»Jurassic World: Ein neues Zeitalter« – der Dino-Kracher des Jahres | Filmkritik

Jurassic World 3 Ein neues Zeitalter Kritik Filmbesprechung
Filmkritik | © Universal Pictures

Ein Tyrannosaurus Rex hinterlässt Kothaufen von 10 Kilogramm mit einem durchschnittlichen Durchmesser von mehr als einem halben Meter. Dass sich nicht nur Wissenschaftler seit dreißig Jahren für alles, was auch nur entfernt mit Dinosauriern zu tun hat, interessieren, verdankt die Welt einer der weltweit erfolgreichsten Kino-Franchise. Mit „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ kommt nun die sechste Fortsetzung der Saurier-Saga auf die große Leinwand. Filmpuls-Filmkritiker Zachery Z. hat den Film für dich im Kino gesehen.

„Kino ist Kino und Ferien sind Ferien!“, kommentierte der gelbe Bikini auf dem Liegestuhl am Meer neben mir, als ich vorschlug, uns am nächsten Ferientag „Jurassic World 3“ im Kino anzusehen, weil ich eine Kritik dazu schreiben würde. In Deutschland startet der Film am 8. Juni. Anders in Italien, wo er bereits zu sehen ist.

„Jurassic World: Dominion“, so der englische Titel, bedeutet im Original „die Herrschaft“.

Tatsächlich beherrschen die Urechsen im neuen Film noch nicht die Welt. Aber sie leben verteilt über die Erde und stellen für das Überleben der Menschheit eine wachsende Bedrohung dar. Zusammen mit einem dubiosen Konzern namens Biosyn, der von einem missratenen Steve-Jobs-Klon geführt wird. So vielversprechend die Prämisse um die Vorherrschaft auf dem Planeten ist: der Glaubwürdigkeit dieser Ausgangslage von „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ scheinen selbst die Filmemacher nicht ganz zu trauen! Vielleicht war es aber auch ein Marketing- oder Finanzexperte, der die Regie im ersten Drittel des Films zu einer langwierigen-langweiligen Erinnerung an die Ereignisse aus dem Vorgängerfilm gezwungen hat? Die Strategie dahinter liegt auf der Hand. Dazu später mehr.

Im Kinopublikum sitzend, stellt man erst einmal fest: Was als Versprechen für großen Filmspaß beginnt, wird als Story bald einmal verwirrend komplex. Man ist in Amerika, dann in Amerika und nochmals in Amerika, aber auch in Malta und in den Dolomiten, wo sich in einem Tal unter einem Eisfeld ein künstlicher Dschungel mit allerlei gefährlichem Getier befindet.

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Jurassic World: Ein neues Zeitalter Kritik Filmbesprechung

Jurassic World: Ein neues Zeitalter

Originaltitel: Jurassic World Dominion

Filmtitel
Regie
Colin Trevorrow
Hauptdarsteller*in
Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Laura Dern, Sam Neill, Jeff Goldblum
Filmkritik
⭐⭐⭐
Kult-Faktor
⭐⭐⭐⭐

Dass Menschen und Dinosaurier nicht kompatibel sind, steht auch in „Jurassic World 3“ im Zentrum der Handlung. Wie schon in den früheren Filmen der Reihe dreht sich die Story hintergründig um die bekannte Frage, ob und wenn ja weit der Mensch der Natur – und auf einer Metaebene vielleicht auch Gott – in die Schöpfungsgeschichte pfuschen darf. Jeff Goldblum’s Dr. Ian Malcolm formuliert das treffend: „Gott erschuf die Dinosaurier. Gott vernichtete die Dinosaurier. Gott erschuf den Menschen. Dann vernichtete der Mensch Gott. Und erschuf die Dinosaurier wieder.“

 

Die Ereignisse rund um die Urzeitechsen sind in „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ inzwischen zunehmend außer Kontrolle geraten. Es droht ein Kampf um die Vorherrschaft auf dem Planeten Erde – aber nicht in erster Linie wegen den Dinosauriern: Ein Agrarunternehmen nutzt seine genetische Kompetenz, um die globalen Lebensmittelketten zu manipulieren. Retten kann die Menschheit nur die geballte Kompetenz und Tatkraft aller Beteiligten aus den bisherigen fünf Jurassic-Park-Filmen. So finden sich Dr. Ellie Sattler (Laura Dern), Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) und Dr. Alan Grant (Sam Neill) plötzlich im selben Boot wie Owen Grady (Chris Pratt) und die Newcomer Kayla Watts (DeWanda Wise) und Ramsay Cole (Mamoudou Athie). Abgerundet wird die Besetzung von einem kullleräugigen geklonten Mädchen (Isabella Sermon), das der genetische Schlüssel zu allen Fragen soll, die platte Story aber leider trotzdem nicht schlüssig erklären kann.

 

Der Kinofilm mit einer stolzen Dauer von 2.5 Stunden schließt inhaltlich an den Vorgänger „Das gefallene Königreich“ an. Bedingt durch diverse parallele Handlungsstränge spielt „Jurassic World 3“ in der ersten Hälfte an weit mehr Schauplätzen als die bisherigen Filme, bevor es – ganz klassisch – zum Showdown kommt, bei dem der Bösewicht von seinen eigenen Kreaturen getötet wird.

