, es kann sein, dass Du bereits mit Skype und YouTube aufgewachsen bist. Das bedeutet aber nicht, dass Du in einem Video vor einer Kamera einfach so gut rüberkommst. Auch wenn Du nicht zu den Personen zählst, die die Kamera scheuen wie der Influencer die Offline-Welt. Bei einem Video-Auftritt gilt es einiges zu beachten.

Dabei hilft Dir dieser Leitfaden. Er gibt Auskunft darüber, was Du tun musst, damit Du vor der Kameralinse professionell wirkst. Ob für TV, Web oder einen neuen Job.

Das Videointerview

Immer mehr Unternehmen setzen auf die Kommunikation mit Video. Sie erklären ihren Kunden mit Bewegtbild ihre Alleinstellungsmerkmale. In der Regel werden dabei auch Mitarbeitende einer Firma vor die Linse gebeten. Für die obere Führungsebene sind CEO-Videos heute meist sowieso der Standard.

Bewegtbild macht auch bei der Rekrutierung eine steile Karriere. Immer häufiger ersetzt Skype das persönliche Erstgespräch vor Ort. Auch die Bewerbung per Video-Message ist heute keine absolute Ausnahme mehr. Der Vorteil für die Firmen: Sie sehen mehr von Dir als mit schriftlichen Unterlagen und nur einem Foto. Der Nachteil für Dich: Du kannst Dich nicht nur mit mittelmäßigen Noten oder einer lauwarmen Empfehlung aus dem Rennen schießen. Sondern zusätzlich und neu auch noch mit einem schlechten Video. Wer sich auf ein Videointerview nicht im gleichen Umfang vorbereitet wie auf ein persönliches Interview, hat die Kraft des bewegten Bildes noch nicht verstanden!

Der erste Eindruck zählt. Das wissen wir alle. Nicht-verbale Kommunikation ist wichtiger als das, was wir sagen. Nicht ohne Grund belegen Studien, dass fotogene Menschen mehr Erfolg haben also solche, die auf ihre Mitmenschen scheu, ängstlich und unattraktiv wirken. Das gilt auch bei einem Videointerview . Aber Du kannst auch als blendend aussehende Persönlichkeit vor der Kamera wirken wie ein Neandertaler.

Was also kannst Du tun, um Deine Performance und Erscheinung bei einem Videointerview drastisch zu verbessern?

Übung macht den Meister

Ein Videointerview gut zu machen kannst Du genauso gut lernen wie Fußball, Tennis oder Schach zu spielen. Vieles ist eine Sache der Technik und der Übung. Wenn Du Talent und die Kamera Dich liebt, hast Du es vielleicht etwas einfacher. Darauf vertrauen solltest Du nicht: Üben ist die beste Karte, die Du spielen kannst. Nicht einmal, sondern immer wieder. Dazu brauchst Du genügend Vorlauf zum Interview.

Routine bringt Gelassenheit. Erst dann kannst Du so reagieren wie Robert Kelly, der in einem Live-Interview mit BBC bei sich zu Hause unverhofft unterbrochen wird:

VorschaubildVideo Interview: Robert Kelly, Live-Interview mit BBC

Übe mit Deinem Partner, einem Freund oder einer Freundin oder einem Elternteil. Und zwar solange, bis Du die Kamera gar nicht mehr wahrnimmst. Übst Du für ein Job-Interview, nutzt Du dazu Skype. Für Videos und Social Media kannst Du mit dem Smartphone proben.

Natürlich sollst Du nicht nur Deinen Auftritt üben. Was Du sagst, ist ebenso wichtig wie Deine Performance. Ob lässig und locker und geschäftlich-professionell, Du willst bestimmen, wie Du in Erscheinung trittst. Dazu schauen wir uns zuerst einmal die unterschiedlichen Arten von Videointerviews an:

Arten von Videointerviews

Videointerviews existieren es in zwei Formen. Entweder live mit einer Kamera (für TV, soziale Medien, Imagefilme etc.) und Skype-Interview. Oder als aufgezeichnetes, asynchrones Video, für das Du selbst vor der Kamera Deine Antworten auf Dir vorher zugestellte Fragen beantwortest.

