Wie du als Filmemacher schon heute von künstlicher Intelligenz massiv profitieren kannst

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Mehr als das Wissen aus einem Menschenleben auf Knopfdruck | © Sokolov

Künstliche Intelligenz (KI) ist kein Filmemacher und wird es wahrscheinlich auch nie sein. Fakt aber ist: mit artifiziellen Intelligenz (AI) hast du heute einen Assistenten an deiner Seite, der dir auf grandiose Weise dabei helfen kann, deine Visionen aus Film oder Video besser umzusetzen. Wie das? Dieser Artikel stellt dir praktische Anwendungsfälle aus der Praxis vor.

Künstliche Intelligenz, der Name sagt es, ist erstens diese Tage noch ziemlich künstlich und zweitens ohne menschliche Inputs selten künstlerisch. Ich kann dich also beruhigen: KI wird dir aus kreativer Kopf die Arbeit nicht wegnehmen. Aber vereinfachen und dir damit ermöglichen, mehr Zeit zu haben für das, was einen guten Film am Ende ausmacht.

KI Programme Filme Video
© Foto: Sokolov
Coming Soon

Firma kündigt KI-Software zur Erstellung von Videos an

anb  Der amerikanische Start-up Runway Research hat in einer Pressemitteilung kürzlich verlauten lassen, dass man an einer Betaversion einer bahnbrechenden Videosoftware mit dem Namen Gen-1 arbeiten. Mit dieser sollen sich komplette Videos, ähnlich wie heute schon Bilder, komplett im Computer mit künstlicher Intelligenz erstellt werden können.

Bereits heute können Videos mit der Vorgängerversion des Programms eingelesen und verändert werden. So lässt sich etwa ein gedrehtes Video auf Knopfdruck als animiertes 3D-Cartoon-Movie rendern. Bereits in Kürze soll es möglich sein, einzelne Elemente in Videos durch die Software zu verändern oder auszutauschen.

Damit erwartet Filmproduktionsfirmen nach der virtuellen Produktion eine noch radikalere Disruption, gerade im Segment der Auftragsproduktionen dürfte die künstliche Intelligenz für viele Videoproduktionsfirmen dann das Aus bedeuten.

Zur Arbeit mit künstlicher Intelligenz

Das Wichtigste, was du für alle aktuell verfügbaren Software-Applikationen, die mit künstlicher Intelligenz funktionieren, wissen musst, ist: Input gleich Output.

KI kann nicht zaubern. Die optimale Herangehensweise bei der Arbeit mit artifizieller Intelligenz (AI) besteht darin, diese Programme als dein neuer Praktikant zu betrachten. Je klarer und eindeutiger du erklärst und zeigst, was du willst, desto brauchbarer sind die Ergebnisse. Mit Ausdauer und der Bereitschaft von dir, dass du die Programmbefehle lernst … – kommt der magische Moment, in dem du verblüfft bist und niemals in diesem Leben gedacht hättest, wozu deine Assistenz in Zusammenarbeit mit dir in der Lage ist.

KI-Software, die du weder anleitest, noch trainierst, liefert einzig Zufallstreffer. Im Unterschied zu Menschen aber kennt das Potenzial von künstlicher Intelligenz kaum Grenzen. Hier ein Beispiel, in welchem Ausmaß ich die visuelle Anmutung meine KI-Bilder beim Rendering im Detail steuern kann: [Definition Bildinhalt-Vorlagen oder Trainingswerte] 8k, HD, Canon EF 70-300mm F4-5.6 IS II USM [Parameter Ausgabequalität].

Schrittweise kannst du bei den Befehlen der Software gezielte Freiheiten einräumen und damit der KI echte Superpower verleihen:

Charakterskizzen und Beschreibungen deiner Filmfiguren kannst du mit KI mühelos in täuschend echte Bilder umsetzen. Das erleichtert die Richtungsbestimmung bei der Suche von Darstellern enorm. Bei Werbefilm kannst du Kunden mit wenig Filmerfahrung als Agentur oder Wiederproduktion auf diese Weise schon in der Konzeptphase auf solider Basis zu einem Abgleich einladen.

Ob für die Filmförderung, für das Briefing der Heads of Departments oder ob du als Set Designer deinem Regisseur deine Vorschläge für Dekor, Requisiten und den Look & Feel unterbreiten willst: Programme mit künstlicher Intelligenz eröffnen dir dazu bisher unbekannte Möglichkeiten.

Vorab-Visualisierung

Um die Anwendungsbeispiele für Filme zu illustrieren, nutze ich für mit artifizieller Intelligenz (AI) erstellen Beispiele in diesem Artikel eine von der Filmpuls-Autorin Carrie Duvan erfundene, fiktive romantische Spielfilm-Komödie namens »Liebe ist kein Parmesan«, die in Italien gedreht werden soll und in den frühen 1980er-Jahren spielt.

