Die Verwendung der italienischen Einstellung im modernen Kino

italienische einstellung
Charles Bronson in "Spiel mir das Lied vom Tod" | © Filmausschnitt: Paramount Pictures

Keine Regel ohne Ausnahme. Die Regel besagt: die Größe eines Bildausschnitts, den die Filmkamera erfasst, wird unabhängig vom Bildinhalt definiert. Die italienische Einstellung ist die Ausnahme dazu. Hier verbinden sich Bildinhalt und Einstellungsgröße zu einem ikonischen Signal.

Es ist immer eine Knacknuss, das Vokabular des Films weiterzuentwickeln. Die Bildsprache eines Kinofilms orientiert sich, wie alle anderen kulturellen Errungenschaften, immer an Gewohnheiten und Konventionen. Die berühmte italienische Einstellung hat dieses Wahrnehmungsmuster durchbrochen und damit gleich ein ganzes Genre definiert.

Wann spricht man von einer italienischen Einstellung?

Die italienische Einstellung (Italian Shot) ist eine Unterart der Detailaufnahme. In dieser Art Bildausschnitt werden einzig die Augen des Schauspielers gezeigt.

Wo hat der Italien Shot seinen Ursprung?

Regisseur Sergio Leone suchte für seine Western nach einem Weg, eine maximal große Bandbreite an Emotionen mit der Vorstellungskraft des Kinopublikums zu verschmelzen. Die von ihm erfundene italienische Einstellung ermöglichte es, ein Gefühl von Spannung und Nervosität zu erzeugen und trotz des minimalen Bildausschnitts eine intensive Verbindung zwischen den Figuren und dem Publikum herzustellen. Damit wurde die emotionale Wirkung einer Szene durch ein neues Element der Bildsprache verstärkt.

Erfinder der italienischen einstellung
© Foto: picturealliance
GANZ GROSS

Einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte

Sergio Leone führte Regie bei Filmen wie „A Fistful of Dollars“ und „The Good, the Bad and the Ugly“. Leone gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte. Leones Filme waren bekannt für ihre Gewaltdarstellung und ihre revisionistische Sicht auf das amerikanische Western-Genre. Außerdem machte er die Verwendung von Nahaufnahmen und langen Einstellungen in seinen Filmen populär. Sein Werk hat einen bleibenden Einfluss auf Filmemacher auf der ganzen Welt.

Die Regisseure Steven Spielberg, Martin Scorsese und Quentin Tarantino haben sich alle lobend über Sergio Leone geäußert, der nicht nur in Hollywood als einer der Pioniere des Western-Genres gilt. „Sergio war ein großartiger Regisseur“, sagte Spielberg in einem Interview. „Er hatte eine sehr interessante Art, eine Geschichte zu erzählen.“ Scorsese fügte hinzu, dass Leone „ein echtes Original“ war, dessen Filme eine „einzigartige Vision“ besaßen. Tarantino bezeichnete Leone als „einen der ganz Großen“ und lobte seine Fähigkeit, „lebendige und unvergessliche Bilder“ zu schaffen.

Indem sich die Kamera beim Italian Shot auf die Mimik der Augenpartie der Schauspieler/innen konzentriert, zwingt sie den Zuschauer dazu, über die inneren Gedanken der Figuren und deren Absichten zu rätseln.

Wie ein epischer Spaghetti-Western Filmgeschichte schreibt

„C’era una volta il West“ (Spiel mir das Lied vom Tod) ist ein epischer Spaghetti-Western von 1968 unter der Regie von Sergio Leone. In dem Film spielen Charles Bronson, Henry Fonda und Claudia Cardinale mit. „Spiel mir das Lied vom Tod“ war Leones dritter Film der „Dollars-Trilogie“, nach „Eine Handvoll Dollar“ (1964) und „Für ein paar Dollar mehr“ (1965).

Der Spielfilm gilt als einer der besten Western aller Zeiten und als einer der besten Filme, die je gedreht wurden. Das Time Magazine hat ihn in seine Liste der 100 besten Filme aller Zeiten aufgenommen. Im Jahr 2003 wählte das American Film Institute „C’era una volta il West“ zum 62. größten amerikanischen Film aller Zeiten. Auf Rotten Tomatoes hat der Film derzeit eine Bewertung von 97 % auf der Grundlage von 50 Kritiken, mit einer durchschnittlichen Bewertung von 9,2/10.

Berühmt wurde der Film auch wegen des Duells zwischen Henry Fonda und Charles Bronson, dessen Bildsprache maßgeblich von italienischen Einstellungen geprägt wird.

Wie wird die italienische Einstellung im modernen Kino eingesetzt?

Die italienische Einstellung wird auch heute noch im modernen Kino verwendet. Viele moderne Regisseure setzen diese Technik heute dazu ein, um ein Gefühl von Intimität zwischen den Figuren und dem Publikum zu schaffen. So verwendet Regisseur Ang Lee in seinem Film „Brokeback Mountain“ eine Nahaufnahme der Augen zweier Schauspieler, um die tiefe Verbindung zwischen den Figuren zu betonen. Diese Art von Einstellung ermöglicht es dem Publikum, die Gefühle der Figuren zu spüren und ihre innere Motivation zu verstehen.

Obwohl sie ihren Ursprung im Italo-Western hat, wird diese Einstellungsgröße heute in einer Vielzahl von Genres eingesetzt, um ein einzigartiges und kraftvolles Filmerlebnis zu schaffen.

Beispiel: Italian Shot in „Spiel mir das Lied vom Tod“ | © Lorenzo / YouTube

Sergio Leone: Bildsprache Spiel mir das Lied vom Tod

Was sind die Vorteile dieser Art Bildausschnitt?

Der Hauptvorteil des Italien Shot ist, dass der Zuschauer die Emotionen der Figuren spüren und ihre inneren Gedanken verstehen kann. Diese Art von Einstellung ist besonders effektiv, um ein Gefühl von Intimität, Spannung und Nervenkitzel zu erzeugen.

Was sind die Nachteile der italienischen Einstellung?

Ein Nachteil der italienischen Einstellung ist, dass er überstrapaziert und zum Klischee werden kann. Außerdem ist diese Art von Schauplatz nicht für alle Arten von Filmen geeignet. Eine leichte Komödie würde zum Beispiel nicht von demselben Maß an Intimität oder Spannung profitieren, das durch das italienische Setting erzeugt wird.

Fazit

Die Western von Sergio Leone sind nicht nur wegen der italienischen Einstellung noch heute sehenswert. Auch die Bewegungsabläufe der Kamera sind meisterhaft inszeniert: Oft folgt das Bild den Figuren, wenn sie über die Prärie reiten, oder begleitet sie, wenn sie durch staubige Straßen laufen. Überdies erzeugt Leones Einsatz von Licht und Schatten ein Gefühl der Vorahnung und Spannung, die noch heute das Filmschaffen und Regisseure wie Quentin Tarantino prägt.

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