Ansehen
nur im Kino
Filmbewertung: ★★★★★ = sehr zu empfehlen | ★ = nicht sehenswert


Was die Action betrifft, gibt sich „Jurassic World 3“ viel Mühe, alles richtigzumachen. Trotzdem ist Duschen ohne nass zu werden auch dann unmöglich, wenn Dinosaurier mit unter dem Wasserstrahl stehen: Der Film reißt in seiner ersten Hälfte haufenweise Handlungsstränge an. Deren Zahl ist hoch, so hoch, dass man sich als Zuschauer zeitweise – wie im Museum – einen Audioguide mit ergänzenden Erläuterungen im Ohr wünscht, um der Story folgen zu können. Der zeitweise verwirrende Schnitt demonstriert für einen Film dieser Klasse auf tragische Weise, was passiert, wenn man sich in der Montage einen Deut um räumliche Orientierung des Zuschauers schert. Da ist man dann nahezu froh, dass die Verfolgungsjagden immer nach demselben dramaturgischen Prinzip aufgebaut sind und sich gleichen wie ein Ei dem anderen.

 

© Foto: wookieepedia
Colin-Trevorrow-Filmbesprechung-Kritik

Colin Trevorrow ist ein amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent. Am bekanntesten ist er als Regisseur und Co-Autor des Indie-Sci-Fi-Hits „Safety Not Guaranteed“ (2012) und als Regisseur des 2015 und 2017 erschienenen Reboots von „Jurassic World“, der Jurassic Park-Reihe. Trevorrows jüngste Regiearbeit, Teil 6 der Reihe, Jurassic World: Ein neues Zeitalter schließt die Trilogie ab.

 

Trevorrow begann seine Karriere in der Filmindustrie als Produktionsassistent bei Filmen wie Independence Day (1996) und Pearl Harbor (2001). Später arbeitete er als Autor und Regisseur von Kurzfilmen, darunter das Komödiendrama Home Base (2009).

 

Es war Trevorrows Arbeit an „Safety Not Guaranteed“ erregte die Aufmerksamkeit Hollywoods und führte dazu, dass er für die Regie von „Jurassic World“ ausgewählt wurde. Der Film war ein großer kritischer und kommerzieller Erfolg. Er spielte weltweit über 1,6 Milliarden Dollar an den Kinokassen ein und führte zu zwei Fortsetzungen, die jüngste davon der in dieser Kritik besprochene „Ein neues Zeitalter“.

 

Was „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ von Regisseur Colin Trevorrow trotzdem zum Dino-Kracher des Jahres macht und den geneigten Zuschauer der bisherigen fünf Teile der Film-Franchise über alle strukturellen Stolpersteine hinwegsehen lässt, ist die versammelte Riege der Darsteller aus allen bisherigen Filmen. Nur dank ihnen wird der Kinobesuch für Fans zu einem Familientreffen, das es in sich hat.

 

„Jurassic World 3“ will mit dieser Personenkonstellation aber auch den Boden zu einer Erneuerung und Erweiterung der Franchise legen. Ziel ist nicht weniger, als „ein neues Zeitalter“ für die Franchise einzuläuten. Dafür werden neue, jüngere Charaktere eingeführt, welche die Erneuerung und Verjüngung des Kinopublikums in diverse Richtungen sicherstellen sollen. Für mich gilt in solchen Fällen: Man spürt die Absicht. Und ist verstimmt.

 

Ob sich jüngere Generationen mit einem Sommerhit gewinnen lässt, dessen Brückenfunktion unübersehbar ist, muss sich zeigen. Das Marvel-Universum demonstriert, was theoretisch möglich ist. Aber lässt sich die DNA von Superhelden in der Praxis auf Dinosaurier übertragen? In einem Businessplan sicherlich.

 

Steven Spielberg, der Urvater auch von „Jurassic World 3“ und hier erneut als Executive Producer beteiligt, verstand es als Regisseur der Jurassic-Park-Trilogie einst meisterlich, mit den Errungenschaften der Digitaltechnik auf allen Ebenen zu spielen. Nicht nur ließ er sein Publikum mehr als dreißig Minuten darauf warten, bis zum ersten Mal die erste Herde Dinosaurier über die Kinoleinwand trampelte. Sein gekonnter Mix von Digitalanimationen und Animatronics (mit Elektromotoren bewegbare, realitätsnah gebaute Dinosaurier, meist für Detailaufnahmen), kombiniert mit starken Plots, überzeugt bis heute.

 

Umso erstaunlicher stellt man fest, dass die Effekte im dritten Teil von Jurassic World in ihrer Machart in einzelnen Szenen erstaunlich lieblos und hastig erstellt wirken. Die Dinos wirken teilweise wie Figuren aus Altgummi. Da hilft es wenig, dass die Riege der Saurier um Kaliber wie der Gigantosaurus ergänzt wurde.

 

Meine charmante Begleiterin, immerhin, war erfreut darüber, dass die Dinos – anders als Godzilla – nicht ganze Städte in Trümmer legten. Als ich sie später bei einem Grappa um ihre Meinung bat, ob man „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ der geschätzten Leserschaft von Filmpuls in einer Filmkritik empfehlen sollte, schaute sie mir tief in die Augen und meinte, dass wenn nicht, geschähe es mir recht, wenn mir ein Atrociraptor gewisse Teile abbeißen würde, die mich von ihr unterschieden.

 

Es war einer dieser Momente, in denen ich als Filmkritiker froh war, dass Kino nur Kino ist.


 

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© Video: YouTube / Netflix

Zachery Z. 44 Artikel
Zachery Zelluloid war in der Unterhaltungsindustrie tätig. Er schreibt unter Pseudonym, weil er weder vertraglichen Schweigepflichten verletzen, noch das wirtschaftliche Fortkommen der Berufsgattung Anwalt fördern oder Freunde brüskieren will. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

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