Als Stuntman arbeiten: Die mentalen und körperlichen Herausforderungen der Stuntarbeit

stuntmen werden stuntman stuntwoman stunt-double
In Tat und Wahrheit ein Risiko-Manager: Stuntwoman / Stuntman beim Film | © Illustration: Sokolov

Stuntarbeit kann sehr gefährlich sein, sogar lebensgefährlich. Um ihre Stunts sicher ausführen zu können, muss ein Stuntman oder eine Stuntwoman hoch qualifizierte und trainierte Extremsportler sein. Außerdem müssen sie den mentalen Fokus und die Konzentration haben, um die Stunts perfekt auszuführen.

Die Arbeit als Stuntman oder Stuntwoman ist sowohl geistig als auch körperlich anspruchsvoll. Sie erfordert blitzschnelles Timing, hohe Konzentration und ein weit überdurchschnittliches Koordinationsvermögen. Aber nicht nur.

Stuntman als Beruf

Stuntman / Stuntwoman ist ein hoch qualifizierter Beruf, der sowohl körperliche Fähigkeiten als auch Training erfordert. Um ein professioneller Stuntman zu sein, brauchst du nicht nur ein gutes Gespür für Timing und Koordination sowie die nötige Kraft und Kondition, um die Stunts selbst auszuführen. Du musst auch lernen, in unvorhergesehenen Situationen schnell und sicher zu reagieren, um Verletzungen zu vermeiden. Zusätzlich solltest du dich im Umgang mit anderen Menschen wohlfühlen: viele Stunts erfordern einen engen Kontakt zu den Darstellern, für die du als Stunt-Double zum Einsatz kommst.

Und schließlich musst du bereit sein, jeden Tag die nötige Zeit und Mühe aufzubringen, dich in Form zu halten und dein Handwerk zu perfektionieren.

Welche Fähigkeiten machen Stuntmen beim Film und bei Fernsehproduktionen erfolgreich:

  • Den Stunt sicher ausführen können = die eigenen Fähigkeiten zu 100 % richtig einschätzen zu können
  • Die körperliche Kraft und Ausdauer für den Stunt haben. Wenn erforderlich, mit Wiederholungen.
  • Netzwerk: ohne gute Kontakte in die Filmindustrie, zu Produktionsfirmen oder auf Stunts spezialisierte Firmen ist schwierig, Arbeit als selbstständige Stuntperson zu finden.
  • Der Wille, einen Stunt zu proben, bis er perfekt und sicher ausgeführt werden kann.
  • Den Stunt vor der Kamera möglichst schon beim ersten Mal ohne Fehler auszuführen.
  • Sozialkompetenz: Gut mit den anderen Mitgliedern des Stuntteams und mit der Regie und Schauspielern zusammenarbeiten können.
  • Ohne Groll akzeptieren zu können, dass man als Stuntman immer im Hintergrund bleibt und weder berühmt noch bekannt wird.

Es gibt keinen formalen Berufsabschluss als Stuntman. Die meisten Stuntleute kommen heute aus dem Profi-Sport und bringen eine Ausbildung/ Studium in einem Beruf mit (sportlicher, handwerklicher, aber auch betriebswirtschaftliche Bereiche). Stuntpersonen sind selbstständige Erwerbstätige. Sie erlernen das erforderliche „Handwerk“ des Stuntberufes durch die Mitarbeit in einem oder mehreren Teams, den Besuch von vielen Workshops. Wichtig ist dabei die Erlangung von Scheinen und Lizenzen wie Führerscheine, FISAT für seilunterstützte Arbeiten, Trainerscheine für bestimmte Sportarten und Scheine zur Arbeit mit Hebe- und Hubarbeitsbühnen …

Wenn du als Stuntman Karriere bei Film machen willst, ist es zwingend, dass du die Sicherheitsstandards kennenlernst und die Stunts sauber planen und möglichst gefahrlos ausführen kannst. Mehr Informationen dazu findest du bei der German Stunt Association.

filmjob filmberuf stuntmen
© Foto: Adobe Stock
VFX & 3D

Mehr als früher im Studio und vor Greenscreen

Seit Jahren sind die Stuntmen die unbesungenen Helden der Leinwand, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Filme spannender zu machen. Doch auch in diesem Berufsbild verändern digitale Effekte die Art der Arbeit: Gedreht wird mehr als früher im Studio, vor Greenscreen und mit seilunterstützte Arbeiten.