1. Live-Video / Skype-Interviews

Das Live-Video kennst Du aus TV-Reportagen oder News. Jemand zielt mit einer Kamera auch Dich und bombardiert Dich mit Fragen, auf die Du antworten sollst. Immerhin ist heute, anders als noch vor einigen Jahren, die technische Gerätschaft kleiner und Du musst dabei nicht mehr das Gefühl haben, jemand zielt mit einer Kanone auf Dich und verdeckt Dir gleichzeitig Dein gesamtes Blickfeld.

Live-Interviews verlagern sich aber immer mehr auch die Online-Welt. Auch bei News und TV sind Videointerviews heute der Alltag. Früher war es üblich, ein Interview live über das Telefon zu führen. Heute ist die Qualität des Streamings gut genug um auch so ein Gespräch in Ton und Bild zu führen. Unternehmen nutzen dazu meist Skype, Google Hangout, Zoom, Blue Jeans oder eines der Millionen Videokonferenz-Tools, die online gratis zur Verfügung stehen. Vielfach bekommst Du ein Link mit einem persönlichen Code. Dann gibst Du Deine User-ID oder ein Passwort ein und schon bist Du im Videobild.

Hier lauert aber auch schon eine erste Falle auf Dich. Wenn Du als CEO häufig auf Reisen bist und von Deiner Frau liebevoll «Pieps» gerufen wirst, solltest Du diesen nett gemeinten Übernahmen nicht unbedingt als Skype-ID für ein Online-Interview mit Investoren nutzen. Langjährige, lieb gewonnene digitalen Identitäten aus der Schulzeit wie «Superstoner» oder «YOLO69» haben für ein Job-Interview auf Skype nichts verloren.

Es gibt allerdings immer mehr Firmen, die auf öffentliche Tools wie Skype verzichten. Dies, weil sie ihre Video-Software für Live-Interviews mit weiteren (firmeninternen) Tools vernetzt haben. Dabei ist ein internes Kandidaten-Tracking und Screening-Tool an die Software angebunden. Spezialisierte Anbieter für solche Software sind u. a. HireVue, SparkHire und TakeTheInterview.

Aus Sicht des Bewerbers unterscheidet sich das Live-Videoerlebnis über eine dieser Plattformen nicht wesentlich von einem Interview über Skype oder Google Hangout. Einzig auf der Arbeitgeberseite bestehen Eingabefelder und Symbole, die es ihnen ermöglichen, Deine Antworten zu bewerten und Dich zu kategorisieren.

2. Voraufgezeichnete / Asynchrone Videofragen

Bei einem voraufgezeichneten Videointerview (darum die Bezeichnung asynchron, die Fragen werden vor Deinen Antworten aufgezeichnet oder aufgeschrieben) bekommst Du die Fragen vorab. Wobei vorab auch per E-Mail wenige Minuten vor dem Interview sein kann. Oder nahezu in Echtzeit, weil Du dazu auf Deinem Computer die Fragen angezeigt bekommst und gleich antworten musst.

Dieses Verfahren wird aktuell nur sehr selten von der Presse, vom Fernsehen oder Newsportalen genutzt. Bei Job-Interviews ist das anders. Hier bekommst Du in diesem Fall einen Link zu einer Webpage, auf der Du Antworten auf vorselektierte / aufgezeichnete Interviewfragen aufzeichnen musst. Normalerweise erhältst Du für jede Antwort eine Zeitvorgabe, und Du kannst Deine erste Antwort (nur) einmal mit einer neuen überspielen.

Asynchrone Videointerviews  können die erste Hürde in einem Bewerbungsprozess sein, die Du nehmen musst. Es kann aber auch gut sein, dass Du nur dazu eingeladen wirst, wenn Deine Unterlagen und Dein Lebenslauf überzeugen. Bekannte Anbieter für asynchronen Videofragen sind: AsyncInterview, Wepow und Sonru.

