Wie produziere ich einen Film-Soundtrack mit klassischem Orchester auf dem Laptop?

Filmmusik Soundtrack film laptop produzieren
Filmsoundtrack mit Laptop produzieren | © freepic

Filmmusik auf dem Laptop produzieren? Sound, der klingt wie mit einem richtigen Orchester und klassischen Instrumenten aufgezeichnet? Ist dies möglich? Ja klar! Genauso, wie jeder andere auditive Arbeitsschritt im Filmbereich mit einem Laptop machbar ist. Hier findest du meine Anleitung dazu.

Ich liebe Laptops: Die Dinger sind immer noch das leistungsfähigste Gerät, welches wir mit uns herumtragen können, um wirklich kreative / technische Arbeit zu erstellen. In diesem Artikel findest du exklusiv für Filmpuls meine Anleitung, wie du einen hollywoodreifen Soundtrack auf deinem Laptop komponierst. Natürlich mitsamt akustischem Ergebnis.

Um dich neugierig zu machen, findest du zum Einstieg in meinen Beitrag den von mir auf dem Laptop komponierten Soundtrack (den Film dazu gibt es noch nicht – Produzenten dürfen sich gerne bei mir melden!):

Orchestraler Filmscore, produziert von A bis Z auf dem Laptop| © Neil Raouf

In den nächsten Kapiteln zeige ich dir Schritt für Schritt, wie auch du mit deinem Laptop zu einem solchen Resultat kommen kannst:

AOrchestrale Filmmusik auf Laptop produzieren

Nichts gegen Filmmusik auf dem Smartphone oder Tablet: Auch das ist möglich. Aber nur begrenzt. Umgekehrt haben noch zu viele Leute das Gefühl, dass man für die digitale Produktion eines satten Soundtracks ein Equipment braucht, welches der NASA Konkurrenz macht. Oder zumindest Hans Zimmer und seinen Frauen und Mannen. Wenn ich, so wie Zimmer, eine Million Moneten je Auftrag erhielte, würde ich auch nicht davor haltmachen, mir die weltbeste Hardware zu kaufen.

Denn darin liegt der große Unterschied: in der Hardware.

Die Software ist überall immer mehr oder weniger dieselbe. Sofern man nicht von Programmen spricht, welche die Hardware miteinander kommunizieren lassen.  Aber die eigentliche Software für die Musikproduktion, die DAW (Digital Audio Workstation) sowie die Libraries und Plugins, das sind bei allen professionellen Filmkomponisten dieselben.

Wenn es um Musik, Sound Design und Tonmischung geht, sind die gängigen Audioprogramme für uns alle erhältlichen Apps, wie

Diese Programme lassen sich erweitern, indem man spezifische Software-Erweiterungen, sog. Plugins oder Libraries, kauft (genauso, wie sich After Effects mit Particle- und Smoke-Plugins von Drittherstellern mit weiteren Funktionen ausbauen lässt).

BSoftware

Dieser Artikel behandelt nicht die Voraussetzungen, die du erfüllen musst, um Filmmusik zu produzieren. Es geht ums Probieren. Die Software, die ich für die eingangs vorgestellte Komposition eingesetzt habe, ist:

Ausprobieren kostet nix. Bringt aber reichlich Erkenntnisse. Also Garage Band starten und los geht’s! Aber ich denke, da scheitern schon die meisten. Am simplen Einfach-mal-machen, den Mut und die Begeisterung und die Hartnäckigkeit zu haben, es immer und immer wieder zu probieren.

Das in diesem Artikel besprochene Musikstück ist mein momentaner Stand der Arbeit . Ich habe keine Absicht, daran nicht noch weiter zu arbeiten. Gut möglich, dass ich darum in einem zukünftigen Artikel aufgrund neuer Erfahrungen ganz andere Ansichten äußern werde.

Aber zurück zum hier und jetzt und zur Filmmusik:

CDas Endresultat von Beginn weg vor Augen

Meine Komposition für diese Anleitung soll nach klassischem Film-Soundtrack tönen. Orchesterinstrumente und basta.

