Konzept erstellen für Film und Video: Anleitung und Tipps

Wenn der Weg so wichtig ist wie das Ziel

Konzept erstellen für Film und Video
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Dieser Artikel versteht sich als Anleitung, wie man ein auf einfache Weise ein gutes Konzept erstellen kann. Er zeigt, auf welche Punkte man dabei achten muss und was notwendig ist, damit der Leser vom Inhalt eines Konzepts überzeugt ist. Zugleich vermittelt er Tipps zu Aufbau, Form, Inhalt und Umfang.

Ideen zu haben ist himmlisch – sie auszuformulieren die Hölle, sagt ein Sprichwort in der Kreativbranche. Aber nicht nur das. Eine Idee, die nicht umgesetzt werden kann, bleibt immer nur Theorie. Hier kommt die Konzepterstellung ins Spiel.

Was ist ein Konzept?

Ein Konzept ist nichts anderes als ein Entwurf oder eine Skizze. Es ist ein Grundlagenpapier, auf dem später weitere Schritte aufgebaut werden. Aus welchem Grund auch immer man ein Konzept erstellen muss oder will, mit ihm erfolgt die erste Ausformulierung der Umsetzung einer Idee oder eines Ziels.

Gute Ideen lassen sich in einem einzelnen Satz verständlich formulieren (Beispiel: «Lass uns am Weekend in die Berge fahren»). Die Realisation der Idee benötigt mehr Worte (Beispiel: «Wir werden am kommenden Freitag noch vor Abend losfahren. Wo wir hinfahren, entscheiden wir wegen des Wetters erst zwei Tage vorher. Wir übernachten in einem Mittelklassehotel, in dessen Angebot die Skipässe bereits inbegriffen sind. Weil die Ferienzeit vorbei ist, finden wir sicherlich eine nette Unterkunft.»)

Ein Konzept ist die erste Darstellung, wie Ideen oder wie Ziele in der Zukunft in die Realität umgesetzt werden.

Das Konzeptpapier ist ein erster Überblick, ein grob skizzierter Plan zur Prüfung und Diskussion der Umsetzung der Idee. Es ist Teil eines späteren, größeren ganzen, das aktuell noch unbestimmt ist. Mit ihm lässt sich erstmals Erfolg konkret begründen oder verneinen. Damit ist auch klar, dass nicht alle Fragen schon auf dieser Stufe beantworten werden.

Damit ein Konzept möglich ist, braucht es bestehende Ziele und eine erste grobe Vorstellung davon, wie diese Ziele erreicht werden können. Gibt es unterschiedliche Wege zur Zielerreichung (was in 99 % der Fälle so ist), formuliert der Profi verschiedene Strategien und prüft, welche davon die Beste ist.

Die Grenze zu einem Plan verläuft beim Konzept erstellen fließend. Ein kurzes Konzept, das noch nicht alle wichtigen Fragen beantwortet, ist ein Grobkonzept («… Dazu fahren wir mit dem Auto und …»). Umgekehrt kann ein Feinkonzept («… Wir fahren mit dem Auto 15:45 los, es sind 320 Kilometer und die Fahrt dauert 3,2 Stunden. Um 18:57 …») die Qualität eines Plans haben.

Sowohl ein Produktionskonzept («Wie drehe ich meinen Film?») wie auch ein Exposé (Filmskizze) sind eine Art von Filmkonzept. Denkbar sind auch Konzepte für ein Casting oder zur Kameraführung. Hingegen besitzen ein zur Produktion freigegebenes Drehbuch oder ein verabschiedeter Drehplan keinen Konzeptcharakter. Sie sind eine ausgearbeitete, detaillierte und verbindliche Vorlage für die Umsetzung.

Warum ein Konzept erstellen?