Was macht nun die Wirkung in einem Videointerview aus?

Nonverbale Signale / Körpersprache

1. Halte Augenkontakt

Wir alle wissen, wie wichtig es ist, während eines Interviews einen vertrauensvollen Blickkontakt herzustellen. Video macht das enorm schwierig.

Wenn Du mit jemandem per Videokonferenz sprichst, willst Du Dich natürlich auf das Gesicht Deines Gesprächspartners konzentrieren. Abhängig davon, wo sich das Gesicht befindet und wo die Kamera oder Webcam steht, kann dies dazu führen, dass Du auf dem Bildschirm erscheinst, als ob Du nach unten guckst oder wegschaust. Meist merkst Du das nicht einmal. Dein Gegenüber aber schon.

Hast Du eine Videokamera vor der Nase, fragst Du zuerst den Regisseur oder Kameramann, wohin Du blicken sollst. Grundsätzlich hast Du zwei Optionen. Du blickst direkt in die Linse und damit Deinem Publikum direkt in die Augen. Oder Du siehst die Person an, die Dir die Fragen stellt. Bei einem Dreh mit mehr als einer Kamera ist dies die Regel. Für TV-Interviews ebenso.

Bei Online-Interviews kannst Du eine falsche Blickrichtung vermeiden, indem Du bei einem Online-Interview die Größe des Fensters mit dem Videobild der Person änderst und verschiebst. Rücke s nach oben oder so nah wie möglich an Deine Webcam. Dies gibt die größtmögliche Annäherung an den realen menschlichen Augenkontakt.

Denke daran: Der Grat zwischen angenehmen Blickkontakt und dem eiskalten Starren eines Serienkillers ist schmal. Augenkontakt per Webcam kann sich zunächst etwas unangenehm anfühlen. Viele Menschen reagieren mit einer «Überkompensation». Sie starren wie ein Psychopath in die Kameralinse. Darum gilt hier, wie schon eingangs Dir ans Herz gelegt: üben, üben und nochmals üben.

Als gute Faustregel kannst Du Dir folgendes zwei Vorgaben merken:

  1. wenn man das Weiße rundherum um Deine Pupillen (also auch über und unter der Iris) sehen kann – dann ist Dein Blick fast sicher zu intensiv und damit unangenehm.
  2. Augenkontakt nicht länger als 5 Sekunden auf einmal aufrechtzuerhalten. Augenkontakt kurz abbrechen, kurz wegschauen, atmen, dann wieder anschließen.

Hast Du mit üben das richtige Maß gefunden, entsteht das, was für die Wirkung in einem Videointerview überaus entscheidend ist: es entsteht Vertrauen.

Aber Achtung: unterbrichst Du den Blick, schieße weder mit den Augen herum wie ein Bösewicht aus einem Stummfilm aus den 30ern, noch klimpere mit Deinen Wimpern, als wärst Du Hildegard Knef. Finde Deinen natürlichen Blick.

2. Stelle sicher, dass Du lächelst (aber nicht zu viel)

Dauerlächeln in einem Videointerview ist gruselig. Ein selbstbewusstes, echtes Lächeln ist wichtig – aber sei dabei nicht zu eifrig. Du bist kein Verkäufer von Gebrauchtwagen. Vermeide es, über jede vermeintliche Pointe zu lachen. Lächeln soll ein Werkzeug sein. Es zeigt, dass man eine angenehme Person ist, mit der man arbeiten kann. Eine Person, die ein gutes soziales Bewusstsein hat und eine gute Portion und Selbstvertrauen besitzt.

Lächeln kann auch unangebracht sein. Nämlich immer dann, wenn es nicht in den Zusammenhang passt. Interviewt Dich jemand zu einer Katastrophe oder Krise und Du lächelst, wirkst Du zynisch. Bei einem Job-Interview nach Deiner schwierigsten Herausforderung gefragt, solltest Du nicht lächeln. Sondern zeigen, dass Du diese Situation, von der Du erzählt, ernst genommen hast.

