Als Stuntman arbeiten: Die mentalen und körperlichen Herausforderungen der Stuntarbeit

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Für den eigenen Filmjob brennen: die Arbeit als Stuntman / Stuntwoman | © Adobe Stock

Stuntarbeit kann sehr gefährlich sein, sogar lebensgefährlich. Um ihre Stunts sicher ausführen zu können, muss ein Stuntman oder eine Stuntwoman hoch qualifizierte und trainierte Extremsportler sein. Außerdem müssen sie den mentalen Fokus und die Konzentration haben, um die Stunts perfekt auszuführen.

Die Arbeit als Stuntman oder Stuntwoman ist sowohl geistig als auch körperlich anspruchsvoll. Sie erfordert blitzschnelles Timing, hohe Konzentration und ein weit überdurchschnittliches Koordinationsvermögen. Aber nicht nur.

Stuntman als Beruf

Stuntman / Stuntwoman ist ein hoch qualifizierter Beruf, der sowohl körperliche Fähigkeiten als auch Training erfordert. Um ein professioneller Stuntman zu sein, brauchst du nicht nur ein gutes Gespür für Timing und Koordination sowie die nötige Kraft und Kondition, um die Stunts selbst auszuführen. Du musst auch lernen, in unvorhergesehenen Situationen schnell und sicher zu reagieren, um Verletzungen zu vermeiden. Zusätzlich solltest du dich im Umgang mit anderen Menschen wohlfühlen: viele Stunts erfordern engen Kontakt mit den Darstellern, für die du als Stunt-Double zum Einsatz kommst.

Und schließlich musst du bereit sein, jeden Tag die nötige Zeit und Mühe aufzubringen, dich in Form zu halten und dein Handwerk zu perfektionieren.

Welche Fähigkeiten machen Stuntmen beim Film und bei Fernsehproduktionen erfolgreich:

  • Den Stunt sicher ausführen können = die eigenen Fähigkeiten zu 100 % richtig einschätzen zu können
  • Die körperliche Kraft und Ausdauer für den Stunt haben. Wenn erforderlich, mit Wiederholungen.
  • Netzwerk: ohne gute Kontakte in die Filmindustrie, zu Produktionsfirmen oder auf Stunts spezialisierte Firmen ist schwierig, Arbeit als Stuntperson zu finden.
  • Der Wille, einen Stunt zu proben, bis er perfekt und sicher ausgeführt werden kann.
  • Den Stunt vor der Kamera möglichst schon beim ersten Mal ohne Fehler auszuführen.
  • Sozialkompetenz: Gut mit den anderen Mitgliedern des Stuntteams und mit der Regie und Schauspielern zusammenarbeiten können.
  • Ohne Groll akzeptieren zu können, dass man als Stuntman immer im Hintergrund bleibt und weder berühmt noch bekannt wird.

Es gibt zwar keinen formalen Berufsabschluss als Stuntman. Die meisten Profis haben eine Ausbildung an einer Berufsschule oder in einem Workshop absolviert und lernen dann bei einer auf Stunts spezialisierten Firma das erforderliche Handwerk.

Wenn du als Stuntman Karriere bei Film machen willst, ist es zwingend, dass du die Sicherheitsstandards kennenlernst und die Stunts sauber planen und möglichst gefahrlos ausführen kannst. Mehr Informationen dazu findest du bei der German Stunt Association.

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© Foto: Adobe Stock
VFX & 3D

Das mit Abstand größte und gefährlichste Risiko für alle Stuntmen lauert hinter den Kulissen

Seit Jahren sind die Stuntmen die unbesungenen Helden der Leinwand, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Filme spannender zu machen.

Doch ihr Beruf wird durch die ständig wachsende Zahl digitaler Effekte bedroht. VFX und Animationen werden zunehmend eingesetzt, um Actionszenen zu drehen, die mit echten Menschen zu gefährlich oder zu teuer wären. Das hat zur Folge, dass es für professionelle Stuntmen zunehmend schwieriger wird, Arbeit zu finden.

Einige Stuntleute sind in der Lage, sich dieser Entwicklung anpassen, indem sie in andere Bereiche der Filmindustrie wechselten, andere sind gezwungen, die Branche ganz zu verlassen. Die Wichtigkeit des Berufes des Stuntman wird für Filmproduktionen, nicht zuletzt auch wegen der digitalen Disruption der Filmherstellung durch die virtuelle Produktion, auch in den kommenden Jahren weiter zurückgehen wird.

Als Stuntman oder Stuntwoman zu arbeiten, erfordert Mut. Aber eben nicht nur. Ungleich wichtiger sind deine handwerklichen Fähigkeiten und deine physische und psychische Konstitution.