Beginnen wir mit den zwei wichtigsten Filmcharakteren, wie ich sie mir inspiriert vom Filmtitel und mithilfe der artifiziellen Intelligenz vorstelle:

Weil die weibliche Hauptfigur in einem schnuckligen italienischen Hotel arbeitet, habe ich gleich auch mit KI-Software die Location skizziert:

Und zusätzlich, damit man ein Gefühl vom Look und Feel bekommt, noch gleich zwei Mood Boards mit von künstlicher Intelligenz vorgeschlagenen Props beigefügt:

Wenn du Attribute (Eigenschaften und Details) für deine Filmfiguren suchst, kannst diese vorab zur visuellen Umsetzung mit künstlicher Intelligenz von einem KI-Textprogramm wie ChatGPT vorschlagen lassen. So zum Beispiel auch für markante Nebenfiguren. Ich bediene erneut das Klischee und rendere die von ChatGPT vorgeschlagenen Attribute der Side Characters zur Stimulation mit der erforderlichen Italianità:

Was viele nicht wissen: mit künstlicher Intelligenz kannst du längst nicht nur Fotos verändern oder bearbeiten. KI-Software ist heute mühelos in der Lage, auf Basis und Texteingaben ein Storyboards zu erstellen. Oder aus einer groben Handskizze eine Einstellung oder ein Dekor zu visualisieren.

Marketing-Ideen

Bei der Projekteingabe für Fördergelder kannst du dann künstliche Intelligenz mühelos damit punkten, dass du nicht nur einen Marketingplan skizziert. Mithilfe von KI kannst du diesen auch schon mühelos mit Gestaltungsbeispielen illustrieren. Damit wird eine Vermarktungsstrategie greifbarer und sehr viel konkreter.

Als Beispiel greife ich wieder auf die schon erwähnte fiktive Komödie zu, für die ich Filmplakat-Dummys für unterschiedliche Zielgruppen erstellt habe. Die von der Software erstellten Entwürfe sollen der Entscheidungsfindung dienen, und zeigen darum ein Spektrum von der herzzerreißenden Beziehungsgeschichte über die romantische Lovestory bis hin zur pubertären Screwball-Comedy:

Drehbücher oder Filmskizzen von künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen, ist keine gute Idee. Damit verschwendet du nur Zeit.

Sehr viel wertvoller aber ist es, Textpassagen oder Dialoge der KI zu füttern und sie dann mit einem gezielten Briefing um eine Textanalyse zu bitten. So kannst du beispielsweise um ein Feedback zur Erzählperspektive, der psychologischen Verhaltensweise einer Filmfigur im Drehbuch oder zu deinem Schreibstil bekommen.

Auch zur Stimulation lassen sich Textgeneratoren mit artifizieller Intelligenz (AI) sinnvoll einsetzen. Oftmals bekommst du damit Impulse oder im zündenden Funken für eine Idee oder Formulierung, auf die du selbst kaum bekommen wärst.

KI-Software (Auswahl)

Bitte beachte, dass die hier erwähnten Programme aktuell noch kostenfrei oder teilweise kostenlos zugänglich sind. Das liegt daran, dass die von dir eingeschriebenen Daten (Bilder und Texte) von den Softwareprogrammierern dazu genutzt werden, die KI-Software weiter zu trainieren. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Applikationen mit artifizieller Intelligenz (AI) kommerzialisiert und nur noch gebührenpflichtig zu nutzen sind.

Empfehlenswerte Programme mit künstlicher Intelligenz zur Bilderstellung oder Texterstellung

  • Midjourney:

    zurzeit ist die Software Midjourney auf einer Online-Plattform als Testabo für eine gewisse Anzahl Bilder unentgeltlich zugänglich. Midjourney kann sowohl mit Bildquellen (etwa Handskizzen, die du mit einem Link in die Befehle einbindest) als auch auf reiner Textbasis jede Art von Bildern erstellen, die du dir denken kannst. Einen guten Einblick in das gestalterische Potenzial bietet dir diese Webseite. Bilder lassen sich mit artifizieller Intelligenz (AI) auch verschmelzen und die KI Software ist auch in der Lage Brennweiten, Color Grading anzuwenden. Damit spielen lässt sich mühelos. Für eine professionelle Anwendung ist ein Trainings- oder Schulungsaufwand von 3 bis 5 Arbeitstagen erforderlich. Etwas gewöhnungsbedürftig bei der Arbeit mit Midjourney ist die Benutzerführung, die über das Online-Portal Discord führt. Die wichtigsten Befehle zur Bildmanipulation findest du auf dem Internet. Sie sind einfach verständlich, werden aber immer wieder angepasst und sind darum veraltet.