Kurzum: Du musst nicht nur üben, in die Kamera zu lächeln, sondern auch, nicht zu lächeln. Beides bei der richtigen Gelegenheit.

3. Nervosität und Zappeln

Wir alle haben unter Stress kleine nervöse Ticks, zucken mit dem Finger oder kratzen uns unbewusst am Mundwinkel. In einem Interview haben solche Gesten keinen Platz. Sie mögen klein sein. Aber ihre Wirkung ist groß.

Darum empfehlen wir Dir, Dich selbst mehrmals zur Verbesserung Deines Auftritts aufzunehmen. Analysiere die Aufnahmen. Finde heraus, was Du tust. Nur dann kannst Du üben, diese Gesten zu unterdrücken.

Kleine Gesten und Verhaltensweisen, die im Alltag niemand stören, können auf Video ablenken. Brüske Handbewegungen, das Herumfingern im eigenen Haar stören. Noch häufiger aber sind nervöses Ticks auf der Sprachebene. Ein «uh-huh» oder «wie jetzt?» alle paar Sekunden stört enorm. Das alles sind kleine Gewohnheiten, die Dir möglicherweise gar nicht bewusst sind. Hier kann das Üben für Dich ein Augenöffner sein. Hier ist Dein Problembewusstsein gleichbedeutend mit dem Erfolg. Diese nervösen Gewohnheiten kannst Du mit wenig Vorbereitung vermeiden.

Letzter Ratschlag: Hände gehören auf den Tisch und nicht in Dein Gesicht. Nie! Stütze weder Dein Kinn mit der Hand (Gratis-Tipp: auch nicht bei Fotos, so schwer kann Dein Kopf nicht sein), noch kratze Dich fragend an der Nase. Beides wirkt hinterwäldlerisch, altmodisch und altbacken. Das bist Du nicht.

4. Ruhig Blut bewahren

Fast jeder fühlt sich nervös, wenn er sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet. Und der wichtigste Grund für die Nerven ist die Angst vor dem Unbekannten – weil man sich nicht sicher ist, was einen erwartet. Diese Unsicherheit ist der größte Grund für Stress.

In Deinem Kopf drehen sich Fragen wie «Bin ich vorbereitet genug?» oder, wenn es um ein Job-Interview geht, «Bin ich überhaupt qualifiziert?» und «Was, wenn mir dazu keine Antwort einfällt?». Alles das führt zu Ängsten, weil die Antworten dazu fehlen.

Diese Angst kann sich in eine bösartige Spirale verwandeln und all Deine Vorbereitungsarbeit sabotieren.

Wichtig zu wissen ist, dass es normal ist, sich nervös zu fühlen. Du wirst aufgenommen, aufgezeichnet. Man sieht, was ist und wie Du bist. Für alle Ewigkeiten. Du fixiert Deine Erscheinung. Das Videointerview reduziert die Vielfältigkeit, die Dich als Person und Individuum ausmacht, auf wenige Faktoren.

Und genau darum geht es! Es ist nicht Dein Leben, nicht alles was Du bist und sein kannst. Deshalb: übe hart und lange. Dann verinnerliche Dir, dass Du wichtige und andere Dinge in Deinem Leben hast, die ebenso wichtig sind. Es ist dieser Mix aus Professionalität und Ruhe, der Dich in einem Videointerview stark macht.

5. Achte auf Deine Körperhaltung

In einem persönlichen Gespräch nimmt Dich Dein Gegenüber als ganzer Mensch wahr. Zappelst Du mit Deinen Beinen nervös unter dem Tisch, ist das sichtbar. Bei einem Videointerview ist es notgedrungen anders. Hier bist Du reduziert auf den Bildausschnitt. Du bist nur das, was die Kamera sieht. Das bringt Vorteile und Nachteile und hat so oder so Folgen.

In einem Videointerview ist Deine untere Körperhälfte meist nicht im Bild. Bei Video Testimonials gilt das nicht. Hier wird der Authentizität wegen auch viel mit Halbtotalen gearbeitet. Sitzt Du, musst Du Dir keine Gedanken über die Beinpositionierung machen.

