Umweltschutz: Der Greenshooting CO2-Rechner für Film- und TV-Produktionen

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Umweltverträgliche Videos mit dem Greenshooting CO2-Rechner produzieren | © Foto: steadi3d.com

Mit dem Greenshooting CO2-Rechner für Film- und TV-Produktionen lassen sich in Sachen Umweltschutz bei der Videoproduktion die Angriffsflächen reduzieren. Für Auftraggeber von Imagefilmen und Werbespots ein wichtiges Thema.

Umweltschutz ist auch für Filme und Videos ein Thema. Gerade für Auftragsproduktionen. Denn hier geht es oftmals auch darum, nicht nur alles richtigzumachen. Sondern auch nichts falsch zu machen. Ganz besonders dann, wenn der Auftraggeber eine namhafte Marke ist.

Das musst du wissen

  • Mit der schnell steigenden Wichtigkeit der Verminderung von Schadstoff-Emissionen bekommt auch die umweltschonende Herstellung von Bewegtbild hohe Priorität.
  • Getrieben wird diese Entwicklung von staatlichen Filmförderstellen, aber auch vom potenziellen Reputationsrisiko, dem Unternehmen als Auftraggeber gegenüberstehen.
  • Mit dem Greenshooting CO2-Rechner lässt sich online der CO2-Wert einer Film- oder Videoproduktion einfach bestimmen.

139 Tonnen CO2 für eineinhalben Stunden Film

Es muss ja nicht gleich die Krimiserie Tatort sein. Denn die Dreharbeiten einer einzigen 90-Minuten-Folge verursachen innerhalb der 24 Tage Dreharbeiten satte 139 Tonnen CO2 Emissionen!

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Klar: Auftragsfilme sind im Vergleich zum Spielfilm oder dem Dreh einer TV- Serie oder eines Online-Videos meist kürzer. Damit verursachen sie eine weit geringere Umweltbelastung. Auf die Minute umgerechnet sind es nur 1.55 Tonnen…. Hallo?

Kommt hinzu: Der Auftraggeber einer Auftragsproduktion ist in Sachen Reputation in vielen Fällen ungleich verletzlicher, als ein TV-Sender oder ein chinesisches Hollywood-Studio. Hier stehen nämlich Produkte und Dienstleistungen statt Unterhaltung im Vordergrund.

Schon lange ein Thema

Auch wenn Film, Video und Umweltschutz seit längerem schon ein Thema sind: richtig zum Fliegen kommt die Problematik erst jetzt.

Daran hat auch die Politik einen wesentlichen Anteil. Sie bestimmt über die Förderstellen mit, unter welchen Bedingungen eine Filmproduktion von Väterchen Staat Fördergelder bekommen kann.

Nun gibt es erstmals Online-Tools, mit denen sich eine Videoproduktion, oder eine Filmproduktion, hinsichtlich Umweltschutz optimieren lassen. Eine der bekannteren Software-Lösungen dafür ist der Greenshooting CO2-Rechner.

Der Greenshooting CO2-Rechner

Beauftragt von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH, wurde der Greenshooting CO2-Rechner in Kooperation mit dem SWR entwickelt.

Die Software gibt es vorderhand noch als Testversion. Diese soll zusammen mit ausgesuchten Produktionen weiter verfeinert und später für den Alltagsbetrieb in der Filmproduktion zur Verfügung gestellt werden. Mit dem Programm lässt sich in wenigen Schritten der CO2-Wert einer Videoproduktion berechnen.

Erforderlich sind dazu nicht mehr als die Werte in der Filmkalkulation.

Nach dem Dreh lassen sich zusätzlich die in der Vorproduktion kalkulierten CO2-Werte mit den denjenigen der Nachkalkulation vergleichen.

Eine Materialschlacht sondergleichen

Seien wir ehrlich! Die Produktion eines Films oder eines Videos ist immer eine Materialschlacht. Ungeachtet, zu welchem Zweck. Zum Einmalgebrauch werden bei der Filmproduktion Unmengen von Materialien angekarrt, nur um nachher sorglos entsorgt zu werden.

Ob Styropor, Kostüme, Kulissen, Geschirr aus Plastik beim Catering oder unzählige Transporte von Material und Menschen mit gewaltigen Lastwagen und Mercedes C-Klasse an den jeweiligen Drehort. Ob gewaltige Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung oder endlose Papierorgien im Produktionsbüro: bis anhin interessierte nur das gedrehte Material als Ergebnis. Nicht aber, was zu dessen Generierung erforderlich war.

Notorisch, aber ohne Mitschuld, sind in dieser Hinsicht die Beleuchter, Kameraassistenten und Bühnenbauer dieser Welt. Um vor Ort für jede Situation gewappnet zu sein, wird von diesen Berufsgruppen schnell einmal der Truck bis zur Decke mit tonnenschweren Material vollgestopft. Denn wer mag schon Probleme bekommen, wenn dies oder das vom Kameramann oder Regisseur gewünscht wird, aber nicht verfügbar ist?

Neue Berufsfelder und Positionierungsmöglichkeiten

Einen CO 2-Fußabdruck zusätzlich zum Filmbudget berechnen zu müssen, mag für uns Producer ein zusätzlicher, möglicherweise sogar unbezahlter Arbeitsaufwand sein. Die Entwicklung zu umweltfreundlicheren Produktionsweisen bietet aber auch Chancen:

  • Auftraggeber und Produktionsunternehmen können sich mit umweltbewussten Herstellungsprozessen als sogenannte Early Adopters von Mitbewerbern differenzieren und bei ihren Kunden als Vorreiter, die ihre Verantwortung wahrnehmen, positionieren.
  • Zugleich gibt es mit der Beratung von veränderungswilligen Produktionshäusern einen Bedarf an einem neuen Berufsbild. Das ist eine Chance für filmerfahrene Produktionsleiter, die ausbildungsmäßig einen entsprechenden Schulsack mitbringen. Oder bereit sind, sich weiterzubilden.

Alles hat also seine guten Seiten. Da wir nur eine Erde haben, sollte dieses Argument jedoch gar nicht erforderlich sein.

Fazit

Bevor Filmkalkulationen unter Einbezug des CO2-Fußabdrucks im Auftragsfilm (Imagefilm, Werbefilm, Produktvideos etc.) ein zwingender Standard werden, dürfte es noch einen Moment dauern.

Zuerst werden mit heutigem Wissensstand erst die Großproduktionen (Spielfilm, Serien) auf die neue, optimierte Produktionsweise umstellen.

Dabei werden die Filmförderstellen und TV-Veranstalter eine Vorreiterrolle spielen. Denn einige von ihnen kündigen schon heute an, in Zukunft Fördermittel nur an umweltfreundliche Produktionen vergeben zu wollen.

Der TV-Sender ProSieben beispielsweise hat ebenso wie das Schweizer Fernsehen bereits öffentlich bestätigt, der Thematik Umweltschutz schon in Kürze mehr Gewicht zu schenken.

Damit darf man zukünftig nicht nur auf gute Filme, Serien und Videos hoffen, sondern auch auf umweltfreundliche Unterhaltung. Nicht nur unsere Kinder werden es uns danken!


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

Wer ist Carlo P. Olsson? 39 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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