Diese Vorstellung hilft mir ganz zu Beginn, im richtigen Groove zu bleiben und dabei die richtigen Weichen zu stellen. Ältere Soundtracks (dies ist meine Sichtweise) haben mehr Melodie. Sie sind emotionaler und in sich richtige Musikstücke, welche die Zuschauer sehr getragen haben.

Leider ist dies eine aussterbende Art der Filmmusik, da große Studios keine Risiken eingehen wollen. Denn ein wirklich starker Soundtrack ist auch als solcher zu erkennen. Das bringt aber auch ökonomisches Risiko mit sich, da eine Komposition mit Charakter und darum hohem Wiedererkennungswert dem Zuhörer entweder gefällt – oder eben nicht.

Ich arbeite digital, nicht mit Stift und Notenpapier. Da man sich in der Technologie und all den Optionen, welche ein Laptop mit sich bringt, leicht verlieren kann, MUSST du wissen, was das Ziel ist. Oder die Arbeit wird zur wortwörtlich unendlichen Geschichte mit viel Sackgassen.

By the way: Erinnert sich jemand von euch an die Soundtracks aus den Avenger-Filmen? Ich auch nicht. Mein Soundtrack orientiert sich darum an Werken aus Star Wars, Jurassic Park oder James Bond. Musik mit Dynamik, Melodie und einer starken emotionalen Wirkung. In meinem Stück sollte diese unbedingt bedrohlich und nervenaufreibend sein.

Wenn es um Orchestermusik für Film geht, habe ich immer auch Komponisten wie Richard Strauss (Also sprach Zarathustra. Anhören!!! Ihr kennt es bestimmt und werdet mir danken, dass ich euch endlich zu diesem Monument eines Musikstücks gebracht habe), Igor Stravinsky (Le sacre du printemps) oder Maurice Ravel (Daphne et Cloé) im Blickfeld.

Denn Leute, glaubt mir: Seid ihr wirklich, wirklich empfänglich für akustisch kreierte Emotionen, dann wird dies euer Dasein bereichern!

Bevor ich also nur eine Note eingespielt habe, weiß ich, wo die Reise hingehen soll. Ob ich wirklich dort lande…? Das ist das Spannende. Denn das weiß ich nicht.

DFilmmusik: Der Laptop. Die Software. Das Setup

Logic Pro ist die Software meiner Wahl und soll mir also zu einem Zweck diesen: Symphonische Filmmusik zu produzieren. Logic Pro eignet sich genauso hervorragend zum Produzieren von pumpenden House-Tracks oder dem Erstellen eines ausgeklügelten Sounddesigns. Oder als Aufnahmestation sowie Host für Apps wie Skype oder Zoom. Logic Pro (genauso wie alle anderen DAWs) ist derart mächtig, dass es einen zwingt, den Fokus nicht zu verlieren. Zudem arbeite ich mit einem Software-Orchester des Drittanbieters Eastwest. Dabei haben die Frauen und Mannen von Eastwest richtige Orchestermusiker und deren Instrumente in allen möglichen Variationen aufgezeichnet. Diese sog. Samples, spiele ich danach.

Filmmusik auf dem Laptop zu schreiben bringt eine ganz spezifische Herausforderung mit sich: Platzmangel auf dem Bildschirm! Ich rate unbedingt zur Arbeit mit externen Bildschirmen. Es bewahrt euch davor, Flüchtigkeitsfehler zu begehen.

VIDEO DER WOCHE -★- 10 genial IMPROVISIERTE Filmszenen | © YouTube

Video ThumbnailFilmpuls Video der Woche

Die Stereomonitore (damit meine ich Lautsprecher und nicht Bildschirme) zur Abhöre habe ich via USB-Interface mit meinem Laptop verbunden. Sie befinden sich an zwei Ecken eines gleichschenkligen Dreieckes, ich selbst sitze an der dritten Ecke. Die Spitze mir zugewandt, versteht sich. So stelle ich sicher, dass beide Boxen dieselbe Distanz zu meinen Ohren haben. Zudem arbeite ich häufig mit Kopfhörer. Ich hasse diese Dinger, welche man sich IN die Ohren stecken muss. Bei mir kommen nur halb offene, Ultra-bequeme und qualitativ sehr gute Kopfhörer infrage. Auch in diesem Bereich gibt es Modelle für 100–150 Euro / Franken, welche echt supergut sind.