Eine schöne neutrale Haltung im Stuhl, beide Füßen auf dem Boden, lässt den Rest Deines Körpers aufrecht und wach wirken. Stelle Deinen Stuhl so ein, dass Du nicht zu tief oder zu hoch sitzt. Das Überschlagen der Beine ist gefährlich. Diese Haltung drückt Dich entweder zurück in den Stuhl. Dann wirkst Du reserviert und zurückhaltend. Denn im Bild weichst Du zurück. Oder  Du fällst (bei einer Webcam) sogar aus dem Bild.

Übe darum, aufrecht zu sitzen und den Rücken gerade zu halten. Stelle sicher, dass Du dem Objektiv zugewandt bist und nicht zur sehr von der Seite aufgenommen wirst. Finde die für Dich angenehme, komfortable Balance zwischen Vor- und Zurücklehnen. Probe und spiele mit verschiedenen Optionen, bis Du wortwörtlich sicher auf Deinem Stuhl sitzt oder vor der Kamera stehst.

6. Auch der Hintergrund erzählt eine Geschichte

Das Leben kann ganz schön fies sein. Hintergründe auch. Bist Du mit Profis unterwegs oder wirst Du vom Fernsehen interviewt, ist die Wahl des Hintergrunds für die Aufnahmen die Aufgabe des Realisators und der Kameraperson. Hier lohnt es sich einzig, darauf zu achten, dass der Hintergrund nicht gegen Dich arbeitet. Das TV mag Überhöhungen und Kontraste. Das ist nicht immer im Interesse der Person in einem Videointerview.

Im Zweifel wählst Du immer einen neutralen Hintergrund. Gerade wenn es um einen Job geht, gilt: Richtig ist, nichts falsch zu machen. Darum ist ein nichtssagender Hintergrund Deine beste Wahl.

Besonders fies sind Spiegelung und Reflexe. Bewegungen und Schattenwürfe lenken die Aufmerksamkeit des Auges extrem stark. Achtest Du bei einem Job Interview nicht auf Fensterscheiben, Glastüren, oder Spiegel hinter Dir, können Lichtreflexe und störende Spiegelungen Deinen Video-Auftritt ungewollt zur Lachnummer machen. Es muss ja nicht gleich die halbnackte Freundin sein, die unverhofft als Spiegelung durch das Bild hüpft.

Als Faustregel kannst Du Dir folgenden Tipp merken: Wer mehr als eineinhalb Meter Abstand zum Hintergrund einhält, vermeidet hässliche Schatten. Je weniger spiegelnde Flächen im Blickfeld (dazu gehören auch Brillengläser, das ist für Brillenträger ein Thema für sich …), desto besser kann sich der Zuschauer auf Dein Bild konzentrieren.

7. Kleidung & Make-up

Kleider

Hohe Kontraste sind für die automatische Blendenfunktion ein Problem. Ganz besonders für Webcams. Trägst Du ein weißes Hemd, ist Dein Gesicht unterbelichtet und kaum mehr erkennbar. Trägst Du umgekehrt Schwarz, versucht die Webcam, das Schwarz zu zeigen. Das führt dazu, dass Dein Gesicht durch Überbelichtung kontrastlos und ausgewaschen wirkt.

Auch sehr helle Farben (leuchtende Rottöne, Gelb, Rosa, etc.) können Probleme verursachen. Sie verleihen Deiner Haut einen leicht rötlichen, unnatürlichen Farbton.

Weichere, kräftigere Farben funktionieren dagegen gut. Blau ist fast immer eine der besten Optionen.

Aus technischen Gründen können viele Kamerachips nicht mit Nadelstreifen, Hahnentrittmuster, Fischgräten oder vergleichbaren Muster umgehen. Diese verursachen ein starkes Bildflimmern. Der sog. Moiré-Effekt (eine Interferenz) tritt ganz besonders bei professionellen TV-Kameras auf.