  • ChatGPT:

    für die Texterstellung aktuell eines der besten Programme seiner Art. Die Software von OpenAI ist Open Source, unbegrenzt und kostenlos zu nutzen und die Arbeit mit ihr erfordert keinerlei Vorwissen. ChatGPT funktioniert in einem grundlegenden. Völlig anders als die im vorherigen Abschnitt vorgestellte Software zur Bilderstellung mit künstlicher Intelligenz. Bei Chat bekommt der jeweils erste neue Input einen eigenen Reiter. Alle weiteren Eingaben unter diesem Reiter beziehen die vorhergehenden Inhalte in dieser Sektion mit ein und lernen daraus. Das bedeutet: Wenn der erste Befehl lautet: „sprich mich bei jeder deiner Antworten mit Baron Spreewaldgurke an“, wird die KI auf die Frage, was eine chromatische Aberration bedeutet, antworten: „Baron Spreewaldgurke, dieser Begriff bezeichnet …“ ChatGPT ist zeitweise durch die millionenfache Nutzung von Usern auf der ganzen Welt überlastet. Diesfalls gilt es eine Kaffeepause einzulegen oder die Software zu Zeiten einzusetzen, in denen auf dem amerikanischen oder asiatischen Kontinent Nachtruhe herrscht. ChatGPT bietet neu auch ein Profi-Abonnement an, das für 18,50 € im Monat eine jederzeitige Nutzung der artifiziellen Intelligenz garantiert.

  • NMKD Stable Diffusion GUI:

    diese Software erfordert mittleres bis fortgeschrittenes Know-how im Umgang mit Software. Weil – darin liegt ein unvergleichlicher Vorteil – hier alle Daten immer auf einer Harddisk liegen und alle Rechenprozesse auf deinem Computer laufen, benötigst du für die erfolgreiche Anwendung von NMKD Stable Diffusion GUI einen überdurchschnittlich leistungsstarken Rechner. Mit einem Multimediagerät oder Game Computer wirst du gut klarkommen. Das Programm läuft sowohl auf Apple wie auf PC. Wer komplizierte Installationen scheut, kann auf Anwendungspakete von Drittanbietern zugreifen. Die Hoheit über deine eigenen Daten hat zum Nachteil, dass du diese KI-Software ausführlich selbst trainieren musst. Andernfalls wirst du kaum befriedigen Resultate mit diesem Programm erzielen.

  • DALL-E:

    Diese KI-Software zur Bilderstellung auf Basis von Text stammt wie ChatGPT von OpenAI. Leider ist sie bisher nicht viel mehr als eine Spielerei, die (nur) auf Basis eines eingegebenen Textes ein Bild ausspuckt. Wer auf dem Smartphone in weniger als 5 Minuten ein klitzekleines Gefühl für die Zukunft, wie sie sich vor Midjourney und ChatGPT präsentierte, bekommen will, ist bei dieser Applikation am richtigen Ort. Mich selbst überzeugen die Bilder trotz artifizieller Intelligenz (AI) überhaupt nicht. Die KI-Algorithmen bekunden oftmals Mühe, ihre Aufgabe befriedigen zu erfüllen. Brauchbare Resultate gibt es (bisher) nur als Zufallstreffer. Da tröstet die kostenfreie Anwendung nur sehr beschränkt darüber hinweg.

Beachte bitte, dass der Output dieser Software unter Umständen aus rechtlicher Sicht nicht unproblematisch ist. Noch bestehen keine verbindlichen Gerichtsurteile in Europa, ob nicht auch der Rechteinhaber an Material, mit dem KI trainiert wurde, Ansprüche an KI-generierten Werken geltend machen kann. In den USA wurden dazu bereits Sammelklagen eingereicht.

Was du bei der Filmarbeit mit künstlicher Intelligenz auch wissen musst

Als virtuelle Assistenz ist künstliche Intelligenz aber schon heute ein zu 100 % prüfenswerter Weg für Filmemacher, Regisseure, Kameraleute, Set- und Dekorbauer, Werbefilm-Produzenten und – in beschränktem Umfang – auch für Drehbuchautoren. Natürlich musst du dabei nicht nur wissen, worin das Potenzial von KI für Filme liegt, sondern auch, worin die Limite und wo Gefahren bei der Nutzung der artifiziellen Intelligenz liegen.

Grenzen und Risiken bei der Arbeit mit artifizieller Intelligenz (AI):

  • Emotionen:

    Die aktuellen Versionen der öffentlich zugänglichen KI-Software Applikation können weder denken noch fühlen. Ja, sie sind nicht einmal in der Lage, diese grundlegenden menschlichen Eigenschaften zu simulieren.