Meine Musik spiele ich via MIDI-Keyboard ein. Dieses ist via USB mit dem Laptop verbunden. Oder – und in diesem Fall ist es wirklich erwähnenswert, da sehr unüblich – ich verbinde meine Gitarre mit einer Software, welche meine Frequenzen in MIDI übersetzt und so mit Logic Pro kommuniziert.

EMIDI

Die zentrale Technologie, mit der man in der Filmmusik arbeitet, heißt Music Instrument Digital Interface (MIDI). Egal ob Herr Zimmer oder du: du brauchst MIDI – eine der größten technischen Errungenschaften in der Musik- und Sound Design-Produktion, welche es je gegeben hat.

MIDI ist ein Kommunikationsprotokoll, welches Informationen über Audioinhalte von einem Controller zu einem Host (MIDI-taugliche Audiosoftware) sendet. Der Controller kann zum Beispiel ein MIDI-Keyboard sein (welches ohne Anschluss an einen MIDI-kompatiblen Host rein gar nix an Lärm macht).

Verbinde ich den Controller nun via USB- oder MDI-Kabel mit dem Computer, bzw. mit meiner DAW, beginnt der ganze Zauber seine Magie zu entfachen. Denn nun kann mein Keyboard, meine Gitarre oder von mir aus meine Kontrabassklarinette alles sein, was ich es sein lassen will: ein Schlagzeug, eine Geige, eine Kirchenorgel oder eben ein Klavier!

Da fast alle DAWs die MIDI-Sprache verstehen, liest diese nun die MIDI-Parameter, welche bei der MIDI-Befehlsübermittlung (bei Tastenschlag auf die MIDI-Klaviatur) entstehen.

Typische MIDI-Parameter sind Anschlagsstärke, Panning (links/rechts), Aftertouch (was passiert nach dem Anschlag: Lasse ich gleich wieder los oder halte ich gedrückt?) oder eben die Tonhöhe. Der niedrigste MIDI-Parameter ist 0, der höchste ist 127 (also 128 Zustände insgesamt).

MIDI hat den großen Vorteil, dass ich haufenweise Bearbeitungsmöglichkeiten habe. So kann ich eine eingespielte Note beispielsweise in deren Länge (Anleitung unten im Video „Notenlänge verändern“) oder Tonhöhe verstellen (-> Video „Tonhöhe verändern“) jederzeit korrigieren.

Zudem können MIDI-Informationen sehr leicht in Notenschrift dargestellt werden. Falls ich also einmal die Gelegenheit bekomme, meine Filmmusik von einem richtigen Symphonieorchester einspielen zu lassen, komme ich so relativ einfach zur Notation.

Anleitung: Notenlänge verändern | © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailAnleitung: Notenlänge verändern

Diese MIDI-Noten können jedes beliebige, sich auf meinem Laptop befindende Software-Instrument annehmen. Möchte ich also meine Kontrabasslinie auf meine Violinen übertragen ziehe ich mein MIDI-File von der Kontrabassspur auf die Violinenspur und schiebe den gesamten Inhalt ein paar Oktaven in die Höhe.

Video mit Anleitung: Tonhöhe verändern | © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailAnleitung Tonhöhe verändern | © Animation Neil Raouf

Im Grossen und Ganzen heißt dies, dass sich das rohe Gerüst der Komposition durch ebendiese drei Abläufe wiederspiegelt: (1) Einspielen, (2) Anpassen, (3) Wiederholen.

FDer Filmmusik Menschlichkeit beifügen

Einfach nur MIDI einspielen und basta, reicht leider nicht. Da gehört schon etwas mehr dazu. Wir müssen Menschlichkeit ins Ganze hereinbringen.