Ein Konzept schafft auf unterschiedlichen Ebenen große Vorteile:

  • es ermöglicht die grundsätzliche Beurteilung der Realisierbarkeit einer Idee
  • Erhöhung der Qualität (und damit der Chance, dass später das Ziel erreicht wird), wenn die im Konzept formulierten Wege hinterfragt, diskutiert und verbessert werden
  • der Umfang des Wissens und der Grad der Professionalität des Verfassers sind frühzeitig erkennbar
  • kleinerer Aufwand für Anpassungen und Verbesserungen als bei den nachfolgenden Schritten (detaillierte Planung)
  • nicht selten zwingt die Konzeptarbeit den Autor, die ursprüngliche Idee noch vor der Weitergabe an Drittpersonen zu hinterfragen und nochmals zu optimieren

Inwieweit es Sinn ergibt, Kreativarbeit (eine Idee oder ein Ziel zu finden) und Konzeptionsarbeit (die Umsetzung einer Idee zu skizzieren) zu trennen, ist eine individuelle Frage. Sie ist abhängig von der Persönlichkeit und der Arbeitstechnik. Am Ende zählt immer nur die Qualität des Ergebnisses. Oftmals aber wird man als Autor selbst ein Konzept erstellen wollen, um für sich selbst herauszufinden, was die eigene Idee taugt.

Jede Konzeptarbeit dient immer auch zur Einschätzung des Risikos. Ein Grundlagenpapier muss ein Unternehmen, einen Förderer oder Investoren überzeugen, dass in Zukunft für die nächsten Schritte Arbeit und Geld investiert wird.

Umfang eines Konzepts

Wer ein Konzept erstellen will, das beschreibt, wie ich diesen Artikel über das Wesen der Konzeption angehe, braucht es dafür nur wenige Gedanken. Anders, wenn ich mir ein Haus bauen will. Diesfalls stehen die Fragezeichen, die ich adressieren muss, gewissermaßen vor meiner Türe Schlange. Wie finde ich heraus, ob mein Traumhaus sich finanzieren lässt? Wer baut es? Wo? Wie lange dauert die Bauzeit? Was passiert Verzögerungen, was bei Mehrkosten?

  1. Einerseits kommt es also auf den Schwierigkeitsgrad an. Je größer die Herausforderungen und je höher die Hürden, desto detaillierter und umfangreicher muss ich beim Konzept erstellen sein.
  2. Zweitens stellt sich die Frage, für wen man ein Konzept erstellt. Der Wissensstand des Empfängers entscheidet über den Umfang mit. Habe ich wissende Leser, beziehen sich meine Ausführungen auf Besonderheiten und Abweichungen von anderen, vergleichbaren Vorhaben und reichen da und dort auch nur die relevanten Fachausdrücke. Eine unwissende Leserschaft hingegen braucht mehr Informationen und versteht das Kauderwelsch von Experten weniger gut.

Ein gutes Konzept findet Antworten auf alle wichtigen Fragen. Wichtig sind Fragen dann, wenn ihre Beantwortung mir als Leser den Projekterfolg und die Umsetzung  glaubwürdig macht. Als fachkundiger Leser eines Konzepts kann ich schon anhand dieser Auswahl meine Rückschlüsse auf die Erfahrungen des Verfassers ziehen.

Inhalt

Ein Konzept kann man für fast jede Aufgabe und für jede mögliche (und unmögliche) Frage erstellen. Darum ist der Inhalt jedes Konzepts immer unterschiedlich. Wo allerdings Konzepte einer festen formalen Vorgabe folgen, kann auch der Inhalt zum Teil anderen Inhalten gleichen. Sind beispielsweise für eine Eingabe bei der Filmförderung eigene Anmerkungen zur Bildbearbeitung in ein vorgegebenes Formularfeld einzutragen, kann dieser Inhalt auch dem Standardweg entsprechen.

Gehörte Melodien sind schön. Ungehörte Melodien sind schöner. Der Profi nutzt die menschliche Vorstellungskraft und lässt dem Leser in seinem Konzept bewusst Spielraum dazu. Das Setzen von stimulierenden Lücken funktioniert aber nur dann, wenn diese Freiräume inhaltlich geschickt «angerissen» und dieser fehlende Teil weder wesentliche, erforderliche inhaltliche Eckpfeiler betreffen noch inflationär oder zu offensichtlich sind.

Unabhängig vom Grund, warum man ein Grundlagenpapier erstellen muss: ein Konzept sollte soviel Informationen wie nötig und so wenig wie möglich beinhalten.