Stuntwoman: Frauen in der Stuntbranche

In den letzten Jahren haben Frauen in der Stuntbranche einen großen Sprung nach vorn gemacht. Zwar gibt es immer noch weitaus weniger Stuntdarstellerinnen als Stuntdarsteller. Aber ihre Zahl wächst. Und obwohl Frauen in der Stuntbranche mit einigen besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, bringen sie auch neue Perspektiven und Fähigkeiten in den Beruf ein.

Was braucht es also, um eine erfolgreiche Stuntfrau zu sein? In erster Linie benötigt man körperliche Stärke und Athletik. Auch weibliche Stuntleute müssen in der Lage sein, komplexe Stunts und körperlich anspruchsvolle Aufgaben auszuführen. Über eine hervorragende Koordination verfügen und schnell auf Veränderungen am Set reagieren können. Außerdem müssen sie in der Lage sein, lange Arbeitszeiten und manchmal unregelmäßige Arbeitszeiten einzuhalten.

Oft benötigt man als Stuntdarstellerin ein dickes Fell. Die Stuntbranche ist immer noch sehr männerdominiert, und Stuntwoman müssen oft für gleiche und faire Arbeitsbedingungen kämpfen.

Trend zur Spezialisierung

Seit Längerem geht der Trend dahin, sich auf einen bestimmten Bereich der Stuntarbeit zu konzentrieren, z. B. auf Autostunts oder Sprünge aus dem Fenster.

Das kann zwar zu einer größeren Expertise in diesem speziellen Bereich führen, erhöht aber auch das Verletzungsrisiko, da die Arbeit als Stuntmen damit weniger abwechslungsreich und das Risiko für spezifische Verletzungen durch die immer gleiche Belastung steigt. Auch deshalb entscheiden sich viele Stuntmen dafür, sich auf mehrere Bereiche zu konzentrieren, um ihr Verletzungsrisiko zu verringern und ihre Chancen auf einen Job zu erhöhen.

Stuntman werden: psychologische Anforderungen

Um nachvollziehen zu können, was ein Stuntman / eine Stuntwoman dazu motiviert, freiwillig für einen Film große Risiken einzugehen, muss man zunächst verstehen, was Psychologen als „Risikowahrnehmungslücke“ bezeichnen. Damit ist die Tatsache gemeint, dass Menschen dazu neigen, die Risiken von Aktivitäten, mit denen sie nicht vertraut sind, zu überschätzen und die Risiken von Aktivitäten, mit denen sie vertraut sind, zu unterschätzen.

Die meisten Menschen halten zum Beispiel Basejumping für sehr gefährlich und nie im Leben mit einem Fallschirm von einer Felswand springen. Für jemanden, der ein erfahrener Basejumper ist, ist die Risikowahrnehmung jedoch viel geringer. Das liegt daran, dass sie mit der Aktivität vertraut sind und die damit verbundenen Risiken kennen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie sich von den potenziellen Gefahren abschrecken lassen.

Beruf Stuntman / Stuntwoman  werden

Was hat das nun mit der Arbeit von Stuntleuten zu tun? Ein Stuntman oder eine Stuntwoman kann die Risiken, die mit ihren Aktivitäten verbunden sind, oft perfekt einschätzen. Das heißt nicht, dass sie keine Angst haben oder den Respekt vor der Gefahr verlieren würden. Aber sie tun alles, um nach einer Risikoanalyse die bestmöglichen Maßnahmen zu treffen, damit die erkannten Gefahren und damit Unfälle auf dem Filmset verhindert werden.

Ein Restrisiko bleibt

Charlie Norton war einer der erfahrensten Stuntmen in der Branche. Er arbeitete unter anderem für „Der unglaubliche Hulk“, „Batman Forever“ und „Spider-Man 3“. Gefahr war ihm nicht fremd, denn im Laufe seiner Karriere zog er sich unzählige Verletzungen zu. Norton hatte keine Scheu, Risiken einzugehen, war aber auch überzeugt: „Wenn du keine Angst hast, bleibst du als Stuntman nicht am Leben. Der Tag, an dem ich aufhöre, Angst zu haben, ist der Tag, an dem ich in Rente gehen sollte.“

Norton starb 2018 mit 62 Jahren, weil er das tat, was er liebte: Stunts ausführen. In seiner Karriere ließ er sich bei Stuntshows mehr als 1.000-mal aus einer Kanone schießen – und zahlte beim letzten Schuss für diesen Stunt mit seinem Leben.

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Redaktion Filmpuls 196 Artikel
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