Wie kreative Ideen zum Fliegen kommen: Die zwei berühmtesten Checklisten der Welt

Kreative Ideen verbessern
Kreative Ideen verbessern | © Grafik: FreePik

Kreativ zu sein bedeutet nicht zwingend, immer etwas Neues zu erschaffen. Oftmals geht es auch darum, Bestehendes zu verbessern. Dazu gibt es erprobte Rezepte.

„Ideen haben ist himmlisch. Sie auszuarbeiten die Hölle.“ Wer in der Kreativwirtschaft arbeitet, weiß wie viel Wahrheit in dieser Feststellung steckt.

Diese Maxime gilt aber auch für andere Berufsgruppen. Während man heute mit einem Video oder in einem Film nahezu alles realisieren kann, was das menschliche Hirn zu denken und erfinden in der Lage ist, gibt es andere Berufsfelder, bei denen das nicht der Fall ist.

Und gerade hier finden sich für die Macher von Imagefilmen und weiteren Formen der Auftragsproduktion interessante und erprobte Lösungsmodelle.

Zum Beispiel in der Flugzeugindustrie. Auch da tummeln sich, nicht erst seit Howard Hughes, grandiose Visionäre. Nur: Anders als beim Film, gilt es hier auch die Gesetze der Aerodynamik und Physik zu beachten. Damit muss man jede Idee, so gut sie auch ist, an weitere, zwingende  Rahmenbedingungen anpassen.

Dieser Artikel zeigt dir die zwei berühmtesten Checklisten der Welt zur Optimierung von kreativen Ideen. Einfach erklärt. Wirkungsvoll und praxistauglich.


Das musst du wissen

  • Ideen müssen sich bekanntlich auch realisieren lassen. Sonst sind sie wertlos. Dieses Spannungsfeld betrifft nicht nur Filmemacher. Noch stärker berührt es beispielsweise Ingenieure.
  • Seit mehr als achtzig Jahren gibt es darum Modelle zur systematischen Verbesserung von Ideen.
  • Das wohl bekannteste Prinzip dazu ist die „Zwicky-Box“, eine mehrdimensionale Tabelle (Matrix).
  • Ebenso berühmt ist der Fragekatalog des Werbers Alex F. Osborn. Auch aktuelle Checklisten, so das SCAMPER-Prinzip, basieren darauf.

Eine Checkliste für kreative Ideen?

Bereits in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde am California Institute of Technology nach Methoden geforscht, um ein System für die systematische Verbesserung von Ideen zu schaffen.

Fritz Zwicky Morphologischer Kasten
Fritz Zwicky | © Foto: Pinterest

Die Idee dahinter: Eine Art Baukasten-System für die Kreativität zu entwickeln, welches kreative Ideen mit der Realisierbarkeit verbindet.

Für Fritz Zwicky  (* 1898 in Bulgarien, † 1974 in Pasadena, Kalifornien) war das die perfekte Herausforderung.

Der Physiker mit Schweizer Pass war zu dieser Zeit in den USA an der Entwicklung neuartiger Flugzeugtriebwerke beteiligt. Dabei prallten Visionen und Realität hart aufeinander.

Als Folge davon entwickelte Zwicky, was er den morphologischen Kasten nannte. Lass dich von diesem Begriff nicht abschrecken. Die Bezeichnung klingt weit komplizierter, als es das Konzept in der Praxis ist!

Kreativ sein mit der Zwicky Box

Das Wort Morphologie stammt aus dem Griechischen. Es bedeutet Form, Sinn, Lehre und Vernunft. Es geht also darum, Kreativität und Sinnhaftigkeit in Übereinstimmung zu bringen.

Das Schema zur Analyse und Verbesserung von Kreativideen – auch bekannt als „Zwicky Box“ – ist nichts anderes als eine mehrdimensionale Matrix.

Zielführend ist die Zwicky Box ganz besonders dann, wenn ein Team unterschiedliche kreative Ansätze beurteilt. Oder in Teamarbeit kooperativ entwickelt.

Der morphologische Kasten als Kreativitätstechnik lässt sich nichtsdestotrotz aber auch im stillen Kämmerlein als Einzelkämpfer erfolgreich anwenden.

Ideen mit dem morphologischen Kasten finden und verbessern

Der morphologische Kasten (Zwicky Box) funktioniert so (vereinfachte Darstellung):

  1. Für eine Fragestellung werden zuerst die zwingenden Elemente definiert. Für ein Auto sind das beispielsweise: Motor, Räder, Sitze, Gepäckraum, etc.
  2. Anschließend schreibt man rechts zu jedem dieser Faktoren die theoretisch denkbaren, unterschiedlichen Lösungen dazu. So entsteht eine Tabelle. Horizontal stehen die Vorgaben, vertikal in den Spalten die unterschiedlichen Lösungsideen.
  3. Im nächsten Schritt kreist man nun für jedes zwingende Element den besten Lösungsvorschlag ein. Entweder geschieht dies intuitiv. Oder mit einer Systematik, die zuvor festgelegt und vereinbart wurde.

