10 Punkte, die du für den perfekten Messefilm und bei Videos für Messen beachten musst

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Internationale Automobilmesse Peking 2020 | © ZDF

Ein Messefilm kann eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. Umso wichtiger ist es, sich schon vorab zum Produktionsbeginn als Auftraggeber oder Videoproduktionsfirma bewusst zu werden, welche Ziele ein Video für eine Messe erfüllen muss.

In diesem Artikel findest du zehn Punkte, die dir dabei helfen, einen Messefilm effizient zu konzipieren und wirkungsstark umzusetzen. Viel Spaß und Erfolg! Wenn du eigene Inputs mit unseren Leser teilen möchtest oder weitergehende Fragen zum Thema hast, freuen wir uns am Ende dieses Beitrags über deinen Kommentar.

Das musst du wissen

  • Bei einem Messefilm gilt es zu unterscheiden zwischen Videos, die speziell für einen Einsatz an einer Messe konzipiert wurden und Filmen, die für andere Zwecke konzipiert, aber in Teilen oder gänzlich an Messeveranstaltungen zum Einsatz kommen.
  • Ein Messevideo kann unterschiedliche Ziele verfolgen. Seine Charakteristik reicht damit vom Imagefilm über das Produktvideo bis zum Informationsfilm und Werbevideo.
  • Aufgrund des Einsatzortes und der damit oftmals einhergehenden Lärmkulisse bestehen qualifizierte, spezfische Anforderungen an die Konzeption und Gestaltung der Tonspur eines Messevideos.

10 Punkte, die einen Messefilm besser machen

Die Verlockung ist groß: Das Unternehmen besitzt bereits einen wunderbaren Imagefilm oder ein bewährtes Produktvideo. Wenn die nächste Messe ins Haus steht, liegt die Versuchung nahe, das bestehende Video am eigenen Messestand einzusetzen. Ein solches Vorgehen kann OK sein. Oder voll in die Hosen gehen.

No.Checkliste für Messefilme
1Ziele der Kommunikationsmaßnahme (und damit des Videos) definiert?
2Inhaltliche Ausgestaltung festgelegt (Imagefilm, Produktfilm, Werbefilm, etc.)?
3Soll der Film auch für andere Zwecke, über die Fachmesse oder Publikumsmesse hinaus, eingesetzt werden können?
4Spiegelt die Filmlänge den Auftrag des Messevideos und ermöglicht das Verständnis der Botschaft?
5Ist das Filmbudget kongruent zur angestrebten Wirkung?
6Funktioniert der Film / das Video auch bei einer intensiven Geräuschkulisse in einer Messehalle?
7Call to Action: leitet der Messefilm zu einer Handlungsabsicht, der Handlung selbst oder sonstige Aktion über?
8Werden der Markenidentität und dem Markenimage genügend Rechnung getragen?
9Arbeitet das für das Messevideo zuständige Team eingebunden in ein Gesamtkonzept und vernetzt?
10Sind die vor Ort an der Messe anwesenden Mitarbeitenden in der Lage, Fragen zum Messerfilm kompetent zu beantworten?

Checkliste für Messevideos und Messefilme

Welche Entscheidungen in diesem Kontext – und bei vielen weiteren Fragestellungen – für die professionelle Filmkommunikation an Publikumsmessen und Fachmessen richtig sind, erklärt dir unsere 10teilige Checkliste:

1Ziele festlegen

Entscheidend ist es, sich vorab zu entscheiden, was für Ziele mit Bewegtbild beim eigenen Messeauftritt erreicht werden sollen. Damit sind nicht Gemeinplätze gemeint wie „ein Video transportiert unser Image und Emotionen“. Sondern kommunikative Ziele. Soll ein Video informieren, zum Gespräch animieren (eine Handlungspflicht unterstützen oder eine Handlung auslösen)? Die Einstellung des Messebesuches gegenüber der eigenen Firma oder einem Produkt mitbestimmen / ändern?

Abhängig davon, was ein Messevideo leisten soll, bestehen unterschiedlichste Ansprüche an den Inhalt eines Messefilms.

2Die Bezeichnung Messefilm ignorieren

Filmarten definieren ist leider noch immer viel zu selten die erste Priorität bei Auftragsproduktionen. Wenn es um einen Messefilm geht, empfiehlt es sich darum, diese Gattungsbezeichnung gleich mal komplett zu vergessen!

  • Erstens, weil es keine verbindliche Definition für dieses Genre gibt und der Begriff einzig für den Ort steht, an welchen eine bewegliche Maßnahme eingesetzt werden können soll.
  • Zweitens, weil oftmals an einer Messe Produktvideos, Imagefilme oder Reportagen zum Einsatz kommen. Anders als die Umschreibung Messefilm ist dieses Genre klarer definiert und weit unmissverständlicher.
  • Drittens, weil im Kontext von Filmen für Messen immer wieder auch von Eventvideos die Rede ist. Richtig ist, dass ein Eventvideo an einer Messe produziert  (oder gezeigt) werden kann. Gemeinhin wird darunter aber eine Videodokumentation über ein Event, nicht für ein Event verstanden.