Elektronische Musik (EDM, House etc,) beispielsweise ist erwartungsgemäß am Computer generiert und darf auch danach tönen. Hierbei kann ich also alles perfekt und sample-genau platzieren, stimmen, verschachteln.

Orchestermusik jedoch ist zu tiefst menschlich. Mal laut, mal leise, mal ein bisschen unperfekt. Halt wie wir Menschen halt sind. Man muss den Atem der Musiker spüren, man muss den Raum, in welchem sich die Musiker befinden spüren.

Dies geschieht durch vier zentrale Eingriffe:

1 EQ

Zur Vermenschlichung der Filmmusik wird jedes Instrument mit einem EQ versehen. Dieser erlaubt es mir, spezifische Frequenzen hervorzuheben oder abzuschwächen. Im nachfolgenden Video sieht man die EQ-Einstellungen für einen Kontrabass sowie für eine Violine. Auf diese Weise stelle ich sicher, dass überlappende Frequenzen von beiden Instrumenten sich nicht zu fest in die Quere kommen und summieren und dass spezifische Frequenzen, in welchem der Bass, resp. die Geige besonders gut präsentiert wird hervorgehoben werden.

Ich versuche also, jedem Instrument seinen individuellen Platz im Frequenzspektrum zu geben.

Video-Anleitung: EQ-Einstellungen zur Erhöhung der scheinbaren Authentizität | © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailAnleitung EQ-Einstellungen | © Animation Neil Raouf

2Raumhall erstellen und steuern

Damit ich zusätzliche Nähe an von Menschen gespielte klassische Instrumente bekomme, erstelle ich als nächstes eine Spur, auf welche ich ein sog. Hall-Plugin (engl. Reverb) lade. Diese Art von Effekt lässt uns im zweiten Schritt Raum und dessen Klang simulieren.

Ein gutes Hall-Plugin lässt mich wählen, ob ich den Raumklang einer Besenkammer haben will. Oder ob ich doch lieber den Raumklang einer Kathedrale möchte. Für das Filmmusik-Beispiel in diesem Artikel habe ich eine große Halle gewählt. Es sollte nicht nach Kathedrale tönen. Und schon gar nicht nach Besenkammer.

Bildschirm-Video: Hall-Plugin zur Steigerung der Realitätsnähe | © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailAnleitung Hall-Plugin | © Animation Neil Raouf

Nun gilt es, jedes Instrument je nach Bedarf stärker oder schwächer an jenen Hall-Effekt zu senden.

Ich habe gemerkt, dass die beste Arbeitsweise darin besteht, wirklich jedes Instrument in seiner Hallintensität über Zeit zu automatisieren (automatisieren heißt, spezifische Werte über Zeit zu definieren. In Premiere Pro mache ich dies mit Keyframes). Will heißen, dass ich nicht einfach alles „volle Kanne“ an den Hall sende. Ich wähle aus, wann und wieviel. Beim Volle-Kanne-Modus tönt es schlichtweg zu verwaschen (wie ein Raum mit schlechter Akustik). Bei keiner Anwendung kommt der Sound schlichtweg zu trocken rüber.

Die ab meinem Bildschirm aufgezeichnete Animation im Video unten beschreibt mit violetten Linien, welcher der Hall-Effekt von einem bestimmten Instrument entlang der Zeitachse mit welcher Intensität gespiesen wird. Sieht genau so arbeitsintensiv aus, wie es ist!

Anleitung: Intensität über Zeit, mit welcher der Hall-Effekt von einem bestimmten Instrument erzeugt wird | © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailIntensität über Zeit, mit welcher der Hall-Effekt von einem bestimmten Instrument erzeugt wird | © Animation Neil Raouf

3Expression MIDI-Parameter bearbeiten

Im dritten Schritt will  ich nun, wie das ein richtiges klassisches Orchester tut, mehr Dynamik schaffen. Ich will laut und leise unterscheiden können. Wo erforderlich, will ich eine Nadel auf den sprichwörtlichen Boden fallen hören. Und wenn nötig, will ich sogar das Zerbrechen von Glas mit der Wucht meiner Musik übertönen können. Genau dazu dienen solche Parameter wie Expression (Intensität).

