Leena Pasananen verlässt das DOK Leipzig. Christoph Terhechte übernimmt ab 2020.

DokLeipzig Leena Pasananen
Standbild aus dem diesjährigen Trailer der Dok Leipzig | © Foto: Juliane Kirsch

Am Sonntag wurde die goldene Taube auf dem 62. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm verliehen, in diesem Jahr zum letzten Mal von Leena Pasanen. Vor genau 5 Jahren hatte die Finnin das Festival von dem ehemaligen Festivaldirektor Claas Danielsen übernommen. Keine leichte Aufgabe, denn Danielsen war nicht nur Direktor, sondern auch die Seele des Festivals.

Claas Danielsen war vor allem bekannt dafür, dass er nicht nur hinter den Kulissen das Dokfest gestaltete und leitete, sondern eine enorm beliebte Publikumspräsenz hatte. Danielsen moderierte neben der Festivaleröffnung, Presseterminen und Preisverleihung auch diverse Dokumentar- und Animationsfilme an, sodass es schon erstaunlich war, wie schnell er von einem Kino zum nächsten gekommen ist.

Mit Leidenschaft und Enthusiasmus

Leidenschaft und sein Enthusiasmus zum Dokumentarfilm von Claas Danielsen hatten etwas Ansteckendes und seine Nahbarkeit zu den Kinobesuchern kannte wenig Grenzen.

Bei einem Feueralarm während des Dokfestivals im Cine Star wurden alle Besucher ruhig aus den Kinos herausgeleitet. Danielsen stand damals mitten in der Menge auf der Treppe vor dem Cinestar Leipzig und unterhielt die Massen, während alle auf Informationen der Feuerwehr warteten. Das Betreten des Kinos war an dem Abend nicht mehr möglich, aber Danielsen reagierte sofort und kümmerte sich um Ersatzvorstellungen. Heute arbeitet Danielsen für die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM).

Streben nach mehr Internationalität

Auch für Leena Pasanen heißt es nun Abschied nehmen von Leipzig und dem Dokfest, dass die Leipziger so sehr lieben. Gründe seien vor allem die schwierige Beziehung mit den Verantwortlichen der Stadt Leipzig, sagt Pasanen der Deutschen Presse-Agentur.

Bei ihrem Amtsantritt war es eine Vorgabe der Stadt, das Festival internationaler zu machen. Vor diesem Hintergrund sind auch die Spannungen mit alteingesessenen Mitarbeitern des DOK Leipzig zu sehen.

Grit Lemke arbeitete seit 1991 für das Festival. Sie hatte einen sehr großen inhaltlichen Anteil an der Gestaltung, der Auswahl der Panels und dem Flair. Lemke wünschte sich damals als neue Intendanz jemanden mit ostdeutschen Wurzeln und mehr Bezug zu dem Ursprung und der Geschichte des Leipziger Dokfestes. Weil es zu keiner Einigung über ihre Weiterbeschäftigung kam, verließ Lemke zwei Jahre nach der Übernahme der Leitung von Pasanen das Festival.

Trotz dem Wunsch nach mehr Internationalität blieben unter Leena Pasanen Programme mit regionalem Bezug oder regionaler Verwurzelung bestehen oder wurden sogar weiter ausgebaut: Es gibt beim Festival weiterhin eine DEFA Matinee, es gibt eine Matinee Sächsisches Staatsarchiv, es gibt häufig Retrospektiven mit regionalem Bezug (in diesem Jahr BRDDR). Neu programmiert wurde die Reihe Re-Visionen, die auf die Festivalgeschichte zurückblickt.

Innovationen der Ära Pasanen

Leena Pasanen verlässt das Leipziger Dokfest nicht ohne ein paar Innovationen, wie die öffentlichen Kinovorführungen im Leipziger Hauptbahnhof, der Frauenquote für den deutschen Wettbewerb und verbesserte Angebote für Hör- und Sehbeeinträchtigte.

Verabschiedet hatte sie dafür die Filmdolmetscher, die live im Kinosaal die Filme ins Deutsche übersetzt hatten. Schon ab 2016 wurden für die Filme am Festival via eine App deutsche Untertitel angeboten. Dieses Jahr gab es für eine Reihe von Filmen deutsche Untertitel auf der Leinwand.

Auch der DOK Leipzig Trailer war Veränderungen unterworfen. Vor Pasanens Leitung war der Trailer ein rasanter Zusammenschnitt von Filmausschnitten der laufenden Filme des Dokfestes. So konnten die Besucher bei jeder Trailereinblendung checken, welche Filme sie aus dem Trailer schon gesehen hatte.

Pasanen hingegen ließ in diesem Jahr eine düstere, künstliche Landschaftsanimation produzieren, die auf den ersten Blick so gar nichts mit dem dokumentarischen Film zu tun haben scheint. Dem ist aber nicht so. Denn der Festivaltrailer stammt von den Brothers Quay, die im Dokumentarfilm wie auch im Animationsfilm unterwegs sind. Mit ihrem Trailer repräsentiert das Festival auch den Animationsfilm und betont unmissverständlich, dass in seinen zwei Sparten auch hybride Formen willkommen sind.

Christoph Terhechte übernimmt

Pasanen widmet sich ab 2020 der Leitung des Biografilm Festival in Bologna. Für Leena Pasanen ist das wohl eher ein Rückschritt.

Das DOK Leipzig ist mit das älteste und größte Dokumentarfilmfestival in Europa mit jährlich um die 400 Animations- und Dokumentarfilme. In diesem Jahr zählte das Leipziger Dokfest 48.000 Zuschauer, während das Biografilm Festival erst zum 16. Mal stattfindet und deutlich kleiner und unbekannter ist. Aber Langeweile werden Pasanen und ihr Partner in Italien sicher nicht spüren. Sie haben sich einen Landsitz gekauft, wo sie Wein anbauen wollen.

Im Januar 2020 wird der deutsche Journalist und Filmkritiker Christoph Terhechte die Intendanz und künstlerische Leitung des Dokfestes Leipzig übernehmen. Terhechte stammt aus Münster und war Redakteur bei der Taz, arbeitete als freier Journalist in Paris und leitete von 2001 bis 2018 Internationalen Forums des Jungen Films der Berlinale.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

Wer ist Juliane Kirsch? 3 Artikel
Juliane Kirsch ist freie Journalistin (BA) und arbeitet für unterschiedliche dokumentarische Fernsehformate. 📧 jk.earlybirdproduction@gmail.com

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