+++ 9 von 10 britischen Film- und Fernsehmitarbeitenden mit psychischem Problem +++

Studie der The Film and TV Charity
Neue Studie der The Film and TV Charity | © Foto: Ausschnitt Case Video von The Film and TV Charity

Neun von zehn Personen (87 %), die in der britischen Film- und Fernsehindustrie arbeiten, haben während ihrer Karriere in der Filmindustrie oder beim TV schon ein psychisches Gesundheitsproblem erlebt. Das sagt eine neue Studie der „The Film and TV Charity“.

Berlin— 13. Februar 2020

Die Organisation „Charity“ (früher bekannt als CTBF) hat heute ihren Bericht „The Looking Glass“ (deutsch: der Spiegel) über die erste britischen Studie zur psychischen Gesundheit und über das Wohlbefinden von Arbeitnehmern in der Film- und Fernsehindustrie in England vorgestellt. An der Umfrage nahmen rund 9.400 Arbeitnehmer aus der TV-Branche und Filmindustrie teil.

87 % der Film- und Fernsehmitarbeitenden in Großbritannien mit psychischem Problem

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in der TV- und Filmindustrie hat schon erwogen, sich das Leben zu nehmen. Jeder/jede zehnte hat dies gemäss der Studie auch tatsächlich schon versucht!
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass englische Arbeitnehmer in der Film- und TV-Industrie Angstzustände erleben, ist doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt bei anderen Berufen.
  • Jeder achte in der Branche arbeitet mehr als 60 Stunden pro Woche. Dies führt dazu, dass mehr als die Hälfte (57 %) der befragten Angestellten im Filmgeschäft und beim Fernsehen das Gefühl hat, dass sich die mangelnde Kontrolle über die Arbeitszeit negativ auf ihr Wohlbefinden auswirkt.
  • Zwei Drittel (78%) kämpfen konstant mit der Balance aus Verpflichtungen außerhalb ihrer Arbeit (Beziehung, Familie, Freunde, etc.)
  • 8 von 10 (84%) Personen, die in der Film- und Fernsehbranche arbeiten, haben bereits Mobbing oder Belästigung am Arbeitsplatz erlebt oder miterlebt.
  • Nur 7 % der Befragten würde sich (aus Angst vor negativen Folgen) mit einem Problem an den Vorgesetzten wenden.
  • 28 % geben an, dass die Diskussion über ihre psychische Gesundheit die Situation verbessert habe. Aber mehr als die Hälfte (54 %) sagt umgekehrt, ihre Meldung habe keinen Unterschied gemacht. 5% sagen sogar, die Bekanntgabe von eigenen Problemen habe ihre Position sogar verschlechtert.

Je nach Tätigkeitsbereich zeigen sich deutliche Schwerpunkte bei der Art der Probleme:

  • In der Filmproduktion / TV-Produktion und bei der Drehbuch- und Stoffentwicklung: Mobbing, mangelnde Kontrolle über lange Arbeitszeiten
  • Bei Postproduktion, Animation und VFX: Soziale Isolation, Alkohol- und Drogenabhängigkeit
  • In der Fernsehbranche: Mobbing, Angst, aber auch Alkoholprobleme sowie fehlende Wertschätzung
  • Kino und Fernsehen: Selbstverletzungen, Selbstmordgedanken und -versuche

Wie geht es weiter?

Als Reaktion auf die Umfrage hat man nun eine Taskforce für psychische Gesundheit einberufen. Dieser sollen sektorübergreifende Organisationen angehören. Zugleich wurde heute an der Berlinale eine zweijährige Initiative mit dem Namen „The Whole Picture Programme“ vorgestellt (als Teil einer längeren 10-Jahres-Strategie). Dieses Programm, das bereits im April starten soll, ist mit einem Budget von 3 Mio. £ (3.5 Mio €) alimentiert.

Das offizielle Informations-Video (englische Sprache) | © The Film and TV Charity

Video ThumbnailWhole Picture Programme

An „The Whole Picture Program“ zur Förderung der psychischen Gesundheit von britischen Filmschaffenden und TV-Mitarbeitenden werden unter anderem mitarbeiten: Amazon, Apple TV, Banijay und RDF, BBC und BBC Studios, Channel 4, Digital UK, eOne, Endemol Shine, ITV, Sky Group, STV, Universal Pictures, ViacomCBS und Paramount Pictures, Vue Entertainment, Walt Disney Company und Warner Brothers.

Die vollständige Studie ist unter diesem Link in englischer Sprache online verfügbar:

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