Expression heißt, mit welcher Intensität ein Instrument gespielt wird. Wie bereits vorher erwähnt, kann ein MIDI-Parameter entweder 0 sein und damit nicht aktiv, oder 127 und damit maximal aktiv sein.

Bei Expression-Level 0 streicht der virtuelle Geigenbogen gänzlich unhörbar über die Saiten des Instrumentes. Bei Level 127 tut er dies so intensiv wie nur möglich. Jede Instrumentenspur wird wiederum individuell automatisiert. Auch dieser Arbeitsschritt sieht in der Bildschirm-Aufzeichnung so intensiv aus, wie er ist. Die blauen Linien im Video repräsentieren also genau diesen Parameter je Instrument – von der Geige über die Posaune bis hin zum Waldhorn.

Durch diesen Eingriff erhalte ich einen Effekt, der sich am besten mit dem Atem eines Lebewesens vergleichen lässt. Atemholen repräsentiert das Leben schlechthin. Die kleinen und großen dynamischen Nuancen, die dadurch entstehen, versehen meine digitale Filmkomposition auf dem Laptop mit einem weiteren Grad an Menschlichkeit.

Im Video sieht man gut, wie der Bildschirm horizontal geteilt ist. In der oberen Bildhälfte sehen wir die Gesamtheit aller MIDI-Noten der gesamten Musikproduktion, während die untere Hälfte für die Visualisierung der MIDI-Automationen reserviert ist.

Anleitung: Gesamtheit aller MIDI-Noten der gesamten Produktion und MIDI-Automationen| © Animation Neil Raouf

Video ThumbnailAnleitung: Gesamtheit aller MIDI-Noten der gesamten Produktion und MIDI-Automationen

4Panning

Im vierten Schritt steht das Stereobild im Zentrum. Das finale Produkt ist ein Stereofile, welches aus zwei Kanälen besteht – einem linken und einem rechten. Dabei können Inhalte von ganz links bis ganz rechts überall im Stereobild platziert werden.

Ein Orchester z. B. hat nun immer eine historisch gewachsene Anordnung der Instrumente auf der Bühne. Hierbei handelt es sich um eine frühe Form des Sounddesigns.

Ich habe mich nun also dran gemacht, alle Instrumente nach Gruppen im Stereobild zu verteilen. Tiefe Elemente wie die Kontrabässe platzierte ich mit Absicht in der Mitte. Auch wenn dies nicht der gängigen Platzierung in einem klassischen Orchester entspricht. Ganz einfach darum, weil auf diese Weise die Bässe unabhängig von der Quelle der Tonwiedergabe (Smartphone, Tablet, Soundbars etc.) bestmöglich hörbar sind.

Diesen Vorgang habe ich im Plugin selbst vorgenommen. Der Panningknopf der eigentlichen Spur befindet sich danach noch immer in der Mitte.

GOrchestrale Filmmusik auf dem Laptop produziert: Das Resultat

Nun wünsche ich dir mit all dem Hintergrundwissen nochmals viel Spaß, beim zweiten Hinhören meiner für mich noch nicht ganz fertigen Komposition für ein Beispiel für die Herstellung von Filmmusik auf dem Laptop. Denn dabei handelt es sich um eine Komposition aus purer Eigeninitiative; ein Veröffentlichungsdatum und einen dazugehörigen Film gibt es (noch?) nicht. Zudem entspricht der Abschluss noch nicht meinen Vorstellungen: Er läuft irgendwie ins Leere und ist zudem aus Zeitgründen auch noch nicht ‚vermenschlicht’. Zum Zeitpunkt, in dem du diese Anleitung liest, weiß ich also selbst noch nicht, wie ich mein Stück final lassen werde.