Aufbau eines Konzepts

Ein Konzept erstellen ist harte  (Denk-)Arbeit. Immerhin folgt der Aufbau einem gleichbleibenden Muster, das sich in vier Stufen unterteilt:

  1. Einleitend ist das Ziel und die Ausgangslage kurz zusammenzufassen. Damit ist jedem Leser sofort klar, was für eine Art Dokument vor sich hat. Das ist ganz besonders dort wichtig, wo es keine einheitlich definierten Begriffe für die unterschiedlichen Stufen der Konkretisierung für ein Projektvorhaben gibt. Eine solche Zusammenfassung kann sein: «dieses Konzept beschreibt, wie wir die Finanzierung für unseren Kurzfilm organisieren wollen.» Oder aber: «dieses Dokument erklärt, wie der Aussagewunsch für den neuen Imagefilm der ABC AG als Film umgesetzt wird.»
  2. Nach der Zusammenfassung folgt im zweiten Teil die Nennung der wichtigsten Fragestellungen zusammen mit der Begründung, warum diese Fragen als besonders wichtig und für den Erfolg entscheidend betrachtet werden. Für das obenstehende Beispiel mit dem Imagefilm könnte das sein: «Da im neuen Video keine Mitarbeiter im Bild sein dürfen, trotzdem aber eine hohe Emotionalität gefordert ist, geben wir dieser Fragestellung und ihren Lösungsmöglichkeiten mehr Gewicht, als Erläuterungen zu Einstellungsgrößen, Videoformat und Ton. Diese entsprechen dem Standard für solche Filme.
  3. Anschließend ist Platz für den eigentlichen Konzeptinhalt.
  4. Am Ende folgt die Nennung der nächsten Schritte. Damit wird klar, wohin der Weg im positiven Fall weiter führt. Das  «Findet dieses Konzept zu einem neuen Imagefilm Zustimmung, werden wir darauf aufbauend ein Drehbuch mit allen weiteren Details erstellen.» Ob am Ende auch schon das Angebot signalisiert wird, das Konzept gerne nochmals anzupassen oder komplett zu überarbeiten, ist von der eigenen Einschätzung zur Konzept-Qualität und Situation abhängig.

Die immergleichen vier Aufbaustufen vereinfachen das Konzeptverständnis. Darum sollte, wer ein Konzept erstellen will, sich an dieser Gliederung orientieren.

Form und Gestaltung

Verbindliche Regeln, wie ein Konzept ausgestaltet wird,  gibt es nicht. Bewährt haben sich in der Praxis allerdings folgende Punkte:

  • Erwartungshaltung: Wer im Auftrag für ein Unternehmen oder im Rahmen einer Ausbildung ein Konzept erstellen muss, klärt mit dem Auftraggeber vorab, welche Form er erwartet und ob es von dessen Seite Vorgaben für die Gestaltung gibt
  • Vergleichbarkeit: Grundsätzlich sollte die Form und Gestaltung eines Konzepts der Art entsprechen, wie andere Konzepte für vergleichbare Aufgabenstellungen daherkommen.
  • Verständlichkeit: eine saubere und nachvollziehbare Gliederung erhöht die Verständlichkeit eines Konzeptpapiers. Zu einer sauberen Gestaltung gehört:
    • die Nummerierung der Seiten (idealerweise Seite X von Y, denn damit läuft man nie die Gefahr, dass der Leser eine Seite im Printer liegen lässt und damit nicht alle Informationen bekommt, die er für einen Entscheid haben muss).
    • Ebenso die Nennung von Absender (Vorname / Name), und
    • das Datum und
    • der Projektname.

Form und Gestaltung sind niemals Selbstzweck. Sie müssen immer dem Inhalt dienen. Einzige Ausnahme sind Gestaltungskonzepte und grafische Arbeiten.


Titel: Linien-Plan Tokyo-Metro | im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls logo

Carlo P. Olsson
Über Carlo P. Olsson 16 Artikel
Carlo P. Olsson berät Auftraggeber und Produktionsfirmen. Er begleitet als Line Producer die Herstellung von Filmen, Videos und TV-Serien. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und beschäftigt sich mit barocker Klangdramatik.

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