Hinzu kommt, dass mittelständische Unternehmen – und nicht nur diese – ein Messevideo selten einzig für einen Messeauftritt produzieren lassen. In der Regel soll ein solcher Film, oder mindestens Teile davon, auch für andere Zwecke verwendet werden können (Internet, Besucherräume am Standort der Firma, Screen hinter Welcome Desk im Eingangsbereich eines Unternehmens, etc.).

3Universeller Einsatz oder spezifisch für eine Messe

Ob ein Film nur für eine Messe oder auch für andere Einsatzgebiete konzipiert und produziert werden soll, ist eine Grundsatzentscheidung. Oftmals gehen damit auch Interessenkonflikte einher, nicht nur aufgrund der anfallenden Kosten.

Um die Frage, ob ein Messefilm auch anderweitig eingesetzt werden kann, zu klären, bewährt sich ein strukturiertes Vorgehen in drei Schritten:

  1. Definition der Ziele und Gründe, warum an einer Messe mit Video gearbeitet werden soll.
  2. Analyse, was an Filmmaterial entweder schon im Unternehmen vorhanden ist. Oder losgelöst vom Messeauftritt in nächster Zeit erstellt werden soll.
  3. Konsultation mit einem Filmexperten, mehreren Videoproduktion oder Videoagenturen, die aufgrund dieser zwei vorgenannten Punkte unverbindliche Empfehlungen als Grundlage für die Entscheidungsfindung und Willensbildung erarbeiten. Als Auftraggeber ist es dabei ratsam, nach dem Prinzip des Reverse-Budgeting vorzugehen. Denn damit lassen sich frühzeitig Missverständnisse vermeiden und Effizienzgewinne erzielen.

Je spezifischer ein Film für einen ganz speziellen Zweck konzipiert ist, desto größer ist seine Wirkung. Wer mit Schrotflinten ziellos um sich ballert, mag zufälligerweise einen Spatzen treffen. Einen Adler schießt man auf diese Weise nicht vom Himmel (Freunde geschützter Tierarten verzeihen mir bitte diesen illustrativen Vergleich).

4Die richtige Filmlänge

Die Länge eines Messefilms bestimmt sich immer durch den Zweck, der dem Video an einer Messe zukommt. Dient ein Film als Mittel dazu, den Messebesucher auf den eigenen Messestand aufmerksam zu machen, kann eine kurze Animation mit einer Länge von 15–30 Sekunden als Endlosschlaufe durchaus genügen. Ein Produktfilm umgekehrt, der interessierten potenziellen Kunden einen vertieften Einblick, beispielsweise in den Fertigungsprozess eines Produkts, geben soll und der möglicherweise in einer ruhigen Ecke innerhalb des Messestandes gezeigt werden soll, kann umgekehrt unter 2–5 Minuten seine Aufgabe kaum erfüllen.

Entscheidend für die Filmlänge ist immer auch der Entscheid, ob ein Messefilm ohne jegliche Beteiligung der vor Ort anwesenden Mitarbeitenden „funktionieren“ muss. Ein Messevideo, das zum Dialog animieren soll, oder zur Mitnahme eines Prospekts mit weiterführenden Informationen, darf kürzer sein als ein Film, der an einer Messe eigenständig eine umfassende kommunikative Aufgabe erfüllt.

5Budget / Kosten eines Messefilms

Im Alltag finden sich zwei bedeutsame Unterschiede, die mitbestimmen, was ein Messefilm an Kosten mit sich bringen darf.

Versteht sich der visuelle Auftritt mit Video an einer Messe als integraler Teil eines Messestandes und damit mitbestimmender Teil von Marke und Image, darf das Budget für ein Messevideo in der Regel weit höher sein, als wenn dem Bewegtbild einzig eine flankierende Funktion zukommt. Oftmals wird im ersteren Fall der Auftrag für die Filmproduktion von den beauftragten Spezialisten für Branding im Segment Stand- und Messebau im Subcontracting vergeben. Bei großen Unternehmen, beispielsweise in der Automobilindustrie oder bei Luxusgütern, kann sich der Aufwand für einen Messefilm schon mal im sechsstelligen Bereich bewegen.

Es gilt jedoch zu beachten, dass solche Aufträge international ausgeschrieben werden und oftmals hart umkämpft sind. Entsprechend hoch sind die Hürden, um als Videoproduktion in einem Pitch erfolgreich zu bestehen – und dabei eine vertretbare Gewinnmarge zu realisieren.

Versteht sich ein Video an einer Messe nicht als wesentlicher Bestandteil des Auftritts, sondern als ergänzende Komponente, wird dafür vom Aussteller entsprechend weniger investiert. Erkennbar ist dies auch daran, dass Bild-Projektoren, Lautsprecher, Leinwände oder Flatscreens diesfalls nicht organisch in den Messestand integriert sind.