Der orchestrale Filmsoundtrack, produziert auf dem Computer | © Neil Raouf

HMusiktheoretische Eigenschaften meiner Komposition

Wer interessiert ist an harmonischen, musik-theoretischen Eigenschaften meines Beispielsstücks für eine orchestrale Musikkomposition, die gänzlich auf dem Laptop erstellt wurde, findet hier mehr Hintergrundinformationen:

Der in diesem Artikel vorgestellte und besprochene Soundtrack beruht auf der sog. Halbton/Ganzton-Skala. Die Oktave wird hierbei abwechselnd in Halbton- und Ganztonschritten eingeteilt. Dabei verlassen wir das bequeme, uns einfach zugängliche Tonmaterial. Denn diese Skala hat enorm düstere, nervenaufreibende Sounds, welche man nicht mit einem der sieben Modi der ionischen Tonleiter hinkriegt.

Durch die symmetrische Struktur aus Halbton- und Ganztonschritten, besitzt die Skala keine wirkliche Auflösung, was eine große Spannung erzeugt. Zudem ist sie enorm reich an Akkorden.

Solches Tonmaterial war nicht unbedingt Bestandteil der Werke von Bach, Beethoven und Mozart, sondern es fand mit Leuten wie Richard Wagner in der Romantik, sowie definitiv mit den Impressionisten Claude Debussy und Maurice Ravel, erst den Einzug ins kollektive Klanggedächtnis. Komponisten der sog. Neuen Musik wie Igor Stavinsky ziehen diese und weitere unübliche Klangfarben (Ganztonleiter etc.) in immer neue Gefilde und erschufen teils unglaublich beeindruckende Musik (Stravinsky’s Le sacre du printemps).

IFazit zur orchestralen Filmmusik

Diese Musikproduktion entstand voll und ganz auf meinem MacBook Pro, gekoppelt mit MIDI-tauglicher E-Gitarre.

Danach habe ich haufenweise MIDI-Editierungen vorgenommen: Noten verschoben, gekürzt, erhöht, erniedrigt etc. Alles mit Tools, welche uns allen zur Verfügung stehen: einem im Handel erhältlichen Computer und Software. Also ein sehr unüblicher Weg, wenn man an Orchestermusik denkt. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Stelle dir mal vor: Künstler wie Bach, deren einzige Möglichkeit der musikalischen Konservation die Notenschrift war! Tinte, Feder, Papier (und auch das damals nicht im Online-Shop erhältlich). Unglaublich! In der Kälte der Leipziger Thomaskirche, bei Kerzenlicht und Weihrauchduft hat Bach trotzdem eine der größten künstlerischen Leistungen der Menschheit vollbracht! Wahnsinn.

Famous last words

Ich höre sehr viel symphonische Musik. Dabei kann es sich genauso um Beethovens 9. Symphonie handeln, um eine Fusion aus Progressivem Metal mit klassischen Instrumenten (Dream Theater, Six Degrees of inner Turbulence), einen Jazzsolisten, der von einer Sektion aus Streichern und Holzbläsern begleitet wird (Charlie Parker with Strings) oder funky Discosound à la Chic’s Le Freak oder Good Times. Der Einsatzbereich hierfür ist riesig.

Der Effekt, den diese symphonischen Instrumente haben, ist stark und nicht zu unterschätzen. Im Guten und im Schlechten.

Jedoch habe ich über die Jahre derart viel hingehört, dass ich eine klare Vorstellung davon habe, wo ich klanglich hin will. Da mir, wie den meisten von euch, keine echten Instrumentalisten zur Verfügung stehen, habe ich über die Jahre unzählige Komposition verschiedenster Genres produziert. Und dabei jedes Mal wieder Neuland betreten. Das Ganze war in den wenigsten Fällen eine Auftragsarbeit. Sondern vielmehr Neugier gekoppelt mit der Freude und dem Willen, zu probieren und zu optimieren.

Über Neil Raouf 14 Artikel
Neil (32) ist Sound Designer/Komponist. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich. Kontakt: neil@mera.film

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