Gesicht

Frauen sollten für Videointerviews  etwas Make-up tragen. Um Glanz zu vermeiden, solltest Du, ungeachtet ob Mann oder Frau, bei hohen Temperaturen mindestens Deine Stirne mit Puder abdecken. Damit verhinderst Du ein unschönes Glänzen. Schließlich willst Du nicht aussehen wie eine schmorende Speckschwarte an der Sonne.

Wenn Du eine Brille trägst, ist diese im Idealfall blendfrei. So wird das Licht nicht reflektiert und kann Dir der Gesprächspartner in Deine Augen sehen. Träger von Kontaktlinsen haben es diesbezüglich natürlich einfacher.

Audio / Ton

Zeichnen Profis Dein Videointerview auf, brauchst Du Dir in der Regel um den Ton keinen Sorgen zu machen. Du bekommst entweder ein Ansteckmikrofon oder Deine Stimme wird mit einem Handmikrofon aufgezeichnet.

Anders sieht es bei Bewerbungsvideos aus. Produzierst Du das Video selbst, brauchst Du ein gutes, externes Mikrofon. Tipps zur richtigen Wahl findest Du bei uns in der Sektion Praxis-Test.

Für Skype / Streaming suchst Du Dir einen Raum aus, der möglichst frei von Hall ist. Sonst klingt Deine Stimme, als ob Du in einer Blechbüchse sitzen würdest. Hast Du keine andere Option, kannst Du den Ton auch mit einem Kniff optimieren: Hänge außerhalb des Blickbereichs (meist seitwärts von Dir) ein Tuch auch. Notfalls tut es auch ein Bettlaken oder ein Wintermantel. All das dämpft den Hall und verleiht der Tonübertragung einen trockenen, sauberen Klang.

Teste darum nicht nur das Bild, sondern auch die Qualität des Tons. Verständlichkeit hat oberste Priorität.