Wo ein Messefilm auf einem Monitor oder Bildschirm abgespielt wird, bewegen sich seine Kosten von wenigen 1000 € bis hinein in den fünfstelligen Bereich. Indikatoren für exakte Benchmarks pro Genre findest du in unserem Online-Filmkalkulator.

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Internationale Automobilmesse Peking 2020 | © ZDF

6Verständlichkeit auch ohne Ton / Audio

Der Geräuschpegel an Messen kann unangenehm hoch sein. So hoch, dass die Umgebungsgeräusche das Verständnis von Ton erschweren oder sogar nahezu unmöglich machen.

Ein gutes Messevideo ist darum immer auch ohne Ton verständlich. Sound Design muss allerdings erlaubt sein. Es unterstützt genauso wie Musik den Transport von Emotionen. Wo aber Informationen nur mittels Off-Voice verständlich sind, ist für einen Messefilm das falsche Konzept ausgewählt worden.

Die Ausnahme, welche die Regel bestätigt, sind große Aussteller, die in den ihnen zugeordneten Hallen-Bereichen dazu erstellte Räume und Ecken schaffen und damit die Lautstärke unter Kontrolle haben.

7Kein Messefilm ohne definierte Trigger-Punkte

Eine der banalsten, wenn nicht sogar dümmsten, Feststellungen zu Film- und Videoinhalten besagt, dass diese ein Anfang eine Mitte und ein Ende haben müssen. An sich eine Selbstständigkeit, den das gilt für alles, was sich entlang einer Zeitachse bewegt. Genauso wie der Umstand, dass ein Film an einer Messe immer nur ein Zahnrädchen in einem Uhrwerk ist.

Ein Messevideo steht nie nur für sich allein. Es gilt darum festzulegen, was der Betrachter des Videos NACH dem Ansehen des Messefilms weiter tun soll. Sich nur den Produkte-Namen und die damit verbundenen Werte merken? Eine Internetadresse besuchen? Sofort vor Ort das Gespräch mit den Menschen am Messestand suchen?

Damit solche Aktionen stattfinden, der Film nach dem Film beim potenziellen Kunden abläuft, muss ein Messefilm einen oder mehrere Triggerpunkte besitzen.

Triggerpunkte sind klar definierte inhaltliche Momente im Film, in denen man dem Zuschauer eines Messevideos verdeutlicht, was man von ihm als Nächstes erwartet. Diese Erwartungshaltung des Absenders wird beim Imagefilm eher mittelbar in die Botschaft des Films verpackt sein, bei einem Produktfilm und besonders einem Werbevideo jedoch unverblümt offen ausgesprochen.

8Markenidentität und Image

Jeder Messefilm, selbst wenn er in Form eines Produktvideos ganz spezifisch gestaltet ist und für eine eng begrenzte, klar definierte Zielgruppe wirken soll, ist immer eine Visitenkarte eines Unternehmens. Die Übereinstimmung mit den eigenen Markenwerten und ein Abgleich mit der eigenen Imagestrategie muss immer stattfinden.

9Einbindung und Vernetzung aller Beteiligten

Nicht nur, aber besonders dann, wenn ein Messefilm über Veranstaltungen hinaus Verwendung findet, sollte man sich eng mit sämtlichen Beteiligten abstimmen. Findet ein Konzept keine Akzeptanz, oder werden wesentliche „Stimmen“ ungenügend in die Entscheidungsprozesse eingebunden, scheitert die geplante genutzten Nutzung über die Messe hinaus an mangelhafter Abstimmung und Vernetzung.

Nicht vergessen werden darf zudem:

  • der Einbezug von den Verantwortlichen für den Messebau und
  • die Berücksichtigung von Vorgaben und Eigenheiten des jeweiligen Veranstaltungsortes.

Räumliche Vorgaben und verbindliche Spezifikationen des Messeveranstalters können, nicht nur hinsichtlich Vorgaben an Lautstärken oder zur Positionierung von Screens mitentscheidend sein, ob ein Messefilm seine Ziele erreichen kann.

10Schulung der an der Messe anwesenden Mitarbeitenden

Letztlich, Messefilm und Messevideo hin oder her, geht es immer um den Menschen: Messebesucher wollen sich informieren, stellen Fragen.

Wo sich Fragen auf die Inhalte eines Videos beziehen, das am Messestand vorgeführt wird, müssen die Antworten vorbereitet sein.

Alle Mitarbeitenden, die vom (Fach-)Publikum einer Messe angesprochen werden können, benötigen daher eine (mindestens minimale) Schulung. Sie müssen die wichtigsten Antworten kennen und verinnerlicht haben. Nur wer Bescheid weiß, kann inspiriert und kompetent begeistern. Profis erkennt man sofort.

Über Carlo P. Olsson 79 Artikel
Carlo P. Olsson begleitet die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien im Auftrag von Unternehmen, Agenturen und Produktionsfirmen. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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