Auswertung von Spielfilmen im Kino: Das musst du über Verleihkosten und Filmverleiher wissen

Filmverleih Verleihkosten
Gewusst? Premieren sind oftmals Teil der Verleihkosten | © Adobe Stock

Dein Film soll im Kino starten? Du hast möglicherweise bereits Interessenbekundungen von einem Filmverleih? Oder du planst, deinen Spielfilm selbst in die Kinos zu bringen? Das musst du dazu über Verleihkosten wissen.

Die große Leinwand im Kino ist nach wie vor die Königsklasse für die Auswertung eines Spielfilms. Aber: Wenn du einen Film ins Kino bringen willst, sei es mithilfe eines Filmverleihs oder auch eigenständig, musst du deine Verleihkosten im Griff haben.

Dieser Artikel erklärt dir, um was es dabei geht und auf welche Punkte du bei einem Deal mit einem Kinoverleih achten musst.

Was sind die Aufgaben eines Filmverleihs?

Ein Filmverleih ist für die Vermarktung und den Vertrieb eines Films verantwortlich. Dazu gehört das Aushandeln von Vertriebsverträgen, die Organisation von Werbekampagnen und Vorfinanzierung der Verleihkosten. Ein Verleih kann auch Rechte an einem Film von den Filmemachern erwerben.

Eine Kinokette hingegen ist eine Gruppe von Kinos, die normalerweise demselben Unternehmen gehören. Die Kinokette oder ein Kino kauft die Rechte zur Aufführung eines bestimmten Films vom Filmvertrieb oder – bei kleinen Spielfilmen, die keinen Verleih finden – direkt vom Filmproduzent. Ein Produzent ist aber normalerweise nur für die Entwicklung, Finanzierung und Produktion eines Films verantwortlich. Die Vermarktung und Auswertung überträgt er einer Firma mit dem dazu erforderlichen Expertenwissen und Netzwerk, dem Filmverleih.

Bekannte deutsche Filmdistributoren sind:
  • Arsenal Filmverleih
  •  Central Film Verleih
  • Constantin Film Verleih
  • DCM Film Distribution
  • Filmwelt Verleihagentur
  • Kool Filmdistribution
  • LEONINE Distribution
  • Majestic Filmverleih
  • Paramount Pictures Germany
  • Prokino Kinoverleih
  • Sony Pictures Entertainment Deutschland
  • Splendid Film
  • STUDIOCANAL Filmverleih
  • Telepool
  • The Walt Disney Company (Germany)
  • Tiberius Film
  • Tobis Film
  • Universal Pictures International Germany
  • Warner Bros. Entertainment
  • X Verleih AG

Mehr Informationen über Film-Distributoren findest du auf der Website des Verbandes der Filmverleiher e. V.

Wer bezahlt die Verleihkosten?

In der Regel bekommt ein Filmverleih einen Anteil an den Einnahmen, die ein Kinofilm an der Kinokasse durch Ticketverkauf generiert. Eine alte Faustregel besagt, dass vom Ticketerlös für einen Film 25 % an den Kinobetreiber gehen, weitere 25 % an den Verleih und die restlichen 50 % an den Filmproduzenten.

Welche Partei welchen Anteil an den Filmeinnahmen erhält, ist Verhandlungssache. Je mehr Erfolg dein Spielfilm verspricht, desto stärker ist deine Verhandlungsposition.

Der Verleih bezahlt aus den erwarteten Einnahmen seine Vorabkosten. Das sind Verleihkosten, die vom Filmverleih zur Bewerbung und Bereitstellung des Filmwerkes erbracht werden können.

Wenn du als Produzent einen Teil dieser Kosten selbst tragen musst, hast du einerseits ein größeres Risiko, wenn dein Film floppt. Andererseits verstärkt du so deine Verhandlungsposition, wenn es um die Anteile geht, die ein Kinoverleih an den Einnahmen will.

Bedenke aber, dass ein Filmverleih, der nicht ins Risiko geht, nicht an den Erfolg deines Spielfilms glaubt.

Liste mit Verleihkosten

Nachfolgend findest du eine Auflistung der typischen Kosten für den Verleih eines Kinofilms. Diese reichen von der Bereitstellung des Filmmaterials in digitaler Form bis zur Konzeption einer Marketingstrategie und der Bereitstellung von Werbematerial und dem Kauf bezahlte Anzeigen.

