Qualität in Auftragsproduktionen beginnt beim Menschen, nicht bei der Technik

Qualität Auftragsfilm
Illustration: Katerina Limpitsouni

Auftraggeber von Videoproduktionen sollten auch glücklich sein, wenn sie für Dinge bezahlen müssen, die man nicht sieht, sagt Carlo Per Olsson.

Mit dem Film verhält es sich wie mit der Schule: Jeder meint etwas davon zu verstehen. Und in einem gewissen Maß stimmt das auch. Wir alle haben einmal die Schulbank gedrückt. Wir alle konsumieren und produzieren mehr bewegte Bilder als je zuvor.

Aus der Erfahrung breiter Bevölkerungskreise im Umgang mit Video sind zwei Überzeugungen gewachsen, mit denen sich jeder professionelle Filmemacher bei Auftragsproduktionen auseinandersetzen muss:

Einerseits sind Auftraggeber überzeugt, dass das Filmemachen kein Buch mit sieben Siegeln ist. Wenn die eigenen Sprösslinge erstaunlich perfekte Aufnahmen in einer Qualität von 4 K hinbekommen, und auf dem Smartphone coole Clips für TikTok montieren, kann Filme machen weder schwierig noch teuer sein.

Andererseits hat die Technologie ihre Funktion als Eintrittsbarriere in das professionelle Filmschaffen verloren. Für ein paar lumpige Dollar steht der Zugang zur selben Editier-Software offen, wie sie auch Hollywood benutzt. Wie man Videos schneidet oder mehrspurig vertont erklären auf YouTube einige 10.000 kostenlose Video-Tutorials.

Kann man daraus ableiten, dass wer Filme schaut auch Filme machen kann? Qualifiziert der Schulbesuch den Schüler als Lehrer?

Wer als Auftraggeber mit einem professionellen Videoproduzenten zusammenarbeitet, bezahlt diesen heute in erster Linie für sein Ausnahmewissen und seine Erfahrung.

Wahr ist: In einer Standardsituation kann ein Schmalspurfilmer mit etwas Geschick und Willen dasselbe Resultat hinbekommen wie ein professioneller Videoproduzent.

Die Wahrheit ist aber auch, dass bei einem Auftragsvideo zu 97 % die Rahmenbedingungen nicht Standard sind.

Botschaften, Drehorte, im Video mitwirkende Personen vor der Kamera und Terminvorgaben zwingen jede Auftragsproduktion in ein Korsett. Schlechtes Wetter, wenig attraktive Schauplätze, ein nervöser CEO vor der Kamera und auswendig gelerntes, sperriges PR-Blablabla sind nicht die Aufnahme, sondern die Regel. In solchen Situationen sind Erfahrung und professionelles Equipment des Filmemachers, zum Beispiel für Tonaufnahmen oder zur Gewährleistung einer natürlich wirkenden Lichtsituation, das Zünglein an der Waage und entscheidend für die Videoqualität.

Wer noch nie mit einer Videoproduktion auf die Schnauze gefallen ist, mag es absurd finden, dass man als Kunde einen Auftragnehmer darum letztlich auch für Dinge bezahlt, die man nicht im Endprodukt sieht. Weil man sie nur dann wahrnehmen würde, wenn sie nicht getan worden wären. Nahezu alles, was in einem Film einfach und authentisch aussieht, ist alles andere als ein Zufall.

Inszenierung und Technik in einem Videofilm sind ein Paar Schuhe. Storytelling das andere. Video-Content zielgruppengerecht aufzubereiten und erzählen zu können erfordert Wissen und Talent. Fehlen diese zwei Säulen, hilft auch die beste Technik und die charismatischste Regie nichts! Gerade bei einem kleinen Produktionsbudget ist für beide Seiten, Auftragnehmer und Auftraggeber, die Verlockung groß, die verfügbaren Mittel mehrheitlich in die Produktion zu stecken und Konzept im Drehbuch zu vernachlässigen.

Kein vernünftiger Mensch baut ein Haus ohne Planung. Bei einem Video ist das Drehbuch der Plan und der Drehbuchautor der Architekt. Wer keine einstürzenden Neubauten will, muss sich dies hinter die Ohren schreiben.

Es lässt sich nicht ändern: ohne adäquate finanzielle Mittel kann man kein Auftragsvideo erstellen, das seine Botschaft transportiert und die dafür notwendige Authentizität oder Attraktivität aufweist. Wer glaubt, dass Kompetenz zu viel kostet, wird schnell feststellen, dass Inkompetenz im Geschäftsleben noch mehr kostet.

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Über Carlo P. Olsson 84 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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