VFX und Animationen werden aber im Film auch zunehmend eingesetzt, um Actionszenen zu drehen, die mit echten Menschen zu gefährlich oder zu teuer wären. Zugleich eröffnen sich aber immer wieder auch neue Berufsfelder. So setzen klassische Theater und Opernhäuser und Veranstaltungen immer mehr auf Action.

Als Stuntman oder Stuntwoman zu arbeiten, erfordert Mut. Aber eben nicht nur. Ungleich wichtiger sind deine handwerklichen Fähigkeiten und deine physische und psychische Konstitution.

Stuntwoman: Frauen in der Stuntbranche

In den vergangenen Jahren haben Frauen in der Stuntbranche einen großen Sprung nach vorn gemacht. Zwar gibt es immer noch weitaus weniger Stuntdarstellerinnen als Stuntdarsteller. Aber ihre Zahl wächst. Und obwohl Frauen in der Stuntbranche mit einigen besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, bringen sie auch neue Perspektiven und Fähigkeiten in den Beruf ein.

Was braucht es also, um eine erfolgreiche Stuntfrau zu sein? In erster Linie benötigt man körperliche Stärke und Athletik. Auch weibliche Stuntleute müssen in der Lage sein, komplexe Stunts und körperlich anspruchsvolle Aufgaben auszuführen. Über eine hervorragende Koordination verfügen und schnell auf Veränderungen am Set reagieren können. Außerdem müssen sie in der Lage sein, lange Arbeitszeiten und manchmal unregelmäßige Arbeitszeiten einzuhalten.

Oft benötigt man als Stuntdarstellerin ein dickes Fell. Die Stuntbranche ist immer noch sehr männerdominiert, und Stuntwoman müssen oft für gleiche und faire Arbeitsbedingungen kämpfen.

Wegen des dem Ungleichgewicht der Rollenverteilung in Film und TV gilt die Stuntbranche als männerdominiert. Dies ist darin begründet, dass es in den meisten Produktionen weniger Stunts für Frauen- als für Männerrollen gibt. Weiblicher Filmcharaktere erleben in Drehbüchern immer noch weniger Action als Männer. Trotzdem ist Arbeit ist von gegenseitigem Respekt von Stuntwomen und Stuntmen für die künstlerische und körperliche Leistung geprägt, sodass in trotz des geringeren Frauenanteils kein männerdominiertes Klima herrscht, wie man auf den ersten Blick fälschlicherweise meinen könnte.

Der Branchenverband German Stunt Association ist stolz darauf, dass die Bezahlung von Stuntwomen und Stuntmen generell gleich ist. Als selbstständige Künstler werden Gagen verhandelt. Es heißt also für alle Branchenteilnehmer, immer wieder für gute Gagen zu kämpfen.

Trend zur Spezialisierung

Bis vor einem Jahrzehnt ging der Trend dahin, sich als Stuntperson auf einen bestimmten Bereich der Stuntarbeit zu konzentrieren, z. B. auf Autostunts oder Sprünge aus dem Fenster. Das führte in der Regel zu einer größeren Expertise in diesem speziellen Bereich, erhöhte aber interessanterweise auch das potenzielle Verletzungsrisiko, da die Arbeit damit weniger abwechslungsreich wurde und das Risiko für spezifische Verletzungen durch die immer gleiche körperliche Belastung stieg.

Filmstunts Stuntman stirbt

Stuntman stirbt bei Vorbereitung für Filmdreh

Do 18.05.23 | Schorfheide bei Klandorf (Barnim)

Laut Angaben der Polizei ereignete sich ein tragischer Vorfall in einem Waldstück, als eine Stuntfirma dabei war, einen Filmdreh vorzubereiten. Bei den Vorbereitungen für das Aufspannen einer Seilanlage kippte ein Fahrzeug, vermutlich eine Hebebühne, um. Ein Stuntman befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der Maschine und erlitt schwerste Verletzungen infolge des Sturzes. Bedauerlicherweise verstarb der 57-jährige Stuntman noch an der Unfallstelle.