KostenstelleErläuterung
Kosten DCP HerstellungDCP steht für Digital Cinema Package. Dieses Format wird seit der Ablösung des 35 MM Films im Kino eingesetzt. Das Bildformat ist JPG 2000, das Audioformat PCM 24 Bit Audio. Die Konvertierung in das DCP Format kostet für einen Langfilm ab € 750.-, bei 4K und 3D ca. 25 % mehr.
Ankauf MasterDas DCP Master ist eine spezielle Festplatte, auf welcher der encodierte Spielfilm vom Distributor an das Kino versandt wird. Die Kopie darauf ist verschlüsselt und kann nur mit dem jeweiligen Code des Kinos dekodiert werden.
Synchronisierung, Untertitelung, Übersetzungfällt an beim Vertrieb in ausländischen Märkten und Festivals im Ausland durch entsprechenden Filmvertrieb
TrailerSchnitt und Produktion eines Trailers sind Teil der Verleihkosten, inkl. Synchronisierung und Untertitelung
ArtworkGrafiker für Filmplakat und Ähnliches
DruckkostenAufwand für durch den Distributoren erstellte Poster, Flyer, Postkarten usw.
Werbekostenbezahlter Werbeplatz in TV, Radio, Zeitung, Zeitschriften, Web, Social Media, Webseite zur Filmpromotion usw.
Presse-AgentVerbindungsperson mit guten Medienkontakten, oft auch PR – / Promotionsexperte, die vom Filmvertrieb mandatiert wird.
Presse-Unterlagen, PressevorführungenKreation, Herstellung, Versand
Premiereninkl. Reise- und Hotelkosten von Cast & Crew, Moderation, Apéro
Film PromotionZielgruppenarbeit, Plakataushang, Flyer, Social Media Promotion etc.
Virtual Print Fee (VPF)Die Virtual Print Fee (VPF) ist ein Sammelkonto in Form eines Fonds, in den Verleiher einzahlen, um die Umrüstung von finanzschwachen Kinos für die digitale Projektion zu unterstützen. Die VPF ist darum Teil der Verleihkosten.
Transportkosten für Filmkopien / digitaler TransferBeim Distributor anfallende Kurierkosten für Transporte
VoD Encodierung und TranskodierungKosten für die Bereitstellung einer Filmkopie, die gestreamt werden kann. Entweder, um Käufer zu gewinnen, oder als zusätzlicher Distributionskanal.
AudiodeskriptionBevor die Dialoge in einem Spielfilm übersetzt werden können (zwecks Synchronisation oder Untertitelung) müssen die Dialoge in der Originalsprache übersetzt werden.

Inwieweit die Pressearbeit, also der Kontakt zu Journalisten von Fernsehen und Print, mit zur Verleiharbeit gehört, ist in Europa nicht einheitlich. Dennoch wirst du nicht ohne Öffentlichkeitsarbeit bei deinem potenziellen Publikum Interesse an einem Film wecken können.

So wie die Herstellung von Filmen und die Drehbucharbeit durch Filmförderung unterstützt wird, gibt es in vielen europäischen Ländern auch staatliche Förderbeiträge und Unterstützungshilfen für Filmdistributoren bei den Verleihkosten.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten der Kosten für den Filmverleih

Verleihkosten lassen sich auch durch Partnerschaften (co-)finanzieren. Ähnlich wie beim Product-Placement, wurde möglicherweise für das Platzieren eines Produkts oder die Nennung einer Dienstleistung von einem Unternehmen einen Betrag erhältst, findest du vielleicht eine Firma, die dazu bereit ist, einige der Kosten zu übernehmen.

Im Gegenzug wird dieses Unternehmen seine Marke als Partner, oder sogar mit Produzent, erwähnt wollen wissen. Es kommt immer wieder vor, dass eine solche Partnerschaft auch mit exklusiven Premieren in verschiedenen Städten, die nur der Kundschaft des unterstützenden Unternehmens zugänglich sind, einhergeht.

Du hast eigene Ideen oder wertvolle Erfahrungen im Umgang mit einem Filmverleih und Verleihkosten gemacht? Dann teile sie im Kommentarfeld mit uns!

Fehler gefunden? Jetzt melden

Zachery Z.
Über Zachery Z. 65 Artikel
Zachery Zelluloid war in der Unterhaltungsindustrie tätig. Er schreibt unter Pseudonym, weil er weder vertraglichen Schweigepflichten verletzen, noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern oder Freunde brüskieren will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*