  • Cluster (Muster) als Treiber:

    Künstliche Intelligenz der aktuell verfügbaren Generation basiert auf von den Entwicklern oder Usern antrainierter Fähigkeit, Muster zu erkennen. Die Open-Source-Software ChatGPT etwa weiß, dass Begrifflichkeiten wie Krone, König und Thron in dasselbe Universum gehören. ChatGPT kann dies für 5000 Milliarden Wörter.

  • Wahrscheinlich ist nicht Wahrheit:

    Der bahnbrechende Erfolg moderner KI-Programme besteht nicht nur in dieser unvorstellbaren Menge an Begriffsvernetzung. Artifizielle Intelligenz (AI) kann, das ist das wahre Geheimnis, ihren Output so zusammenzusetzen, dass er mit der größtmöglichen Wahrscheinlichkeit richtig ist. Höchstwahrscheinlich richtig ist noch lange nicht korrekt. Und mit dem Hintergrundwissen aus diesem Absatz weißt du jetzt auch, warum KI-Programme manchmal üben und warum uns diejenigen Dinge, die von künstlicher Intelligenz geschaffen werden und von denen wir nichts verstehen, am meisten begeistern.

  • Mittelmaß:

    Für einen Filmemacher bedeutet das vorerwähnte Prinzip der grösstmöglichen Wahrscheinlichkeit: ob Bild oder Text, man bekommt mit der Mehrheit der heutigen Software mit artifiziellen Intelligenz immer dasjenige Ergebnis, dass der Durchschnittsmenge aller verfügbaren Informationen am Nächsten kommt. Oder, böse formuliert, künstliche Intelligenz liefert immer nur Mittelmaß. Diese aber zu Milliarden von Themen. Überraschende und einen hochkreativen Output darfst du von KI aktuell genauso wenig erwarten wie die Fähigkeit, mit Humor vor differenzierten menschlichen Regungen umzugehen.

  • Publikation:

    Die Mehrheit aller Programme, die mit KI arbeiten, nutzt deinen Input (ungeachtet, ob Text oder Bilder) auch zur Selbstverbesserung. Training mit deinen eigenen Daten ist ja gut und recht – nur: diese werden (a) bisher bei allen Programmen in den USA gespeichert, was für die Konformität mit der DSGVO ein Problem darstellt. Und (b) hat das zur Folge, dass dein Input auch Output werden kann. Sei darum vorsichtig mit urheberrechtlich geschützten Content! Weil dieser durch die Arbeit mit künstlicher Intelligenz möglicherweise unkontrolliert in abgeänderter Form plötzlich auch der breiten Öffentlichkeit bekannt werden kann.

  • Urheberrecht:

    Auch wenn du mit eigenen Fotos oder Texten arbeitest, an denen du alle Rechte besitzt: die unfassbare Menge an Datenmaterial, mit dem online frei verfügbare AI-Software trainiert wurde, enthält mit absoluter Sicherheit millionenfach vom Urheberrechte geschützte Originalinhalte. Auch wenn die KI-Software diese nun auf Basis deiner Programmbefehle verwurstet – es ist deine Pflicht, sicherzustellen, dass der Output der AI rechtlich unbedenklich ist. Dafür gibt es diverse Lösungen. (Was dir nicht hilft: Die Zusicherung in den allgemeinen Vertragsbedingungen der Programme, dass die Resultate rechtlich unbedenklich sind. Erstens unterliegst du kaum amerikanischen Recht, und zweitens wird dich bei Feststellung einer Zahlungspflicht der Anbieter der Software nicht dafür abgelten. )

Von KI-Anwendungen bei der Bildnachbearbeitung abgesehen (Freistellen, Übergänge morphen usw.), wie sie bereits erfolgreich und standardmäßig in Software wie Premiere und DaVinci integriert sind, lassen sich Videos noch kaum mit vertretbarem Aufwand und in befriedigender Qualität herstellen.

Alle Bilder in diesem Artikel wurden gezielt für den Beitrag erstellt. Die Cyborgs tragen die von alten Fotos übernommenen Gesichter von Anfisa und Jascha Sokolov, den Urgroßeltern des Autors. Die italienische Komödie »Liebe ist kein Parmesan« wurde von Carrie Duvan für ihre Einführung in das Filmmarketing erfunden.

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Dieser Artikel wurde erstmals publiziert am 21.02.2023

Pavel Sokolov 49 Artikel
Pavel studiert Film Editing. Er mag François Truffaut, Terrence Malick, Dr Pepper, seinen Thermaltake View 71 TG, Musik von Seeed und alle Dinge, die mit der Farbe Rot zusammenhängen, aber keinem Lebewesen Schmerzen bereiten.

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