Warum du als Komponist zum Serientäter werden willst

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TV-Serien als Chance für Komponisten und Songwriter | © Bildmontage Filmpuls

Die TV-Landschaft ist im Umbruch. Für talentierte Komponisten bieten die Veränderungen so viele neue Chancen, wie in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr.

Der anhaltende Erfolg von Fernsehserien zeigt auch Auswirkungen auf die Arbeit von TV-Komponisten. Bis vor wenigen Jahren wolltest du als Musiker Spielfilme musikalisch mit deinem Soundtrack untermalen.

Wenn du heute auf der Höhe der Zeit bist und gutes Geld verdienen willst, setzt du besser auf TV-Serien. Warum, das erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Das willst du wissen

  • TV-Industrie wächst. In wenigen Wochen starten neu auch Disney und Apple mit dem Streaming eigener Serieninhalte.
  • Zugleich haben schon Player wie Netflix das Geschäft mit der musikalischen Vertonung von Serieninhalten komplett verändert.
  • Anders als früher, wird die Musik von Serien nicht mehr nur für einzelne Territorien lizenziert.

Wie das Geschäft mit der Musik bis anhin lief

Weil TV-Serien vor dem Siegeszug von Netflix & Co. meist nur im eigenen Land ausgestrahlt wurden, wurde Musik immer nur für das eigene Land lizenziert.

Erleichtert wurde die Lizenzierung auch durch bis heute bestehende, pauschale Arrangements zwischen TV-Anstalten und den Vertretern der Rechteinhabern (GEMA, AMK, SACEM, SUISA, etc.).

Schaffte es eine TV-Serie wider Erwarten, ins Ausland verkauft zu werden, wurde es schnell sehr kompliziert. Die Musikrechte mussten diesfalls nämlich neu geklärt und verhandelt werden. Ein Problem war das für die Branche nicht. Aber nur darum, weil früher kaum einer Serie der Sprung über die Landesgrenze hinaus gelang!

Und wenn doch, war das für Komponisten und den Inhaber der Musikrechte keinen Grund zur Freude.

Um das Risiko beim Verhandeln tief zu halten, und um Kosten zu sparen, wurde in der Regel im Ausland die ursprüngliche Musik im Drittland ruckzuck durch lizenzfreie Konservenware ersetzt.

Darunter litt die Qualität der verkauften Serien. Was wiederum den Erfolg im Auslandsmarkt schmälerte – und dazu führte, dass Serien als grundsätzlich nicht geeignet für Auslandsverkäufe galten.

Der Erfolg von Netflix hat dieses fatale Muster erfolgreich auf den Kopf gestellt.

So machen erfolgreiche Komponisten heute Geschäfte

Weil heute von Beginn weg das Ziel anvisiert wird, eine mehrteilige TV-Serie überallhin auf der Welt verkaufen zu können, besteht der einfachste Weg dazu ganz einfach darin, bei der Musikproduktion von allem Anfang sämtliche Musikrechte zu erwerben. Oder zumindest mit einer Erwerbsoption zu sichern.

Die früher übliche Praxis, durch pauschale Abgeltung mit Urheberrechtsgesellschaften auf bestehende Musik zuzugreifen, ist dabei ein Problem. Darum, weil diese Lizenzen immer nur für einen Markt gelten.

Netflix investiert 2019 eine Milliarde USD in europäische Produktionen und will dieses Jahr 221 eigene und koproduzierte europäische Serien veröffentlichen.
The Hollywood Reporter, 1. Mai 2019

Darum sichert sich der Produzent von Serien heute von allem Anfang an die Möglichkeit, die von ihm produzierte TV-Serie mitsamt Original-Musik überallhin verkaufen zu können. Dazu sind Auftragskompositionen für Serien plötzlich die bessere Option.

Zugleich öffnete sich damit in vielen Fällen auch ein neues Arbeitsfeld für Songwriter. Die Kraft, eine Szene mit einem in sich geschlossenen Song zu stärken (oder in Einzelfällen zu retten), ist heute eines der Erfolgsgeheimnisse guter Serien.

Sing meinen Song?

Serien brauchen beides: Musik als durchgehendes, dramaturgisches Gestaltungselement. Aber auch alleinstehende Songs.

Beides sind Eigenkompositionen. Ein extra für eine Szene kompliziertes Musikstück hat aber eine andere Aufgabe. Es illustriert einen Schlüsselmoment der Handlung musikalisch. Dabei können Songtext und Serienhandlung durchaus auch ineinander greifen. Und sich inhaltlich ergänzen. Solches funktioniert natürlich nur, wenn der Text für das ausländische Publikum auch verständlich ist. Aber hey!, auf dieser Basis die gesamte amerikanische Musikindustrie.

Natürlich lassen sich so, zumindest theoretisch, auch Erfolgssongs bekannter Künstler in Serien einbinden. In der Praxis bevorzugt man allerdings eher unbekannte Musikstücke. Erstens, weil diese zu einem tieferen Preis lizenziert werden können. Zweitens, weil unbekannte Songs den Charakter der Serie nicht mit einer schon fortbestehenden Wahrnehmung prägen.

Ungeachtet welcher Serieninhalt, Lady Gaga bleibt immer Lady Gaga. Umgekehrt ist es absolut möglich, dass ein unbekanntes Musikstück durch die Einbindung in eine Serie weltweit zum Hit wird.

Und natürlich ist auch beides möglich: Du komponierst Soundtrack und Songs. Dann bist du in der Königsklasse angelangt.

Diese künstlerischen Voraussetzungen musst du als Komponist erfüllen

Als Serienkomponist wird von dir schnelle und präzise Arbeit erwartet. Gefordert werden solide dramaturgische Kenntnisse. Ähnlich wie die Kameraarbeit müssen deine Kompositionen die Serien mittragen.

Ebenso muss den Erwartungen des Regisseurs und des Produzenten gerecht werden. Ausgewählt für die Zusammenarbeit wird der Komponist für Serien üblicherweise durch den Musik Supervisor im Auftrag der Produktionsfirma.

Zusammengefasst

Bei TV-Serien sind Musikkomponisten wieder im Trend. Alleine das ZDF will über 200 Millionen € für die Serienproduktion investieren. Damit einher geht die Notwendigkeit, Original-Musik überall auf der Welt ohne rechtliche Risiken einsetzen zu können.

Talent brauchst du als Komponist nach wie vor. Dazu auch Flexibilität und ein Wissen, das über das reine Musikhandwerk hinaus geht. Kannst du diese Punkte erfüllen, sind die Perspektiven für dein Berufsleben weit attraktiver, als sie es die letzten 20 Jahre waren.


Im Interesse der Lesbarkeit ist im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. | © filmpuls online magazin logo

Wer ist Daniel D. Meister? 2 Artikel
Daniel D. Meister ist Music Composer und Sound Designer. Er ist zwischen zwei Welten aufgewachsen: der großen Liebe seiner Eltern für Country Musik und der eigenen Faszination für Elektropop der beginnenden 1980er Jahre.

Deine Erfahrungen sind gefragt!

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