Damit dabei das Ergebnis nicht zu komplex ausfällt, kann man die Merkmale oder Lösungen zusätzlich auch gewichten. Beispielsweise nach dem Schwierigkeitsgrad der Umsetzung.

Die Zwicky-Box lässt sich von 2 Dimensionen auch ein Modell in 3 Dimensionen erweitern. Diesfalls kommt eine weitere Achse dazu. Es entsteht eine dreidimensionale Matrix. Das Prinzip bleibt dabei gleich: Auf jeder Achse wird nach der Erstellung der Box jeweils das Merkmal gewählt, das für gut befunden wird.

Theoretisch lässt sich die Zahl der Achsen beliebig erweitern, von drei auf vier Dimensionen, theoretisch auch bis auf zehn oder mehr Dimensionen. Sinnvoll ist dies nur beschränkt. Ab einer gewissen Komplexität ist die spätere Umsetzung extrem anspruchsvoll – oder sogar unmöglich.

Checkliste nach Alex Osborne

Etwas weniger wissenschaftlich, aber gleichermaßen erfolgreich, ist der Gründer der Werbeagentur BBDO bei Kreativproblemen vorgegangen.

Alex Osborne (* 1888 bis † 1966) hat jede kreative Idee mit sieben einfachen Fragen danach untersucht, ob sie nicht noch weiter verbessert werden kann.

7 Fragen zur Optimierung der Kreativität

Die sieben Hauptfragen lauten (vereinfachte Darstellung, überarbeitet und ergänzt von Bob Eberle auf Basis seiner Checkliste SCAMPER):

  1. Wird die Idee besser, wenn man etwas austauscht? Das kann eine Person, ein Handlungselement oder eine sonstige Komponente sein. (Der Fachausdruck dafür lautet: Substitution = Ersetzen / Austauschen)
  2. Kann man einzelne Elemente, welche die Kreatividee ausmachen, miteinander kombinieren? Dinge dadurch verdichten, vereinfachen oder stärker machen? Wird die Idee durch die Kombination besser oder schlechter?
  3. Wurde überprüft, ob man einzelne Punkte im Konzept angepasst sollte. Typische Arten der Anpassung, nicht nur in einem Video, sind die Verstärkung oder Abschwächung einzelner Handlungselemente und damit die Veränderung ihrer Bedeutung im Gesamtkonzept.
  4. Was passiert, wenn einzelne Elemente nicht getauscht, kombiniert oder angepasst, sondern radikal verändert werden? Übertragen auf einen Imagefilm: Was geschieht, wenn zum Beispiel die Audio-Ebene (Orchestrierung, Off-Voice) verändert wird? Oder die Art der Visualisierung (Kameraführung, Pacing, usw.)?
  5. Passt das Kreativkonzept wirklich zum Verwendungszweck, für den es erstellt wurde? Gibt es vielversprechendere Anwendungsformen? (Soll das Videokonzept als Imagevideo oder beispielsweise alternativ, mit mehr Wirkung, als Dokumentation (mit Imagewirkung) umgesetzt werden?
  6. Was kann man ohne Ersatz streichen? Erfahrene Drehbuchautoren und Filmschaffende wissen: In der Kunst des Weglassens offenbart sich der wahre Profi. Nichts ist schwieriger. Nichts ist wirkungsvoller als die Reduktion.
  7. Wenn man Dinge in ihr Gegenteil verkehrt, ist das Kreativkonzept dann stärker, überraschender, wirkungsvoller? Das ist das bewährte Umkehrprinzip: „Hund beißt Mann“  als Schlagzeile interessiert niemanden. Anders bei „Mann beißt Hund“.

Die 7-teilige Checkliste nach Alex Osborne verdeutlicht auf unübertroffene Weise, warum es mit einer Idee allein nicht getan ist.

Erstens weil eine Idee nur eine Idee ist. Zweitens, weil erst die Optimierung einer Filmidee diese in fast allen Fällen einzigartig, oftmals aber auch erst umsetzbar macht.

Mehr dazu

Filmtipp (im Artikel erwähnt)

„Aviator“, Verfilmung der Lebensgeschichte von Howard Hughes, Regie: Martin Scorsese, 2004, mit Leonardo DiCaprio, Cate Blanchett u.a.


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