Quelle: rbb24 Brandenburg

Viele Verletzungen zu haben gilt heute längst nicht mehr als ein „Markenzeichen“ von langjährig im Business tätigen Stuntmen. Heute werden Risiken durch hochprofessionelle Risk Assessments sorgfältig analysiert und soweit minimiert, dass sie weitgehend ausgeschaltet werden können. Dies in Übereinstimmung mit zahlreichen Vorschriften der Berufsgenossenschaften.

Stuntman werden: psychologische Anforderungen

Um nachvollziehen zu können, was ein Stuntman / eine Stuntwoman dazu motiviert, freiwillig für einen Film große Risiken einzugehen, muss man zunächst verstehen, was Psychologen als „Risikowahrnehmungslücke“ bezeichnen. Damit ist die Tatsache gemeint, dass Menschen dazu neigen, die Risiken von Aktivitäten, mit denen sie nicht vertraut sind, zu überschätzen und die Risiken von Aktivitäten, mit denen sie vertraut sind, zu unterschätzen.

Die meisten Menschen halten zum Beispiel Basejumping für sehr gefährlich und nie im Leben mit einem Fallschirm von einer Felswand springen. Für jemanden, der ein erfahrener Basejumper ist, ist die Risikowahrnehmung jedoch viel geringer. Das liegt daran, dass sie mit der Aktivität vertraut sind und die damit verbundenen Risiken kennen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie sich von den potenziellen Gefahren abschrecken lassen.

Top 10 Stunts of All Time

Was hat das nun mit der Arbeit von Stuntleuten zu tun? Ein Stuntman oder eine Stuntwoman kann die Risiken, die mit ihren Aktivitäten verbunden sind, oft perfekt einschätzen. Das heißt nicht, dass sie keine Angst haben oder den Respekt vor der Gefahr verlieren würden. Aber sie tun alles, um nach einer Risikoanalyse die bestmöglichen Maßnahmen zu treffen, damit die erkannten Gefahren und damit Unfälle auf dem Filmset verhindert werden.

Ein Restrisiko bleibt

Charlie Norton war einer der erfahrensten Stuntmen in der Branche. Er arbeitete unter anderem für „Der unglaubliche Hulk“, „Batman Forever“ und „Spider-Man 3“. Gefahr war ihm nicht fremd, denn im Laufe seiner Karriere zog er sich unzählige Blessuren zu. Norton hatte keine Scheu, Risiken einzugehen, war aber auch überzeugt: „Wenn du keine Angst hast, bleibst du als Stuntman nicht am Leben. Der Tag, an dem ich aufhöre, Angst zu haben, ist der Tag, an dem ich in Rente gehen sollte.“

Norton starb 2018 mit 62 Jahren. Jedoch nicht bei einem Stunt für eine Film-, Fernseh-, Theater- oder Filmproduktion. Sondern bei einer Sensationsdarstellung, wie es sie früher oft beim Zirkus gab, und deren Ausführung nichts mit der heutigen Arbeit von Stuntwomen und Stuntmen gemeinsam hatte. Er ließ er sich bei einer Live-Stuntshows – so wie schon hunderte Male in seiner Karriere zuvor – zum Gaudi des Publikums aus einer Kanone schießen.

Filmpuls dankt Pamela Gräbe, Geschäftsführerin der German Stunt Association, für die wertvollen Hinweise im Rahmen der Erstellung dieses Artikels.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Dieser Artikel wurde erstmals publiziert am 05.06.2022

Redaktion Filmpuls 200 Artikel
Unter der Bezeichnung »Redaktion Filmpuls« erscheinen Beiträge, die von mehreren Redaktionsmitgliedern gemeinsam erstellt oder bearbeitet wurden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*