Checkliste: Kniffe, Tipps und Tricks

25 Tipps, wie Dein Auftritt vor der Kamera in jedem Videointerview erfolgreich ist.

  1. Wähle ein Outfit, in dem Du Dich wohlfühlst. Alles, was gut sitzt, sauber und faltenfrei ist, ist ein guter Anfang.
  2. Wärme Dich auf. Beginne damit, über etwas zu sprechen, was Deiner Persönlichkeit entgegenkommt. (Bei einem Interview für einen Job tust Du das natürlich unmittelbar zuvor und Off-Kamera).
  3. Plane genügend Zeit ein. Wenn möglich, drehe so viele Takes, wie nötig. Es gibt nichts Schöneres als ein gut gemachtes Video, an dem Du hart gearbeitet hast.
  4. Trinke zwischendurch einen Schluck Wasser oder heißen Tee. Deine ausgetrocknete Kehle kann Dir sonst die Aufnahme ruinieren!
  5. Platziere beim Training einen großen Spiegel einige Meter hinter der Aufnahmeeinheit. Damit kannst Du Deine Körpersprache überprüfen. Tue so, als wäre Dein Spiegelbild eine andere Person, mit der Du sprichst. Das ist nicht ganz einfach. Wenn Du feststellst, dass Dich diese Art Training mehr irritiert als weiterbringt, verzichte darauf.
  6. Wenn Du stehst: Platziere Markierungen auf dem Boden vor der Kamera, damit Du genau weißt, wo Du Dich und Deine Füße platzieren musst.
  7. Mache Dich mit Deinem Skript vertraut. Aber merke Dir für das Videointerview nicht Wort für Wort. Sei mit Deinen Gesprächspunkten so vertraut, dass Du während den Dreharbeiten natürlich sprechen kannst, aber trotzdem alles Wichtige im Text abdeckst.
  8. Trage Kleider, die Schweißflecken verdecken. Scheinwerfer oder die Anspannung können Dich vor einer Kamera ganz schön ins Schwitzen bringen. Tupfen zwischen den Aufnahmen Dein Gesicht mit einem Tüchlein ab und habe ein neutrales Puder zur Hand, um Glanz auf Stirn und Nase zu vermeiden.
  9. Achte auf allfällige unbewusste, nervöse Ticks. Dazu gehören Dinge wie ein konstantes Räuspern, übermäßig mit den Augenbrauen zu wackeln, wiederholt zu blinzeln, leer zu schlucken oder immer dieselben Formulieren zu wiederholen.
  10. Wenn Du während der Aufzeichnung angespannt bist: Atme zwischendurch tief durch und entspanne Deine Schultern. So fällt die Spannung von Dir ab.
  11. Unmittelbar vor den Dreharbeiten solltest Du etwas tun, wobei Du Dich entspannst. Das können einige Schritte Bewegung sein, einige Minuten Meditation oder an einem Apfel knabbern. Viele Profis haben dazu ihre lieb gewonnenen Rituale.
  12. Starte langsam. Der Mensch neigt dazu, mit vollem Tempo zu starten, wenn er nervös ist. Ziel ist es, etwas langsamer als normal zu sprechen. Dann hast Du das perfekte Tempo.
  13. Versuche die Kamera so zu sehen, als ob sie eine Person wäre, mit der Du sprichst. Oder, wenn Dir das nicht gelingt, lasse jemanden direkt neben die Kameralinse stehen, sodass seine Augen auf gleicher Höhe sind, und sprich mit ihm / ihr.
  14. Nicht zu viel oder zu wenig Make-up verwenden (gilt auch für die Herren der Schöpfung!). Hole Dir eine zweite, objektive Meinung darüber ein, wie Du vor der Kamera aussiehst. Prüfe Deinen Look in verschiedenen Lichtverhältnissen.
  15. Sei nicht zu perfekt. Das ist nicht sympathisch und wirkt einstudiert. Zeige Kompetenz, aber lasse der Spontanität einen Spielraum.
  16. Schreibe Deine Stichworte selbst. Wenn nicht, stelle zumindest sicher, dass Du in den Prozess eingebunden bist. Damit bist Du im Videointerview überzeugender.
  17. Verhindere alles, was Dich ablenken kann. Einschließlich unnötiger Personen am Set oder in Deinem Sichtfeld. Vermeide unnötige Geräusche, wie plötzliche Anrufe auf Dein Mobiltelefon oder Leute, die versehentlich in Dein Zimmer trampen.
  18. Teile Dein Skript in Abschnitte von etwa zwei bis fünf Sätzen Länge auf. Auf diese Weise musst Du Dir keine langen Passagen merken und hast mehr Raum für das Anbringen eigener Notizen.
  19. Schreibe Dir Deine wichtigsten Aussagen auf ein separates Blatt. Lerne diese Punkte. So bist Du sicher, dass Du sie im Videointerview platzierst.
  20. Finde für Dich heraus, zu welcher Zeit des Tages Du am meisten Energie hast. Ist das morgens, dann plane (sofern möglich) da die Dreharbeiten. Umgekehrt, wenn es Dir am späten Nachmittag besser geht, ziele auf diesen Slot. Damit fühlst Du Dich auch bei unerwarteten Fragen sicherer.
  21. Wenn Du ein Mitspracherecht hast, bitte für ein TV-Interview oder ein CEO-Video um eine Videocrew, welche Du bereits kennst.
  22. Falls Du trotz aller Bemühungen wackelige Beine bekommst oder es Dir unwohl ist, ruhig zu stehen, führe das Videointerview im Sitzen.
  23. Schaue Dir vorab gute und schlechte Videos an. Mache Dir Notizen dazu, was Du anders (oder gleich) machen willst.
  24. Organisation ist der Schlüssel. Je besser Du planst, desto stärker kannst Du Dich auf das konzertieren, was Du sagen willst.
  25. Sei Dir bewusst, dass Du mit jedem Videointerview besser und selbstsicherer wirst. Und vergiss nicht, auch etwas Spaß an Deinem Auftritt vor der Kamera zu haben,

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