Imagefilm produzieren heißt, Kaugummi für die Augen vermeiden

Filmwissen aus der Praxis

Imagefilm produzieren - filmpuls
Was ein Imagefilm und ein Flugzeug gemeinsam haben

Was der Strömungswinkel für den Flügel eines Flugzeugs bedeutet, entspricht in der Bewegtbild-Kommunikation der Erzählperspektive einer Story. Diese muss für einen starken Film sauber hergeleitet und anschließend überzeugend im Videokonzept umgesetzt werden. Originalität und Individualität sind gefragt. Imagefilm produzieren bedeutet darum, jede Art von Kaugummi für die Augen vermeiden!

Das richtige Profil ist in der Aviatik für Auftrieb ebenso unabdingbar wie die korrekte Erzählperspektive für die erfolgreiche Kundenansprache in der Kommunikation. Das richtige Profil sorgt für Stabilität und Auftrieb. Die korrekte Erzählperspektive garantiert einen an Wirkung starkem Transfer von Emotionen und Informationen. Ohne ist ein Film kein Film und ein Flugzeug kein Flugzeug, sondern gleichen beide einem Stein, der vom Himmel fällt.

Kein Kaugummi für die Augen!

Imagefilm produzieren ist aus inhaltlicher und dramaturgischer Sicht im Vergleich zu einem Spielfilm keine Hexerei. Trotzdem scheitern erstaunlich viele Imagefilme, aber auch Produktfilme und Web-Videos, schon in ihrer Umsetzung (und nicht erst online, wenn sie vor dem Zuschauer bestehen müssen). Der Werbefilm als meist löbliche Ausnahme vom Imagefilm bestätigt nur die Regel: beim Imagefilm wie auch beim Produktfilm erstickt oftmals gnadenlose Beliebigkeit (im besten Fall gekoppelt mit ebenso unbewusster, gnadenloser Subjektivität) jeden Aussagewunsch im Keim!

Mit Technik und dem neuesten Kameramodell glänzen Filmemacher und Filmagenturen gerne. Dabei sind diese Tools nur Mittel zum Zweck.

Production Value beim Imagefilm entsteht nicht durch Technologie, Pixelzahlen und Speichergrößen. Der häufigste Grund, warum Imagefilme inhaltlich auf Grund gehen, liegt im missverstandenen Zwang zur Geschichte (mehr dazu hier). Der zweithäufigste Grund findet sich darin, dass sich die Frage nach der Erzählperspektive im Auftragsfilm für viele Schmalspurfilmer gar nicht stellt, weil für solche grundlegenden Fragen entweder das Verständnis, der Mut oder schlichtweg die Zeit fehlt.

Ohne Erzählperspektive geht es nicht

Filme kommen nicht ohne Erzählperspektive aus. Das gilt auch für das Imagefilm produzieren. Umso erstaunlicher, dass Kunden bei der Filmproduktion und Videoproduktion immer wieder vergessen, diesen Blickwinkel schon auf Stufe des Briefings zu definieren und vor der Produktion auf Basis von Story und Genre einzufordern. Denn am Ende des Tages, wenn das fertige Werk sich dem Zuschauer stellt, spielt die Erzählperspektive für den Filmerfolg eine entscheidende Rollle. Die Subjektivität im Film ist in der DNA des Mediums festgeschrieben.

Wenn der Absender den Blickwinkel eines Films nicht definiert, dann tut das der Zuschauer nach der Produktion. Ungewollt. Undefiniert. Unkontrolliert. In der Regel möchte der Auftraggeber eines Imagefilms oder Produktfilms genau das Gegenteil: Kontrollierte Wirkung. Darum hat er sich für die Kommunikation mit Film und Video entschieden, Kosten auf sich genommen und den Herstellungsauftrag in die wissenden Hände von Profis gelegt.

Unkontrollierte Wirkung kostet weit mehr als die eingekauften Leistungen bei einer Videoproduktion. Wirkung, Reputation und Zeitaufwand drohen gegen die Wand zu fahren. Nur indirekt zu tun hat dies mit der Frage, wie lang muss ein Video sein, damit es optimale Wirkung erzielen kann.

Imagefilm produzieren: Der kleine feine Unterschied

Wer sein Zielpublikum definiert hat, hat damit nicht automatisch die Erzählperspektive definiert. Forrester Research wies kürzlich wieder darauf hin, dass die Gewichtung von Anspruchsgruppen nicht unterschätzt werden darf. Doch mit der Festlegung der Reisedestination und Prüfung der Kosten und Preise ist man noch nicht am Ferienort angelangt.

Das Zielpublikum ist in der Konzeptphase eines Imagefilms das „Wer“. Die Erzählperspektive ist das „Wie“. Der Content ist das „Was“.

Weit nicht alle Anbieter im Filmgeschäft sind erfahrungsgemäß überhaupt in der Lage, im Kontakt mit ihren Kunden dieses für den Transport von Emotionen und Informationen absolut unverzichtbare „Wie“ nachvollziehbar und begründbar aus einem Adressatenkreis abzuleiten und daraus ein brauchbares, überzeugendes Filmkonzept zu erstellen.

Auch wenn der Produzenten-Bauch möglicherweise parallel zur Erfahrung gewachsen ist: das Bauchgefühl mag als Indiz dienen. Die sorgfältige Herleitung der Erzählperspektive aber sollte als Filmpuls im Kopf und nicht in tieferen Körperregionen stattfinden. Wer glaubt, Videoproduktion bedeute, keinen Erzählperspektive für einen Imagefilm ausarbeiten zu müssen, sitzt definitiv im falschen Film.

Kartenlesen im Hochgebirge

Geht ein Filmprojekt in die Umsetzung, verhält es sich wie bei einer Hochgebirgswanderung: Die beste Karte ist nutzlos wenn man sie nicht richtig zu lesen weiß.

Wo Know-how und kommunikatives Rüstzeug fehlen, werden Aussagewünsche filmisch verwaltet statt gestaltet. Dann bleibt nur noch das Abfilmen.

Ohne Karte wird abgefilmt. Optimisten nennen das Resultat stolz eine Dokumentation (verkennend dass gerade der Dokumentarfilm sich durch extrem geschärfte Blickwinkel auszeichnet). Für mich sind das verpasste Chancen. Im besten Fall. Von den Kosten gar nicht zu sprechen. Über Erzählperspektiven nachdenken macht einen Film nicht teurer. Aber um Welten besser!


Im Interesse der Lesbarkeit sind in diesem Artikel die Berufsbezeichnungen auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © Filmpuls – das Magazin für Filmemacher und Videoproduzenten

Redaktion Filmpuls
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